»Ich hätte mein Steak gerne English«. Sagen Sie das mal auf Deutsch, ohne dass es vollkommen blöd wirkt. »Ich hätte gern eine Fleischschnitte, die Sie mir bitte blutig im Inneren und noch fast roh servieren.«

Wir sind uns wohl rasch einig, dass so »elementare« Begriffe, wie »Steak, Bleu, English, Medium rare Medium, Medium well, Well done unverzichtbar sind. Für den jedenfalls, der noch sein Steak genießen kann…

Es reicht aus, wenn ich sage: »300g Steak, Medium«. Wenn es um die Beschreibung geht, falle ich von Denglisch ins Deutsche zurück. Soll es ein Hüftsteak oder ein Filetsteak sein und was dazu? Pommes, Salat und in schönes Kölsch dazu. Damit kommst du überall durch (sogar in Düsseldorf) und -hoffentlich- auch in Berlin. Hier in der rheinischen Provinz jedenfalls (noch).

Statussymbole

Erinnern Sie sich noch, als das Handy seinem Besitzer die Aura der Weltgewandtheit verlieh? Laute Gespräche am Mobiltelefon demonstrierten Einfluss und Wichtigkeit. Jedenfalls glaubten das offenbar einige. Die Bedeutung ließ mit der wachsenden Zahl von stolzen Handybesitzern nach. Die Einstellung zu derlei Wichtigtuerei lag im Auge des Betrachters; besser gesagt, in der des Handy-Besitzers.

Jens Spahn (CDU) wird dafür kritisiert, dass er in Berliner Restaurants nicht auf Englisch, sondern auf Deutsch angesprochen werden möchte. Viele seiner Freude feiern ihn, nicht erst seitdem als neue Ikone der Konservativen.

Berlin, we have a problem. Jens Spahn so zur Zeit:

Posted by ZDF heuteplus on Mittwoch, 23. August 2017

Neu ist Spahns Aussage nicht. Er hatte schon vor seinem Gespräch mit der »Zeit« darüber gesprochen, dass er es nicht leiden kann, dass die Bedienungen in manchen Berliner Restaurants nur Englisch sprechen.

Ich schätze, Spahn hat erkannt, dass viele seine Sicht teilen. Dafür hat der Mann, wie jeder erfolgreiche Politiker, gute Antennen.

Wahrscheinlich möchten auch Sie nicht auf die Liste mit solchen Beispielsätze für Unterhaltungen im Restaurant in Englisch (Quelle) angewiesen sein… Außerdem ist Spahns Haltung im Sinne der Diskussion über die »Deutsche Leitkultur« wirklich nur konsequent. 👅

Manchen gilt er als der legitime Nachfolger des schon vor seinem offiziellen Ausscheiden aus dem Bundestag zur Legende hochgejazzten Wolfgang Bosbach.

Sie erinnern sich, als vor einigen Jahren, Guido Westerwelle bei einer Pressekonferenz einen englischen Journalisten anraunzte, weil dieser ihn auf Englisch angesprochen hatte. Viele haben über Westerwelle abgelästert, weil er sich wegen seines schlechten Englischs nicht getraut hätte, zu antworten.

Heute spricht jeder Englisch

Inzwischen haben wir vielleicht ein neues Stadium erreicht. Das »Deutsche« hat spätestens mit dem geballten Auftritt der Höckes und Gaulands ein neues Gewicht. In Deutschland wird Deutsch gesprochen…

Ich plädiere auch dafür, in Deutschland Deutsch zu sprechen. Ich tue das aus sehr eigennützigen, nicht aus ideologischen Gründen. Ich kann nämlich, wie gesagt, kein Englisch!

Vermutlich hätte ich so große Verständigungsprobleme, dass ich wegen der Sprachbarriere nichts zu essen kriegen würde. Das ist schlechterdings unvorstellbar. In stylisch-schicken Restaurants -, dort wo Jens Spahn vermutlich gern verkehrt, muss man hip sein, um dazuzugehören. Und zum hip sein gehört es, Englisch zu können. Ich persönlich schlage mich im Zeitalter der Hipster also gleich mit zwei Nachteilen herum. Zum einen kein Englisch, zum anderen wächst mir nicht der dichte Bart, der mich rein äußerlich zum Hipster machen würde. Dabei kann sowas im Alter (siehe Link) echt chic sein. Aber meine Frau ist da (zum Glück) anderer Meinung.

Ich fände es nicht witzig, mich über das Essen nicht verständigen zu können. Und das, obwohl ich mich für ein paar Tage durchaus von Currywürsten und/oder Döner beim Türken ernähren könnte. Und dort – im Dönerimbiss oder am Würstchenstand wird garantiert Deutsch gesprochen. Übrigens ein klitzekleines Indiz dafür, dass die Integration eben doch nicht gescheitert ist.👄

Ich möchte mir nicht vorstellen, dass ich im feinen Restaurant auf fremde Hilfe angewiesen. Dabei stünde ich vielleicht unliebsamerweise im Mittelpunkt und müsste verkraften, dass andere meinen offenkundigen Mangel an Weltläufigkeit mit abschätzigen Blicken quittieren.

Ich bin für Deutsch in allen Restaurants in Deutschland. Die Franzosen kämen wohl nie auf die Idee, in ihren Restaurants Kellner zu beschäftigen, die nur Englisch sprechen. Also ist es doch eine Frage der Kultur und weniger der Weltläufigkeit.

Kessler ist ... Wolfgang Bosbach

Ich fand das hier verlinkte Video so berührend, dass ich es hier – auch wenn es nicht direkt zum Thema passt – verlinke. Da mögen manche noch so über ihn herziehen (siehe Kommentare bei Youtube). Ich schätze diesen Mann sehr, obwohl ich seine politischen Ansichten zum großen Teil nicht teile. Ich sehe – wie andere – in Jens Spahn einen Mann, der das Zeug dazu hat, die konservative Fahne im Bundestag hochzuhalten.

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Es sind nur wenige Jahre vergangen. Trotzdem bin ich in diesem Geschäft ein alter Hase.

Ich schreibe über gesellschaftliche und politische Themen. Hin und wieder gibt es bei 2bier auch was zum Thema Bloggen und Wordpress zu lesen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Mir ein nicht ganz verständliches Problem. Was wollen Leute denn mit Bedienungen im Restaurant bequatschen? Wenn die Karte auch auf deutsch ist und das ist sie auch in Berlin eigentlich immer, kann ich doch problemlos bestellen. Wollen die mit der Bedienung über den letzten Urlaub reden? A propos Urlaub: Wir schaffen es doch auch alle, in allen Ländern der Welt irgendwie durchzukommen ohne zu verhungern. Ich hab auch in Italien bei rein italienischer Karte und null Sprachkenntnissen was zu essen bekommen. Der Kellner konnte auch kaum Englisch, Deutsch natürlich gar nicht. Ging trotzdem. Die 178 mit Reis können wir seltsamerweise auch immer noch beim Chinesen bestellen, obwohl der auch kaum mehr als Muttersprache beherrscht. Also wo ist das Problem? Was kann man denn dem englischsprachigen Berliner Kellner nicht mitteilen? Wenn jemand Allergien hat, kann es vielleicht schwer sein, die dem Kellner mitzuteilen, wenn Sprachbarriere besteht. Aber der Otto-Normal-Gast sollte doch klar kommen.

    1. @Spifico: Ich finde, es macht sich nicht wirklich gemütlich, wenn ich mit dem Zeigefinger auf die Karte zeigen muss, nur weil das Personal (in einem deutschen Restaurant) kein Deutsch spricht oder nicht sprechen will. Eher um Letzteres ging es Spahn wohl.
      Aber das ich die von Spahn losgetretene Sommerlochkontroverse so ernst nicht gemeint habe, ist schon deutlich geworden? Hoffe ich.

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