Dank An Die Nürnberger Berufsschüler

Ges­tern wur­de berich­tet, dass ca. 300 Nürn­ber­ger Mit­schü­ler eines 20jährigen afgha­ni­schen Flücht­lin­ges des­sen Abschie­bung ver­hin­dern wollten.

Es war kei­ne geplan­te Akti­on von Abschie­be­geg­nern oder NGO’s. Wie jeder weiß fin­den die Poli­zei­ak­tio­nen unan­ge­kün­digt (auch nachts) statt. Die Pro­tes­te der Mit­schü­ler wur­den also durch per­sön­li­che Anteil­nah­me aus­ge­löst, eine Reak­ti­on auf staat­li­che Will­kür und Unge­rech­tig­keit.

Die Poli­zei ging mas­siv gegen die jun­gen Leu­te vor. Inwie­weit die Grund­la­ge für die­sen Auf­trag an die Poli­zei ethisch-mora­li­schen Anfor­de­run­gen ent­spro­chen hat, wird im fol­gen­den Dis­kurs nicht die Rol­le spie­len. Eher so etwas, wie der Zufall, dass aus­ge­rech­net an jenem Tag eine rie­si­ge Auto­bom­be in Kabul explo­dier­te, die min­des­tens 80 Men­schen getö­tet und ca. 300 ver­letzt hat.

Inzwi­schen gibt es zwei Augenzeugenberichte.

Hier die Links:

  1. Schü­ler­pro­tes­te gegen Abschie­bung: „Und dann fängt auf ein­mal die­se kras­se Aggres­si­on an.“ | The­men | PULS | Quel­le
  2. Bericht vom gewalt­tä­ti­gen Abschie­be-Pro­test in Nürn­berg – Poli­tik – jetzt.de | Quel­le

Ande­re, neue­re Erkennt­nis­se, sind eben­so inter­es­sant wie die Kom­men­ta­re zu die­sem Beitrag.


Die Regie­rung fin­det, dass die­ser Anschlag an den Vor­aus­set­zun­gen dafür, Afgha­ni­stan zum siche­ren Her­kunfts­land zu machen, nichts ver­än­dert habe. Das soll wohl hei­ßen: nur, weil in Kabul mal eine Bom­be hoch­geht, heißt es ja nicht, dass es über­all im Land so zugeht. Es soll in Afgha­ni­stan siche­re Pro­vin­zen geben…

Es gibt aller­dings Leu­te, die das glat­te Gegen­teil behaup­ten. In Afgha­ni­stan herrscht ein grau­sa­mer Bür­ger­krieg. Deutsch­land schiebt auch dort­hin ab, weil die Regie­rung sich von den Rech­ten trei­ben lässt.

Die Behand­lung von Afgha­ni­stan als „siche­res Her­kunfts­land“ ist für mei­ne Begrif­fe eben­so schi­zo­phren, wie die wei­te­re Sta­tio­nie­rung unse­rer Sol­da­ten. Nichts wird die Tali­ban und die ande­ren Kriegs­par­tei­en auf­hal­ten. Irgend­wann wer­den sie die Macht wie­der an sich rei­ßen. Bis dahin wird das Mor­den dort wei­ter­ge­hen. Jede Inter­ven­ti­on in mus­li­mi­schen Staa­ten hat am Ende nur dazu geführt, dass die Zah­len mus­li­mi­scher Ter­ror­an­schlä­gen wei­ter gestie­gen sind. Die­ser Zusam­men­hang ist zwar evi­dent, er wird aber in der Dis­kus­si­on um den „Kampf gegen den Ter­ror“ viel zu wenig beachtet.

Wir sit­zen auf einem hohen mora­li­schen Ross. Alle west­li­chen Inter­ven­tio­nen haben für die Men­schen in den Kri­sen­re­gio­nen nie etwas Gutes, son­dern dau­er­haft Tod und Ver­wüs­tung gebracht.

Dass die Poli­zei dem 20jährigen Afgha­nen nach den Tumul­ten etwas anhän­gen will, obwohl er sich, wie es offi­zi­ell hieß, zunächst „koope­ra­tiv“ zeig­te und obwohl er sich nach Zei­tungs­be­rich­ten erst unter dem Ein­druck der von sei­nen Mit­schü­lern begon­ne­nen Pro­tes­te gewehrt hat, passt ins Bild.

Eben­so übri­gens, wie der Bericht im „ZDF Aus­lands­jour­nal“, der sich mit dem Leben von Flücht­lin­gen befass­te, die in der Zwi­schen­zeit aus Deutsch­land nach Afgha­ni­stan abge­scho­ben wur­den. Eben­so ein­deu­tig, wie man­che Medi­en sich gegen die (neue) deut­sche Abschie­be­pra­xis pos­tio­nie­ren, tun ande­re das exak­te Gegenteil.

Wenn ich zudem die abfäl­li­gen und von Null Empa­thie zeu­gen­den Reak­tio­nen in den Sozia­len Netz­wer­ken betrach­te, scheint es so, als wür­de Nürn­berg am ande­ren Ende der Welt lie­gen. Aber zum Glück ist die Rea­li­tät offen­bar eine andere.

Dass Men­schen spon­tan auf die Poli­zei-Metho­den bei Abschie­bun­gen reagie­ren, gibt mir Hoff­nung und Moti­va­ti­on. Ich kann heu­te die rech­ten Het­zer etwas bes­ser ertra­gen als sonst. Mein tief emp­fun­de­ner Dank an die Berufs­schü­ler in Nürn­berg!

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Ich schreibe über alle möglichen Themen. Politik, Medien und Gesellschaft dominieren dabei.

Dieser Beitrag hat 16 Kommentare
  1. Ja, toll dass sowas mal spon­tan stattfindet!

    Nichts wird die Tali­ban und die ande­ren Kriegs­par­tei­en auf­hal­ten. Irgend­wann wer­den sie die Macht wie­der an sich rei­ßen. Bis dahin wird das Mor­den dort wei­ter­ge­hen. Jede Inter­ven­ti­on in mus­li­mi­schen Staa­ten hat am Ende nur dazu geführt, dass die Zah­len mus­li­mi­scher Ter­ror­an­schlä­gen wei­ter gestie­gen sind. “

    Man darf nicht alle mus­li­mi­schen Staa­ten in den­sel­ben Topf wer­fen. Die Ver­hält­nis­se vor Ort und die jewei­li­gen Grün­de für Krieg und Ter­ror sind durch­aus unter­schied­lich. Ges­tern hab ich im Aus­lands­jour­nal ein Inter­view mit einem ech­ten Ken­ner der afgha­ni­schen Ver­hält­nis­se gehört (Name lei­der ver­ges­sen, ein Alte­rer, der vie­le Jah­re dort war und noch immer sei­ne Kon­tak­te pflegt). Befragt, war­um all das Geld und alle Mühen des Wes­tens dort schei­tern, berich­te­te er: Afgha­ni­stan war NOCH NIE ein Land, das zen­tral­staat­lich regiert wur­de. Dort hat prak­tisch jedes Tal sei­nen eige­nen Clan-Fürs­ten – und dabei wol­len die auch blei­ben. Der „Staat“ war und ist dort immer nur eine gegen den Wil­len der Bevöl­ke­rung in Kabul instal­lier­te, weit­ge­hend macht­lo­se Insti­tu­ti­on. Der Wes­ten hat jedoch auf die­sen Staat gesetzt und ver­sucht, ihn zu stär­ken (wir ken­nen es ja auch nicht anders…), um so „von oben“ aller­lei Ver­än­de­run­gen her­bei zu füh­ren. Klappt jedoch nicht, weil all die­se Clans immer wei­ter den Zen­tral­staat bekämp­fen. So rich­te­ten sich auch die Ter­ror­ak­te in aller Regel nicht gegen Aus­län­der, son­dern gegen Erschei­nungs­for­men des Zentralstaats.
    Nun sei es aber zu spät, um noch umzu­steu­ern, die Fron­ten sind zemen­tiert – kei­ne Aus­sicht auf Besserung.…

    Mir war das im Detail nicht so bekannt. Raus­ge­hen ist auch kei­ne Opti­on, denn dann wür­de erst recht ein gna­den­lo­ser Bür­ger­krieg ausbrechen.

    Furcht­bar, das alles!

    1. Hal­lo Claudia, 

      ver­all­ge­mei­nern woll­te ich mit die­sem Satz nicht. Wenn Anhän­ger des IS Atten­ta­te ver­üben, so kom­men die­se Leu­te ja aus völ­lig unter­schied­li­chen Natio­nen (sogar aus Deutsch­land). Trotz­dem bege­hen sie im Namen Allahs die­se men­schen­ver­ach­ten­den furcht­ba­ren Ver­bre­chen. Gemein­sam ist allen der Hass auf den Wes­ten, weil er hei­li­gen mus­li­mi­schen Boden besetzt hält. Die­se Sicht­wei­se eint, wenn ich es nicht kom­plett falsch sehe, doch alle mus­li­mi­schen Ter­ro­ris­ten. Es kann also sein, dass ein Paläs­ti­nen­ser ein Ter­ror­akt unter­nimmt, weil er für Allah und den Pro­phe­ten des­halb ein Zei­chen setzt, weil irgend­ein Füh­rer der Tali­ban in Afgha­ni­stan durch einen Droh­nen­ein­satz getö­tet wur­de. Du ver­stehst schon, was ich meine.
      Das Inter­view habe ich auch gese­hen. Ich glau­be, es war sogar die glei­che Sen­dung, in der auch der Bericht kam über die Leu­te, die aus Deutsch­land nach Afgha­ni­stan abge­scho­ben wurden. 

      Wenn wir das so machen, dass wir aus Angst vor dem bevor­ste­hen­den Bür­ger­krieg dort blei­ben, wer­den wir unse­re Sol­da­ten nie mehr abzie­hen kön­nen. Die Grund­hal­tung der Afgha­nen wird sich aller Vor­aus­sicht nach nicht ändern. 

      Ich bin der Mei­nung, wir soll­ten uns aus allen Ein­sät­zen, die nicht von der UN legi­ti­miert sind, ver­ab­schie­den. Die Ame­ri­ka­ner schei­nen die Sinn­lo­sig­keit ver­stan­den zu haben.

      Inzwi­schen habe ich gele­sen, dass der 20jährige Afgha­ne u.a. des­halb abge­scho­ben wer­den soll­te, weil er eine Rei­he von Straf­ta­ten (Pass­ver­ge­hen, fal­sche Aus­sa­gen) began­gen hat­te. Außer­dem wird behaup­tet – natür­lich in Rech­ten Blogs, dass die Schü­ler links­in­dok­tri­niert gewe­sen sei­en und dass die spä­ter im Ein­satz befind­li­chen ca. 300 Leu­te übere meh­re­re Stun­den zusam­men­ge­kom­men sind. Soll hei­ßen: Es gab einen angeb­lich geplan­ten lin­ken Wider­stand. Was auch sonst? Es ist so zer­mür­bend, weil mensch­li­che Soli­da­ri­tät offen­sicht­lich so gar nicht ins Rech­te Welt­bild passt.

    2. Die ara­bi­schen, vor­wie­gend mus­li­mi­schen Staa­ten sind größ­ten­teils Stam­mes-/Clan-/tri­ba­lis­ti­sche Strukturen.
      Peter Scholl-Latour z. B. hat häu­fig dar­auf hin­ge­wie­sen. Reli­gi­on kommt vor dem Staat, ver­ant­wort­lich fühlt man sich nur für sei­nen „Stamm“, sei­ne Fami­lie. Soli­da­ri­tät mit einer Sozi­al­ge­mein­schaft ist unbe­kannt, Staats­we­sen = häu­fig Feind­bild (daher auch die bei uns stark zuneh­men­den Angrif­fe auf Poli­zei, Feu­er­wehr, Kran­ken­wa­gen). Der Wes­ten soll­te end­lich sei­ne Schlüs­se dar­aus zie­hen – auch für die Inte­gra­ti­on bei uns.
      Unse­re gewohn­ten Demo­kra­ti­en funk­tio­nie­ren in die­sen Län­dern nicht, nur Dik­ta­tu­ren. Gilt auch für Syri­en, wo die deut­sche Regie­rung, die EU und die USA Assad abset­zen wol­len, was uns aber gar nicht zusteht und unver­ant­wort­lich ist. Wo der Wes­ten glaubt, Regie­run­gen abset­zen zu müs­sen, ver­sin­ken die Län­der in Cha­os, Bür­ger­krieg und Ter­ror­an­schlä­gen. Sie­he Afgha­ni­stan, Irak, Libyen.
      Ägyp­ten hat­te eine gewalt­tä­ti­ge Mili­tär­dik­ta­tur, die die Men­schen los­wer­den woll­ten. Freie Wah­len. Mus­li­me ris­sen die Macht an sich, woll­ten das Land zurück ins Mit­tel­al­ter wer­fen. Heu­te haben Sie wie­der das Militär.
      Euro­pa hält die Gren­zen für Alle offen und wun­dert sich jetzt über ver­mehr­te Ter­ror­an­schlä­ge und Stra­ßen­kri­mi­na­li­tät. Sie glau­ben nicht wirk­lich, dass es – soll­ten wir so wei­ter­ma­chen – in eini­gen Jah­ren noch eine Chan­ce für uns gibt, mit demo­kra­ti­schen, gemä­ßig­ten Metho­den wie­der Ord­nung in das Cha­os brin­gen zu kön­nen, oder?
      Wie sag­te schon Scholl-Latour: „Wer Kal­kut­ta zu uns holt, hilft nicht Kal­kut­ta, son­dern eta­bliert Kal­kut­ta bei uns (oder so ähnlich :-)).
      Deutsch­land müß­te schnells­tens Afgha­ni­stan ver­las­sen, hat­te dort nie etwas zu suchen. Wäre doch jetzt mit Feind­bild Trump eine gute Gele­gen­heit, die Soli­da­ri­ät mit den USA Afgha­ni­stan betref­fend aufzukündigen 😉
      Viel­leicht haben Sie sich auch schon gefragt, wie es über­haupt pas­sie­ren konn­te, dass unser Par­la­ment die­sen Ein­satz je abseg­ne­te. Bei der Gele­gen­heit erin­ne­re ich noch ein­mal dar­an, dass wir heu­te auch im Irak wären, wäre es nach Frau Mer­kel, die dort unbe­dingt teil­neh­men woll­te, gegangen.
      Es ist immer die Bevöl­ke­rung, die ver­hee­ren­de Ent­schei­dun­gen ihrer poli­ti­schen Füh­rer aus­ba­den soll. Ich kann und will das nicht mehr schwei­gend hin­neh­men. Nicht für Herrn Hit­ler, aber auch nicht für das Par­tei­volk von SPD oder CDU.

  2. Die­ser De Mai­ziè­re hat mir immer noch nicht erklä­ren kön­nen, wie­so aus­ge­rech­net Afgha­ni­stan sicher sein soll. Hut ab vor dem Enga­ge­ment der Nürn­ber­ger Schüler!
    LG Sabienes

    1. Jetzt hat sich die Regie­rung das noch mal über­legt und die Abschie­bun­gen abge­setzt. Mal gucken, wie lan­ge die das durch­hält. Die Rech­ten wer­den mit aller Macht dage­gen Sturm laufen.

  3. Die gan­ze Akti­on war hirn­ris­sig und nicht spon­tan. Die Akti­on war in den SM – auch von lin­ken Gewalt­tä­tern, die sich unter­misch­ten – abgesprochen.
    Fra­ge mich aller­dings, war­um die Poli­zei immer wie­der in die Schu­len geht, um die Leu­te zwecks Abschie­bung einzusammeln.
    3 Jah­re lang wei­ger­te der jun­ge, gewalt­tä­ti­ge Afgha­ne sich, Deutsch­land zu verlassen.
    Jetzt bedankt er sich bei den Deut­schen mit den Wor­ten. „In einem Monat bin ich eh wie­der hier und wer­de Deut­sche töten.“
    Ich glau­be nicht, dass irgend­ei­ner der Foris­ten in die­sem Block auch nur die gerings­te Vor­stel­lung hat, wie­viel Gewalt­po­ten­ti­al die jun­gen Män­ner aus Syri­en und ande­ren afrikanischen/arabischen Staa­ten in sich tra­gen. Und wie­viel Hass und Ver­ach­tung für die west­li­che Lebens­art. Für sie sind wir Untermenschen.
    Geschätz­te 60 % (erga­ben u. a. Unter­su­chun­gen in GB und Schwe­den) wol­len in Deutsch­land die Scha­ria ein­füh­ren. Wenn Sie aus ers­ter Quel­le hören wür­den, was mir syri­sche Freun­de (ECHTE Flücht­lin­ge, vorw. Ala­wi­ten) über ihre Lands­leu­te und die, die vor­ge­ben, aus Syri­en zu kom­men, erzäh­len, wür­den Sie kei­ne Nacht mehr ruhig schla­fen. Und kei­ne Behör­de kann ihnen hel­fen, reagiert nicht ein­mal auf Hin­wei­se mög­li­cher geplan­ter Anschlä­ge. Sie sind völ­lig überfordert.
    War­um sind die Deut­schen so scharf dar­auf, Men­schen aus tri­ba­lis­ti­schen Kul­tu­ren (wie eine Foris­tin rich­tig über Afgha­ni­stan schrieb), die NIEMALS eine Gemein­schaft, einen Sozi­al­staat außer­halb ihres „Stam­mes“ aner­ken­nen wer­den, also nie­mals inte­grier­bar sein wer­den, zu sich zu holen und ein Leben lang zu finanzieren?
    Was wol­len wir hier mit Men­schen, die uns auf der Stra­ße anpö­beln, weil wir wäh­rend des Rama­dan wagen, öffent­lich einen Bur­ger oder ein Eis zu essen? Die offen­sicht­lich „ver­ges­sen“ haben, wo sie sich hier befinden.
    Sind die Deut­schen auf das, was sie erwar­tet, wirk­lich vor­be­rei­tet? Ich behaup­te nein, denn noch träu­men sie von fried­vol­len mul­ti­kul­tu­rel­len Gesell­schaf­ten, die es nicht geben wird.
    Mei­ne Erkennt­nis­se stam­men übri­gens nicht aus „rech­ten Blogs“, son­dern – ich gebe es ungern zu – auch vom ZDF, von Phoe­nix, aus der Lite­ra­tur, vor­wie­gend aber aus per­sön­li­chen Erfah­run­gen im Umgang mit Men­schen aus die­sen Kul­tur­krei­sen seit mitt­ler­wei­le Jahrzehnten.
    Wie wir u. a. aus der Geschich­te wis­sen, ist Soli­da­ri­tät unter Lin­ken nicht son­der­lich bewährt, sie kön­nen sich ein­fach nicht mit­ein­an­der arran­gie­ren. Immer viel Rauch und Getö­se, am Ende aber wenig dahin­ter. Das sieht bei kon­ser­va­ti­ven, wer­te­be­wuß­ten Men­schen (von Lin­ken auch „Rech­te“ oder „Nazis“ genannt) ganz anders aus.

    1. @Corinna Fried­rich: Was irgend­wie von Links kommt ist für Sie offen­bar eben­so “hirn­ris­sig” wie für mich alles was von Rechts kommt. Damit soll­te sich doch was anfan­gen las­sen?! Inter­es­sant, dass Sie so genau wis­sen, dass “lin­ke Gewalt­tä­ter” ihr Vor­ge­hen gegen die nicht ange­kün­dig­te Akti­on der Poli­zei gleich­sam anti­zi­piert haben müss­ten. Das hat ja schon was von einem Wun­der. Mit­mensch­lich­keit als hirn­ris­sig zu bezeich­nen zeugt von einem beson­de­ren Menschenbild.

      So gern ich was ande­res sagen möch­te: ich wer­de den Gedan­ken nicht los, dass ich für dumm ver­kauft wer­den soll. Die Fäl­le von Nürn­berg und Duis­burg sind real und beschrei­ben das “Gesicht” einer Abschie­be­pra­xis, die in die­sen Zei­ten von einer Sei­te als zu lasch kri­ti­siert und von der ande­ren als inhu­man ver­teu­felt wird. Dabei wird vie­len klar sein, dass jede Abschie­bung für sich genom­men, wenigs­tens ein mensch­li­ches Schick­sal reprä­sen­tiert, mit dem man per­sön­lich nicht tau­schen möch­te. Sie ver­zei­hen mir mein gut­mensch­li­ches Gestammel?

      Ich kann mir nicht vor­stel­len, wel­che Tricks, wel­che Lügen Asyl­be­wer­ber anwen­den, wenn sie sich in die­ser Lage befin­den. Ich wür­de das viel­leicht auch tun, wäre ich in ihrer Lage. Der Afgha­ne soll von Beginn an unse­re Behör­den zum Nar­ren gehal­ten haben. Er hat ver­sucht, sei­ne Iden­ti­tät bis zuletzt zu ver­schlei­ern. Sei­nen Rei­se­pass haben die Behör­den erst nach jah­re­lan­ger Ver­spä­tung zu sehen bekom­men. Das mein­te CSU-Innen­mi­nis­ter Her­mann, als er davon sprach, dass er jah­re­lang “getrickst, getäuscht und gelo­gen habe”. Davon, dass er – wie Sie behaup­ten – gewalt­tä­tig war, habe ich bis­her nichts gelesen. 

      Die angeb­li­che Dro­hung, dass er Deut­sche töten wer­de, wenn er wie­der zurück sei, bestrei­tet er vehe­ment. Es ist ja ganz toll, dass Sie im Gegen­satz zu ande­ren Lesern/innen hier im Blog so genau wis­sen, wie hoch das “Gewalt­po­ten­ti­al” jun­ger Män­ner aus Syri­en und ande­ren mus­li­mi­schen Staa­ten ist. Offen­bar ver­fol­gen Sie damit die Absicht, den Ver­dacht gegen den Afgha­nen zu erhär­ten. Das fin­de ich uncool.

      Ich sehe fern und lese viel. Ob Sie es nun glau­ben oder nicht: ich habe schon davon gehört, dass jun­ge Män­ner – ganz unab­hän­gig von ihrer Reli­gi­on – viel eher zur Gewalt nei­gen als bei­spiels­wei­se ich. Nun war ich auch mit 30 schon ein aus­ge­mach­tes Weich­ei. Ich war in mei­nem Leben noch an kei­ner rich­ti­gen Schlä­ge­rei betei­ligt. Weder mit jun­gen mus­li­mi­schen noch mit ande­ren Män­nern. Ich wün­sche mir, dass das so bleibt und ich nie dazu gezwun­gen wer­de, mei­ne Frau oder Freun­de gegen Angrif­fe “jun­ger Män­ner aus Syri­en oder ande­ren afrikanischen/arabischen Staa­ten” zu ver­tei­di­gen. Wer weiß, wel­che Ein­stel­lung ich hät­te, wenn mir sowas per­sön­lich schon pas­siert wäre? 

      Ich bin über­for­dert, wenn ich mit den Vor­ur­tei­len vie­ler Men­schen kon­fron­tiert bin. Und, lie­be Frau Fried­rich. Ich bin nicht scharf dar­auf, Men­schen aus irgend­wel­chen spe­zi­el­len Kul­tu­ren nach Deutsch­land zu holen. Ich habe eini­ge Male die Berg­pre­digt gele­sen. Viel­leicht hat die mich so krass indok­tri­niert, dass ich immer zuerst die Men­schen sehe. Höre ich Sie gäh­nen? Dass unter die­sen Men­schen, die hier her gekom­men sind, auch sol­che sind, die “sich nie­mals inte­grie­ren” wer­den und die wir dar­über hin­aus auch noch “ein Leben lang finan­zie­ren” müs­sen, ist schon arg. Ich ver­wei­se dies­be­züg­lich erneut auf die Bergpredigt. 

      Sie sind zwei­fel­los eine gebil­de­te Frau und mir per­sön­lich in vie­ler­lei Hin­sicht über­le­gen. Aber ich tei­le Ihre Hal­tung in die­ser Fra­ge nicht. Dafür muss ich mich mit nie­man­dem arran­gie­ren. Auch nicht mit Lin­ken. Bestimmt ist es rich­tig, dass ich die Welt zu häu­fig und viel­leicht zu schnell in rechts und links, in gut und böse ein­tei­le. Ich bin nicht blind gegen­über den Din­gen, die Sie beschrie­ben haben. Wenn Kon­ser­va­ti­ve gleich­zei­tig so über Men­schen urtei­len wie Sie es tun, dann fra­ge ich mich wirk­lich, wel­ches Wer­te­be­wusst­sein es sein soll, das Sie antreibt.

      1. Mit­mensch­lich­keit, die sich gewalt­tä­tig gegen Poli­zei­be­am­te rich­tet, ist für mich kei­ne Mit­mensch­lich­keit. Gewalt­tä­ti­ge Aktio­nen machen für mich nie Sinn, sei es von rechts oder von links. Wenn es in den letz­ten Jah­ren von links über­wiegt, kann ich das auch nicht ändern, ich per­sön­lich neh­me an Bei­dem nicht teil.

        Der Aus­druck „hirn­ris­sig“ war auf Fol­gen­des bezogen:
        Selbst wenn mit die­ser Akti­on durch das Ein­kni­cken der Regie­rung ein vor­über­ge­hen­der Teil­erfolg erreicht wird, es hat kein nach­hal­ti­ges, wirk­lich die Pro­ble­me lösen­des Ele­ment, son­dern kon­ter­ka­riert nur die Aktio­nen unse­rer Regie­rung, die sich seit gerau­mer Zeit nur noch von Situa­tio­nen oder Gescheh­nis­sen trei­ben läßt, nur noch hilf­los reagiert statt agiert. Heu­te Hü, mor­gen Hott. Zu beob­ach­ten in der Wirt­schaft, Ener­gie­wen­de, Flüchtlingspolitik.

        Auch ich dach­te häu­fig: Wie­so schie­ben die Men­schen ab, die seit 15, 20 Jah­ren hier leben? Wie­so nicht zunächst die neu hin­zu­ge­kom­me­nen? Inzwi­schen habe ich mal hin­ter ver­schie­de­ne Ein­zel­fäl­le geblickt und mei­ne Mei­nung ist nicht mehr so eindeutig.
        Es hat zu tun mit unse­rem Rechts­sys­tem. Im Fal­le der nepa­le­si­schen Fami­lie wur­den Rechts­mit­tel über alle Instan­zen aus­ge­schöpft, das dau­er­te 18 Jah­re (!). Unse­re Städ­te sind vol­ler Men­schen, die sich von einer Dul­dung zur nächs­ten han­geln, 15 Jah­re lang ist kei­ne Aus­nah­me, Men­schen, die in völ­li­ger Unge­wiß­heit leben müs­sen. Für mich ist das eines Rechts­staats unwür­dig, sind das Aus­wüch­se eines fehl­ge­lei­te­ten Asylrechts.
        Bereits Ende der sieb­zi­ger Jah­re habe ich kurz in einer Anwalts­kanz­lei, spe­zia­li­siert auf Asyl­recht, gear­bei­tet. Auch dort ging es weni­ger um Mit­mensch­lich­keit, son­dern um schnell und beson­ders leicht ver­dien­tes Geld (das vom Staat näm­lich, die Man­dan­ten haben keins). Die Metho­den, Zeit zu gewin­nen und die Men­schen im Land zu behal­ten, waren viel­fäl­tig, reich­ten von Papie­re ver­nich­ten bis zum Ein­stu­die­ren erfun­de­ner Geschich­ten. Damals schon. Inzwi­schen ist dar­aus eine ein­träg­li­che „Indus­trie“ gewor­den, die beim Schlep­pen beginnt und bei juris­ti­scher Unter­stüt­zung im Lan­de wei­ter­geht. Und sie setzt ganz gezielt dar­auf, dass Men­schen, die dann die Bil­der der Betrof­fe­nen im TV sehen, vol­ler Mit­ge­fühl sind.
        Berufs­schü­ler, jun­ge Men­schen, über­bli­cken den Gesamt­zu­sam­men­hang häu­fig nicht und wer­den instrumentalisiert.

        Mich inter­es­siert also weni­ger die­ser Afgha­ne oder die nepa­le­si­sche Fami­lie, son­dern wie wir die Pro­ble­ma­tik ins­ge­samt lösen wollen.
        Indem wir das Land für Alle öff­nen oder über Ände­run­gen unse­rer Geset­ze nach­den­ken? Es gibt ver­schie­de­ne Lösungs­an­sät­ze. Aller­dings erwar­te ich dazu von die­ser Regie­rung NICHTS.

        Mit mei­ner Aus­sa­ge, dass Mus­li­me häu­fig gegen­über „Ungläu­bi­gen“ ein für uns unvor­stell­ba­res Gewalt­po­ten­ti­al haben, habe ich tat­säch­lich eine Absicht ver­folgt. Aller­dings nicht gegen DIESEN EINEN Afgha­nen. Den ken­ne ich gar nicht per­sön­lich. Wie soll ich da urteilen?

        Uns wird von Ter­ror­an­schlä­gen berich­tet. Pau­schal. Ohne Hin­ter­grün­de (wür­de die Men­schen ver­un­si­chern). Was über Stun­den im Bata­clan wirk­lich geschah, wur­de in 98 % der Medi­en ver­schwie­gen. Macht es den Bevöl­ke­run­gen rela­tiv leicht, Ter­ror­an­schlä­ge durch Mus­li­me für etwas Abs­trak­tes zu hal­ten. Spre­chen Sie mit Sol­da­ten, die auf dem Gebiet in Aus­lands­ein­sät­zen Erfah­run­gen sam­mel­ten. Mus­li­me töten Hun­de nicht ein­fach, schnei­den Men­schen nicht ein­fach den Kopf ab, son­dern an, und wei­den sich über Stun­den am Lei­den. Frau­en, die auch in Deutsch­land mit ihren Kin­dern an Ted­dy­bä­ren Kopf­ab­schnei­den üben, sind real existent.
        Das alles sind Din­ge, die wir Euro­pä­er nicht ken­nen, die uns unvor­be­rei­tet tref­fen wer­den. Dies den ver­wöhn­ten, in Sicher­heit und Wohl­stand auf­ge­wach­se­nen Mit­men­schen mit­zu­tei­len, ist mei­ne Absicht.

        Die Aus­sa­ge, der Afgha­ne habe sich gewalt­tä­tig ver­hal­ten und die von ihm abge­strit­te­ne Äuße­rung getan, stammt aus der Pres­se­kon­fe­renz der Poli­zei, die ihn fest­ge­setzt hat, aus­schnitts­wei­se über­tra­gen im ZDF.
        Theo­re­tisch also mög­lich, dass die Poli­zei lügt. Es steht Aus­sa­ge gegen Aus­sa­ge. Mei­ne per­sön­li­che Erfah­rung ist aller­dings, dass die Poli­zei in der Öffent­lich­keit eher unter­treibt. Will man mehr erfah­ren, muss man sich unter 4 Augen mit ihnen unterhalten.

        Klei­ne Anek­do­te am Rande:
        1997 hat­te ich mein Esse­ner Apart­ment inse­riert, um einen Nach­mie­ter zu fin­den. Wäh­rend einer Besich­ti­gung wur­de ich in mei­ner Woh­nung über­fal­len, Geld und Papie­re gestoh­len. Rela­tiv gewalt­frei, also kein Trau­ma, nur dar­aus gelernt. Zwecks Iden­ti­fi­zie­rung des Täters (mMn ein typisch „Bio­deut­scher) durf­te ich auf der Poli­zei­wa­che die sog. Ver­bre­cher­al­ben stu­die­ren. 98 % dunk­le, ver­we­gen aus­se­hen­de Gestal­ten. Auf mei­ne erstaun­te Aus­sa­ge: „Das sind ja nur Aus­län­der!“ ant­wor­te­te ein Poli­zist mir: „Das dür­fen wir nicht in der Öffent­lich­keit laut sagen.“
        1997 schon!

        Das Wer­te­be­wußt­sein, das mich umtreibt, ist viel­leicht auch eher Stam­mes­den­ken: Beim kleins­ten Ver­dacht, dass Gefahr für mei­ne Fami­lie und mei­ne Umge­bung dro­hen könn­te, nei­ge ich dazu, sozia­le Expe­ri­men­te unge­wis­sen Aus­gangs eher zu unterlassen.

        1. Hal­lo Frau Friedrich,

          Prü­gel gegen Poli­zis­ten hat­te ich ehr­lich gemeint mit dem Begriff „Mit­mensch­lich­keit“ auch nicht im Sinn. Viel­leicht glau­ben Sie mir das? Dass die Pro­tes­te gegen die Abschie­bung des Afgha­nen eska­liert sind, gefällt mir auch nicht. Dass angeb­lich Links­au­to­no­me betei­ligt waren habe ich zuerst nicht gewusst. Jeden­falls noch nicht, als ich mei­nen Bei­trag geschrie­ben habe. 

          Gene­rell erwi­schen Sie mich bei dem The­ma Abschie­bun­gen gewis­ser­ma­ßen auf dem fal­schen Fuss. Ich bin näm­lich auch heu­te noch dafür, dass bestehen­de Regeln ein­ge­hal­ten wer­den müs­sen. Wir hät­ten weit­aus weni­ger Pro­ble­me, wenn alle dafür zustän­di­gen Instan­zen danach han­deln wür­den. Ich hat­te in mei­nem zwei­ten Arti­kel zum The­ma geschrie­ben, dass es für man­chen (auch für mich) schwie­rig ist, kon­kre­te Abschie­be­maß­nah­men nach­zu­voll­zie­hen. Wie ist es mög­lich, dass Leu­te, die sich nach Pres­se- oder nach Augen­zeu­gen­be­rich­ten gut inte­griert haben, trotz­dem mit­tels sol­cher Aktio­nen abge­scho­ben wer­den? Sie spre­chen das ja selbst auch an. Ich weiß gar nicht, ob das mit dem Asyl­recht viel zu tun hat. Sicher wird es in des­sen Rah­men “abge­wi­ckelt”. Aber die Leu­te wer­den doch – soll­te man anneh­men – nach bestimm­ten Kri­te­ri­en aus­ge­wählt. Und dafür fehlt, jeden­falls, wenn man Berich­te liest, die Logik. Zuerst müss­ten doch die Leu­te abge­scho­ben wer­den, die erst kürz­lich gekom­men sind und deren Asyl­an­trä­ge abge­lehnt wor­den sind. Dass man Men­schen her­aus­pickt, die jah­re­lang hier leben ist doch unver­ständ­lich. Es sei denn, es wür­de sich um Kri­mi­nel­le han­deln. Das wäre wie­der etwas ganz anderes.

          Afgha­ni­stan stellt in der gene­rel­len Debat­te über “siche­re Her­kunfts­län­der” eine Beson­der­heit dar. Ich ver­ste­he, dass vie­le nicht begrif­fen haben, wie die Regie­rung aus­ge­rech­net Afgha­ni­stan zum siche­ren Her­kunfts­land machen konn­te. Die Erklä­run­gen unse­res Innen­mi­nis­ters waren für mich nicht nach­voll­zieh­bar. Trotz­dem hät­te ich weder gegen die Lis­te der Regie­rung (Magreb, Afgha­ni­stan, etc.) nicht oppo­niert. Also anders als rot-grün geführ­te BL.

          Die Sache mit der nepa­le­si­schen Fami­lie ist wie­der ein biss­chen anders gela­gert. Einer­seits die furcht­bar lan­ge Zeit, die ver­gan­gen ist. Ande­rer­seits steht fest, dass alle Instan­zen durch­lau­fen wur­den. Für das Mäd­chen muss es schreck­lich sein. Ich weiß nicht, was die Eltern hät­ten tun müs­sen. Letzt­lich ist es ihre Schuld, dass die Sache so aus­ge­gan­gen ist. 

          Mensch­lich tra­gisch ist der Fall allemal.Aber ich weiß auch, wie gefühls­kalt man­che sich in den Dis­kus­sio­nen selbst in einem sol­chen kras­sen Fall geben. Das tut mir in der See­le weh.

          Bestimmt gibt es die­se Metho­den, die Sie ange­spro­chen haben. Ich bin nur nicht davon über­zeugt, dass sie so weit ver­brei­tet sind wie Sie behaup­ten. Von einer Indus­trie, die hier wirkt, erken­ne ich nichts. Außer natür­lich, dass die Leu­te, die mei­ne Posi­tio­nen frag­wür­dig fin­den, das immer wie­der behaupten. 

          An der Stel­le will ich ein­räu­men, dass ich mir nach der inzwi­schen ver­gan­ge­nen Zeit, vor­stel­len kann, dass im Nürn­ber­ger Fall Kräf­te am Werk waren, die in die­sem Fall bewusst für Stim­mung gesorgt haben. Das geht ja auch etwas in die Rich­tung, die Sie viel­leicht mei­nen. Ich habe ja die­sen “Gesamt­zu­sam­men­hang” in mei­nem Arti­kel auch beschrie­ben. Es ist irgend­wie scha­de, dass wir an so einem wich­ti­gen Punkt schon so miss­trau­isch gewor­den sind. 

          Migran­ten kamen aus sehr ver­schie­de­nen Kul­tu­ren zu uns. Dass wir uns mit den Sit­ten und Gebräu­chen weder aus­ken­nen und die­se auch auf­grund ihrer archa­isch anmu­ten­den Aus­prä­gung ableh­nen, ver­ste­he ich gut. Inwie­weit sol­che Gru­sel­ge­schich­ten stim­men, kann ich nicht beur­tei­len. Ich sehe zuerst ein­mal die Men­schen, die Hil­fe brau­chen. Und ich sehe unse­ren Staat, der dafür zu sor­gen hat, dass die hier gel­ten­den Geset­ze und Regeln ein­ge­hal­ten wer­den und zwar ohne Einschränkungen. 

          Zu Ihrer Anek­do­te: Ich glau­be, dass jeder, der schon mal “XYZ” im ZDF gese­hen hat, eine Idee davon hat, was Sie mei­nen. Es ist seit Jah­ren so, dass es dort heißt: “ost­eu­ro­päi­sche Ban­den” oder “süd­län­di­sche Typen” und was man da noch als Syn­onym ver­wen­den könn­te. Es ist so, dass sol­che Erkennt­nis­se zu lan­ge unter­drückt wor­den sind. Ich tue mich heu­te noch schwer damit, Infor­ma­tio­nen die­ser Art ein­fach so zu ver­wen­den. Ich erwi­sche mich dabei, dass ich in Zei­tun­gen oder im Inter­net nach der eth­ni­schen Her­kunft regel­recht suche. Wohl des­halb, weils mich längst erwischt hat. Die ande­re Sei­te ist, dass es einen Zusam­men­hang und eine Wech­sel­wir­kung gibt, die zwar besteht, über die aber eben­falls nie gespro­chen wird. In Deutsch­land wird Raci­al Pro­filing betrie­ben. Damit gehen “ent­spre­chend aus­se­hen­de” Ver­däch­ti­ge natür­lich viel häu­fi­ger in irgend­wel­che Regi­is­trie­rungs­da­ten­ban­ken ein als Bio­deut­sche. Das schlägt sich am Ende auch in den Sta­tis­ti­ken und viel­leicht sogar in irgend­wel­chen “Ver­bre­cher­al­ben” nie­der. Unab­hän­gig davon gibt es aber auch nach­voll­zieh­ba­re Erklä­run­gen, die in kei­ner Gesell­schaft gern dis­ku­tiert wer­den. Das läuft näm­lich immer dar­auf hin­aus, dass Vor­ur­tei­le geschürt werden. 

          Als Expe­ri­ment habe ich die Flücht­lings­kri­se nie betrach­tet. Das ist eine Ter­mi­no­lo­gie, die absichts­voll ver­wen­det wird. Dass unter den hun­dert­tau­sen­den von Men­schen auch sol­che waren, mit denen man lie­ber nicht in Berüh­rung kom­men möch­te, war viel­leicht allen klar. Auch, wenn das anders gewirkt hat. Aus dem, was wir jetzt erle­ben, eine Bedro­hung des deut­schen Vol­kes zu kon­stru­ie­ren, fin­de ich ziem­lich krass. Das über­las­se ich lie­ber anderen.

          Wir krie­gen bei die­sen Debat­ten kein Bein auf die Erde. Die Ansich­ten gehen soweit aus­ein­an­der wie das kaum bei einem ande­ren The­ma je der Fall war. Ich kann mich jeden­falls nicht an ver­gleich­ba­re Kon­tro­ver­sen erin­nern (Ost­ver­trä­ge?). Was ich sehe ist, dass Men­schen, die jahr­zehn­te­lang fried­lich und ganz siche rnicht in schlech­ten Absich­ten hier mit uns gelebt haben, sich anhand der Dis­kus­sio­nen und des Beneh­mens vie­ler Bio­deut­scher aus­ge­grenzt und an die Sei­te gescho­ben füh­len. Viel­leicht wird das alles noch viel schlim­mer, wenn wei­te­re Atten­ta­te ver­übt wer­den soll­ten. Das 4 Punk­te Pro­gramm von T. May gibt auch Anlass zur Sorge.

          1. Lie­ber Herr Schul­te, ich weiß ziem­lich genau, wie Sie Ihren Bei­trag gemeint haben. Nie­mals war es mei­ne Absicht, Sie anzu­grei­fen oder gar Ihnen einen Vor­wurf zu machen. Ich will ledig­lich Denk­an­stö­ße ver­mit­teln, auf die Fall­stri­cke hin­wei­sen, die bei so wohl­mei­nen­den Aktio­nen wie der der Berufs­schü­ler lau­ern. Heu­te ver­sucht jeder jeden für sei­ne Inter­es­sen zu instru­men­ta­li­sie­ren, übri­gens auch ein Pro­blem von Pegi­da, wenn bra­ve Bür­ger von Rechts­ex­tre­men unter­wan­dert werden.

            Zuerst müss­ten doch die Leu­te abge­scho­ben wer­den, die erst kürz­lich gekom­men sind und deren Asyl­an­trä­ge abge­lehnt wor­den sind.“
            Das ist ja eben nicht mög­lich. Jedem, der deut­schen Boden betritt, steht der Kla­ge­weg offen. Ein­schlä­gi­ge RA-Kanz­lei­en ste­hen bereits in den Erst­auf­nah­me­la­gern Schlan­ge bzw. wird von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen an sie ver­wie­sen, Migran­ten dazu über­re­det, bei ableh­nen­dem Asyl­be­scheid den deut­schen Staat zu ver­kla­gen. Die deut­sche Abschie­be- bzw. Nicht-Abschie­be-Pra­xis hat sich inzwi­schen bis in nahe­zu alle Dritt­welt-Län­der her­um­ge­spro­chen. Was das auch für Staats­an­walt­schaf­ten und Gerich­te bedeu­tet, an denen die Ein­spa­run­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re nicht spur­los vor­bei gegan­gen sind, kann man sich vorstellen.
            Führt zu den Aus­wüch­sen, wie wir sie beob­ach­ten, dass Men­schen, die das Hei­mat­land ihrer Eltern viel­leicht nie gese­hen haben, hier die Schu­le besu­chen oder einen Arbeits­platz haben, plötz­lich aus­ge­wie­sen wer­den sollen.
            Der Feh­ler liegt im Sys­tem, an einer Gesetz­ge­bung, die offen­sicht­lich mit den heu­ti­gen Gege­ben­hei­ten nicht Schritt hält. Soll­te man da nicht anset­zen? Herr Maas, über­neh­men Sie 😉

            Inwie­weit ist die Flücht­lings­kri­se ein Experiment?
            Ich glau­be nicht an Zufäl­le in der Poli­tik. Es gibt vie­le Hin­wei­se, dass neben den Kriegs­flücht­lin­gen aus Syri­en die vor­wie­gend Wirt­schafts­mi­gran­ten oder Armuts­flücht­lin­ge aus ca. 80 Natio­nen, die inner­halb der letz­ten 3 Jah­re nach Deutsch­land kamen, sich nicht zufäl­lig auf den Weg machten.
            Stich­wor­te: 2015 Kür­zung der UNHCR-Hilfs­gel­der für Flücht­lings­la­ger, beson­ders krass durch die Merkel-Regierung;
            Bekannt gewor­de­ne Plä­ne US- und euro­päi­scher Wirt­schafts­eli­ten für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Euro­pa und die Lösung des Demo­gra­fie-Pro­blems (Cou­den­ho­ve-Kal­er­gi, UN Repla­ce­ment Migra­ti­on, Bil­der­ber­ger) durch Flu­tung mit Men­schen aus arabischem/afrikanischem Kulturraum.
            Finanz-Eli­ten benut­zen die Lin­ken Euro­pas für ihre Zwe­cke, von die­sen unbemerkt.
            Selbst das alte The­ma Anti­se­mi­tis­mus spielt hier eine Rol­le. Kommt D sei­ner Ver­ant­wor­tung aus der Geschich­te aus­rei­chend nach? Einen Blick nach Frank­reich wer­fen, wo immer mehr Juden das Land aus Angst verlassen.
            Wie­viel Migran­ten hat Herr Oba­ma aus den von den USA ver­ur­sach­ten Kri­sen­ge­bie­ten auf­ge­nom­men? Ist er doch voll des Lobes für die Huma­ni­tät von Frau Merkel.
            Ein sozia­les Expe­ri­ment zu Las­ten Euro­pas (und hier in ers­ter Linie Deutsch­lands, da fast alle ande­ren Staa­ten längst ihr Limit for­mu­liert haben), was es in die­ser Grö­ßen­ord­nung nie gab und des­sen Aus­gang ähn­lich gela­gert in der Geschich­te nie posi­tiv für die Ursprungs­kul­tur ausging.

            Ich den­ke, wir kön­nen uns des­we­gen nicht an ver­gleich­ba­re Kon­tro­ver­sen erin­nern, weil nie­mals so vie­len Men­schen die Bedro­hung unse­res Lan­des bewußt war. Dar­un­ter sogar nicht weni­gen der von Ihnen erwähn­ten Migran­ten, die seit Jah­ren fried­lich und bes­tens inte­griert mit uns leben.
            Selbst hier meh­ren sich die Stim­men: Es reicht! Ver­än­dert D nicht noch mehr! Wir sind nicht nach D gekom­men, um hier die­sel­ben Pro­ble­me wie in unse­rem Her­kunfts­land zu bekommen.

            Ich schrei­be das nicht, um Sie, Herr Schul­te, zu ärgern, son­dern bit­te ledig­lich, ein­mal eini­ge Zah­len gegen­über zu stel­len und zu prüfen:
            Alters­struk­tur Bio-Deut­scher – Alters­struk­tur Einwanderer,
            Zahl deut­scher Nach­kom­men – Zahl Nach­kom­men mus­li­mi­scher Einwanderer,
            Natio­na­li­täts-Zuge­hö­rig­keit in % in Groß­städ­ten sowie in Kindergärten/Schulklassen, Alters­grup­pe 4 bis 15 Jahre.
            Dann bit­te hoch­rech­nen für die nächs­ten 25 Jahre.

            Man kann das mögen und wol­len, soll­te aber nicht behaup­ten, Deutsch­land wird sich nicht verändern.
            Ich fürch­te um den säku­lä­ren Staat und eine freie, offe­ne Gesell­schaft, die sich dem tech­nisch-wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritt stellt.

            Einen klei­nen per­sön­li­chen Nach­trag möch­te ich mir noch erlau­ben, weil ich den­ke, dass er Sie viel­leicht interessiert.
            1974 wohn­te ich für eini­ge Mona­te in „Ihrem“ Urlaubs­ort Pague­ra bzw. dem angren­zen­den Puer­to And­ra­tx. Die Welt IST klein! Zur Erin­ne­rung: Wil­ly Brandt/Guillaume und Fußball-WM.
            Pague­ra war damals bis zur Pein­lich­keit fest in der Hand deut­scher Groß­kot­ze, Bes­ser­wis­ser, Glücks­rit­ter, Dis­ko­the­ken-Besit­zer, Spie­ler und Zuhäl­ter, nicht weni­ge aus mei­ner Hei­mat­stadt Essen.
            Spä­tes­tens nach mei­nem „freund­li­chen“ Hin­weis, dass sie mensch­lich mei­nem in Düs­sel­dorf zurück­ge­las­se­nen Freun­des­kreis aus Tune­si­ern, Marok­ka­nern, Liby­ern und Afri­ka­nern nicht das Was­ser rei­chen könn­ten, wur­de ich schlimm gemobbt. Ara­ber-Hu.. war noch das freundlichste.
            Ich war 19 Jah­re alt und habe das mit Hil­fe eini­ger mal­lor­qui­ni­scher Freun­de gut überstanden.
            Die Zei­ten haben sich sich geän­dert. Mei­ne dama­li­gen Freun­de waren i. d. R. ille­gal über Frank­reich ein­ge­reist und gewiss kei­ne Engel. Ihre Afros gin­gen bis auf die Schul­tern, wir hat­ten die glei­chen Musik-Vor­lie­ben und ich war hin und weg (wie heu­te man­che jun­ge Frau?)
            Was nie The­ma war: Benach­tei­li­gung von Frau­en, Islam, Terrorismus.
            Das kam alles erst im Lau­fe der fol­gen­den Jahre.

    2. @Corinna: das ist wie­der mal so eine Rede, die vor Pau­scha­li­sie­run­gen nur so trieft! Ich arbei­te selbst in einem Ver­ein mit, der Flücht­lin­ge und Migran­ten berät und ihnen wo mög­lich hilft. Dabei hab‘ ich Mit­ar­bei­ter ken­nen gelernt – z.B. Syrer! – die seit Jah­ren wah­re Säu­len die­ses Ver­eins sind, hoch­gra­dig inte­griert, exzel­lent arbei­tend und selbst­ver­ständ­lich sehr gut Deutsch sprechend.
      Syri­en ist mit Afgha­ni­stan über­haupt nicht ver­gleich­bar, son­dern ein Viel­völ­ker­staat, des­sen Bevöl­ke­rung sich aus diver­sen Eth­ni­en, Religionen/Strömungen, Zugewanderten/Flüchtlingen zusam­men setzt. Völ­lig anders als die klein­tei­li­gen, orts­fes­ten Clans in Afgha­ni­stan. Vie­le städ­ti­sche Syrer sind ähn­lich modern wie wir und auch nicht immer arm.
      Ich bin in Ber­lin noch nie von irgend­wem ange­pö­belt wor­den, weil ich auf der Stra­ße etwas esse. Aber ich habe erlebt, wie sich die Nähe­rin in der Nach­bar­schaft trotz Rama­dan-Fas­ten schier tot arbei­te­te, um allen ihre Hosen zu kür­zen und Reiss­ver­schlüs­se ein­zu­nä­hen („schier“ ist falsch, sie ist bei der Arbeit an einem Hirn Aneu­rys­ma gestor­ben). Es ist nicht das Inter­es­se von Immi­gran­ten und Flücht­lin­gen, hier auf der fau­len Haut zu lie­gen – aber Flücht­lin­ge dür­fen nicht arbei­ten, solan­ge sie kei­nen Asyl­be­scheid haben. Das dau­ert dann schon mal vie­le Mona­te oder gar Jah­re – und dann wun­dert man sich, dass eini­ge lie­ber Can­na­bis im Park ver­kau­fen als gar nichts zu tun!
      Men­schen wie Sie ver­brei­ten Res­sen­ti­ments gegen gan­ze Völ­ker­schaf­ten wegen der Ver­feh­lun­gen Ein­zel­ner. Ich fin­de das schlimm, es wider­spricht jedem Emp­fin­den von Gerech­tig­keit. Wir haben auch kei­ne Sip­pen­haft mehr, wie noch im Mit­tel­al­ter – und das ist gut so!

      1. Scha­de. Sie haben mei­ne 2 Bei­trä­ge hier ent­we­der nicht gele­sen oder nicht ver­stan­den, unter­stel­len mir Pau­scha­li­sie­ren und Res­sen­ti­ments. Hät­ten Sie sie gele­sen, wüß­ten Sie, dass Sie mir über die Ver­schie­den­ar­tig­keit von z. B. Syrern nichts mit­tei­len müs­sen. Mit Ihrem Urteil kann und muss ich leben, Sie aber sehen die Din­ge aus­schließ­lich ein­sei­tig. Wenn jemand die ande­re Sei­te the­ma­ti­siert, holen Sie die Keu­le des Belei­di­gens heraus.
        Es soll­te Ihnen doch zu den­ken geben, dass selbst vie­le kürz­lich nach Deutsch­land gekom­me­ne Syrer das Ver­hal­ten der Deut­schen als unvor­sich­tig und naiv sowie unver­hält­nis­mä­ßig tole­rant kri­ti­sie­ren und ihre eige­nen (mus­li­mi­schen) Lands­leu­te als Gefahr ein­stu­fen. Auf die­se Gefah­ren gehen Sie über­haupt nicht ein, auch nicht auf mei­ne Fra­ge, mit wie demo­kra­ti­schen Metho­den wir die­ser Gefah­ren in der Zukunft noch Herr wer­den können.
        Was Sie per­sön­lich nicht erlebt haben, blen­den Sie als nicht exis­tent ein­fach aus. Es gibt aber inzwi­schen vie­le (und immer mehr wer­den­de Men­schen), die ganz ande­re, nega­ti­ve Erfah­run­gen gemacht haben. Auch die­se Men­schen haben das Recht, sich war­nend zu Wort zu mel­den, ohne mit fal­schen Attri­bu­ten belegt zu werden.
        Wie­viel Gewalt und Opfer sind unse­re ehe­mals fried­li­chen euro­päi­schen Gesell­schaf­ten bereit hin­zu­neh­men, bis wir erken­nen, ok, wir haben es zu tun mit einer gewalt­tä­ti­gen Min­der­heit, einer gro­ßen schwei­gen­den bis gut hei­ßen­den Mehr­heit und einem wei­te­ren Teil, der mit Gewalt nichts zu tun haben will. Und dass wir dem irgend­wann Rech­nung tra­gen müs­sen, wenn wir die fried­li­chen Jahr­zehn­te zurück­ha­ben wollen.
        Es hat doch kei­nen Sinn, immer nur auf eini­ge weni­ge Ein­zel­schick­sa­le zu schau­en und dabei den Blick für das gro­ße Gan­ze zu ver­lie­ren. Schau­en Sie auf die bri­ti­schen, fran­zö­si­schen oder schwe­di­schen Gesell­schaf­ten. Deutsch­land ist dabei, den­sel­ben, wenn nicht sogar schlim­me­ren Weg zu gehen.

  4. Hal­lo Frau Friedrich,

    die Fall­stri­cke gibt es. Der Grad an Ver­un­si­che­rung ist mei­nem Text anzu­mer­ken, glau­be ich. Dass man­che nicht wider­ste­hen kön­nen und sol­che Geschich­ten für ihre Zwe­cke (so oder so) aus­zu­nut­zen ver­su­chen, ist ja zu offen­sicht­lich. Ich kom­me mir oft genug so vor, als soll­te ich für blöd ver­kauft wer­den. Ich mei­ne nicht Sie, Frau Friedrich. 

    Dass jeder Mensch den Rechts­weg beschrei­ten kann und dass die Pro­ze­du­ren viel zu lang dau­ern ist lei­der wahr. Aller­dings gibt es doch so vie­le Men­schen in Deutsch­land, deren Ver­fah­ren lan­ge abge­schlos­sen sind und die eigent­lich aus­rei­se­pflich­tig wären. Es han­delt sich um meh­re­re hun­dert­tau­send Men­schen. Ob sich denn dar­un­ter nur Leu­te befin­den, deren Schick­sa­le mit denen ver­gleich­bar sind, von denen wir in der Öffent­lich­keit in die­ser Wei­se Notiz neh­men? Ich glau­be das nicht. Obwohl ande­rer­seits hin­ter jeder Geschich­te auch ein per­sön­li­ches Schick­sal steckt. Das darf man nicht vergessen.

    Wenn die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin davon redet, dass auf­grund des Ter­rors “umge­dacht” wer­den müs­se, dann ist das im Prin­zip das, was ich auch für Deutsch­land und ande­re euro­päi­sche Län­der erwar­ten wür­de. Ob dazu letzt­lich auch Grund­ge­setz­än­de­run­gen gehö­ren, die eine Art “Son­der­be­hand­lung” von aus­rei­se­pflich­ti­gen Migran­ten und Flücht­lin­gen ermög­li­chen wer­den? Wenn es nach denen geht, die ich der ein­fach­heit­hal­ber immer mit Rechts beschrei­be, kann ich mir das gut vorstellen.

    Wer weiß, wel­che “Anpas­sun­gen” im Rah­men einer Ter­ror­ge­setz­ge­bung unser Grundg­setz bis zur Unend­lich­keit ver­stüm­meln wer­den? Ange­sichts der Ent­wick­lung hal­te ich es für wahr­schein­lich, dass die sich aus­brei­ten­de nega­ti­ve Sicht auf demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen (zu wem oder zu was kön­nen wir eigent­lich noch auf­bli­cken?) in nicht all­zu lan­ger Zeit aus­wirkt. Aller­dings erst haben wir – aus mei­ner Sicht – ein ande­res Land, vor dem sich vie­le Rech­te so zu fürch­ten schei­nen. Es sind nicht die (mus­li­mi­schen) Flüchtlinge/Migranten, die die­ses Land kaputt machen. 

    Es sind welt­weit über 60 Mio. Men­schen auf der Flucht. Krieg und Armut sind ver­mut­lich die bestim­men­den Fak­to­ren für die­ses Phä­no­men. Dass dahin­ter poli­ti­sches Kal­kül ste­cken könn­te, hal­te ich für abwe­gig. Aller­dings sind bei­de Grün­de über­wie­gend von Men­schen gemacht. Aller­dings wird dabei kaum jemand dabei im Auge gehabt haben, Flücht­lings­strö­me in Rich­tung Euro­pa in Gang zu set­zen. Zufall ist es nicht, dass vie­le Flücht­lin­ge in Deutsch­land gelan­det sind. Die Kür­zung der UNHCR-Hilfs­gel­der hat Deutsch­land wie­der zurück­ge­nom­men, weil die Regie­rung die fata­len Wir­kun­gen erkannt hat. Das haben Sie lei­der nicht erwähnt. Unser Land ist einer der größ­ten Geld­ge­ber des UNHCR. Bit­te lesen Sie mei­ne Bei­trä­ge. Ich habe mich auch mit die­sen Grün­den auseinandergesetzt.

    Ein Grund dafür, dass die Kür­zung von 2015 revi­diert wur­de, war der Höhe­punkt der Flücht­lings­kri­se in dem Jahr. 

    Die eth­ni­sche Ent­wick­lung der Bevöl­ke­rung der euro­päi­schen Län­der wer­den durch vie­le Ent­wick­lun­gen beein­flusst. Weil das seit Jah­ren der Fall ist, ver­ste­he ich die­je­ni­gen nicht, die sich bis­her gegen ein Ein­wan­de­rungs­ge­setz aus­ge­spro­chen haben. Wir könn­ten heu­te kla­re Regeln haben und müss­ten nicht immer wie­der bei Adam und Eva in den Dis­kus­sio­nen begin­nen. Nicht ein­mal der Unter­schied zwi­schen Kriegs­flücht­lin­gen, Flücht­lin­gen und Migran­ten lässt sich in der öffent­li­chen Dis­kus­si­on auf­grund gelern­ter Kate­go­ri­en hin­rei­chend dif­fe­ren­zie­ren. Sie bestä­ti­gen das Bild, das Jörg Meu­then (AfD) beim Köl­ner Par­tei­tag ein­drucks­voll gezeich­net hat. Er trug vor, dass er beim Spa­zier­gang durch sei­ne Hei­mat­stadt kaum noch Deut­schen begeg­nen würde. 

    Ich lebe in einer Klein­stadt. Auch hier hat sich das Bild ver­än­dert. Es gibt die­se Grup­pen von jun­gen, süd­län­disch aus­se­hen­den Män­nern, die zusam­men­ste­hen und viel­leicht auf man­che Leu­te beängs­ti­gend wir­ken mögen. Ich neh­me das wahr, füh­le mich aber des­halb nicht unbe­hag­lich. Ich las heu­te mor­gen in der Zei­tung, dass eine Grup­pe von 10 (Flücht­lin­gen?) eine 17jährige in Hürth (liegt in unse­rem Land­kreis) unsitt­lich berührt und ins Gesicht geschla­gen haben. Es ist nor­mal, dass sol­che Vor­fäl­le Vor­be­hal­te ver­stär­ken. Wenn dann von Poli­ti­kern oder Medi­en von Ein­zel­fäl­len berich­tet wird, sind die kras­ses­ten öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen nicht mehr weit. 

    Mei­ne Erwar­tung wäre, dass die Poli­zei in der Lage ist, die­se 10 Per­so­nen schnell zu fin­den, dass sie bestraft und danach abge­scho­ben wer­den. Wir wis­sen, dass genau das oft genug nicht so abläuft. 

    Weil es die­se Vor­fäl­le gibt und vie­le ande­re haben es die­je­ni­gen leicht, die die Fol­gen der Migra­ti­on abso­lut nega­tiv beset­zen. Logisch, dass Regie­rung und Behör­den dabei schlecht wegkommen. 

    Die Demo­gra­fie muss für vie­les her­hal­ten. Ob es die Ren­ten sind, die Pfle­ge, die Kos­ten für die­se gan­zen alten Men­schen oder ob es all­ge­mein um den Unter­gang des deut­schen Vol­kes geht. Vie­le kochen auf der Ent­wick­lung ihre Süpp­chen. Mir per­sön­lich ist es voll­kom­men egal, wel­che eth­ni­sche Grup­pe der­einst in Deutsch­land domi­nie­rend ist. Das sage ich nicht des­halb, weil ich schon 63 Jah­re alt bin und mich das, was in ein paar Jahr­zehn­ten pas­siert, nichts mehr ange­hen wird. Ich gehe von einer ganz ande­ren Prä­mis­se aus. Gehö­re ich zu denen, die von Rechts so gern als Deutsch­land­hasser dif­fa­miert wer­den, nur weil sie mit dem Begriff Nati­on wenig anfan­gen kön­nen? Über­haupt nicht. Ich lie­be mein Land. Aber ich lie­be auch Hol­land, die Schweiz, Spa­ni­en, Ita­li­en, Öster­reich und noch vie­le ande­re. Ich bin glück­lich, wenn ich nach einer Rei­se wie­der nach Hau­se zurück­kom­me. Wer heu­te posi­tiv über Mul­ti­kul­ti redet, der muss sich warm anzie­hen. Mul­ti­kul­ti ist geschei­tert, sagen vie­le (viel­leicht die meis­ten) Poli­ti­ker. Dabei leben wir in einem Staat, in dem das längst und immer noch zur Lebens­rea­li­tät gehört. Und zwar nicht nur in Neu­kölln oder ande­ren Brennpunkten. 

    Man kann das mögen und wol­len, soll­te aber nicht behaup­ten, Deutsch­land wird sich nicht verändern.
    Ich fürch­te um den säku­lä­ren Staat und eine freie, offe­ne Gesell­schaft, die sich dem tech­nisch-wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritt stellt.

    Deutsch­land hat sich längst ver­än­dert und wird das – hof­fent­lich – auch wei­ter tun. Es wird dabei nega­ti­ve Sei­ten geben aber ver­mut­lich auch vie­le posi­ti­ve. Mir macht Ver­än­de­rung kei­ne Angst. Unge­wiss­heit beun­ru­higt mich mehr. Die Ein­stel­lung der Bevöl­ke­rung kann ich nicht ein­schät­zen. Natür­lich wirkt die­se sich auf die Ent­schei­dun­gen oder Dis­kus­sio­nen auf höchs­ter poli­ti­scher Ebe­ne aus. Wenn extre­me Par­tei­en bei immer mehr Leu­ten Gehör fin­den, macht mich das unsi­cher. Ich hat­te gehofft, dass wir den Faschis­mus ein für alle mal hin­ter uns gelas­sen hät­ten. Man­che Dis­kus­sio­nen (ich mei­ne nicht die­se!) zeu­gen von etwas ganz anderem. 


    Ich glau­be, mei­ne Frau und ich waren Anfang der 1980er Jah­re erst­mals in Pague­ra. In den jeweils 2 Wochen haben wir von dem, was Sie beschrie­ben haben, wenig mit­be­kom­men. Es gibt dort zahl­rei­che deut­sche Knei­piers und Hote­liers. Wir haben im Nilo gewohnt. Das gehör­te damals einem deutsch-spa­ni­schen Ehe­paar. Dort haben wir uns sehr wohl gefühlt. Obwohl wir erst Ende 20/Anfang 30 waren und dort eher ein älte­res Publi­kum anzu­tref­fen war. Das war so was wie ein Rück­zugs­ort, wenn man die ande­re Ange­bo­te des Ortes satt hatte. 🙂

    Wir müs­sen unbe­dingt noch mal dort hin. Wir haben vor unge­fähr 3 Jah­ren mei­ne Schwie­ger­mut­ter (92) zu uns geholt und seit­her sind nicht abkömm­lich. Urlaub ist im Moment ein­fach nicht drin. Zeit hät­ten wir genug. Mut­ter ist wichtiger.

    Das Jahr 1974 ist mir auch noch in sehr guter Erin­ne­rung. Mei­ne Frau und ich haben damals (noch nicht ver­hei­ra­tet) unse­ren ers­ten gemein­sa­men Urlaub (in Spa­ni­en) gemacht. Für mich waren die 1970er Jah­re die bes­ten über­haupt. Ich erin­ne­re mich, dass mein Vater, der 2003 ver­stor­ben ist, die­ses Jahr­zehnt auch als sein bes­tes bezeich­net. Selt­sam, dass ein Jahr­zehn­te gene­ra­tio­nen­über­grei­fend so gese­hen wird. Wahr­schein­lich lags dar­an, dass es das Jahr­zehnt der SPD war 🙂

    1. Hal­lo Herr Schulte,
      „arbei­te“ mal ab:
      Kür­zung der UNHCR-Hilfs­gel­der: Dass ich die Rück­nah­me nicht erwähn­te, war kei­ne böse Absicht; ich hat­te das als bekannt vor­aus­ge­setzt, sorry.

      Gesetzes-„Anpassungen“
      Wie ich an Clau­dia­Ber­lin schon schrieb, mei­ne Befürch­tung ist, dass wir – soll­te die­se inkon­se­quen­te Poli­tik noch lan­ge bei­be­hal­ten wer­den – die Pro­ble­me nicht mehr ohne die gefürch­te­ten unschö­nen Bil­der in den Griff bekom­men wer­den. Je län­ger gewar­tet wird, des­to unan­ge­neh­mer und schwie­ri­ger (auch weni­ger rechts­staat­lich?) wird es werden.

      „Es sind nicht die (mus­li­mi­schen) Flüchtlinge/Migranten, die die­ses Land kaputt machen.“
      Hier sind wir unter­schied­li­cher Mei­nung. Für mich sind es vor­wie­gend (gibt auch noch Ande­re) fun­da­men­ta­lis­ti­sche Mus­li­me, die unse­re Städ­te in mei­nen Augen so nega­tiv ver­än­dern. Weil der „kon­ser­va­ti­ve Islam“ (den Begriff lern­te ich in der Phoe­nix-Run­de vom 06.06., die aus­nahms­wei­se rich­tig gut war) nicht mit einer frei­en Gesell­schaft kom­pa­ti­bel ist.
      Weil mir der Anblick der vie­len Sol­da­ten auf fran­zö­si­schen Stra­ßen nicht gefällt (kom­men wir da auch hin?).
      Weil sie mir „mein“ Mul­ti-Kul­ti ver­dor­ben haben, das ich noch in den 80ern rich­tig genos­sen habe, das (spe­zi­ell an mei­nem vor­über­ge­hen­den Wohn­ort Bonn) ein­mal wirk­lich schön bunt war.

      Mir per­sön­lich ist es voll­kom­men egal, wel­che eth­ni­sche Grup­pe der­einst in Deutsch­land domi­nie­rend ist.“
      Das wäre es mir nor­ma­ler­wei­se auch, solan­ge sie mei­ne Ren­te noch finan­zie­ren kön­nen, aber auch da bin ich nicht mehr so sicher.
      Ich habe den Ein­druck, dass Sie – wie wir auch – kin­der­los sind.
      In Gesprä­chen mit Eltern stel­le ich fest, dass Eini­ge sehr anders dar­über den­ken. Verständlicherweise.
      Bei dem Gedan­ken, Deutsch­land könn­te in der Zukunft von Men­schen domi­niert wer­den, die die Scha­ria dem Gesetz vor­zie­hen, wegen einer Moham­med-Kari­ka­tur aus­ras­ten, Frau­en­rech­te nicht akzep­tie­ren usw. bla, bla… (Sie ken­nen das alles) wird mir ganz anders.

      Die Ein­stel­lung der Bevöl­ke­rung kann man spe­zi­ell in den SM des­halb nicht gut ein­schät­zen, weil die SM offen­sicht­lich auch als Ven­til die­nen. Zusätz­lich läßt die vor­ge­ge­be­ne Kür­ze auf Twit­ter die Aus­sa­gen oft hart und krass wir­ken. Viel Platz für Erklä­run­gen bleibt ja nicht.
      Auch ich schrei­be dort anders als z. B. in Ihrem Blog (auf Twit­ter haben Sie mich bereits nach 1 Satz geblockt, haha).
      Es hat den Ein­druck, dass die Leu­te immer unge­hal­te­ner, unge­dul­di­ger und wüten­der wer­den. Vie­le füh­len sich über­gan­gen, hilf­los, macht­los, wür­den gern von der Poli­tik mehr berück­sich­tigt wer­den, nicht nur alle 4 bzw. 5 Jahre.
      Unter­hal­ten Sie sich mit Ein­zel­nen, sind sie durch­aus ver­nünf­tig und haben häu­fig indi­vi­du­el­le Erfah­run­gen gemacht, die sie so rabi­at reagie­ren las­sen. Dumm­köp­fe gibt es über­all. Des­we­gen bin ich auch gegen das Löschen unlieb­sa­mer Mei­nun­gen, denn wo wer­den sie sich aus­to­ben, wenn die­ses Ven­til ihnen genom­men wird?
      Rechts-Faschis­ten oder Anti­se­mi­ten habe ich unter Deut­schen wis­sent­lich nie getrof­fen, eher unter Tür­ken und Arabern.

      Wie die Men­schen nach Sept. 17 reagie­ren, wenn alles so bleibt, weiß ich nicht. Vor­aus­sicht­lich wird sich nicht viel ändern. Dar­um muß ich hof­fen, dass die AfD in ansehn­li­cher Anzahl in den Bun­des­tag kommt (Sie wis­sen, Ven­til). Selbst Bestre­bun­gen mit mili­tä­ri­schem Hin­ter­grund sind mir zu Ohren gekom­men, kann ich zah­len­mä­ßig erst recht nicht ein­schät­zen. Die­se Infor­ma­tio­nen erhielt ich aus­ge­rech­net 1 Woche vor Fran­co A., da war mir sofort klar, dass kei­ne „Anschlä­ge“ geplant waren, son­dern Atten­ta­te. Hören wir nichts mehr von, merk­wür­dig. Es bro­delt viel­leicht mehr im Unter­grund, als Sie und ich so mitbekommen…

      Die AfD selbst sehe ich gelas­sen, ver­mu­te, sie wird ca. 2021 ohne Frau Mer­kel mit der CDU/FDP koalie­ren und irgend­wann eine Par­tei ohne gro­ßen Wie­der­erken­nungs­wert sein.

      Ja, die 70er waren toll, für mich per­sön­lich auch noch die 80er.
      Pro­blem­lo­se Job­su­che, weni­ger Hek­tik; ich durf­te noch rau­chen, ohne böse ange­se­hen zu wer­den 🙂 Und die SPD war eine ganz ande­re Partei.

      Das Bild Ihrer Pen­si­on auf Pague­ra sieht sehr ein­la­dend aus. Ich wün­sche Ihnen und Ihrer Frau, dass Sie – wenn wie­der unab­hän­gi­ger – noch fit genug sind, sich an Mal­lor­ca zu erfreuen.

      Vie­le Grüße

  5. In “Arbeit” soll­te das ja nicht aus­ar­ten 🙂 Mir war wich­tig, dass Sie wis­sen, dass ich mich mit dem The­ma auch aus­ein­an­der­set­ze. Nur aus dem Bauch hole ich mei­ne gefüh­lig-ein­sei­ti­gen Arti­kel ja doch nicht :-/

    Es erschreckt mich, dass nicht nur The­re­sa May von Ein­schrän­kun­gen der Men­schen­rech­te redet, son­dern dass angeb­lich auch deut­sche Spit­zen­be­am­te dar­über nach­den­ken sol­len. Per­sön­lich habe ich immer den Stand­punkt ver­tre­ten, dass wir unse­re Geset­ze kon­se­quent anwen­den müs­sen, um allen zu zei­gen, was geht und was nicht. Lei­der gibt es immer noch vie­le Gerichts­ent­schei­dun­gen, die für mich kaum nach­voll­zieh­bar sind. Manch­mal weiß ich nicht, was die­se Juris­ten sich eigent­lich den­ken, wenn sie ihre viel zu laschen Ent­schei­dun­gen tref­fen. Wir brau­chen kein Leit­bild, son­dern die Anwen­dung bestehen­der Regeln. Die Anwen­dung muss durch die Medi­en auch pro­pa­giert und ver­tre­ten wer­den, um auch eine Signal­wir­kung zu erzeugen.

    Schlecht ist, dass unter den Flücht­lin­gen so vie­le jun­ge Män­ner sind, die hier weit­ge­hend auf sich gestellt sind. Neben den kul­tu­rel­len Son­der­hei­ten tritt, dass sie auf­grund ihres Alters Din­ge tun, die ver­ständ­li­cher­wei­se für Leu­te in Deutsch­land beun­ru­hi­gen. Das klingt nach Beschwich­ti­gung. So ist das aber nicht gemeint. Und natür­lich hilft die­se Sicht auf die Sache auch nicht bei der nöti­gen Lösung des Pro­blems. Es ist ver­kehrt, Ver­bre­chen dadurch Vor­schub zu leis­ten, dass man – egal aus wel­chen Grün­den – Ver­ständ­nis zei­gen wür­de. Aber die Beschrei­bung der Hin­ter­grün­de muss auch passieren. 

    Nach Ihrem Hin­weis habe ich mir ges­tern die Phoe­nix-Run­de ange­se­hen. Auch die Sen­dung am Fol­ge­tag. Bei­de waren inter­es­sant. Dan­ke für den Tipp.Heute las ich irgend­wo, dass jeder 3. Mus­lim in Deutsch­land dem “kon­ser­va­ti­ven Islam” anhängt. Das fin­de ich erschre­ckend. Aber was weiß ich schon davon, was der “kon­ser­va­ti­ve” Islam ist? Für uns vom Glau­ben Abge­fal­le­ne 🙂 kann es das schon sein, wenn jemand oft die Moschee besucht und täg­lich mehr­mals betet oder sich an den Rama­dan hält. Es heißt aber nicht, dass die­se Men­schen unser Grund­ge­setz durch die Scha­ria erset­zen wol­len. Mit sol­chen “Nach­rich­ten” wird hier lei­der auch Stim­mung gemacht.
    Die Fra­ge nach dem Ter­ror stellt sich in kras­ser Form. Der IS und ande­re Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on errei­chen ihr Ziel. Sie ver­der­ben das Zusam­men­le­ben in unse­ren euro­päi­schen Gesell­schaf­ten. All die Men­schen, mit denen wir seit Jahr­zehn­ten oder min­des­tens seit Jah­ren zusam­men­le­ben, wer­den immer mehr aus­ge­grenzt. Ich den­ke, Sie tei­len sol­che Sicht­wei­sen wohl nicht. Ges­tern erwähn­te eine der vie­len in die­sen Zei­ten gehör­ten Ter­ror­ex­per­ten, dass die meis­ten radi­ka­li­sier­ten Mus­li­me als Grund für ihre per­sön­li­che Ent­wick­lung Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen machen. Das klingt für vie­le nach Beschwich­ti­gungs­ver­su­chen nach dem Mot­to: ihr seid selbst schuld an der Situa­ti­on. Aber ist es so ein­fach? Ich lese viel davon, dass Juden ange­grif­fen wer­den und Chris­ten unter den Flücht­lin­gen. Das ist falsch und dage­gen muss kon­se­quent vor­ge­gan­gen wer­den. Aber es ist auch wahr, dass fried­li­che Mus­li­me – sicher nicht nur hier – ange­macht und ange­pö­belt werden. 

    Wenn hier, was gut mög­lich ist, wei­te­re Anschlä­ge erfol­gen, könn­te unser Stra­ßen­bild auch von Sol­da­ten oder Poli­zei bestimmt werden. 

    Die Ren­te ist sicher. 🙂 Wenn ich dran den­ke, wie vie­le Men­schen ihre Alters­ver­sor­gung in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten auf­grund der Finanz­kri­se von 2009 ver­lo­ren haben, glau­be ich, dass wir mit unse­rer staat­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bes­ser dran sind. Dass bei den vie­len Reformen/Reförmchen Feh­ler gemacht wur­den, scheint auch das Bei­spiel Öster­reich zu bele­gen. Dort wur­den die­se vie­len Ände­run­gen nicht vor­ge­nom­men und das Sys­tem ruht in sich. Jeden­falls wur­de das so in unse­ren Medi­en dar­ge­stellt. Sie wis­sen, wes­halb ich die­se Ein­schrän­kung dazu mache!

    Mei­ne Frau und ich sind kin­der­los. Aber es gibt in unse­rem fami­liä­ren Umfeld und im Freun­des­krei­se vie­le jun­ge Leu­te mit Kin­dern, die uns sehr am Her­zen lie­gen. Wir den­ken inso­fern, wie Sie sicher auch, nicht nur an uns und wir sind hin­sicht­lich unse­rer The­men auch mit ihnen stän­dig im Gespräch. Man­che gehen da nicht so gern aus sich her­aus und ich insis­tie­re auch nicht – des lie­ben Frie­dens willen.

    Tut mir leid, dass ich Sie bei Twit­ter geblockt habe… Ihr Ein­druck ist ein­fach rich­tig. Vie­le Men­schen füh­len sich unsi­cher und sind wütend. Die ande­re Sei­te ist aber, dass die Unduld­sam­keit total stark zuge­nom­men zu haben scheint. Es war doch nie anders. Die Regie­run­gen haben schon immer mit uns gemacht, was sie wol­len. Und letzt­lich ste­cken die Leu­te mit dem meis­ten Geld hin­ter vie­len Ent­schei­dun­gen. Vie­le haben das schon immer gewusst. Aber jetzt schei­nen wir an einem Punkt ange­langt (das Inter­net machts mög­lich), an dem sich neue Ver­bün­de bil­den. Das könn­te eigent­lich was Posi­ti­ves sein. Ich hal­te die Ent­wick­lung eher für gefähr­lich. Viel­leicht aus Bequem­lich­keit oder aus Nai­vi­tät, kei­ne Ahnung. Jeden­falls will ich nicht, dass die Aus­wir­kun­gen die­ser Ent­wick­lung zur ech­ten Gefahr für das Land werden.
    Mein ein­fa­ches Rezept heißt, wir müs­sen unse­re Regeln durch­set­zen und die Leu­te, die dage­gen ver­sto­ßen, zum Teu­fel schi­cken. Wenn die­se Leu­te inzwi­schen die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit haben, muss man über­le­gen, ob wir sie unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die­se aberken­nen kön­nen. Men­schen, die mit Ter­ror sym­pa­thi­sie­ren und sich nicht an die Regeln/Gesetze hal­ten, müs­sen dafür zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den. Das muss unser Staat leisten. 

    Sie sagen, Sie hät­ten nie bis­her kei­ne Rechts­fa­schis­ten oder Anti­se­mi­ten unter Deut­schen getrof­fen? Ich muss lachen, dass Sie einen Bin­de­strich ver­wen­den. Die Nach­richt habe ich ver­stan­den. Links-Faschis­ten sehen Sie dafür überall 🙂 

    Ich hof­fe noch, dass die AfD nicht in den Bun­des­tag kom­men wird. Die Chan­cen dafür sind schlecht. Ich weiß das. Die Auf­re­gung, mit der von der Ley­hen die ers­ten Stel­lung­nah­men abgab, brach­ten mich auf die Idee, dass ein Putsch der BW bevor­stün­de. Ich habe das irgend­wo geschrie­ben – wohl bei FB. Das war aller­dings mehr als Witz gemeint.

    Sol­che Sze­na­ri­en lie­gen außer­halb mei­ner eige­nen Vor­stel­lungs­kraft. Dass es bro­delt glau­be ich aller­dings auch. Über­all in der Gesell­schaft. Ich schlie­ße das aller­dings aus­schließ­lich aus mei­nen Beob­ach­tun­gen im Inter­net. Das ist ein biss­chen zu wenig, um sich ein Bild zu machen. Ich drü­cke die Dau­men, dass wir (Euro­pa ins­ge­samt) die­se Zeit heil überstehen. 

    Hof­fen wir für uns alle, dass es fried­lich wei­ter­geht. Es war­tet -hof­fent­lich- noch ein län­ge­res Rent­ner­le­ben auf uns alle und viel­leicht noch ein paar schö­ne ruhi­ge Urlau­be – auch in Paguera.
    LG Horst Schulte

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