Die Lügerei Nervt Nur Noch

Die meisten nehmen die Abschiebeexzesse, die in unserem Rechtsstaat stattfinden, mit lakonischem Gleichmut hin. Ja, alles schlimm, alles furchtbar.

Andere, die neutralen Gutmeinenden, finden: dieser Staat macht erst gar nichts und dann trifft es die falschen. Viele finden es richtig, dass abgeschoben wird, wenn die entsprechenden rechtsstaatlichen Verfahren durchlaufen sind. Das ist auch meine Meinung. Es gibt Regeln, die beachtet werden müssen Punkt

Dann gibt es noch die, die am liebsten alle Flüchtlinge und Migranten abschieben würden. Am besten auch noch die Türken, die für Erdogans Reform gestimmt haben. Schon deshalb, weil die ja Muslime sind. Und mit denen hat man eh nix als Ärger. Ja! So denken viele. Nicht nur dieser alte Mann von der AfD. Aber auch das ist klar. Schließlich hat er es ja deshalb überhaupt thematisiert.

Und dann gibt aber auch noch die, die gar nicht abschieben wollen. Die Idealisten, die Menschenfreunde, diese schrecklichen Gutmenschen, die einst in den Bahnhöfen mit Plüschbären geholfen haben, als die ankamen, die andere so partout hier nicht haben wollen.

Ich schweife schon wieder ab. Es geht um die Abschiebungen von Asef S. nach Afghanistan und von Bivsi und ihren Eltern nach Nepal.

Vielleicht regen sich ein paar Blogger noch darüber auf. Manche nutzen die Gelegenheit für linke oder rechte Agitation. Ich wohl auch.

Für die betroffenen Menschen interessieren sich nach meinem Eindruck nicht so viele. Es geht ja ums Eingemachte, um die übergeordnete Bedeutung oder besser Deutungshoheit solcher Vorgänge. Da sind wir lieber etwas zurückhaltend. Genauso wie bei den Todesopfern im Mittelmeer oder den Zuständen an der geschlossenen Grenze zum Balkan und auf griechischen Inseln. Von den Flüchtlingslagern gar nicht zu reden. Hauptsache, sie verschwinden aus unserem Blickfeld, behelligen uns nicht mehr.

Warum wollen die auch alle zu uns?!

Junge Leute neigen zum Idealismus. Vielleicht ist die Zielsetzung objektiv nicht immer gut oder »richtig«. Mir gibt die Tatsache an sich Hoffnung.

Heute lese ich Dinge über Asef N., den 20jährigen Afghanen, die nicht zu dem Bild passen, das staatliche Stellen von ihm zeichnen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sprach davon, Asef habe die deutschen Behörden seit Jahren getäuscht und belogen.

Der CSU-Politiker sieht bei dem Betroffenen in Nürnberg allerdings auch eine Mitschuld für die Entwicklung. „Der junge Afghane hat über Jahre hinweg getrickst, getäuscht und gelogen“, sagte Herrmann.

„Er hat lange Zeit angegeben, keine Papiere zu haben, und zuletzt dann einen afghanischen Reisepass aus dem Jahr 2007 vorgezeigt.“

Auch habe er 7000 Dollar an Schleuser bezahlt und wolle jetzt einen Job, um das Geld zurückzahlen zu können. „Dieses typische Modell krimineller Schleuserorganisationen dürfen wir nicht auch noch fördern.“Quelle: Abschiebung in Nürnberg: „Afghane hat jahrelang getrickst, getäuscht und gelogen“ – WELT | LINK

Bitte lesen Sie die Kommentare zu diesem Welt Online – Artikel. Schon klar, dass die sich dort wohlfühlen und insofern gehäuft auftreten. Es fällt mir immer schwerer daran zu glauben, dass ein Austausch mit denen etwas bringen könnte. Sie sind von etwas überzeugt, was ich ablehne. Radikal ablehne. Da ist einfach kein Sinn und auch kein Platz mehr für Dialog. Da kann Sascha Lobo sich noch so abmühen.

Ich kategorisiere solche Aussagen übrigens als Meinungsäußerung, nicht als Hatespeech. Dennoch behaupte ich, dass diese Leute von ihrem Hass gegen alles Fremde aufgefressen werden.

Andere Kommentatoren gehen weiter. Sie bezeichnen Asef N. als gewalttätig. Woher diese »Informationen« kommen, bleibt im Dunklen.

Seine Mitschüler in der Berufsschule scheinen Asef N. zu schätzen. Jedenfalls habe ich aus diesem Bereich nur Gutes über ihn gelesen. Hier noch einmal die Links zu den beiden Augenzeugenberichten (1,2).

Eine Sozialarbeiterin verzweifelt am Zerrbild, das manche jetzt von ihrem Schützling zeichnen. Asef N. sei kriminell, ein Schulversager – für Barbara Fraaß sind das »ganz üble Gerüchte«. Nichts davon sei wahr. Sie hat den 21-Jährigen drei Jahre lang an der Berufsschule betreut. So gut es eben ging. »Ich bin hier leider allein«, sagt die 60-Jährige, die ständig mit bedrückenden Schülerschicksalen konfrontiert ist.

»Asef hat alles richtig gemacht«, sagt sie. Deutschkurs, Berufsschul-Vorklasse, Mittelschulabschluss, Berufsschule für Bautechnik. Der junge Afghane (»Er wollte nicht nur herumsitzen«) hatte Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Doch ihm ging es wie vielen jungen Geflüchteten, die nur geduldet sind: Arbeiten durfte er nicht.Quelle: Abschiebeprotest in Nürnberg: Wer ist Asef N. wirklich? – Politik – nordbayern.de | LINK

Dass der Richter beim Amtsgericht keine Abschiebehaft angeordnet hat, kann doch nur, wie ich schon schrieb, ein Beweis dafür sein, dass die Vorhaltungen, die gegen Asef N. erhoben wurden, haltlos sind.

Derweil läuft die Diskussion über einen eventuellen Abschiebestopp von Afghanen weiter. Neben einem zynischen Argument, das schon länger aus den Reihen der Union zu hören ist, gesellt sich jetzt ein zweites. Das heißt: »Ein Abschiebestopp wäre ein Sieg für die Terroristen«.  Dieser Satz ist von der gleichen »Qualität« wie die sinngemäße Aussage führender Unionspolitiker, dass man unsere Soldaten nicht  in ein Land zum Kampfeinsatz entsenden dürfe, in das wir keine Flüchtlinge abschieben würden.

Horst Schulte

Ich bin Horst Schulte und blogge seit 2004. Am liebsten schreibe ich über gesellschaftliche und politische Fragen. Aber ab und an gibt es hier auch etwas zum Thema Bloggen, Wordpress und ein paar Fotos.

Meine ersten Gehversuche als Blogger machte ich mit den Blogs finger.zeig.net, später mit querblog.de und noch etwas später mit netzexil.de

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. So bitter, wie es ist. Aber wenn wir eine stringende Abschiebepraxis einhalten, wird es immer wieder Fälle von einer ungerechtfertigten Abschiebung geben. Und es wird immer viele Lügen geben. So traurig dann manches Einzelschicksal auch ist, aber es geht um die Sicherheit.
    Aber diese ganzen Hin-und Her-Debatten nerven nur noch.
    LG
    Sabienes

  2. Ja. Es ist bitter und doch müssen Abschiebungen sein. Es geht nicht, dass wir hundertausende von Menschen im Land haben, die geduldet sind, die aber eigentlich nicht hier sein sein sollten. Es sind die Berichte, die vielleicht tendenziös sind, die immer wieder zu neuen Debatten führen. Da hast du Recht.

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