Schorndorf: Wieso Wusste Die Polizei Gestern Mehr Als Heute?

Eintausend Jugendliche haben am Freitagabend während des Volksfestes in Schorndorf randaliert. In einer Meldung von N24 hieß es zunächst, der Großteil des Mobs habe laut Polizei aus deutschen Jugendlichen bestanden. Ein Teil der Randalierer seien Migranten gewesen.

Etwas später brachte N24 diese Meldung, die direkt unter einem weiteren Video zum Hergang in Schorndorf platziert war:

Im Video selbst ist jetzt die Rede davon, dass es sich nach Polizeiberichten vorwiegend um Migranten gehandelt habe. Das bestätigt der Polizeibericht von gestern Nachmittag nicht so richtig. Aber was soll die Spitzfindigkeit. Das ist jetzt Thema. Flankierende Meldungen von sexuellen Übergriffen passen ins Bild. Der Punk ist los.

Von mehreren sexuellen Belästigungen wird berichtet. In einem Fall wurde eine 17jährige durch 3 Afghanen und einen Iraker »belästigt«. Die Männer wurden festgenommen.

Was denken sich die Verantwortlichen, wenn sie solche Sätze aussprechen?

Viele der möglichen Täter hätten offenbar einen Migrationshintergrund, „aber sicherlich nicht alle“, sagt der Behördenleiter.Quelle: Baden-Württemberg: Randale bei Volksfest in Schorndorf | LINK

Im Spiegel wird heute berichtet:

Knapp die Hälfte davon habe einen Migrationshintergrund gehabt. Wie ein Sprecher sagte, seien aus der Gruppe heraus Flaschen gegen andere Festteilnehmer und gegen die Fassade des Schlosses geworfen worden. Wie groß die Gruppe der Gewalttäter war, konnte der Sprecher nicht sagen.Quelle: Schorndorf: Sexuelle Übergriffe und Krawalle bei Volksfest in Baden-Württemberg – SPIEGEL ONLINE | LINK

In der Süddeutschen Zeitung wird dies heute ebenfalls berichtet.

Ab Min. 16:40 Uhr Bericht zu Schorndorf.

Hier ein Ausschnitt aus dem Polizeibericht von gestern Nachmittag:

Im Schlosspark versammelten sich in der Nacht zum Sonntag, zwischen 20:00 Uhr und 03:00 Uhr ungefähr bis zu 1.000 Jugendliche und Junge Erwachsene. Bei einem großen Teil handelte es sich wohl um Personen mit Migrationshintergrund. Hierbei kam es zu zahlreichen Flaschenwürfe gegen andere Festteilnehmer, Einsatzkräften und die Fassade vom Schorndorfer Schloss. Als ein Tatverdächtiger einer gefährlichen Körperverletzung festgenommen wurde, widersetzte sich dieser der Festnahme.Quelle: POL-AA: Rems-Murr-Kreis: Sexuelle Belästigungen, Widerstand und Flaschenwürfe gegen Polizeibeamte, sowie Sachbeschädigungen an Einsatzfahrzeuge der Polizei. | Pressemitteilung Polizeipräsidium Aalen | LINK

Hervorhebung durch mich.


UPDATE vom 19.07.2017: Neue Pressemitteilung unter:…

Posted by Polizei Aalen on Sonntag, 16. Juli 2017

 

Es sieht für viele so aus, als hätte unser Land die Folgen seiner auch von mir für richtig gehaltenen Flüchtlingspolitik endgültig nicht mehr im Griff.

In einem Klima von Wut und Voreingenommenheit ist es sinnlos geworden, darüber überhaupt noch mit Andersdenkenden diskutieren zu wollen. Es ist offensichtlich und nachzuvollziehen, wenn die Blütenträume der Rechten mit Hamburg im Rücken wieder aufkeimen. Was jetzt noch fehlt ist ein weiterer Terroranschlag von Muslimen.

Ich finde, es ist nicht der Polizei anzulasten, was in Schorndorf passiert ist. Diese Vorwürfe sind nämlich nun – nach Hamburg – noch populärer als sonst schon.

Soziologen, Sozialarbeiter oder Jugendrichter mögen die Aggressivität und Geilheit der einen wie der anderen Gruppe vielleicht erklären können. Aber wer versteht nicht, dass das viele nicht mehr hören können? Der Staat zeigt seit Köln, dass er solchen Lagen nicht gewachsen ist. Die Täter bleiben zu oft unerkannt und wenn sie doch erkannt werden, werden sie von laschen Richtern vom Haken gelassen. Und dafür gibt mehr als ein paar Beispiele.

Die Kommentarspalten unter den Artikeln zu Schorndorf zeigen, dass diejenigen, die sich bisher für die differenzierte Sicht auf die Lage eingesetzt haben, mutlos geworden sind. Die Deutungshoheit haben längst die Vereinfacher, die unzähligen Hater, die das Internet mit ihren eigenartig einfachen Wahrheiten fluten! Es sind die, die von jeher nichts anders denken konnten, als die Anwesenheit all der Fremden in ihrem Land, ihrer Umgebung als Bedrohung zu empfinden. Dass unsere Regierung von ihren Wünschen so gar nichts wissen will, macht sie erst richtig rasend.

Ich glaube, das Bamf hat in diesem Jahr bisher über 100 k neue Asylanträge zur Bearbeitung bekommen. Man stelle sich vor, was das für Deutschland bedeutet. Schon wieder über 100 k neue Hungerleider im Land, die nichts Gutes mit der Leitkultur und dem deutschen Volk im Schilde führen. Schon allein deshalb, weil die meisten von ihnen Muslime sind, nicht wahr?

Gerade auch unter dem Eindruck der G20 Randale in Hamburg und vor dem Hintergrund vieler anderer, ähnlich gelagerter Fälle, ist Schorndorf vielleicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das hängt auch davon ab, wie unsere Mainstream-Medien über diese Fall berichten werden.

Bisher ist es damit nicht weit her.

Der Bericht aus dem Mittagsmagazin wirkt jedenfalls für diese Leute nicht glaubwürdig, weil er ihre Erwartungshaltung so überhaupt nicht erfüllt. Da müssen halt andere Medien ran. Die, die sich was trauen. Die gabs zum Glück ja auch bisher schon. Ich denke da an all diese rechten Blogs mit ihrer gnadenlosen Hetze gegen alles, was anders ist als deutsch.

Dieser Journalist hat die Berichte der Polizei von gestern offenbar nicht gelesen. Sonst könnte er diese Aussage nicht treffen!

Posted by Horst Schulte on Montag, 17. Juli 2017

Krawalle und sexuelle Übergriffe auf Volksfest

Krawalle und sexuelle Übergriffe auf einem Volksfest beschäftigen Polizei und Politik in Schorndorf bei Stuttgart. Was ist am Wochenende passiert und wer war beteiligt?

Posted by ZDF heute on Montag, 17. Juli 2017

In einer Kleinstadt bei Stuttgart soll es am Wochenende Ausschreitungen und sexuelle Übegriffe gegeben haben.

Posted by tagesschau on Montag, 17. Juli 2017

Es ist eigenartig, dass die Polizeimeldung von gestern Nachmittag anders klingt als heute.

Posted by Horst Schulte on Montag, 17. Juli 2017

Update: Pressekonferenz

Hoffentlich verstehen alle die Ausführungen.

Live: Pressekonferenz zu den Krawallen auf der SchoWo

Posted by Zeitungsverlag Waiblingen on Montag, 17. Juli 2017

 

In der Stadt im Rems-Murr-Kreis leben 40 000 Menschen. Die Gemeinde hat etwa 700 Flüchtlinge aufgenommen. Bei den Ausschreitungen im Park hätten sich zum Teil zuvor im Clinch liegende Gruppen gegen die Polizei solidarisiert, sagte Eisele. Es habe keinen überdurchschnittlichen Anteil von Migranten in der Menschenmenge gegeben. Zeugenaussagen, wonach kleine Gruppen mit Messern und Schreckschusspistolen in der Nacht zum Sonntag durch die Stadt gezogen seien, gehe die Polizei noch nach.Quelle: Nach Randale: Mehr Polizei auf Schorndorfer Stadtfest | Südwest Presse Online | LINK

„Es war wie immer: Viele, viele Abiturienten und Realschüler haben bei uns im Schlosspark gefeiert. Und dann kam es nach Mitternacht zur Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen.“ Erst später seien auch mehrere Menschen mit Migrationshintergrund oder Asylbewerber hinzugekommen – das sei aber nicht der Großteil gewesen.Quelle: Schorndorf bei Stuttgart: Krawalle und sexuelle Übergriffe auf Volksfest – Stuttgart – Bild.de | LINK

Gewalt in Schorndorf

Ein Stadtfest in Schorndorf sorgt jetzt in ganz Deutschland für Schlagzeilen, sexuelle Belästigung, Randale. Flaschenwürfe auf Polizisten. Erinnerungen an Silvester in Köln werden wach. Welche Maßnahmen sind nötig?

Posted by ZDF Morgenmagazin on Montag, 17. Juli 2017

"Kein zweites Köln und kein zweites Hamburg"

Nach der Randale bei einem Volksfest in Schorndorf bei Stuttgart hat der Bürgermeister Berichten widersprochen, in seiner Gemeinde habe eine Art Ausnahmezustand geherrscht. Die Vorfälle seien "kein zweites Köln und kein zweites Hamburg".

Posted by ZDF heute on Dienstag, 18. Juli 2017

 

Als ob das irgendeinen von den Hatern interessieren würde:

Was am Samstagabend alles in Schorndorf passiert ist, wissen wir immer noch nicht genau. Aber wir wissen, was nicht passiert ist: Es gab keinen »Einwanderermob«, der ein Volksfest sprengt und tausendfach Frauen belästigt. Und es gab auch keine riesigen »Krawalle« im Schlosspark, bei denen 1.000 Menschen die Polizei angriffen.Quelle: Die Wahrheit über den »Einwanderermob« von Schorndorf – VICE | LINK

 

Lieber Boris Palmer,da haben Sie wohl – mal wieder – etwas vorschnell aus der Hüfte geschossen. „Völlig unbekannte…

Posted by Monitor on Dienstag, 18. Juli 2017

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Es sind nur wenige Jahre vergangen. Trotzdem bin ich in diesem Geschäft ein alter Hase.

Ich schreibe über gesellschaftliche und politische Themen. Hin und wieder gibt es bei 2bier auch was zum Thema Bloggen und Wordpress zu lesen.

Dieser Beitrag hat 14 Kommentare
  1. Ich glaube mittlerweile, das geht alles vor die Hunde und das funktioniert nicht.
    Dafür sprechen eigene Beobachtungen, Aussagen von Nachbarn und Bekannten (die teilweise sogar sehr engagiert waren, was die Flüchtlinge betrifft).

    Die Flüchtlinge hier in meiner unmittelbaren Umgebung haben mittlerweile festgestellt, daß man mit Drogendealerei ein gutes Zubrot bekommt.

    Ich fürchte mittlerweile auch, daß diejenigen Flüchtlinge, die gut ausgebildet sind, hier nicht bleiben werden. Der Abschaum (also die Leute, die nicht mal in ihrem eigenen Land willkommen sind) wird hingegen hier bleiben.

    Das ganze war – so wie es gelaufen ist – eine Scheißidee.

    Ein guter Teil wird davon auch selbst verschuldet sein: der Staat hat hier wohl auch einige Ehrenamtliche im Stich gelassen. Vieles ist durchaus auch durch völlig unflexible Behörden, Ämtern u.ä. begründet (wie gesagt: ich sitze da an ein oder zwei Quellen).
    Anderes liegt aber sehr wahrscheinlich auch an einer völlig anderen Mentalität.

    Das läßt sich nicht mehr korrigieren.

    Wenn ich mir die dritte oder vierte Generation der Gastarbeiter von anno dunnemals angucke, dann sehe ich für die Zukunft richtig schwarz….

  2. @Broken Spirits
    Welcher normal und realistisch denkende Mensch würde annehmen, dass ein Land wie Deutschland die Aufnahme von Millionen Einwanderern aus kulturfremden Ländern unbeschadet überstehen könnte? Das ist abwegig.
    Zur Erläuterung:
    »Millionen« setzen sich zusammen aus den schlecht Ausgebildeten, schwer zu Integrierenden, die wir seit Jahrzehnten »sammeln« + z. B. die völlig unrealistische Obergrenze eines Herrn Seehofer genommen, die ab heute neben Arbeitszuwanderung und Familiennachzug von einer weiteren Million alle 5 Jahre ausgeht.
    Mit »Einwanderung« ist das gemeint, was Deutschland seit langem betreibt, nämlich unter dem Oberbegriff »Flüchtling« alles (politische Asylanten, Wirtschaftsmigranten, Kriegsflüchtlinge) zusammen zu fassen und JEDEN ins Land zu lassen, zudem seit 2015 vorwiegend junge Männer, ungeachtet einer sich verschärfenden Sicherheitslage und vermutlich nur, um nicht gegen den ausdrücklichen Wunsch der Wirtschaft innereuropäische Grenzen sichern zu müssen.
    Kein Land der Welt würde dies auf Dauer verkraften und deshalb ist es auch weltweit einmalig.
    Solange Frau Merkel oder Sozialisten/Linke regieren, ist neben leeren Worten keinerlei Änderung dieser verheerenden Politik in Sicht.

    Nicht mehr korrigierbar, schreiben Sie. Es wäre korrigierbar, aber nur mit unpopulären, konsequenten, harten Maßnahmen unter lautem Aufschrei der NGO’s, Kirchen, an falscher Stelle Gutmenschen, aller, die top an den »Flüchtlingen« verdienen etc. Welcher Politiker wird das auf sich nehmen? Je länger wir warten, desto härter ein Kurswechsel. Am Ende steht der Einsatz des Militärs, weil die Polizei allein selbstverständlich die Unruhen nicht mehr bewältigen kann sowie der Zusammenbruch unseres Sozialsystems.

  3. @Broken Spirits
    Nachtrag:
    Die Gastarbeiter von anno dunnemals waren zu einem großen Teil auch Polen, Jugoslawen, Italiener, Griechen, Spanier. Außer einigen wenigen Scharmützeln, die in den 60ern und 70ern den Regionalteil der Zeitungen füllten, keine Probleme. Daran sehen wir, wie wichtig es ist, genau hinzuschauen, WEM und WIEVIELEN der jeweiligen Volksgruppe wir erlauben, hier mit uns zu leben und von uns unterhalten zu werden.

  4. @Horst Schulte
    Keine Ahnung, wieviele deutsche Schüler in Schorndorf beteiligt waren, ich war ja nicht dabei. Ist auch unerheblich. Als nachts Gruppen von bis zu 50 Personen mit Messern und Schreckschußpistolen bewaffnet durch die Straßen zogen, laut Augenzeugenberichten keine.
    Es war der Alkohol-Konsum, lese ich. Ach so. Es gab also in diesem Jahr erstmalig Alkohol.
    Vergangenes Wochenende war nicht nur Schorndorf, auch Gewalttaten durch Afghanen und andere Immigranten in Reutlingen, Böblingen, Bad Kreuznach…

    Die Deutschen werden sich immer mehr aus dem öffentlichen Raum zurückziehen, die Straßen und Plätze (zunächst ab abends) werden wem gehören?
    Sie haben z. T. schon resigniert, weil ihnen gesagt wird, sie seien alt und hätten gegen die »Flüchtlinge« ohnehin keine Chance, außerdem dürften sie hier in Deutschland machen, was sie wollen. Bei Drohung mit Polizei kommt: Die Polizei könne gar nichts machen, denn Bundeskanzlerin Merkel habe sie eingeladen.
    http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bad-kreuznach/stadt-bad-kreuznach/schlaegereien-von-afghanischen-gruppen-in-bad-kreuznach-integrationsbeirat-mahnt-zum-handeln_18036123.htm

    Dies ist nur die Stufe 1. Menschen testen ihre Grenzen aus. In extremistischen Kreisen ist durchaus aufmerksam vermerkt worden, was man schon seit längerem vermutete: Dass beim G20-Gipfel alles aufgeboten wurde, was die Polizei zur Verfügung hat. Und dass dies für den Schutz der Bevölkerung nicht ausreichte. Man muß sich Gewalt-Ereignisse nur zeitgleich an mehreren Orten im Land vorstellen.

    Sie werden wieder sagen: Wie kann man nur so pessimistisch, fremdenfeindlich sein, das Land so schlecht machen und den Rechten in die Hände spielen?

    Stufe 2: Was machen Menschen, die Langeweile und Frust wegen Chancenlosigkeit haben, denen sich auf den Straßen niemand mehr entgegen stellt (siehe oben)? Kann man in schriftlich niedergelegten, salafistischen Aufrufen nachlesen: »Treibt sie (die Deutschen) mit Feuer aus ihren Häusern und…«
    Den Rest erspare ich uns hier.
    Eigentlich zu krass und in der Vorstellungswelt derer, die hier in unserem schönen, ordentlichen, friedlichen, seit Jahrzehnten kriegsfreien Land leben, nicht enthalten, oder? Vor allem in der Vorstellungswelt derer, die allen Ernstes glauben, wenn man anders Sozialisierte nur mit genug Sozialarbeitern und Kursen bearbeitet, werden sie irgendwann so denken wie wir. Viel Erfolg!

  5. @Broken Spirits: Die Summe der Vorkommnisse, der Terror und die Unfähigkeit des Staates damit umzugehen und eine Antwort zu finden, lassen bei vielen Deutschen (und Migranten!) Wut und Abwehr entstehen.

    Die Regierung und manche Medien tun so, als gäbe es die Probleme nicht. Die andere Seite ist aber, dass wir meines Erachtens komplett damit aufgehört haben, zu differenzieren. Bei jeder Vergewaltigung, jedem sexuellen Übergriff, jeder Randale, wird sofort der Migrant als Täter vermutet und gleichzeitig werden diese schlimmen Dinge allen Migranten im Land zugerechnet. Drunter tun wir es nicht mehr!

    Ich bemühe mich, nicht Täter und Opfer zu verwechseln oder mich besonders gutmenschlich naiv zu äußern. Aber ich versuche, bei diesem Spiel nicht mitzumachen. Nach Schorndorf hat -vermutlich unter dem Eindruck der G20 Randale- die Hysterie in den sozialen Medien einen neuen Höhepunkt erreicht. Viele benehmen sich wie Bekloppte und es scheint, als würde der kleinste Funke reichen, um das Land zur Explosion zu bringen.

    Ich bin nicht so pessimistisch. Die Aufgabe, die durch die Migration entstanden ist, ist aufgrund vieler Faktoren schwer zu lösen. Viele Punkte, die du geschildert hast, sind berechtigt und ich sehe das alles auch mit Sorge. Aber die angebotenen Alternativen halte ich nicht den richtigen Lösungsansatz.

    Es war ja nicht die »Scheißidee« von Merkel oder Deutschland, uns um dieses weltweit bekannte Phänomen der Massenmigration zu kümmern. Deutschland hätte, wie die Rechten fordern, ebenfalls alles dafür tun können, dass die Menschen unsere Grenzen nicht passieren können. Andere machen es so. Dass wir es anderes gemacht haben, heißt nicht, dass ich glücklich darüber wäre. Trotzdem finde ich Merkels Entscheidung (die ja längst durch eine Vielzahl von Gesetzen ins glatte Gegenteil ihrer gelobten Flüchtlingspolitik verkehrt worden ist) von damals richtig. Ja, immer noch!

    Jetzt liegt es an unseren Behörden (vor allem an Polizei und Justiz) aber auch unserer Zivilgesellschaft, ob wir den gewaltigen Anforderungen gewachsen sind. Das ist anstrengend und teuer und vielleicht erleben wir auch genau das Fiasko, das so viele an den virtuellen Horizont zeichnen.

    Es gibt zu viele, die es am liebsten sähen, wenn alles auf Null zurückgestellt werden könnte. Dabei würden sie gleichzeitig die Millionen von Migranten, die in der x. Generation in Deutschland leben und die sich ihrer Meinung nach »falsch« entwickelt hätten, auch gleich ausweisen. Ist ja auch blöd, wenn Türken, die dazu noch Muslime sind, sich offen gegen eine Gesellschaft stellen. Allerdings ist diese Gesellschaft eine, die sie nie wirklich angenommen hat. Das ist übrigens hauptsächlich der Grund dafür, weshalb Erdogan hier so klar punkten konnte. Aber davon will der gemeine Deutschland überhaupt nichts wissen.

  6. @Corinna Friedrich: Ich nehme es Ihnen nicht übel, dass sie besorgt sind. Das sind viele. Sie unterstellen in ihrem Stufenplan Dinge, die ich nicht kommentiere. Es ist ja auch ganz unnötig, weil Sie ohnehin längst wissen, was ich denke.

  7. Die andere Seite ist aber, dass wir meines Erachtens komplett damit aufgehört haben, zu differenzieren.

    Da gehe ich sogar mit. Dies liegt m.E. aber auch am »Mainstream« – heute gilt ja jeder als neuer Rechter, der irgendwas kritisiert. Ich hatte da mal eine interessante und bemerkenswerte Diskussion mit einer Bekannten, die sich über die zunehmende »sexuelle Belästigung« durch Ausländer in einem Naherholungsgebiet aufgeregt hatte. Bei sowas werde ich immer hellhörig – denn »sexuelle Belästigung« kann heutzutage (auch gerade und ganz besonders nach dem #aufschrei) alles mögliche sein.

    Meine Nachfrage wurde beantwortet, daß Flüchtlinge (das stimmt sogar) meine Bekannte angesprochen hätten – dies in halbwegs schlechten Englisch und der Satz lautete »Need something?«. Diese Frage kenne ich – mir (männlich) wurde diese Frage von exakt den gleichen Typen am gleichen Ort auch schon gestellt – mir wollten die Typen eben Drogen verkaufen.
    Aufsehen (vor allem durch eine sexuelle Belästigung) können diese »Geschäftsmänner« nun überhaupt nicht brauchen.
    So zynisch es vielleicht klingen mag: nirgendwo ist eine Frau sicherer vor sexuellen Belästigungen, als in diesem Naherholungsgebiet. Denn sowas wäre definitiv geschäftsschädigend (was natürlich nicht heißen soll, daß ich diese Dealerei in irgendeiner Form gutheiße – im Gegenteil!).

    Ich sehe hier eigentlich eher, daß nichts mehr unter »sexuellen Übergriffen« geht – egal von wem.

    Die andere Seite macht da halt passend dazu wieder Flüchtlinge für verantwortlich.

    Beides trifft es wohl nur zu einem kleinen Teil. Die Integrationsunwilligen sind der lachende Dritte.
    Eigentlich müssen wir »nur« drei Extreme wieder loswerden, um differenzieren zu können: die ganzen Ränder von den Linken (hier insbesondere (#Aufschrei-
    Netz-)Feministen, den Rechtsextremen und den Integrationsunwilligen. Die nehmen sich alle drei nämlich genau nix…

    Die ganze Diskussion ist in der Tat gerade zu hysterisch geworden.

    Ich persönlich bin nach wie vor der Meinung, daß Deutschland ohne größere Probleme Hilfsbedürftige aufnehmen kann und auch tun sollte. Der Fehler ist eben nur, daß wir _jeden_ aufgenommen haben. Und es kann auch keiner sagen, daß wir nicht vorgewarnt gewesen waren: ich erinnere mich noch an einen Zeitungsartikel, in dem die ersten Syrer, die hier ankamen, vor den nachfolgenden »asozialen Horden« (sinngemäß, die genaue Wortwahl habe ich leider nicht im Kopf) gewarnt haben.

    Ab dieser Warnung lief sehr wahrscheinlich einiges falsch.

  8. @Corinna:

    Welcher normal und realistisch denkende Mensch würde annehmen, dass ein Land wie Deutschland die Aufnahme von Millionen Einwanderern aus kulturfremden Ländern unbeschadet überstehen könnte? Das ist abwegig.

    Temporär können wir es. Deutschland ist ein reiches Land (in Summe, einzelne Personen mögen es zugegebenermaßen anders empfinden).

    Ich sehe langsam eben nur, daß dies nicht temporär bleiben wird. Jedenfalls nicht bei den Richtigen (=Integrationswillige, die sich derzeit als Gast betrachten und sich auch dementsprechend verhalten).
    Diese nutzen hier sogar tatsächlich die Möglichkeiten, die sich ihnen gerade bieten. Das fängt bei Sprachkursen an, geht bis hin zu Ausbildungen o.ä.
    Das gibt es auch, auch wenn es die Minderheit ist.
    Ich weiß von einem Flüchtling, der gerade Maurer oder sowas lernt (genaue Berufsbezeichnung ist wohl was mit Trockenbau). Der lernt hier, damit er in Syrien die Heimat wieder aufbauen kann. Das wäre jemand, wo ich sagen würde, der kann auch hierbleiben. Will er aber nicht.

    Wieder andere fangen irgendwo einen Job an, während am gleichen Tag der Hatz-IV-Bescheid eingeht. Das war dann der erste und letzte Arbeitstag. Diese Leute werden wohl bleiben.

    Wieder andere sehen nicht ein, daß sie trotz ihres in Syrien akademischen Abschlußes hier in Deutschland einen Hilfsarbeiterjob annehmen sollen. Dies nur aufgrund der Sprachbarriere. Das Englisch ist zwar perfekt, deutsch ist jedoch nicht mal B1-Niveau. Die kassieren auch lieber Hartz-IV, anstatt an ihrer Situation etwas zu ändern. Der Hinweis, am Anfang doch mal eher kleine Brötchen zu backen, ist dann schon fast beleidigend. Diese Erfahrung machen beispielsweise kurdische (!) Nachbarn von mir sehr häufig: Für Hilfsarbeiten in einem Hausmeisterservice (vulgo: Kloputzen) wird ein Akademikergehalt gefordert. Ich kann ja nachvollziehen, daß es für einen Architekten schwer ist, nun hauptberuflich die Straße zu kehren… aber gar nix tun (trotz Jobangebot, das zwar situationsbedingt nicht berauschend ist, aber immerhin ein Anfang wäre – nicht zuletzt, um die Sprache zu lernen) abzulehnen, und sich über die »Scheiß-Kartoffeln«) aufzuregen? Da gingen sogar meine kurdischen Nachbarn ganz gepflegt durch die Decke… 🙂

    Es wäre korrigierbar, aber nur mit unpopulären, konsequenten, harten Maßnahmen unter lautem Aufschrei der NGO’s, Kirchen, an falscher Stelle Gutmenschen, aller, die top an den «Flüchtlingen» verdienen etc. Welcher Politiker wird das auf sich nehmen?

    Die Entscheidung, Flüchtlinge aufzunehmen, war sicher keine leichte Entscheidung. Sie hätte auch ähnlich getroffen werden können – nur eben durchdachter. Es hätte ein ganz klares Aufnahmekriterium geschaffen werden müssen. Es hätte von Anfang an geklärt werden müssen, wie die Flüchtlinge unbürokratisch beschäftigt werden können. Von einer Bekannten, die in der Flüchtlingshilfe (eine Bürgerinitiative) tätig ist, habe ich immer wieder gehört, wie der Staat auf solche Ehrenamtlichen baut. Daß wenig bis keine Unterstüzung (von geringen finanziellen Geldspritzen mal abgesehen) erfolgt. Tatsächlich wurden wohl Wohnungseinrichtung, Fahrkarten wegen Behördengängen aus Privatvermögen bezahlt und viele Bolzen mehr.
    Ausbildungen mußten verschoben werden (trotz bestandener B2-Sprachprüfung) weil das Arbeitsamt oder andere Behörden nicht in die Pötte kamen.

    Sich einfach hinstellen, wie es Frau Merkel getan hat, und zu behaupten »Wir schaffen das!« ohne handfestes Konzept – DAS war der Fehler.

  9. @Broken

    heute gilt ja jeder als neuer Rechter, der irgendwas kritisiert.

    … wie jeder, der die »andere Richtung« vertritt ein »Antifist« ist oder mindestens ein Linker.

    Es ist wahr, das Schubladendenken überwiegt in zu vielen Diskussionen. Ich mach das auch so 🙁 . Aber ich lerne (hoffentlich) dazu.

    Sexuelle Übergriffe durch Migranten haben (statistisch nachweisbar) zugenommen. Solche Nachrichten machen den Leuten Angst. Kein Staat kann das durch Präsenz von mehr Polizei verhindern.

    Insofern verstehe ich die Reaktionen.

    In den Diskussionen dienen diese Dinge der Bestätigung dafür, dass die Rechten richtig lagen und wir doofen Gutmenschen durch unsere Beschwichtigungen das Problem geschaffen und verschlimmert haben? So einfach!

    Sollen alle jungen Männer ausgewiesen werden, damit es endlich aufhört und wieder alles ist wie früher ™? Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als den Tätern durch nachvollziehbare Strafen + anschließende Ausweisung klarzumachen, was in dieser Gesellschaft geht und was nicht.

    Vor allem muss dafür gesorgt werden, dass diese Maßnahmen bekannt werden. Jeder muss wissen, woran er in Deutschland ist. In der Realität beginnt alles, wie ich oben schon schrieb, bei der Strafverfolgung der Vergehen/Verbrechen. Die Polizei fasst diese Täter meistens nicht und wenn doch, dann wird vom Gericht viel zu milde geurteilt. Da wünsche ich mir eine klare Law-and-Order-Strategie, weil unsere Gesetzestexte gesellschaftliche Normen nicht vermitteln werden. Thema Leitkultur!

    Unsere Behörden schaffen es nicht, Tausende von illegalen Migranten abzuschieben. Das Signal, das hierdurch gesetzt wurde, wirkt m.E. krasser als die Aktivitäten irgendwelcher Schleuser über die ständig berichtet wird. Dass der deutsche Sozialstaat weitere Anreize setze, nach Deutschland zu kommen, wird niemand bestreiten können. Klingt fies, ist aber wahr.

    Jeder Asylbewerber oder Migrant, der mit dem Gesetz in Konflikt gerät, muss abgeurteilt, eingesperrt und ausgewiesen werden. Diese Leute haben das Gastrecht verwirkt. Der Rechtsstaat lässt das nicht zu, wenn der Täter in seinem Land an Leib und Leben gefährdet wäre, würden wir ihn abschieben. Meine Meinung dazu ist, dass er auch unter diesen Voraussetzungen die Verantwortung für seine Taten tragen muss. Ich halte es für fahrlässig, dass unser Staat diese Dinge angesichts der veränderten Voraussetzungen nicht grundsätzlich geregelt hat. Wer sein Gastrecht verwirkt, fliegt. Klingt nach CSU und AfD. Das unterschreibe ich trotzdem!

    Der Staat muss seiner Verantwortung nachkommen. Wenn er es schafft, dieses signal zu setzen, brauchten wir uns keine oder jedenfalls viel weniger Sorgen zu machen.

  10. Der Staat muss seiner Verantwortung nachkommen.

    Das will der Staat aber nicht. War es nicht Herr de Maizière, der nach Berlin lapidar festgestellt hat, daß wir uns an den Terror gewöhnen sollen?
    Eine ziemlich gute Antwort kam (ausgerechnet) aus den Reihen der AfD (von Herrn Gauland glaube ich)… Aber den darf man ja nicht zitieren 😉

    Irgendwann in der deutschen Geschichte wurde die Selbstjustiz verboten und die Gewaltenteilung eingeführt. Das war ein richtiger und wichtiger Schritt (so Zustände wie in Amerika möchte ich eigentlich nicht).
    Und nun kündigt ein »Vertragspartner« den Vertrag auf.

    Daß Du die Leitkultur erwähnst, finde ich interessant. Ich habe nicht allen Punkten zugestimmt, aber im Großen und Ganzen fand ich das in Ordnung. Im Internet wurde das von den einschlägigen Gestalten (hauptsächlich SJW) wohl nicht ganz so wohlwollend aufgenommen….

  11. @Broken Spirits
    So manche gute Antwort kommt aus den Reihen der AfD, nur wo erfährt man davon? Übrigens war es Alexander Gauland, der schon 1979 persönlich einige hundert sogenannte Boatpeople aus Vietnam, ausgesucht nach Integrationsfähigkeit, nach Frankfurt holte. Auch das kaum bekannt.

  12. @Horst Schulte
    Stimmt, weiß ich 😉
    Zugegeben klingen meine Worte im ersten Moment auch ziemlich extrem. Meine Devise ist halt, lieber mehr Vorsicht walten lassen als zu wenig.
    Man kann nicht behaupten, dass die islamistischen Extremisten nicht ehrlich sind. Sie machen aus ihren Absichten und Plänen keinen Hehl. Es gibt Parallelen in der Geschichte; hätten die Menschen gelesen und ernst genommen, hätten sie hinterher nicht sagen müssen: Das wollten/wußten wir nicht!
    Auch eine Minderheit (mit Unterstützung einer schweigenden, teils sympathisierenden Mehrheit) kann ein Land destabilisieren. Nur hinschauen.

  13. @Horst Schulte
    »Wer sein Gastrecht verwirkt, fliegt.«
    Wohin? Klingt erst einmal toll (populistisch), aber wie realistisch ist es?
    Die Staaten sind froh, diese Leute los zu sein. Die Identitäten zweifelsfrei zu klären, ist äußerst aufwändig. Der Ansatz ist falsch. Angesichts dieser den Politikern zuvor durchaus bekannten Tatsachen habe ich nur eine Frage, auf deren Beantwortung ich seit Jahren warte: Warum laßt ihr (nach wie vor) Menschen über unsere Grenzen kommen, die ihr anschließend (angeblich) wieder los werden wollt und nicht – oder nur unter größtmöglichem finanziellen Aufwand – könnt ???

  14. @Corinna:
    Die AfD hat nun aber auch nicht gerade wenig Mist geschwätzt. Bei so manchen Dingen frage ich mich schon, ob Macht nicht korrumpiert oder ob das Satire ist.

    Bei so manchen Mist, der aus den Reihen der AfD kommt, muß ich dann schon feststellen, daß ich gerade ziemlich kreativ vergackeiert werde.
    Das hat die AfD zumindest den linken Parteien eindeutig voraus, die den Wähler ganz offensichtlich nur noch für blöd halten.

    Der Postillon und die PARTEI sind in dieser Hinsicht allerdings noch wesentlich besser 😉

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