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ACHTUNG AUFNAHME — BITTE RUHE!

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1970 besaß ich noch kei­nen Plat­ten­spie­ler. Schließ­li­ch war ich noch in der Leh­re und bekam damals so unge­fähr 100 Mark im Monat. Immer­hin konn­te ich statt­des­sen ein Ton­band von Uher mein Eigen nen­nen.

Ich nutz­te ein Mikro­phon, um gele­gent­li­ch Musik­stü­cke vom Radio auf­zu­neh­men. Qua­si war ich ein Schwarz­ko­pie­rer der ziem­li­ch frü­he­ren Art. Ob die Gema schon exis­tier­te?

Mein Lieb­lings­sen­der war damals SWF3 (heu­te SWR3) mit dem Mode­ra­tor Frank Lau­fen­berg. Der Mann hat­te, fand ich, echt Ahnung.

Wenn ich die Musik heu­te so durch­ge­he, die ich damals gern gehört habe, kann ich sagen, dass eine Nei­gung zum Jazz schon erkenn­bar war, wenn­gleich ich damals noch über­wie­gend Rock­mu­sik und Soul gehört habe. Tam­la Motown war sei­ner­zeit, glau­be ich, das Syn­onym für Soul. Ich weiß gar nicht, wie vie­le Lang­spiel­plat­ten ich spä­ter allei­ne von die­sem Label ange­sam­melt hat­te.

Für den Sams­tag war von Frank Lau­fen­berg die Voll­ver­si­on des Bur­don-Stücks «Tobac­co Road» ange­sagt. Ich fie­ber­te der Uhr­zeit ent­ge­gen und rich­te­te die Tech­nik her. Das Mikro war bereit, die ca. 20 Minu­ten vom Radio mit­zu­schnei­den.

Ich hat­te eigens zu die­sem Anlass ein DIN A 4 Blatt gestal­tet, auf dem in deut­li­cher Schrift zu lesen war: «ACHTUNG AUFNAHME — BITTE RUHE». Oder so ähn­li­ch.

Mein Man­dar­den­zim­mer lag im Ober­ge­schoss unse­res Hau­ses. Dort konn­te ich unbe­hel­ligt von der Fami­lie mein Unwe­sen trei­ben. Mei­ne Eltern lie­ßen sich kaum mal sehen. Sogar vor mei­ner Schwes­ter hat­te ich Ruhe. Mei­ne Freun­din nahm ich erst zwei Jah­re spä­ter mit nach oben. Also, ein Reich ganz für mich allein — meis­tens.

Der Zeit­punkt der bedeu­ten­den Radio­auf­nah­me war also gekom­men. Der Start der Auf­nah­me erfolg­te syn­chron mit dem Beginn der Über­tra­gung im Radio. Alles bes­tens. Die Pegel­mes­ser am Ton­band schlu­gen opti­mal aus.

Die ers­ten 5 Minu­ten waren im Kas­ten als es laut an der Tür klopf­te. Wel­cher Hor­noch­se konn­te da nicht lesen? Ich eil­te ziem­li­ch wütend an die Tür.

Zu spät. Mein Vater öff­ne­te sie sie bereits und trat sehr geräusch­voll ein — mit sei­nem Bru­der im Schlepp­tau.

«Na Jong, wie geht et denn?» Ich: «Papa, kann­st du nicht lesen? Ich neh­me hier gera­de live vom Radio auf». Er gab sich davon unbe­ein­druckt und brab­bel­te ein­fach wei­ter drauf­los. Er woll­te Theo mal das Zim­mer zei­gen… So in die­ser Art. Ganz wich­tig, ganz drin­gend.

So dau­er­te es eine Wei­le bis er sah, wie wütend ich war. Belei­digt zogen bei­de ab. Aber die Super-Auf­nah­me war rui­niert.

Wenig spä­ter ging ich run­ter in unse­re Woh­nung und traf auf mei­nen noch immer ver­är­ger­ten Vater. Und so stin­kig war er nur ganz sel­ten.

«Du wirst dich bei dei­nem Onkel ent­schul­di­gen. Jetzt sofort». Er wohn­te nur ein paar Häu­ser wei­ter. Inso­fern war die Ent­fer­nung zumin­dest kein Pro­blem.

Die­sen unge­plan­ten Fami­li­en­be­su­ch mit inte­grier­tem Kot­au hät­te ich mir erspa­ren kön­nen. Über­spiel­ka­bel gab es doch damals bestimmt auch schon. Aber ob an dem alten Radio eine ent­spre­chen­de Buch­se vor­han­den war? Dar­an erin­ne­re ich mich echt nicht mehr.

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Horst Schulte

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Ich blogge schon seit 2004.

Am liebsten schreibe ich über gesellschaftliche und politische Fragen. Aber ab und an gibt es hier auch etwas zum Thema Bloggen, Wordpress und ein paar Fotos.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Die Gema hat aller­dings über­haupt nichts zu mel­den, wenn Du Auf­nah­men aus dem Radio machst. Völ­lig in Ord­nung — damals und heu­te. Kei­ne «Schwarz-» oder «Raub­ko­pie». Selbst Dei­ne CDs darfst Du kopie­ren.

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