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Gerhard Schröder gibt ein Interview und sagt nichts

Über Gerhard Schröder habe ich mich schon viel zu oft geärgert. A...

Bautzen ist kein Synonym für "Wir schaffen das nicht!"

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Der Militärputsch war böse ??; so gar nicht demokratisch

Mehr Türken als ich gedacht habe, stehen hinter Erdogan. Das hat der Putschversuch gezeigt. Dies wundert viele angesichts der hier und da aufkommenden Freude darüber, dass der Antidemokrat Erdogan weggeputscht werden sollte?

Der Mann tritt die Demokratie und alle, die seinem autoritären Regierungsstil etwas entgegensetzen, buchstäblich mit Füßen. Wir haben überrascht davon erfahren, dass viele Türken sich schützend vor ihren Präsidenten gestellt haben. Auch hier in Deutschland waren die meisten Demos wohl Erdogan-freundlicher Prägung.

Medienberichte dazu

  • Tausende Erdogan-Anhänger bei Spontan-Demo in Wien « DiePresse.com | Quelle
  • Nach Militärputsch: Türken in NRW stehen mehrheitlich zu Präsident Erdogan | Express.de | Quelle
  • 10 000 Teilnehmer in NRW bei Demos wegen Putschversuchs - Nachrichten - DIE WELT | Quelle

Mit Erdogan ist schlecht Kirschen essen. Das werden die Putschisten erleben, die Erdogans Schergen in ersten Säuberungsaktionen einkassiert haben. Die Todesstrafe wurde auch in der Türkei abgeschafft. Dass in Ankara nun über die Wiedereinsetzung geredet wird, ist typisch für dieses Regime. Erdogan will all seine Feinde von diesem Planeten fegen.

Passt ins Bild

Sowas passt in mein Bild dieses Mannes, dem manche sogar zutrauen, den Putschversuch selbst initiiert zu haben, um seine Machtposition auszubauen. Wir werden nie erfahren, ob etwas daran ist oder ob man diese Geschichte ins Reich der Mythen und Märchen unserer aktiven Verschwörungstheoretiker verweisen soll.

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Dieser Diktator wird mit äußerster Härte gegen die Putschisten vorgehen. Und wenn er das sagt, dann dürfen wir uns auf etwas gefasst machen.

Wahrscheinlich ist das ein Mosaik für seinen Erfolg. Seine Verlässlichkeit und -nicht zu vergessen- die Erfolge, von denen die Türken zu Hause in den letzten Jahren stark profitiert haben. Wie heißt es so nett in Deutschland: "Wessen Brot ich fress, dessen Lied ich sing". Das gilt wohl auch für die Türken. Und dagegen kann man ernsthaft nichts sagen. Abgesehen davon, ist das alles einzig und allein die Entscheidung des türkischen Volkes. Wenn die den wollen - bitteschön!

Aber sehr enttäuscht bin ich von unseren türkischen Nachbarn hier im Lande. Wie können so viele von ihnen nur so unkritisch zu diesem Despoten stehen? Das kann ich nicht verstehen. Es macht darüber hinaus deutlich, was viele von ihnen von unseren Werten halten. Sie pfeifen drauf. Wie soll das gut gehen auf Dauer?

Nur Enttäuschungen

Enttäuscht bin ich von Bundeskanzlerin, Angela Merkel. In ihrer Stellungnahme zum Putschversuch äußerte sie kein Häppchen Kritik am türkischen Despoten. Dass Erdogan in der Türkei die Demokratie de facto abschafft und die Menschenrechte mit Füßen tritt, scheint im Spannungsfeld zwischen Diplomatie und Flüchtlingskrise nicht der Rede wert zu sein.

Sie spricht, wie Obama, ausschließlich von einem gewähltem Präsidenten, von Demokratie, freien Wahlen und so weiter. Wahrscheinlich ist dieser Diplomatensprech so gestanzt, dass selbst in dieser Lage nichts anderes zu erwarten war. Im Moment ist die Rede davon, dass Erdogan fast 3000 Richter abgesetzt hat und jede Menge anderer Leute im Rahmen der Säuberungsaktionen einkassiert wurden.

Ein gewählter Präsident, der unmöglich Präsident bleiben sollte

Erdogan wurde gewählt. Aber wurde er dafür gewählt, die Türkei in einen islamischen Staat umzudrehen? Atatürk ist im Mausolem wahrscheinlich so fixiert, dass er sich nicht im Grab rumdrehen kann. Das wäre ansonsten nämlich sicher der Fall.

Erdogan selbst hat dafür gesorgt, dass solange gewählt werden konnte, bis ihm das Ergebnis halbwegs passte. Dafür hat er sogar den Kurdenkonflikt geschürt und instrumentalisiert. Abscheulich war das und menschenverachtend. Aber das scheint man innerhalb der Türkei und bei den hier lebenden Türken ganz anders zu sehen. Wir sind alle falsch informiert. Unsere Medien sind ... ja ... ich weiß.

Die Schuldigen tun mir leid

Erdogan hat schon einen Schuldigen gefunden. Es ist einmal mehr die Gülen-Bewegung.

Michael Lüders erklärte in einem Interview bei der Deutschen Welle klar, weshalb aus ursprünglichen Freunden erbitterte Feinde wurden. Gülen war nicht mit Erdogans Plänen einverstanden, die Macht allein für sich haben zu wollen.  Der Gülen-Clan steckte laut Lüders eher nicht hinter dem Putsch. Seine Möglichkeiten hätten es eher nicht vermocht, diesen Mini-Militärputsch zu initiieren.

Offenbar gibt es entgegen anderslautender stereotyper Behauptungen, die wir hier im Land von Funktionären hören (z.B. Millî Görüş oder Ditib) in der Türkei viele Kritiker der Politik Erdogans.

Interessant scheinen mir die übereinstimmenden Aussagen so genannter Experten, dass das Militär inzwischen von der Regierungspartei AKP beherrscht würde und dass ein Putsch deshalb als äußerst unwahrscheinlich gegolten hat. Dass er nun doch passiert ist, könnte man als Hinweis darauf verstehen, dass unsere Weltverschwörer doch Recht haben könnten und Erdogan hinter alldem steckt.

Wie auch immer. Dieser Putsch wird die Macht dieses Mannes zementieren. Lüders im schon erwähnten Interview: "Der Generalstab hat sich bestens mit Erdogan arrangiert. Insofern war der Putsch eine Überraschung. Und er war auch nicht sehr gut vorbereitet."

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