Menü

Diffamierung oder Aufklärung im positiven Sinn?

Beleidigungen

Mich amüsiert es auch ein bisschen, wie regelmäßig nach den großen Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vornehmlich von Rechten Zeter und Mordio geschrieen wird. Immer geht es in die gleiche Richtung. Lügenpresse oder so sind die konstanten und gleichzeitig harmlosen Vorwürfe.

Stets werden die Moderator/innen und linke Teilnehmer beschimpft oder auch schon mal krass beleidigt. Twitter, Facebook, Google und Co. sind Garanten dafür, dass dieses Geplärre Woche für Woche stattfindet. Da fragt man sich doch, wie wenig hell die Kerzen auf diesen Torten leuchten, wenn die Jungs und Mädels sowas zur Motivation brauchen. Es hat Prinzip. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, mögen sie sich sagen. Ich fürchte, in den sozialen Netzwerken funktioniert sowas.

Wenn Repräsentanten ihrer Gesinnung anwesend sind, werden diese für ihre Einlassungen gelobt, ja manchmal regelrecht angehimmelt. Das ist so abgefahren blöd. Aber das Prozedere wirft auch einen Schlagschatten auf den aktuellen Stand der Diskussion in Deutschland: Verfahren und gefährlich nenne ich das inzwischen.

In diesen „Meinungsaustausch“ klinken sich meinem Eindruck nach immer seltener Menschen ein, die anderer Meinung sind. Die Rechten beherrschen vielfach die Timelines.

Deshalb wirkt es wahrscheinlich nicht nur auf mich so, als würden die meisten radikale, unempathische und oft sogar menschenfeindliche Ansichten teilen.

Dagegen hilft ab und an mal ein Blick auf Meinungsumfragen. Aber die werden ja auch immer unsicherer. Insbesondere, was so „einschlägige“ Aussagen anlangt. Die, die Merkels Politik für grundfalsch halten, äußern – wie man als Entschuldigung für herbe Abweichungen zum Endergebnis der Institute nicht selten zu hören bekommt – nicht immer ihre tatsächliche Meinung zu den gestellten Fragen.

Man könnte ja als Rechter oder gar als Nazi beschimpft werden und womöglich Nachteile erleiden. Dabei soll das doch längst so sein. Oder warum jammern die Rechten einem ständig die Ohren voll, wie schlimm die Medien mit ihnen umgehen?

Ja, der Schutzmantel der Mächtigen lässt noch ein wenig auf sich warten. Jedenfalls an „andere“ jedenfalls denken solche Leute nicht. Schon gar nicht an Flüchtlinge, die ja auch überhaupt keine sind, wenn man den Rechten glauben soll. Angeblich haben die Angst und sind verunsichert. Aber muss man deshalb seinen Vorteilen freien Lauf lassen? Ist die Firnis unserer Zivilisation tatsächlich inzwischen so ausgedünnt? Ich wollte das lange nicht glauben, langsam glaube ich es aber doch.

Wen ich die Sicht „der anderen“ öffentlich kritisiere, bekomme ich logischerweise die schnelle und auch erwartete Antwort. Ich würde mich besser zurückhalten – sag auch ich. Meiner Gesundheit wäre das zuträglicher, als mich mit Vorwürfen zu konfrontieren, die längst so ausufernd sind, dass sogar ich nachdenklich wäre. Obwohl ich nach Meinung meiner Mitdiskutanten überhaupt nicht über die Intelligenz verfüge, meine Haltung zu reflektieren. Und dabei bin ich doch so uneinsichtig und sogar überzeugt davon, dass ich Recht und die anderen Unrecht haben. Typisch linke Marotten treten da zutage.

Was auch immer –  die nehmen sich das Recht, mich als dumm, lernunfähig und/oder als linksgrün-versifften Gutmenschen zu beschimpfen. Wer mag das schon?

Richtige Diskussionen finden schon länger nicht mehr statt, weil die eine oder andere Position in der Debatte es vorzieht, sie abzubrechen. „Bringt ja doch nix, mit dem zu diskutieren!“. So denke ich auch oft. Sicher, das kann mal passieren. Aber diesen Punkt erreiche ich heute viel schneller als irgendwann in der Vergangenheit. Und ich habe immer gern diskutiert.

Der größte Lump im ganzen Land…

Jetzt hat sich ein Profi der Werbebranche an etwas herangewagt, was er vielleicht (auch aus beruflichen Gründen) besser gelassen hätte. Gerhard Hensel von der Werbeagentur Scholz&Friends warnte in seinem Privatblog Unternehmen davor, bestimmte Blogs und Websites für ihre Werbung zu nutzen. »KEIN GELD FÜR RECHTS. LIEBE KOLLEGEN, LASST UNS BREITBART & CO VOM MEDIA TROPF ABSCHNEIDEN.«

Dabei ging er ziemlich konkret vor. Er nannte Ross und Reiter und veröffentlichte eine Liste mit URL’s von Blogs und Websites, die seiner (und meiner) Meinung nach im kommerziellen Sinn gefährlich für die Firmen sein könnten, die dort Werbung schalten würden. Seiten mit rechtslastigem Inhalt oder solche, die Weltverschwörungstheorien veröffentlichen könnten also dem Image schaden. Wie abwegig.

Die Reaktionen der Jünger der „freien Meinungsäußerung“ jedenfalls – vermutlich die gleichen, die Heiko Maas, Manuela Schwesig (beide SPD), nicht zu vergessen, Frau Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung wegen ihrer „Zensur“-Aktivitäten seit Monaten drangsalieren, feinden Hensel nun massiv an.

Wir haben bewusst konservative und auch einfach “gemäßigt” rechtspopulistische Medien (Tichy, Achgut.com) ausgeschlossen. Die hier aufgeführten Medien fallen alle auf durch systematisch fremdenfeindliche, stereotypisierende Nachrichten oder durch Fake-News, die ein bestimmtes Weltbild befeuern. Es obliegt allerdings jedem einzelnen, dies anders zu sehen. Wäre ich Vegetarier, würde ich meinen Lieblings-Tofu-Fabrikanten auch fragen, ob er nicht lieber nicht auf der “Beef” werben würde. Sehen Sie es einfach so.
Quelle: Kein Geld für Rechts. Liebe Kollegen, lasst uns Breitbart & Co vom Media Tropf abschneiden. | LINK

Sie werden dabei nach Kräften von Henryk M. Broder, Achse des Guten, und von Tichys Einblick unterstützt. Sie sind zwar im Artikel ebenfalls erwähnt, aber sie stehen nicht auf der erwähnten Liste.

Die Rache ist mein…

Die in solchen Fällen unausbleibliche Opferprozession zieht mit ganz vielen, die sich zu Unrecht angegriffen fühlen, laut- und „meinungsstark“ unter vollem Einsatz der Diffamierung durch das Internet.

Herr Hensel wird von diesen Freiheitsfanatikern als Denunziant bezeichnet. Zuvorderst von Herrn Broder, der am Rande der Kontroverse eine eigene und eher armselige Rolle bekleidet. Weitere Stellungnahmen zum Vorgehen des Herrn Hensel hat Broder an seine Mitschreiber delegiert. Ihm hat wohl der Stift gezittert. Auch der von mir „hoch verehrte“ Rechtsanwalt J. Steinhöfel hat sich, wie selbstverständlich, mit seinen üblichen Gemeinheiten in die Debatte eingeschaltet. Er arbeitet sich an der Vita von Hensel ab. Ganz im Stil der … Lassen wir das. Herr Hensel hat ihm dazu was „ins Stammbuch“ geschrieben, das mir sehr gut gefallen hat.

Wer weiß schon, wie das im nächsten Herbst ausgehen wird? Ich finde die Vorstellung beängstigend und deprimierend, dass die, die nach eigenem Bekunden einen anderen Staat wollen (manche äußern sogar, dass sie dieses Ziel notfalls mit Gewalt erreichen wollen), sich politisch durchsetzen können.

Manche wollen mir das als Meinungswettstreit bzw. freie Meinungsäußerung verkaufen. Ich hatte mich im Lauf der Debatte zur Initiative der Amadeu Antonio Stiftung dafür ausgesprochen, diese Maßnahmen einzustellen. Ich habe mich heute auf den in Herrn Hensels zur Verfügung gestellter Liste die Websites noch einmal (ich kannte sie fast alle und lese regelmäßig dort) angesehen. Ich gehe weiter als Herr Hensel. Es befinden sich Seiten darunter, die nicht rechtspopulistisch sind, sondern rechtsextrem. Umso mehr unterstütze ich persönlich Herrn Hensels Initiative. Eigentlich sollten wir uns im Land einig darüber sein, dass wir solche Texte (auch im Internet) nicht lesen wollen. Und zwar nicht, weil sie platt und gemein sind, sondern weil die Lügen, die darin verbreitet werden, unsere Gesellschaft mehr und mehr zersetzen.

Unter diesen Blogs und Websites befinden sich PI-News, Michael Mannheimer oder das Contra-Magazin. Und noch viele mehr. Ich finde Hensels Aktion richtig, auch wenn sie von anderen als denunziatorisch diffamiert wird. Und zwar nicht, weil ich mich nicht mit anderen Meinungen auseinandersetzen will, sondern weil ich die Intention der Betreiber und Autoren für unwürdig, vor allem aber für gefährlich für unser Land halte.

Die meisten Leserbriefe zu den Artikeln Hensels sind Angriffe auf ihn. Was dafür sprechen könnte, dass er ganz falsch liegt, sich vergaloppiert hat und sich den Shitstorm verdient hätte. Jedenfalls sind Zustimmungen sind wohl weit unterrepräsentiert. Ich kenne den Mann nicht. Aber ich glaube, er braucht dringend Unterstützung. Also, so seid ihr?

P.S.: Übrigens das „Davai, Davai“ hatte Broder schon aufgegriffen und seinen geneigten Lesern untergejubelt, dass dieses russische „Mach hin“ oder „Schnell, schnell“ im Gulag Verwendung fand. Kein Wunder, es ist Umgangssprache – auch heute noch. Broder und sein Unterstützer Steinhöfel lassen es sich aber nicht nehmen, ihre eigene Lesart zwecks Verstärkung der Anfeindungen gegen Herrn Hensel zu nutzen:

Mit „Davai, davai!“ haben die Wachmannschaften die Gefangenen in den Gulags zur Arbeit getrieben. Hensel, mit fiebrigem Blick seine Mission im Auge, stört das nicht. Er verkauft sich als selbstloser Kämpfer gegen „rechts“. Was immer das in seinem überschaubaren politischen Bewußtsein sein soll.Quelle: Der Cookie-Gauner von Scholz & Friends — Steinhöfel | LINK

 

Update: Zunächst kam es mir so vor, als hätten sich die „Friends“ irgendwie aus dem Staub gemacht. Blogartikel zum konkreten Fall sind Fehlanzeige (?).

Ich finde nach und nach auch Zustimmung für Herrn Hensels Aktion:

Projekt „Schmalbart“ – eine Einladung | Christoph Kappes | Quelle
Wie man Breitbart vom Werbeumsatz abschneidet | W&V | Quelle
Carta — Tichys Boykott-Inszenierung und die Verrohung der Sitten – Carta | Quelle
Keingeldfürrechts | War #KeinGeldFürRechts ein unzulässiger Boykottaufruf? | Quelle
Die Achse des Guten im Kampf gegen das linke Böse | Telepolis | Quelle

Wir müssen damit leben, dass das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, dass der Staat die Energiekonzerne für…
Gerhald Hensel, Scholz & Friends, Kahane - sie alle ziehen den Schwanz ein. Broder und…

Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Da habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin 63 Jahre alt und lebe in einem kleinen Ort, nicht weit von Köln entfernt. Meine Hauptthemen hier im Blog sind Gesellschaft, Politik und Medien.

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Danke für diese Zeilen.
    Als Mensch, der versucht faktenbasiert und nüchtern zu handeln, versuche ich auch immer wieder Hetze und Verschwörungen mit Wissenschaft und Statistiken zu begegnen. Es fühlt sich aber wie ein Kampf gegen Windmühlen an und macht mich manchmal müder als meine eigene Arbeit.

    Es werden immer weniger, die sich in den sozialen Medien den Hetzern entgegenstellen. Wenn ich mir in meinen Umfeld die Leute ansehe, denen ich Empathie und Intelligenz unterstellen würde, stelle ich fest, dass sie entweder nicht auf Facebook sind oder mir beim privaten Bierchen am Abend mitteilen, dass sie es nicht verstehen, dass ich mit solchen Idioten überhaupt diskutiere.

    Das ist aber Gefährlich, weil die Leute, die sich zu gewissen Dingen noch keine Meinung gebildet haben, nur noch die Meinung der Hetzer lesen 🙁

  2. Danke Robert. Ich fürchte, ich könnte hier auch ein bisschen „Lack“ kriegen, weil meine Meinung vermutlich doch eher eine Minderheitenmeinung ist. Aber ich beschäftige mich seit Jahren mit den Websites und Blogs, die Hensel angesprochen hat. Da sind Autoren am Werk, die nichts Gutes im Schilde führen. Ich denke auch kritisch über Broder und Tichy. Aber die würde ich persönlich ebenso wenig wie Hensel es getan hat, in diese Kategorie einordnen. Aber sie bereiten nichtsdestoweniger den Boden für die Hetzer, die unterwegs sind. Und das werden immer mehr.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende. LG Horst

  3. Ihre Betrachtung ist einseitig und auch falsch. Sie beklagen: „(…) sondern weil die Lügen, die darin verbreitet werden, unsere Gesellschaft mehr und mehr zersetzen“, damit meinen Sie die sogenannten „rechten“ Webseiten. Man kann dasselbe aber auch anderen Webseiten unterstellen. Auf anderen Blogs und in fast allen Medien wird auch gelogen, oft durch Weglassen, z. B. durch zurechtgebogene Studien und entstellende Berichterstattung (daher der Begriff „Lügenpresse“). Sie kritisieren Herrn Broder, lassen aber in entstellender Weise zwei Tatsachen weg: erstens, dass seine (und anderer) Website achgut.de nicht rechts ist, schon gar nicht rechtspopulistisch. Zweitens lassen Sie weg, dass die Aktion Herrn Hensels das Ziel hat, u. a. der Website achgut.de wirtschaftlichen Schaden zuzufügen, um sie mundtot zu machen. Es wäre nur gerecht, wenn der Aktionist Hensel nun durch den Streisand-Effekt selbst wirtschaftlichen Schaden erlitte. Er hat sich das tedlich verdient. Wäre ich sein Arbeitgeber, ich würde ihm kündigen wegen geschäftsschädigender Umtriebe.

    1. Es ist ja nicht nur geschäftsschädigendes Verhalten. Die eifrigen Meinungswächter kommen gar nicht auf die Idee, dass sie mit ihrem Spalten der Wirtschaft schaden und damit Arbeitsplätze vernichten könnten. Oder nehmen sie es billigend in Kauf? Wie so viele andere „Kollateralschäden“ auch? Ich kenne nicht Wenige, die sich die Namen der „gehorsamen“ Unternehmen besorgt haben und weder die AOK noch Opel je wieder als Kunde beehren werden.
      Speziell die Aktion gegen Breitbart ist lächerlich, sie sind darauf nicht angewiesen. Will sich da jemand wichtig machen?
      Das wirklich Schlimme an den Bessermenschen ist, dass sie unablässig dem Rest der Gesellschaft ihre Meinung aufzwingen wollen, sich als Hüter der Medien, Meinungsäußerungen etc. aufspielen. Sie glauben anscheinend WIRKLICH, besser, klüger, gebildeter zu sein und müssen daher Andere davor bewahren, „falsche“ Medien zu lesen, denn diese sind so schlicht und für rechtes Gedankengut anfällig, dass sie allein durch Artikel von z. B. Breitbart zu rechtsextremen Nazis mutieren.
      Das Kurioseste daran: Sie bemerken nicht, wie dumm, anmaßend, überheblich und undemokratisch ihre Bemühungen de facto sind. Wenn es nicht so traurig wäre, würde man sich den ganzen Tag amüsieren.

  4. Das hätten Sie wohl gern, Herr Tobias Frank. Herr Hensel wird das beruflich hoffentlich überstehen. Nicht alle in Deutschland denken so, dass die Seiten, die er auf der Liste veröffentlicht hat, unserem Land gut tun. Ich 100% nicht! Dass Achgut und Tichys Einblick nicht auf der Liste stehen, haben Sie in entstellender Weise weggelassen. So sind sie halt, die Fans dieser Seiten.

    Dass Ihnen und Ihren Freunden die Einordnungen der beiden rechten Fan-Seiten Achgut und Tichys Einblick nicht passt, wundert mich kein Stück. Aber Hensel hat das nicht erfunden. Es gibt eine ganze Reihe dieser Einordnungen zum rechtspopulistischen Lager.

    Hier noch mal die Liste von Netz-gegen-Nazis. Diese Website hat natürlich Partner, die Ihnen gewiss ganz und gar nicht behagen. Ich halte mich meinerseits aber lieber an diese Vertreter der Öffentlichkeit, die sich zu meinem Leidwesen in der Sache Hensel nicht laut genug zu Gehör brachten. Man zankt sich nicht gern mit Leuten, die grundsätzlich alles besser wissen und mit Lügen und Behauptungen das Klima im Land vergiften.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Suche