Armut Bleibt Eine Frage Der Weltanschauung

Das The­ma Armut wird viel dis­ku­tiert. Nicht erst seit ges­tern. Zuletzt stand die Alters­ar­mut im Mit­tel­punkt. Der WDR hat­te Berech­nun­gen ver­öf­fent­licht, wonach ab 2030 die Hälf­te der Bevöl­ke­rung von Alters­ar­mut betrof­fen sein wür­de. Dass die Berech­nun­gen einer fun­dier­ten Prü­fung nicht ganz stand­hal­ten konn­ten, führ­te nicht zu einer Kor­rek­tur der in die Welt gesetz­ten Behaup­tung. Im Gegen­teil, die Ver­ant­wort­li­chen beim WDR bekräf­tig­ten ihre Aussagen.

Trotz der mas­si­ven öffent­li­chen Kri­tik hal­te der WDR an sei­nen umstrit­te­nen Berech­nun­gen fest. „Es steht Fach­leu­ten frei, an der Metho­de der Berech­nung Kri­tik zu üben“, sag­te der Spre­cher: „Das ändert aber nichts dar­an, dass der WDR die Metho­de für legi­tim hält.

So geht es ja eigent­lich immer, wenn solch strit­ti­ge The­men öffent­lich erör­tert wer­den. Eini­ge Akteu­re geben sich beson­de­re Mühe, die vor­an­schrei­ten­de Armuts­ent­wick­lung in Deutsch­land zu bestrei­ten. Dazu gehört Herr Hüt­her, sei­nes Zei­chens Direk­tor des Insti­tuts der deut­schen Wirt­schaft Köln (IW). Eben­so gibt es eini­ge Jour­na­lis­ten, die mir in die­ser Hin­sicht immer wie­der auf­fal­len. Rai­ner Hank, FAZ, ist einer von diesen.

Armut ist offenbar immer eine Frage der Sichtweise

Ich glau­be, es war Herr Hüt­her, der kürz­lich in einer Talk­show vehe­ment dazwi­schen grätsch­te, als ein ande­rer Teil­neh­mer die stark ange­stie­ge­ne Zahl der Tafeln in Deutsch­land als Indi­ka­tor für wach­sen­de Armut anführ­te. Man kön­ne doch nicht, die Zahl der Tafeln und so wei­ter und so fort. Ich fin­de schon, dass man das kann. Wenn die Zahl der Tafeln zuge­nom­men hat, bedeu­tet das wohl zwangs­läu­fig, dass dies auf wach­sen­de Armut zurück­geht. Ich ver­ste­he nicht, dass Hüt­her die­sen Zusam­men­hang abstrei­tet. Er lie­fer­te, wenn ich das rich­tig im Kopf habe, kein Argu­ment dage­gen. Auch die vie­len Obdach­lo­sen fal­len bestimmt nicht nur mir auf, wenn ich nachts in einer Groß­stadt wie Köln unter­wegs bin. Aber ver­mut­lich ist auch das kein Indiz für die Zunah­me von Armut in unse­rem Land.

Das geht schon Jah­re so. Die eine Sei­te ver­tritt den Stand­punkt, Deutsch­land sei längst kein Sozi­al­staat mehr, die ande­re bleibt steif und fest dabei, es sei alles in Ordnung.

Wirt­schaft­lich geht es Deutsch­land gut. Und es ist es so, dass vie­le Men­schen von der guten wirt­schaft­li­chen Kon­junk­tur pro­fi­tie­ren. Dass es man­chen immer zu wenig ist, kann eben­falls unter­stellt werden.

Wer profitiert vom Aufschwung, wer nicht?

Wir erin­nern uns viel­leicht? Bevor von der Agen­da 2010 über­haupt die Rede war, lag Deutsch­land wirt­schaft­lich in einer bis dahin nicht gekann­ten Ago­nie. Deutsch­land galt als „der kran­ke Mann Euro­pas“. Die Arbeits­lo­sig­keit lag seit eini­gen Jah­ren auf hohem Niveau. Nach Mei­nung der Wirt­schafts­li­be­ra­len hat die Agen­da die­se Ent­wick­lung her­um­ge­ris­sen. Damit, was die­se Poli­tik die SPD gekos­tet hat, will ich hier nicht wie­der anfangen.

Per­sön­lich bin ich bis heu­te davon über­zeugt, dass der Preis, den vie­le Arbeits­lo­sen und auch vie­le Arbeit­neh­mer für die­se Maß­nah­men gezahlt haben und bis heu­te zah­len, zu hoch ist. Nicht ein­mal der Etat konn­te gesenkt werden.

Wenn alle studieren muss das Renteneintrittsalter nach oben korrigiert werden

Alters­ar­mut wird die Gesell­schaft auf Dau­er eben­so wenig ver­kraf­ten wie der all­ge­mei­ne Anstieg von Armut. Eine Maß­nah­me wird ver­mut­lich nicht zu umge­hen sein. Die Men­schen wer­den län­ger arbei­ten müs­sen. Die Jun­ge Uni­on dis­ku­tiert das gera­de offen­siv. 2100 wer­den die Men­schen danach wohl bis 70 arbei­ten. Wenn ich mir über­le­ge, dass vie­le doch erst mit 25 oder spä­ter ihre Arbeit auf­neh­men (also 11 Jah­re spä­ter als ich zum Bei­spiel), soll­te sich die künst­li­che Auf­re­gung über die Ren­te mit 63 eigent­lich rela­ti­vie­ren. Aber die kos­tet zuge­ge­be­ner­ma­ßen wirk­lich zu viel. Als fal­sches Signal wür­de ich sie den­noch nicht bezeich­nen. Schließ­lich erfasst sie nur ver­hält­nis­mä­ßig wenig Leu­te und nur für einen recht engen Zeitraum.

Dies wür­de nur einen mode­ra­ten Anstieg des gesetz­li­chen Ren­ten­ein­tritts­al­ters zur Fol­ge haben. Der Jahr­gang 1985, dem ich ange­hö­re, müss­te bis zum Alter von 67,5 Jah­ren erwerbs­tä­tig blei­ben. Ein Ren­ten­ein­tritts­al­ter von 70 Jah­ren wür­den wir erst im Jahr 2100 erreichen.“

Statistik: Durchschnittsalter von Hochschulabsolventen* in Deutschland von 2003 bis 2014 (in Jahren) | Statista
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Wei­ter­füh­ren­de Links:
Defi­ni­ti­on » Armut « | Gab­ler Wirt­schafts­le­xi­kon http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/armut.html
Das Ren­ten­ein­tritts­al­ter über­sicht­lich als Tabel­le dar­ge­stellt › GeVes­tor http://www.gevestor.de/details/das-renteneintrittsalter-ubersichtlich-als-tabelle-dargestellt-653698.html
Alters­ar­mut | bpb http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/rentenpolitik/141528/altersarmut
Alters­ar­mut https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/kommunen-gestalten-den-demographischen-wandel/projektthemen/altersarmut/

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Ich schreibe über alle möglichen Themen. Politik, Medien und Gesellschaft dominieren dabei.

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