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Adventszeit — Chance für einen wohlwollenden Rückblick

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Den Rück­bli­ck aus Blog­ger­sicht hat­ten wir ja gera­de. Wie bewer­ten wir aber das bald zu Ende gehen­de Jahr aus unse­rer per­sön­li­chen Sicht? Gab es beson­ders glück­li­che oder tra­gi­sche Aspek­te? War es ein Jahr wie jedes ande­re oder brach­te es Ereig­nis­se mit sich, die wir stär­ker und län­ger in Erin­ne­rung behal­ten?

Krieg” ich das hin — einen «wohl­wol­len­den Rück­bli­ck» auf das zu Ende gehen­de Jahr? Eine ech­te Her­aus­for­de­rung. Den Krieg in Syri­en lass ich am bes­ten weg. Von dem will ja in Deutsch­land ohne­hin kei­ner mehr etwas wis­sen. Das fin­de nicht nur ich. Da kann man rät­seln, wor­an das nun wie­der lie­gen kann? Wo wir doch son­st so hilfs­be­reit sind. Ja, wie man es auch dreht und wen­det, es könn­ten ja viel­leicht mehr «Frem­de» kom­men. Und wer will das schon?

Einen gelun­ge­nen Start in 2013 gab es hier bei uns nicht zu ver­mel­den. Syl­ves­ter 2012 woll­ten mei­ne Frau und ich gemein­sam mit mei­ner Schwie­ger­mut­ter in Ruhe bei einem lecke­ren Fon­due-Essen fei­ern. Fon­due hat­te ich mir gewünscht, weil die spe­zi­el­le Art der Zube­rei­tung immer so etwas Gemüt­li­ches hat. Obwohl die Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten dafür immer ein wenig auf­wen­di­ger sind, konn­te ich mei­ne Frau über­re­den. Die Wei­chen für einen schö­nen, gemüt­li­chen Abend waren gestellt. Aber es kam ganz anders.

Am Mor­gen rief mei­ne Schwie­ger­mut­ter (89) an und klag­te über star­ke Leib­schmer­zen. Kein gutes Zei­chen, denn sie gehört nicht zu denen, die sich bekla­gen, wenn es ihnen nicht wirk­li­ch schlecht geht. Die Beschwer­den deu­te­ten auf die Gal­le hin. Wir hol­ten Mut­ter also bei ihr zu Hau­se ab und such­ten die Ambu­lanz des Kran­ken­hau­ses auf. Auch dort war man bereits in feins­ter Fei­er­tags­stim­mung.

Ich will auf die­se Geschich­te gar nicht lan­ge ein­ge­hen, obwohl ich eigent­li­ch einen aus­führ­li­chen Arti­kel über die Erleb­nis­se zum Jah­res­be­ginn 2013 schrei­ben woll­te. Nur so viel: Sie hat alles gut über­stan­den, obwohl die aus­ge­blie­be­ne kor­rek­te Dia­gno­se und eine The­ra­pie wäh­rend der Fei­er­ta­ge der, wie sich her­aus­stell­te, lebens­be­droh­li­chen Beschwer­den der Mut­ter zum Schluss nur noch durch einen Ein­griff in einem fast 40km ent­fern­ten ande­ren Kran­ken­haus beho­ben wer­den konn­ten. Bei alten Men­schen muss man damit rech­nen, dass schon klei­ne Ver­zö­ge­run­gen oder Ver­säum­nis­se lebens­ge­fähr­li­che Fol­gen haben kön­nen.

Unse­re Fami­lie hat zusam­men­ge­stan­den. Das war eine schö­ne und wert­vol­le Erfah­rung an die­sem auf­re­gen­den Beginn des neu­en Jah­res.

Im Freun­des­kreis war auch was los. Ein Paar hat sich getrennt (nach über 30jäh­ri­ger Ehe). Damit sind wir die letz­ten Mohi­ka­ner unter unse­ren Freu­den. Ich muss nicht sagen, wie sich Todes­fäl­le oder Tren­nun­gen im Freun­des­kreis anfüh­len!? Mei­ne Frau und ich hat­ten in die­sem Jahr das Glück unse­ren 37. Hoch­zeits­tag fei­ern zu kön­nen.

Von Miesmachern und anderen Deutschen

Die Mies­ma­che­rei in unse­rem Land hat wei­ter zuge­nom­men. Das hät­te ich fast nicht für mög­li­ch gehal­ten. Ich glau­be, es liegt am Inter­net. Irgend­wie schei­nen wir zu ver­ler­nen, das man ande­rer Mei­nun­gen respek­tiert und nicht mit Belei­di­gun­gen quit­tiert. Heu­te tut jeder sei­ne Mei­nung kund. Ich dach­te mal, das wäre was Tol­les. Etwas, das unse­re Demo­kra­tie wei­ter­bringt. Aber all die­se «Mei­nun­gen», die eigent­li­ch oft nur Belei­di­gun­gen ande­rer Men­schen sind, schei­nen sich gegen­sei­tig zu ver­stär­ken und zu einer unüber­wind­li­chen und über­aus unfreund­li­chen Mei­nungs­ka­ko­pho­nie auf­zu­schau­keln. Kei­ne gute Ent­wick­lung — fin­de ich.

Viel­leicht hat auch die­se Ent­wick­lung mit dazu bei­ge­tra­gen, dass ich zum ers­ten Mal in mei­nem Leben von mei­nem Wahl­recht kei­nen Gebrauch gemacht habe. Ich habe kei­ne poli­ti­sche Alter­na­ti­ve ent­deckt, die auch nur halb­wegs mit mei­nen Vor­stel­lun­gen in Ein­klang zu brin­gen war. Und ich habe es ehr­li­ch gesagt satt, immer das «klei­ne­re Übel» wäh­len zu müs­sen.

Das Aus­schei­den der FDP auf der Bun­des­ebe­ne habe ich als posi­tiv wahr­ge­nom­men. Und am nächs­ten Tag tat mir mei­ne Häme auch schon wie­der leid. Ich glau­be, dass die FDP sehr wohl eine gute Chan­ce hat, wie­der in den Bun­des­tag zurück­zu­keh­ren. CDU/CSU und SPD befas­sen sich offen­kun­dig mit Bür­ger­rechts­fra­gen nur, wenn ihr Oppor­tu­nis­mus ihnen kei­ne ande­re Wahl lässt. Die Koali­ti­ons­be­schlüs­se zur Vor­rats­da­ten­spei­che­rung zei­gen die Rich­tung. Die FDP hat­te dazu eine bes­se­re Hal­tung.

Friedrich und die NSA Praktiken

Innen­mi­nis­ter Fried­rich will kei­nen Zusam­men­hang zwi­schen der VDS und der gigan­ti­schen Aus­späh­ak­tio­nen der Geheim­diens­te (nicht nur der ame­ri­ka­ni­schen!) erken­nen. Aber am meis­ten habe ich mich über unse­re Kanz­le­rin gewun­dert, die ganz plötz­li­ch doch noch die Bri­sanz der Geheim­dienst­ak­tio­nen erkannt zu haben schien — aller­dings erst nach­dem sie bzw. ihr Han­dy per­sön­li­ch betrof­fen waren. Dass Deutsch­land eine dezi­dier­te Hal­tung ein­nimmt, ist zwar gut aber Bedeu­tung  hät­te in einer frü­hen Pha­se die 180-Grad-Wen­de dadurch bekom­men, dass wir Edward Snow­den, dem allein wir die Kennt­nis über die­se Vor­gän­ge zu ver­dan­ken haben, in Deutsch­land Asyl gewährt hät­ten. Die meis­ten hat­ten wohl ohne­hin nicht erwar­tet, dass unse­re Poli­ti­ker dazu bereit wären. Inso­fern hielt sich die Ent­täu­schung auch in engs­ten Gren­zen.

Enge Gren­zen und Hori­zon­te sind das Stich­wort: Wir schie­ben unse­ren Poli­ti­kern Ver­sa­gen bei der Ener­gie­wen­de in die Schu­he und machen das vor allem an zu hohen Ener­gie­prei­sen fest — jeden­falls, wenn wir ehr­li­ch sind! Oder war uns nach Fukus­hi­ma nicht klar, dass die all­seits begrüß­te Wen­de teu­er wür­de?  Zum Glück haben wir all die unfä­hi­gen Poli­ti­ker, auf die wir bei sol­chen Gele­gen­hei­ten ver­bal ein­dre­schen kön­nen.

Die Zunah­me von welt­wei­ten Wet­ter­ex­tre­men soll, wie Wis­sen­schaft­ler (die von der ande­ren Sei­te) uns weis­ma­chen wol­len, wenig bis nichts mit unse­rem unver­ant­wort­li­chen Umgang mit Res­sour­cen zu tun haben. Die Bot­schaft heißt also: wei­ter so! Wie schön und vor allem, wie bequem.

Ich habe den ergrei­fen­den Appell des philp­pi­ni­schen Abge­ord­ne­ten noch im Ohr, der beim wie­der ein­mal geschei­ter­ten Kli­ma­gip­fel in War­schau an die Welt appel­liert hat, end­li­ch mehr für den Kli­ma­schutz zu tun:

Wir wei­gern uns zu akzep­tie­ren, dass unser Leben dar­in bestehen soll, vor Mons­ter­stür­men zu flie­hen, unse­re Fami­li­en in Sicher­heit zu brin­gen, Zer­stö­rung und Not zu erlei­den und unse­re Toten zäh­len zu müs­sen

Papst geht in Ruhestand

Papst Bene­dikt ist zurück­ge­tre­ten. Der ers­te deut­sche Papst seit fast 500 Jah­ren und der ers­te seit 600 Jah­ren, der sich aufs Alten­teil zurück­ge­zo­gen hat. Den Rück­tritt fand ich sym­pa­thi­sch, was ich von sei­ner Poli­tik im Gro­ßen und Gan­zen so nicht sagen könn­te. Mei­ne Frau hat jeden­falls jetzt einen neu­en Hel­den. Der heißt Fran­zis­kus und ist der ers­te latein­ame­ri­ka­ni­sche Papst unse­rer Kir­che. Er macht das bis­her gut, vor allem weil er den Gläu­bi­gen das Gefühl gibt, dass sich die­se Kir­che eben doch ändern kann. Bleibt abzu­war­ten, was nun kon­kret gesche­hen wird. Noch über­wiegt ver­ständ­li­cher­wei­se die Skep­sis.

Mir hat beson­ders gut gefal­len, als der Papst davon sprach, dass «die­se Wirt­schaft tötet». Gemeint sind die Aus­wüch­se des Kapi­ta­lis­mus. End­li­ch sagt das auch mal einer mit einer Stim­me, die auf der Welt gehört wird. Sucht man bei Goo­gle nach die­sem Satz­teil (auf deut­sch), so wer­den über 37.000 Tref­fer ange­zeigt. Das The­ma bewegt. Man kann auch sagen, es trifft und zwar hof­fent­li­ch die Rich­ti­gen! Das die Lin­ken im Lan­de den katho­li­schen Papst zu ihrem Hel­den machen, irri­tiert etwas. Schließ­li­ch wer­den die aller­meis­ten Athe­is­ten wohl auf der lin­ken Sei­te des poli­ti­schen Spek­trums ver­mu­tet wer­den.

Erdbeben mittlerer Stärke erschüttert Handelslandschaft

Prak­ti­ker und Max Bahr sind insol­vent. Bei­de Fir­men gehör­ten über Jah­re zu «mei­ner Kund­schaft». Fast alle Fir­men, für die ich gear­bei­tet habe, waren lang­jäh­ri­ge Part­ner die­ser bei­den Bau­markt­grup­pen, deren Schick­sal sich erst in den letz­ten Jah­ren mit­ein­an­der ver­band. Kein Land auf der Welt [sic?] hat wohl mehr Ver­kaufs­flä­che als Deutsch­land. Inzwi­schen ist es vie­len klar, dass ein umfas­sen­der Berei­ni­gungs­pro­zess in Gang gekom­men ist. Die­ser wird vor allem auch durch die zuneh­men­de Bedeu­tung des Inter­nets ange­trie­ben.

Die ver­zwei­felt anmu­ten­den Aktio­nen man­cher Ein­zel­händ­ler (wie bei­spiels­wei­se in Kas­tel­laun) wer­den die Kund­schaft wohl nicht über­zeu­gen. Die­ser Trend wird auch von der Träg­heit der Leu­te ange­trie­ben. Und dage­gen ist man macht­los! Anders kann ich es nicht aus­drü­cken. Wie heißt das so schön: «Nur die dümms­ten Käl­ber suchen ihren Metz­ger sel­ber». «Geiz ist geil» lässt schön grü­ßen! Axel Sprin­ger hat vor­sorg­li­ch im Som­mer schon mal sei­ne Pro­gramm- und Frau­en­zeit­schrif­ten ver­kloppt und zwei Regio­nal­zei­tun­gen oben drauf gelegt. Sprin­ger will sich voll und ganz auf die schö­ne digi­ta­le Zukunft kon­zen­trie­ren. Dafür waren Kai Diek­mann (der Mann, des­sen Anruf­be­ant­wor­ter unse­rer ehe­ma­li­ger Bun­des­prä­si­dent trak­tiert hat­te) und zwei wei­te­re Top-Mana­ger aus der Sprin­ger-Chef­eta­ge für eini­ge Mona­te im Sili­con Val­ley gewe­sen und hat­ten dort dana­ch Aus­schau gehal­ten, wie man es rich­tig macht. Das kann man avant­gar­dis­ti­sch und auch sehr erfolg­ver­spre­chend fin­den. Ich weiß nicht, was ich davon hal­ten soll­te. Mir soll es egal sein, wor­an Sprin­ger schei­tert. 🙂

Jeden­falls bezah­len wir seit 1. Janu­ar 2013 kei­ne Pra­xis­ge­büh­ren mehr. Weiß noch jemand, was das war? Nun, so rich­tig wohl­wol­lend war das ja jetzt doch nicht.

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Wenn ich einen Arti­kel fer­tig habe, küm­me­re ich mich dar­um, ob er ein Bei­trags­bild (Fea­tureim­age)…
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Ich habe eine Lieb­lings­uhr, einen Lieb­lings­ku­li, eine Lieb­lings­sän­ge­rin und einen Lieb­lings­sän­ger. Für ein Lieb­lings­au­to reicht… 

Horst Schulte

Schön, dass du meinen Blog besuchst.

Ich blogge schon seit 2004.

Am liebsten schreibe ich über gesellschaftliche und politische Fragen. Aber ab und an gibt es hier auch etwas zum Thema Bloggen, Wordpress und ein paar Fotos.

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