Erst Nach Der Wiederholung Kocht Der Hass

Dass ich der Mei­nung bin, dass das Inter­net nega­ti­ven Ein­fluss auf die Qua­li­tät der Medi­en hat, habe ich hier schon oft behaup­tet. Hof­fent­lich ver­schlech­tert sich damit nicht auch der Cha­rak­ter von Men­schen, weil sie die­sem unent­wegt mit die­sem Qua­li­täts­ver­lust kon­fron­tiert sind.

Im Fokus las ich heu­te fol­gen­de Überschrift

Fokus Über­schrift

Köln: Stu­den­tin von zwei Män­nern auf Tisch­ten­nis­plat­te ver­ge­wal­tigt“ (sie­he Screen­shot) Die­ser Arti­kel erhielt bis­her ca. 4.500 Likes bei Face­book (Quel­le: Soci­al Meter)

Weil ich dar­über schrei­be, set­ze ich mich dem Ver­dacht aus, dass mich die­se Über­schrift schließ­lich auch irgend­wie ange­turnt hat. Irgendwie?

Es war anders. Ich konn­te mich schwach an die­sen Fall erin­nert und war über­rascht, dass sich das anschei­nend so ähn­lich wie­der­holt haben sollte.

Wie auch immer. Ich reprä­sen­tie­re damit das Para­de­bei­spiel für die Art und Wei­se, in der man­che Medi­en „Nach­rich­ten“ machen.

Natür­lich pas­siert das nicht immer in die­ser kras­sen Form, aber im Prin­zip, das wis­sen wir alle, wer­den die Leser*innen mit sol­chen Über­schrif­ten erfolg­reich geködert.

Im Express Köln (online) steht: „Lan­ge Haft­stra­fen – Stu­den­tin auf Tisch­ten­nis­plat­te ver­ge­wal­tigt – Täter ver­ur­teilt“ (s. Screen­shot) Der Text ist iden­tisch mit dem im Fokus.

Express Mel­dun­gen

Für die­sen Bei­trag zeigt das Soci­al Meter gera­de mal 105 Likes an. Und die­ser Arti­kel steht einen Tag län­ger online als der von Fokus.

Was eine „gute“ Überschrift doch ausmacht!

Der Fokus „ver­kauft“ mit die­sem Titel eine Nach­richt, in dem er den Anscheint erweckt, als sei die Tat soeben erst pas­siert. Ich fin­de, dass ist eine Schweinerei!

Wenn man den Arti­kel liest erfährt man, dass es um die Stra­fen für ein Ver­bre­chen geht, das vor einem Jahr began­gen wur­de. Die Zeit der Tat ist weder dem Focus-, noch dem  Express-Arti­kel zu ent­neh­men (woher übri­gens auch der Fokus-Bericht stammt). Das Detail wur­de ein­fach mal ausgelassen!

Um den Zeit­punkt über­haupt zu erfah­ren, muss­te den mit deut­lich seriö­se­rer Über­schrift han­tie­ren­den Köl­ner Stadt-Anzei­ger bemü­hen. Dort ist zu lesen, dass die Tat im Sep­tem­ber 2016 aus­ge­führt wur­de. Die­ser Arti­kel hat unter 100 Face­book – Likes, obwohl auch er schon seit ges­tern online ist.

Köl­ner Stadt-Anzeiger

Gar nicht über­ra­schend ist, wel­che Blogs und Web­sites die Mel­dun­gen „Stu­den­tin auf Tisch­ten­nis­plat­te ver­ge­wal­tigt“ auf­ge­grif­fen haben. Quel­le: Goog­le News, Google.

Es sind fast durch die Bank rech­te Hetz­blogs, deren Metho­de wirin den letz­ten Jah­ren genie­ßen durften.

Aus sol­chen „Nach­rich­ten“ wird schließ­lich Hass gene­riert und – wenn er schon da ist, wird er ver­stärkt. Um das Ziel sicher zu errei­chen, wie­der­holt man eine Mel­dung unter Zuhil­fe­nah­me sol­cher Über­schrif­ten immer dann, wenn das Urteil für das zuvor schon aus­führ­lich gebrand­mark­te Ver­bre­chen von Aus­län­dern gespro­chen wurde.

Fokus und Express sind in die­ser Hin­sicht offen­sicht­lich kein Stück anders. Ich fin­de, das sind die Kol­la­bo­ra­teu­re der rech­ten Het­zer im Land.

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Es sind nur wenige Jahre vergangen. Trotzdem bin ich in diesem Geschäft ein alter Hase.

Ich schreibe über gesellschaftliche und politische Themen. Hin und wieder gibt es bei 2bier auch was zum Thema Bloggen und Wordpress zu lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.