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Als Kin­der haben wir dar­über abge­stimmt, wer der Ban­den­füh­rer sein soll­te. Mir war noch nicht klar, dass man dem Gewin­ner einer Wahl nicht unbe­dingt sagen muss, dass man ihn gewählt hat.

Viel­leicht, weil man sich wich­tig tun woll­te oder ein­fach nur Punk­te beim neu­en Chef sam­meln. Ich wur­de aus­ge­schimpft für mein Ver­hal­ten. Demo­kra­tie muss man ler­nen.

Es gibt vie­le Leu­te, die ihre Wahl­ent­schei­dung nicht preis­ge­ben und sich dabei im Ein­klang mit demo­kra­ti­schen Prin­zi­pi­en sehen. Wah­len sol­len all­ge­mein, unmit­tel­bar, frei, gleich und geheim sein. Die Ent­schei­dung dar­über, wie man mit dem Wahl­ge­heim­nis umgeht, ob man also ein Geheim­nis aus sei­ner poli­ti­schen Gesin­nung macht oder nach der Ent­schei­dung aus dem «Näh­käst­chen» plau­dert, trifft jeder für sich.

Zum heu­ti­gen Web­mas­ter­fri­day ist das The­ma bri­sant und hoch­ak­tu­ell. Es lau­tet: Spal­tet das Inter­net die Gesell­schaft? Lei­der haben bis­her erst zwei Blogs mit­ge­macht (sie­he unten). Ich hof­fe, dass Mei­nungs­äu­ße­run­gen wie die­se nicht dazu bei­tra­gen wer­den, die­se «Insti­tu­ti­on» des Web­mas­ter­fri­day kaputt­zu­ma­chen.

Bestehende Regeln wirken unzureichend

Mit dem Inter­net wur­den die Regeln nicht ver­än­dert. Trotz­dem ist heu­te vie­les ganz anders. Ob das, was heu­te im Inter­net abgeht, nur ein Spie­gel unse­rer Gesell­schaft ist, wie vie­le behaup­ten, wage ich seit lan­gem zu bezwei­feln. Mei­ne Begeis­te­rung für das Inter­net, mit dem ich fast von Beginn an umge­he und von dem ich abso­lut begeis­tert war, ist längst einer mäch­ti­gen Skep­sis gewi­chen.

Wer will, kann heu­te sei­ne poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen in Echt­zeit ver­brei­ten. Vie­le nut­zen die Mög­lich­kei­ten via Blog oder im Soci­al Web. Lei­der blei­ben häu­fig die guten Manie­ren dabei kom­plett auf der Stre­cke. Man­chen macht es zwar nach eige­nem Bekun­den nichts aus, dort hart ange­gan­gen zu wer­den. Ande­re hin­ge­gen sind in die­ser Hin­sicht emp­find­li­cher und wün­schen sich, dass die ver­schie­de­nen Soci­al-Web-Betrei­ber mehr Schutz bie­ten wür­den. Wie­der ande­re wol­len, dass sich der Staat mehr enga­giert. Mir ist es auch schon mehr­fach pas­siert, dass ich mich im Eifer eines Gefech­tes im Ton ver­grif­fen habe. Und zwar nicht nur als Reak­ti­on auf irgend­ei­nen Angriff.

Nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft, sondern ein Katalysator

Ein Spie­gel der Gesell­schaft ist das Inter­net natür­lich auch. Ande­rer­seits wirkt es als Kata­ly­sa­tor, weil es aus Inhal­ten besteht, die frü­her™ die Öffent­lich­keit nie erreicht haben. Mit der rie­si­gen Men­ge an Mei­nungs­äu­ße­run­gen, mit denen wir durch das Inter­net kon­fron­tiert wer­den, ver­än­dert sich unser Den­ken, was wie­der­um Ein­fluss auf unse­re Gesell­schaft hat.

Es ist zwar kein neu­es Phä­no­men aber vor allem in den letz­ten Wochen hören wir ver­stärkt von so genann­ten Soci­al Bots. Angeb­lich sind je ca. 1/​3 aller Fol­lo­wer der us-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten kei­ne Men­schen, son­dern es han­delt sich um maschi­nell erzeug­te Pro­fi­le.

Neben dem bekann­ten Phä­no­men und der frag­wür­di­gen Wir­kungs­wei­sen von Echo­kam­mern liegt im mas­sen­haf­ten Ein­satz von Soci­al Bots eine wei­te­re direk­te Gefahr für die Mani­pu­la­ti­on von Men­schen im ganz gro­ßen Stil.

Ich habe mich manch­mal dar­über gewun­dert, wie vie­le Men­schen in Deutsch­land in ihren Kom­men­ta­ren pro-rus­si­sche Posi­tio­nen ein­neh­men. Nicht, dass ich nicht per­sön­lich davon über­zeugt wäre, dass die west­li­che Poli­tik gegen Russ­land falsch ist, die schie­re Mas­se von Kom­men­ta­ren gegen deut­sche, euro­päi­sche und natür­lich us-ame­ri­ka­ni­sche Stand­punk­te hat mich irri­tiert.

Eben­so ver­hält es sich bei der Mas­si­vi­tät, in der im Inter­net Pegi­da- und AfD-Posi­tio­nen auf­lau­fen. Der deut­sche Wis­sen­schaft­ler, Pro­fes­sor Simon Hege­lich, hat unter­sucht, wie in die­sem Bereich «gear­bei­tet», sprich mani­pu­liert wird. Auch dabei spielt der Ein­satz von Soci­al Bots eine Rol­le!

Manipulation in riesigem Umfang

Pro­fes­sor Simon Hege­lich […] unter­sucht im Auf­trag von «ZDFzoom» 30 Mil­lio­nen Face­book-Akti­vi­tä­ten und fünf Mil­lio­nen Twit­ter-Nach­rich­ten. Kann er bewei­sen, dass die Flücht­lings­de­bat­te in den Sozia­len Medi­en mani­pu­liert ist? Es star­tet eine Spu­ren­su­che, um her­aus­zu­fin­den, wer dahin­ter steckt. Sind da auch Soci­al Bots am Werk? Wer könn­te ein Inter­es­se dar­an haben, mit Flücht­lings­the­men Stim­mung zu machen?Quel­le: ZDFzoom: Alles nur Lüge? — ZDFme­dia­thek | LINK

Ich hal­te mich für einen halb­wegs auf­ge­klär­ten Bür­ger. Von den Gefah­ren, wie sie im Bei­trag beschrie­ben sind, hat­te ich schon längst eine Vor­stel­lung. Trotz­dem füh­le ich mich von der Mas­si­vi­tät, in der rech­te Posi­tio­nen in Deutsch­land ver­brei­tet und (ein fal­scher Ein­druck?) im dop­pel­ten Wort­sinn geteilt wer­den aus­ge­lie­fert. Das ist kein schö­nes Gefühl. Und viel­leicht sor­gen sol­che Ein­drü­cke, die auf Mani­pu­la­ti­on beru­hen, zur wei­te­ren Ver­schär­fung der Pola­ri­sie­rung. Der Debat­te wer­den sol­che «Tools» jeden­falls kaum nut­zen.

In Nazi-Blogs wie PI-News wird die Sen­dung als letz­ter Ver­such der Lügen­pres­se abqua­li­fi­ziert. Außer der übli­chen Pole­mik kommt da nichts.

Auf­grund der Tat­sa­che, dass auf sach­li­cher Ebe­ne bis­her kei­ne Argu­men­te gelie­fert wer­den, die bele­gen, dass die #Mer­kel­muss­weg — Putin — Frak­tio­nen nicht mit unlau­te­ren und des­halb unde­mo­kra­ti­schen Mit­teln ope­rie­ren, zie­he ich die Schluss­fol­ge­rung, dass ich allen Ein­drü­cken, die über das Inter­net auf mich ein­wir­ken, noch skep­ti­scher gegen­über­ste­hen muss, als ich es schon bis­her getan habe.

Das Inter­net ist nicht gut für unse­re Demo­kra­tie, weil sich die meis­ten von uns immer noch unre­flek­tiert und unkri­tisch von dem, was sie für Infor­ma­tio­nen hal­ten, beein­flus­sen las­sen. Ich auch!


Wei­te­re Bei­trä­ge zum Web­mas­ter­fri­day:

  • Drei­zehn­hun­dert­sie­ben­und­neun­zig | bre­ak­point | Quel­le
  • Spal­tet das Inter­net die Gesell­schaft? | Deut­sche­Mus­li­ma-dot­com | Quel­le
  • WMF: Spal­tet das Inter­net die Gesell­schaft? | Quel­le

Hier noch ein wei­te­rer Link, der zum The­ma passt, der aber nicht im Rah­men des WMF geschrie­ben wur­de:

Trump, Echo­kam­mern, lin­ker Popu­lis­mus und mein AfD-Fol­lo­wer – Ali­ce in Won­der­land | Quel­le

Donald Trump - sehr farbiger Präsident
Wie konn­te es dazu kom­men? Das hat uns an die­sem grau­en 9. Novem­ber grad” noch… 
kriegsdenkmal
Am Volks­trau­er­tag 1972 (19.11.) erreich­te die SPD ihr bes­tes Wahl­er­geb­nis (45,8%) auf Bun­des­ebe­ne. Bis ins… 

Dan­ke fürs Tei­len

Horst Schulte

Ich bin Horst Schulte und blogge seit 2004. Am liebsten schreibe ich über gesellschaftliche und politische Fragen. Aber ab und an gibt es hier auch etwas zum Thema Bloggen, Wordpress und ein paar Fotos.

Meine ersten Gehversuche als Blogger machte ich mit den Blogs finger.zeig.net, später mit querblog.de und noch etwas später mit netzexil.de

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare
  1. Mani­pu­la­ti­on fin­det stän­dig statt. Ist es bes­ser wenn Kin­der von ihren Leh­rern in der Schu­le mani­pu­liert wer­den und ohne Inter­net die Gehirn­wä­sche nicht ein­mal bemer­ken? Ist es bes­ser wenn Fak­ten der Bevöl­ke­rung vor­ent­hal­ten wer­den, damit bloß nicht zuviel gedacht wird? Bes­ser den eta­blier­ten Medi­en jeden Müll glau­ben statt zu bemer­ken dass etwas nicht stimmt?
    Ich hal­te mich aus den sozia­len Netz­wer­ken eher fern. Ich bin nicht unkritsch wenn es um das I-Net geht, aber ich ver­teu­fel es nicht wo es doch eine Men­ge Mög­lich­kei­ten bie­tet. Mög­lich­kei­ten die ich durch das Betrei­ben mei­nes Blogs auch nut­ze, aber nicht nur dort. War­um soll ich mir vom Spie­gel sagen las­sen wel­che Bücher gera­de «in» zu sein haben wenn ich doch auf mehr zugrei­fen kann?Wenn ich sel­ber ent­schei­den kann statt mir Auto­ren vor­set­zen zu las­sen, die «genehm» sind? Wenn ich Infos bekom­men kann, die rea­li­täts­nä­her sind als die Mel­dun­gen eines Jour­na­lis­ten der die Redak­ti­ons­räu­me nicht mehr ver­las­sen und sich nicht mal die Mühe gemacht hat zu recher­chie­ren ob die Mel­dung die er auf­wärmt über­haupt aktu­ell und stim­mig ist? Muss ich Geld aus­ge­ben um mich vera… zu las­sen?
    Nein, das Inter­net ist wie alles eine Medail­le mit zwei Sei­ten und jeder hat die Chan­ce die Sei­te frei zu wäh­len. Ohne Inter­net wäre es nicht anders, aber klei­ner.

  2. Hal­lo Asmaa,

    Mani­pu­la­ti­on war immer. Da hast du Recht. Natür­lich ist es gut, dass wir die Infor­ma­ti­ons­quel­le Inter­net besit­zen. Aber ist sie nur im Paket zu bekom­men? Wenn wir in die­ser Anfangs­pha­se des Inter­nets (wei­ter sind wir aus mei­ner Sicht immer noch nicht) nicht in der Lage sind, allein die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten für Mani­pu­la­ti­on aus­zu­schlie­ßen, was wird dann erst sein, wenn die Algo­rith­men über­mäch­tig wer­den? Dei­ne Ent­schei­dung, aus dem Soci­al Web weit­ge­hend weg­zu­blei­ben, ist ver­mut­lich eine klu­ge. Ich hat­te von Okto­ber letz­ten Jah­res bis vor kur­zem eine Aus­zeit genom­men, weil ich «es» nicht mehr aus­ge­hal­ten habe. Damit mei­ne ich nicht, dass es ver­schie­de­ne Mei­nun­gen bei­spiels­wei­se zur Flücht­lings­kri­se gibt. Nein, es ist die Art und Wei­se, wie mit­ein­an­der umge­gan­gen wird und auch, wel­chen Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­chen wir dabei stän­dig aus­ge­setzt sind. 

    Dei­ne Ansät­ze bei der Aus­wahl dei­ner Lek­tü­re ist ver­nünf­tig und ent­spricht dem, was mün­di­ge Bür­ger aus mei­ner Sicht auch unbe­dingt tun soll­ten.

    Ich weiß nicht, ob du die Dis­kus­si­on im TV ver­folgt hat, bei der der Psy­cho­lo­ge Spit­zer sehr ins Hin­ter­tref­fen geriet, weil er eine grund­sätz­lich kri­ti­sche Hal­tung zur Inter­net­nut­zung durch Kin­der ver­tritt. Das hat mit unse­rem The­ma wenig zu tun. Aber ich sehe in der vehe­men­ten Ableh­nung von Posi­tio­nen, die inter­net-kri­tisch sind, ein Pro­blem. Es legt offen, wie unkri­tisch sich man­che mit der gan­zen The­ma­tik aus­ein­an­der­set­zen.

    Nicht falsch ver­ste­hen, Asmaa. Damit mei­ne ich nicht ihre Posi­ti­on. Aber sind nicht die aller­meis­ten Men­schen, die sich im Web tum­meln abso­lut unkri­tisch bei der Betrach­tung von Infor­ma­tio­nen? Ich habe immer noch im Ohr, als vor eini­gen Jah­ren Frau Mer­kel den Begriff #Neu­land im Zusam­men­hang mit dem Inter­net benutzt hat. Da wur­de so getan, als sei die­ser Aus­spruch ledig­lich ein Beleg dafür, dass die Kanz­le­rin sich mit der Mate­rie nicht aus­ken­nen wür­de. In Wahr­heit hat sie damit einen Zustand beschrie­ben, der für vie­le Leu­te in Deutsch­land immer noch sehr zutref­fend ist. Bei­spiels­wei­se ist unse­re Gesetz­ge­bung bei wei­te­rem nicht auf einem Stand, dass man behaup­ten könn­te, unse­re Recht­spre­chung berück­sich­ti­ge auch nur im Ansatz all die weit­rei­chen­den Ver­än­de­run­gen, die durch das Inter­net zu berück­sich­ti­gen wären. Das Urhe­ber­recht ist nur ein Bei­spiel dafür. Es wur­de zwar schon «ange­passt». Die Ände­run­gen haben aber ihren Namen nicht ver­dient.

    Wir ste­hen immer noch ganz am Anfang einer so radi­ka­len Ent­wick­lung, dass mir die Lücken, die sich beim nähe­ren Betrach­ten auf­tun, wie rie­si­ge Abgrün­de schei­nen.

  3. Noch immer sag ich dazu: «das Inter­net» gibt es nicht!
    Ich hal­te es sogar für schäd­lich, die unzäh­li­gen Info-Kanä­le, Com­mu­nities, Foren, Apps, Mes­sen­ger, sowie die paar ganz Gro­ßen (FB, Twit­ter, Goog­le, Ama­zon..) fort­wäh­rend in einen gro­ßen Topf zu wer­fen. Als wäre dies alles das­sel­be!

    Dem ist nicht so, das war nie so und wird auch nie so sein. Die Aus­sa­ge in dei­ner Head­line ist inso­fern eine popu­lis­ti­sche Null-Aus­sa­ge, ledig­lich dazu geeig­net, vor­han­de­ne Res­sen­ti­ments der «Netz­fer­nen» zu ver­stär­ken. Noch schlim­mer geht aller­dings auch und wird auch gemacht: wenn der Topf näm­lich noch grö­ßer und umfas­sen­der auf­ge­stellt wird und alles «Digi­ta­le» dazu zählt.

    Das Inter­net bie­tet auch heu­te unzäh­li­ge posi­ti­ve Mög­lich­kei­ten, auf fast allen Ebe­nen des Lebens — wer könn­te das leug­nen? Wer wür­de denn zurück wol­len in die Welt der Zei­tun­gen, Faxe, Tele­fo­ne und Archi­ve?

    Was unse­re Pro­ble­me angeht: die rüh­ren daher, dass dies alles sich so schnell ent­wi­ckelt hat, dass die Poli­tik nicht hin­ter­her kommt. Politiker/​innen sind ja nicht etwa Per­so­nen, die sel­ber viel Zeit hät­ten, um in aller Ruhe eige­ne Erfah­run­gen mit sämt­li­chen Fea­tures zu machen, die das Netz so bie­tet. Auch heu­te noch ist das «Netz­le­ben» von Poli­ti­kern rudi­men­tär. bzw. wird von Ande­ren bear­bei­tet. Wer aber nicht drin steckt, die Pro­ble­me nicht aus eige­nem User-Erle­ben kennt, hat ein ganz ande­res Ver­hält­nis und weni­ger Enga­ge­ment in der Fin­dung von Lösun­gen.

    Hin­zu kommt die Glo­ba­li­tät des Net­zes: es gibt kei­ne Welt­ge­sell­schaft mit Welt­ge­set­zen, son­dern über­all unter­schied­li­che Rege­lun­gen und Kul­tu­ren, die sich gern mal gegen­sei­tig aus­sper­ren oder juris­tisch zur Ver­ant­wor­tung zie­hen wol­len. An der Stel­le ist das Netz tat­säch­lich ein Kata­ly­sa­tor zur Beschleu­ni­gung ´zur Fin­den von Regel­wer­ken — die natür­lich noch lan­ge nicht bei einem glo­ba­len Kon­sens ange­kom­men sind. 

    Aber zurück zu den von dir ange­spro­che­nen /​gemein­ten Pro­ble­men und Miss­stän­den: Ja, das mit den Soci­al Bots ist ein kras­ses Pro­blem, das die demo­kra­ti­sche Mei­nungs­bil­dung beein­träch­tigt.
    Es tritt aber erst seit kur­zem so rich­tig ins Bewusst­sein, wird erst­ma­lig auch beforscht.
    Der ganz nor­ma­le Pro­zess wäre dann: Man zwingt die Com­mu­ni­ty-Hos­ter dazu, die Tech­ni­ken so zu gestal­ten, dass die­se Mani­pu­la­tio­nen deut­lich erschwert bis ver­un­mög­licht wer­den. Ganz wird man sowas nie weg bekom­men, aber man kann sehr wohl Geschüt­ze auf­fah­ren, die das Pro­blem mini­mie­ren.

    Bei­spiel: AMA­ZON-Bewer­tun­gen. Die sind bei Kauf­ent­schei­dun­gen SEHR rele­vant, also haben vie­le Ver­käu­fer Prak­ti­kan­ten, Mit­ar­bei­ter und Freun­de damit befasst, posi­ti­ve Kom­men­ta­re und Bewer­tun­gen abzu­ge­ben. Das ging eine Wei­le so, nahm Aus­ma­ße an, die die Glaub­wür­dig­keit der Bewer­tun­gen ins­ge­samt frag­lich erschei­nen ließ. Doch AMAZON hat reagiert und das Label «veri­fi­zier­ter Kauf» ein­ge­führt: das steht jetzt an allen Kom­men­ta­ren dran, die von Leu­ten kom­men, die das jewei­li­ge Teil tat­säch­lich gekauft haben.

    Fol­ge: Loben­des Gesäu­sel OHNE die­ses Label wer­den nicht mehr ernst genom­men, Pro­blem weit­ge­hend gelöst! (Ja, viel­leicht leis­ten es sich noch eini­ge, tat­säch­lich meh­re­re Mit­ar­bei­ter extra ein­kau­fen zu las­sen, um glaub­haft bewer­ten zu kön­nen — aber die Mas­se ist damit aus dem Geschäft gedrängt!)

    Auf ähn­li­che Wei­se könn­ten FB und Twit­ter gut sicht­ba­re Label für «veri­fi­zier­ter Mensch» ein­füh­ren — für Pro­mis haben sie sowas ja schon. Dazu ein trans­pa­ren­tes Ver­fah­ren, wie man sich als Mensch aus­wei­sen kann — und schon ist die gro­ße Mas­se der Bots drau­ßen (es wären da auch Ver­fah­ren denk­bar, die die Anony­mi­tät gegen­über der Platt­form wah­ren — etwa über eine ver­trau­ens­wür­di­ge drit­te Insti­tu­ti­on).

    Fazit: Es geht vie­les, man muss es halt kon­zi­pie­ren, for­dern, durch­set­zen, umset­zen!

    Code rules — aber es sind Men­schen, die den Code schrei­ben, der zu unse­rer «Inter­net-Umge­bung» wird. Es ist an uns allen, die digi­ta­le Umwelt zu ver­bes­sern — wie­der ver­schwin­den wird sie nicht!

  4. Das ist wohl wahr. Es gibt nicht nur Koch­sei­ten oder neu­tra­les Bla-Bla, es gibt eine unzäh­li­ge Men­ge ver­schie­dens­ter The­men, die im Inter­net behan­delt wer­den. Die The­men­viel­falt ist die posi­ti­ve Sei­te des Inter­nets.

    Aber die ande­re gibt es eben­falls. Dass das Inter­net nicht wie­der ver­schwin­den wird, ist sogar mir klar. Die Netz­pu­ris­ten wür­den sich bedan­ken, wenn irgend­wer für die unzäh­li­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­for­men eine Iden­ti­täts­prü­fung ver­lan­gen wür­den. Schon heu­te wird über Ver­su­che, die in die­se Rich­tung gehen, erbit­tert gestrit­ten. Oft pas­siert das, weil die Netz­ak­ti­vis­ten nicht begrei­fen, dass die Idea­li­sie­rung ihres schö­nen Inter­nets nicht weni­ger falsch ist wie sei­ne Dämo­ni­sie­rung.

    Wir erle­ben gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen, die auch mit dem Inter­net zu tun haben. Die Aus­wir­kun­gen, die die Stim­mungs­ma­che längst hat, sind in mei­nen Augen unüber­seh­bar. Es ist kein Zufall, dass poli­ti­sche Grup­pen ohne Lösungs­kom­pe­tenz mit ihren eben­so ein­fa­chen wie fal­schen Ant­wor­ten welt­weit die­se Zustim­mung erfah­ren. Neh­men wir die USA. Die wirt­schaft­li­chen Kenn­zah­len sind nicht so schlecht, wie das zum Teil her­über­kommt. Den­noch nen­nen die Ame­ri­ka­ner als Haupt­sor­ge wirt­schaft­li­che Pro­ble­me. Fak­ten inter­es­sie­ren fast nicht. Wie bei uns. 

    Wer bei Ama­zon Bewer­tun­gen abge­ben will, dem schickt der Her­stel­ler das Pro­duk­te gegen Rech­nung. Der Kauf­preis wird nach der Bewer­tung erstat­tet, das Pro­dukt even­tu­el­le wie­der zurück­ge­ge­ben.

    Es ist evi­dent, wie inter­es­sier­te Grup­pen welt­weit mit unlau­te­ren, mani­pu­la­ti­ven Mit­teln die öffent­li­che Mei­nung von Inter­net­nut­zern beein­flus­sen, so wie kei­ner ein Mit­tel gegen Hass­bot­schaf­ten fin­det, wird es auch gegen die­se Mani­pu­la­tio­nen von Men­schen kein Mit­tel geben. Und wenn doch, dann nur bruch­stück­haft.

    Falls es doch geschieht, haben all die­je­ni­gen einen Vor­wand ihre Stim­me für Frei­heit im Netz zu erhe­ben. So läuft es und die Gefah­ren wer­den klein­ge­re­det. Die Ver­tei­di­gung des Inter­nets mutet manch­mal an, als wenn Kin­der im Sand­kas­ten um ihre Förm­chen strei­ten.

  5. Ich habe es ein­fach noch nicht geschafft, über die­ses The­ma zu schrei­ben, obwohl es total wich­tig ist. Timur Ver­mes hat ja in sei­nem (gar nicht so tol­lem) Buch «Er ist wie­der da» den Hit­ler von den Pro­pa­gan­da-Mög­lich­kei­ten des Inter­nets schwär­men las­sen.
    Dein Arti­kel bringt die Gefah­ren sehr gut auf den Punkt.
    LG
    Sabie­nes

  6. Man sieht auch hier in den Kom­men­ta­ren, wie unter­schied­lich die Sache gese­hen wird. Inso­fern freut es mich, dass du die Gefah­ren viel­leicht ähn­lich dra­ma­tisch siehst wie ich es tue.

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