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Auf eine eindeutige Geste oder ein klares Wort

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Was der deut­sche Vize­kanz­ler kann, kön­nen wir doch schon lan­ge. Das sagen sich die Neo­na­zis, die ihn wüst beschimpft haben und prompt schlie­ßen sich vie­le von denen an, die glau­ben mit Zäh­nen und Klau­en die Mei­nungs­frei­heit, ihre per­sön­li­che Mei­nungs­frei­heit, ver­tei­di­gen zu müs­sen.

Sig­mar Gabri­el war in Nie­der­sach­sen wäh­rend eines Auf­tritts wüst beschimpft (Volks­ver­rä­ter war eine der Voka­beln der Wahl) wor­den, hieß es. Dar­auf­hin zeig­te er die­sen Leu­ten den Stin­ke­fin­ger.

Vie­le klu­ge Leu­te wol­len gen­au wis­sen, dass das gar nicht gut war und das Gabri­el damit der poli­ti­schen Kul­tur gescha­det habe. Als ob es die­se über­haupt noch gäbe. Ich erin­ne­re mich, als letz­tes Jahr die Kanz­le­rin in irgend­ei­nem ost­deut­schen Kaff von einer Nazi-Frau auf übels­te Wei­se beschimpft wur­de. Kei­ne Ahnung, ob Mer­kel das über­haupt mit­ge­kriegt hat. Jeden­falls hat sie nicht dar­auf reagiert. Typi­sch Mer­kel.

Tja — und typi­sch Gabri­el. Wer sei­ne Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger als Pack beschimpft, bei dem ist man nicht über­rascht, wenn er bei pas­sen­der Gele­gen­heit den Stin­ke­fin­ger zeigt. Das schickt sich nicht und ist für alle, die eine weni­ger rus­ti­ka­le Klin­ge bevor­zu­gen, schlicht­weg inak­zep­ta­bel. Hei­taitei.

Wie die, die auf sol­che Vor­la­gen des poli­ti­schen Esta­blish­ment scharf sind wie ein Samu­rai-Schwert, ist das selbst­ver­ständ­li­ch ein gefun­de­nes Fres­sen. Da ist für einen Augen­bli­ck sogar die No-Hate-Spee­ch — Kam­pa­gne der bei­den im Fokus ste­hen­den Mit­glie­der der Bun­des­re­gie­rung (Maas und Schwe­sig) in den Hin­ter­grund getre­ten. Machen wir es kurz: es läuft super für die SPD.

Hal­ten wir also bis dahin fest, ein Vize­kanz­ler, Wirt­schafts­mi­nis­ter und Kanz­ler­kan­di­dat kann sich eine sol­che Ent­glei­sung ein­fach nicht erlau­ben. Und zwar nicht nur, weil es eine unschö­ne Geste war, son­dern weil man auf die­se Art dem poli­ti­schen Dis­kurs scha­det.

Hal­lo!? Schon gemerkt, dass die bei­den gegen­ein­an­der­ste­hen­den Lager längst damit auf­ge­hört haben, mit­ein­an­der einen poli­ti­schen Dis­kurs zu füh­ren? Wohl zu lan­ge in Ber­lin gehockt!


Der dies­wö­chi­ge Web­mas­ter­fri­day hat das The­ma: «Mit­me­ckern, beru­hi­gen – oder die Klap­pe hal­ten?».

Für mich spie­len hier im Blog weni­ge The­men eine so gro­ße Rol­le, dass ich sie vor­her auch schon in mei­nen ver­schie­de­nen Blogs behan­delt habe.

Sozia­le Gerech­tig­keit ist ein gro­ßes The­ma. Außer­dem ver­su­che ich, eine offe­ne Hal­tung für die Men­schen zu behal­ten, die in der welt­wei­ten Flücht­lings­kri­se unse­re Hil­fe gesucht haben.

Bei­de Sicht­wei­sen reprä­sen­tie­ren die links-grün-ver­siff­ter Gesell­schaft. Damit sind die Geg­ner­schaf­ten aus­ge­macht. Mark­t­ra­di­ka­le auf der einen Sei­te, Natio­na­lis­ten auf der ande­ren (Schön, wenn man Schub­la­den frei hat, nicht?).

Der Aus­tau­sch von Argu­men­ten beim The­ma sozia­le Gerech­tig­keit gestal­te­te sich schwie­rig.  In einem inter­es­san­ten Inter­view mit Prof. Dr. Maus­feld lern­te ich,  dass Ver­tre­ter des Neo­li­be­ra­lis­mus schon des­halb immer im Recht sind, weil die Basis für ihre Über­zeu­gung (freie Markt­wirt­schaft) qua­si ein Natur­ge­setz ist.

Heu­te beschäf­tigt mich die Flücht­lings­kri­se. Wir betrach­ten sie vor allem als natio­na­les Pro­blem. In Wahr­heit han­delt es sich um eine glo­ba­le Kri­se, für die wir Ant­wor­ten fin­den soll­ten.

Für vie­le steht ledig­li­ch fest, dass all die Men­schen nur des­halb hier sind, weil Mer­kel die Gren­zen geöff­net hat und es sich über­wie­gend nicht um Flücht­lin­ge han­delt, son­dern um Migran­ten. Was inter­es­sant ist, weil wir bis heu­te nur über unzu­rei­chen­de Daten für sol­che qua­li­fi­zie­ren­den Bewer­tun­gen zur Ver­fü­gung haben.

«Die kom­men nach Deutsch­land, um unse­re Sozi­al­sys­te­me aus­zu­beu­ten.» Das ist popu­lär und wird ver­stärkt durch rechts-natio­na­le Medi­en , die sol­che Sicht­wei­sen ver­brei­ten.

Der­weil ster­ben in Alep­po Men­schen. Kürz­li­ch las ich, dass man die Syrer doch zurück­schi­cken kön­ne. Schließ­li­ch gäbe es dort auch Gegen­den, in denen noch Fuß­ball gespielt wer­den kön­ne. Ja, dann.

Ich habe das Gefühl, wir mögen auf sol­che Bil­der und Berich­te gar nicht mehr reagie­ren. Viel­leicht auch aus der Angst her­aus, wir kön­nen zu viel Mensch­lich­keit zei­gen und das könn­te nega­ti­ve Kom­men­ta­re bei Face­book, Twit­ter oder sonst­wo aus­lö­sen.

Die Art der seit Mona­ten geführ­ten Dis­kus­sio­nen hat zur Fol­ge, dass vie­le sich gar nicht mehr trau­en, das Leid der Men­schen über­haupt nur anzu­spre­chen. Dafür gibt es ordent­li­ch Lack von denen, die sich sogleich dar­über empö­ren, wenn man sie irgend­wo als Rech­te oder gar als Nazis bezeich­net. Nach ihrem Ver­ständ­nis sind sie deut­sche Patrio­ten, die im Gegen­satz zu (allen) Anders­den­ken­den nicht in ihrer (links-ver­siff­ten) gut­men­sch­li­cher Nai­vi­tät gefan­gen sind.

Es ist müßig, Bei­spie­le für sol­che Dia­lo­ge anzu­füh­ren. Die hat wohl jeder schon in sei­nen ver­schie­de­nen Kanä­len geführt oder zumin­dest mit­er­lebt. Vie­le spre­chen von einer Pola­ri­sie­rung, die bei die­sem The­ma die Gesell­schaft spal­tet.

In vie­len Dis­kus­sio­nen habe ich sel­ten posi­ti­ve Erfah­run­gen gemacht. Ich habe bei­des aus­pro­biert: argu­men­tie­ren und schimp­fen. Oder bei­des auf ein­mal. Wenn mich jemand anpö­belt kriegt er es mit glei­cher Mün­ze zurück, oder ich stei­ge sofort ohne wei­te­re Ant­wort aus.

Mir ist schon klar, wie pro­ble­ma­ti­sch es ist,  von einer ver­meint­li­ch höhe­ren mora­li­schen War­te aus zu argu­men­tie­ren. Einer­seits steht die Hil­fe für not­lei­de­ne Men­schen im Vor­der­grund, auf der ande­ren Sei­te die vie­len nega­ti­ven Erfah­run­gen, mit denen wir in Flücht­lings­kri­se schon kon­fron­tiert wur­den (Köln, Ter­ror­an­schlä­ge, Ver­ge­wal­ti­gungs­fäl­le, Sozia­le Unver­träg­lich­kei­ten).

Ich hal­te mich nicht zurück. Online wie off­line krie­gen die mei­ne Mei­nung zu die­sem The­ma unter­ge­ju­belt. Jeden­falls, die die noch bereit sind, sich über­haupt über das The­ma zu unter­hal­ten. Vie­le haben sich auch zurück­ge­zo­gen, weil sie nicht Ziel irgend­wel­cher Atta­cken wer­den möch­ten. Das ver­ste­he ich.

Aber Blog­ger haben in die­ser Bezie­hung Ver­ant­wor­tung. Aber natür­li­ch muss man die­se nicht wahr­neh­men.

Hans vom Blog Tages-Gedan­ken hat­te das The­ma schon vor eini­gen Mona­ten sehr schön auf­ge­ar­bei­tet.

Als ges­tern die Mel­dung der «Tages­schau» über die angeb­li­che Ver­stri­ckung der Tür­kei in die Orga­ni­sa­ti­on von… 
Via Blend­le las ich heu­te einen inter­es­san­ten Bericht aus der Print­aus­ga­be der «Zeit» (kos­ten­pflich­tig) über die Tage… 

Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Da habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin 63 Jahre alt und lebe in einem kleinen Ort, nicht weit von Köln entfernt. Meine Hauptthemen hier im Blog sind Gesellschaft, Politik und Medien.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Hal­lo Hor­st, bit­te um Nach­sicht, dass ich mich kurz fas­se, mich aber von Her­zen bedan­ken möch­te.

    Da Poli­ti­ker Men­schen sind, muss man auch mal einen Stin­ke­fin­ger «ver­ste­hen» und tole­rie­ren kön­nen in sol­chen Situa­tio­nen. Wäre sol­ch ein Ver­hal­ten regel­mä­ßig wür­de ich auch sagen, dass das nicht geht.

  2. Gern gesche­hen, lie­ber Hans!
    Eine Ver­ro­hung der Sit­ten steht im Raum. Wenn unse­re Poli­ti­ker sich nicht am Rie­men rei­ßen, müs­sen wir (das Pack) das schon gleich gar nicht zu tun. 

    Das wür­de den Rech­ten gut gefal­len. Was folgt ist denen egal. Oder sie wol­len das so. Auch mög­li­ch.

    Vie­le Grü­ße
    Hor­st

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