Abmahnungen Gegen Facebook-Nutzer Wegen Teilen Eines Fotos

220 Euro soll ein Facebook-Nutzer dafür zahlen, dass er den Teilen-Button genutzt hat. Und zwar den Facebook Teilen-Button, bei dem der User nicht dazu in die Lage versetzt wird, das Foto wegzuklicken.

Ihr kennt das aus verschiedenen sozialen Netzwerken. Mal kann man im Dialog verhindern, dass ein Thumbnail mitgepostet wird, mal geht dies nicht. Die Dienste scheren sich um die speziell deutsche rechtliche Eigenart keinen Deut. Damit meine ich, die User werden animiert, auf Teufel komm raus zu sharen und am Ende kommt es dann – in Deutschland – zu Abmahnorgien.

So haben wir es gern. Theoretisch könnte das 470 Euro kosten. Der Fotograf hat die Forderung von sich aus auf 220 Euro gesenkt. Angeblich deshalb, weil er die Besonderheit, dass der User durch den auf der Website vorhandenen Share-Button animiert wurde, in diesem Fall gewürdigt habe. Nun ja.

Im Video der Anwaltskanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE erhält man genaueren Einblick in die Geschehnisse.

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Dieser Beitrag hat 13 Kommentare
  1. Sehe ich jetzt mal grundsätzlich kein Problem drin: die Zeitung hatte schon nicht die Rechte, das Bild zu veröffentlichen (Min 1:10, Zitat: »ich habe der Zeitung schon nicht die Rechte eingeräumt«) und dann geht die Forderung eben gleich weiter zur Zeitung (Verletzerkette). Der Nutzer kann da vielleicht sogar noch etwas Plus machen (schließlich ist diesem ja durch die ganze Rennerei auch Schaden entstanden). Fast ein Win-Win für Fotograf und Nutzer (wenn man Zeit und Nerven außer acht lässt, aber das betrifft ja beide) und dem Verlag mal gezeigt, daß es so nicht geht. 😉

    Zeitungen (insbesondere die Verlage, die das LSR befürwortet haben) scheinen eh Bilderdiebstahl im großen Stil zu betreiben. Da ploppte in der letzten Zeit einiges auf (schau z.B. mal auf der Facebook-Seite von Wohnidee, da gab es um den 20 Mai 2014 rum einige Beschwerden). Selber habe ich auch schon die ein oder andere Abmahnung gegen einen LSR-Befürworter-Verlag laufen gehabt.

    Mittlerweile beschleicht mich ja der Verdacht, daß das LSR nur deshalb gefordert wurde, damit die Verlage das Geld von Google wiederbekommen, das sie zurecht (!) für ihre Schandtaten gegenüber den Fotografen zahlen müssen. Dank immer besserer Google-Bildersuche fliegt da immer mehr auf… 🙁 Im Zusammenhang mit Wohnidee gab es auch einen interessanten Insider-Kommentar (es ging allerdings nicht hervor, welcher Verlag): der Kommentator soll wohl den Auftrag bekommen haben, die Fotos für einen Zeitungsartikel im Internet zu suchen weil »da eh alles umsonst sei«. Genauso habe ich mir das vorgestellt. Hauptsache auf Teufel komm raus den eigenen Profit maximiert. Mir kann keiner erzählen, daß die einen Fehler gemacht haben. Die Brüder wissen genau, was sie tun.

    Und das zu Lasten der Gesellschaft: einem Berufsfotografen, dem permanent durch dieses widerliche Geschäftsgebahren der Zeitungen Aufträge durch die Lappen gehen, stockt dann irgendwann auf. Wer DAS zahlen darf, weißt Du ja 😉
    Insofern: so teuer wie nur irgendwie geht für die Zeitung. Finde ich eine gute Taktik und das scheint ja auch so zu laufen, wenn ich den Anwalt im Video richtig verstehe (Regressforderungen).

  2. Hallo Horst,
    mal die Intention des Fotografen außer acht gelassen, denke ich, dass der Abmahner hier den Falschen anvisiert. Er hätte nach meinem Rechtsverständnis gegen »eine-zeitung.net« vorgehen sollen, wenn diese tatsächlich kein Recht zur Verwendung des Fotos in ihrem Artikel gehabt haben.
    Nach meinem Verständnis hat der Nutzer ja auch gar nicht das Foto von Alice geteilt, sondern den betreffenden Artikel. Das Teilen einzelner Fotos geht ja gar nicht so ohne weiteres. Dass nun beim »sharen« eines Blogartikels ein Vorschaubild (meistens wohl des »featured images«) mitgeliefert wird, ist nicht durch den »sharer« zu beeinflussen. Zumindestens wüsste ich nicht wie.
    In deinem Blog ist das übrigens auch nicht anders.
    Grüßle,
    FrankM

    1. @FrankM: Ja, das hätte er. Vielleicht hat er es aus dem Grunde nicht so gehandhabt, weil er mit seiner Aktion auf die Gefahren aufmerksam machen wollte. Für alle, die sich leichtfertig auf dieses Vabanque-Spiel einlassen. Nur so eine Idee. Aber vielleicht hat er, falls es sich um eine gewerbliche Seite handelt, auf andere Weise Gehör verschafft. Da sind juristisch vermutlich ganz andere Möglichkeiten gegeben.

      Hier gibt es die Möglichkeit des Shares (natürlich möchte ich hinzufügen) auch. Allerdings bemühe ich mich darum (weil ich nämlich selbst schon abgemahnt wurde), meinen LeserInnen den Rücken frei zu halten. Ich nutze überwiegend meine Fotos und immer lizensierte Bilder. Ausnahme sind Screenshots von Video-Beiträgen. Das ist vielleicht auch nicht von Pappe. Ich weiß, dass es auch dafür theoretisch eine Abmahnung geben könnte.

      Man fragt sich in solchen Momenten immer, wozu es Plugins oder Angebote gibt, wenn diese in Deutschland zu massenhaften Abmahnungen führen. Damit »die« Anwälte weiterhin gut zu tun haben. Denn diese sind es, die von solchen Aktionen profitieren und – ich sage das immer wieder – es sitzen von dieser Berufsgruppe einfach zu viele in unseren Parlamenten. Insofern wird sich an der misslichen Lage für Blogger (und für normale Nutzer von sozialen Netzwerken) kaum etwas ändern. Das macht mich deshalb sauer, weil es in anderen Ländern dafür längst andere Regeln gibt. Die Schweizer lachen über unsere restriktives Urheberrecht. Das heißt aber nicht, dass ich gegen das Urheberrecht wäre. Im Gegenteil. Ich bin ausdrücklich gegen Bilderklau. Meine Fotos laufen (via Flickr) alle unter CC. 🙂 Um das nochmal zu sagen.

  3. Ja, ich habe den Bericht ganz angesehen. Inwieweit man nun die Website in Regress nehmen kann, weiß ich nicht. Juristisch schon aber wer weiß, wie der Inhaber sich verhält, wenn vielleicht gleich mehrere Leute abgemahnt wurden und die sich nun alle bei diesem gütlich tun wollten?

    Das Bilderklauen ist scheiße und da gibt es nix herumzudeuteln. Aber soweit waren wir ja in unseren vielen Diskussionen darüber auch schon gekommen 🙂

    Hast du dir die Website mal ansehen? Vielleicht ist das kein prof. Projekt. Ich habe mir die URL nicht gemerkt und im Moment keine Lust, den Beitrag nochmal durchzuhören.

    Übrigens kann man die zur Verfügung stehenden Features von Google auch auch wunderbar für hinterlistige Zwecke nutzen. Zum Beispiel um illegale Kopien eigener Bilder irgendwo aufzustöbern. Ich bin ehrlich gesagt, nur ganz zufällig auf diese Möglichkeiten gestoßen.

    1. @Horst Schulte:
      Den Artikel zu Alice habe ich auf »eine-zeitung.net« nicht mehr gefunden, möglicherweise inzwischen gelöscht. Die Seite wird von einer GbR betrieben, die zum Urheberrecht im Impressum den üblichen Passus hat:

      »Alle Artikel der EZ können unter Verlinkung und/oder Hinweis auf die Originalquelle verwendet werden. Soweit die Inhalte auf dieser Seite nicht vom Betreiber erstellt wurden, werden die Urheberrechte Dritter beachtet. Insbesondere werden Inhalte Dritter als solche gekennzeichnet. Sollten Sie trotzdem auf eine Urheberrechtsverletzung aufmerksam werden, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden wir derartige Inhalte umgehend entfernen.«

      Mit Originalquelle kann aber hier nur diese eine-zeitung gemeint sein.
      Mit »Bilderklau« hat das Sharen aber m.E. sowieso nichts zu tun, genausowenig wie das Streamen und/oder Einbetten von Videos (Stichwort: Redtube-Abmahnungen).

      Interessant finde ich übrigens den expliziten Hinweis des Anwaltes am Ende des obigen Video, dass sein Video »geteilt« werden dürfe. Das erlaubt die zugrundeliegende Standard-Youtube-Lizenz aber ohnehin stillschweigend. Wenn der Herr Anwalt das nicht wünschen würde, könnte er diese Möglichkeit leicht über Youtube ausschließen! Etwa eine spezielle Art von Verunsicherung der Nutzer?

      Ich kenne eine Reihe von Webprojekten, die auf dem Einbetten von (fremden) Youtube-Videos in Blogs beruhen. Das ist nicht illegal.

      1. @FrankM: Diese Welt wird mir ein Rätsel bleiben. Oft trifft es ganz normale User oder auch Blogger (wie mich), die sich beim ersten Male verwundert die Augen reiben. Wenn man alles berücksichtigen würde, was einem im Internet droht, dürfte man seinen Router wohl gleich vom Netz nehmen. Irgendwas ist einfach immer. Und ich habe das Gefühl, dass das vor allem in Deutschland so ist. Andere Länder sind da scheinbar weiter als wir. Unsere Gesetzgebung hinkt den technischen Entwicklungen zu sehr hinterher. Manchmal denke ich, dass dies ganz bewusst so praktiziert wird.

  4. Hm, stimmt die wurde erwähnt – bei Zeitung ging das Kopfkino los 😉 Das LSR trifft auf die jetzt wahrscheinlich nicht zu – dafür ist dieses Ding nicht allzu ernst zu nehmen. Ich bin jetzt ehrlich gesagt zu faul für eine komplette Recherche… wohin und wem das Ding gehört…

    Groß genug sind sie jedenfalls, um sowas zu wissen (und wahrscheinlich fließt auch der »ein oder andere« Euro. Der Quelltext lässt es vermuten 😉 Ich habe jetzt keine Lust, mir den Krempel ohne NoScript usw. anzugucken…)

    Btw: weil Du sagtest: »Deine Leser schützen«. Mach das doch über die OGP- Tags. Dann geht nur Dein Favicon auf FB beim Teilen… alle anderen Fotos nicht. Ggf. noch fb und Co über die htaccess im Bilderordner ausspereen.

    1. @Broken Spirits: Es scheint ein Semiprofessionelles Projekt zu sein. Ich suche auch noch. FrankM hat netterweise schon informiert, dass es sich um eine GbR handelt. Könntest du mir vielleicht die Syntax für den Eintrag in die htaccess mailen? Adresse hat du oder du kannst das Kontaktformular nutzen. Das wäre nett. Danke.

  5. @Horst: die brauche ich Dir nicht schicken: ich habe dazu ein ellenlanges Tutorial gebastelt, das schon seit geraumer Zeit bei mir auf dem Blog zu finden ist 😉

    Übrigens auch einige Hintergründe, warum das Teilen und sharen nicht gerne von manchen Leuten (mir inklusive) gesehen wird 😉 Die AGB der jeweiligen sozialen Netzwerke sind nämlich nicht ohne. Und erklären konnte mir bisher auch noch keiner, wieso ein kleines Vorschaubild bei einer Designänderung plötzlich mitvergrößert wird. Ohne die Artefakte, die entstehen, wenn man ein Bild über den width oder height-Tag vergrößert. Lustig daran war: ich hatte FB vor deren Designänderung ausgesperrt. Das läßt nur einen Schluß zu: die Originalgröße landet auch bei Facebook. Und da kommen wieder deren AGB ins Spiel, bei denen mir regelmäßig schlecht wird in Bezug auf meine Fotos… 🙁

    Hier der Link: Klick. Allen gängigen (a)sozialen Netzwerke kannst Du die Fotos vorenthalten: FB, G+, Twitter, Pinterest (Pinterest ist sehr übel. Noch klappt es einigermaßen). Den htaccess-Code findest Du dort auch.

    1. @Broken Spirits: Danke. Tolles Tutorial. Mal sehen, was ich davon hier einsetzen kann bzw. was ich verstehen kann. Vielleicht krieg ich ein Problem, weil ich schon ein Bild in einem Plugin definiert habe, das in dem Fall gesendet wird, wenn kein Beitragsbild definiert wurde.

  6. Da solltest Du unbedingt aufpassen. Ich habe das glaube ich auch in dem Tutorial erwähnt: Jetpack oder All in One Seo-Pack schreiben einen eigenen Code. Facebook sucht sich den Code aus, der besser in das Geschäftsmodell passt. Und das ist garantiert nicht der, den Du haben wolltest.

    Ansonsten bist Du damit auch bei erlaubter Bildnutzung auf Deiner Webseite auf der »sicheren« Seite: Fotos, die Du auf Deinem Blog verwenden darfst, aber nicht woanders, ist damit umsetzbar 😉

    Wenn Du was nicht verstehst: meine Mail hast Du ja (oder in die Kommentare, dann haben andere auch was davon 😉 ).

  7. Wenn Du welche findest, die ich nicht erwähnt habe: als her damit 😉 Dann kann ich das ergänzen. Meistens steht es im Quelltext als Kommentar drüber welches Plugin die OGP-Tags und Co setzt.

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