Die Briten wollen bis 2040 alle Diesel- und Benzinautos von ihren Straßen verdammen. Der Vollständigkeit halber auch die Autos mit Hybridmotoren.

Die kurze Zeitspanne soll ausreichen, um die Lücken der neuen Technologie zu schließen, um danach die Luft über den britischen Inseln gesünder zu machen.

Merkels Energiewende stieß rasch auf Kritik und Ablehnung, sobald es konkret (teuer für die Verbraucher) wurde. Es wäre also nicht schwierig, sich die hiesigen Reaktionen auszumalen, wenn die Regierung auch uns den verbrennungsmotorfreien Lebensraum verordnen würde.

Ob Motorräder und Moped ebenfalls betroffen wären. In den Pressemeldungen war davon keine Rede [sic?].

Sogar auf dem Land ächzen Menschen (unterstützt auch hier von den allgegenwärtigen NGO’s) wegen der schlechten Luftqualität. Es leuchtet ein, dass die schlechte Luft nicht in den Ballungsräumen kleben bleibt, sondern – der Mobilität sei Dank – auch unsere Naherholungsgebiete und Ferienorte erreicht. Wochentags fahren die Landbewohner zur Arbeit in die Städte und am Wochenende fahren die Städter aufs Land. So wird die Luft gleichmäßig verpestet.

Wie schön, dass wir die Schuldigen für all das gerade richtig beim Wickel haben.

In Norwegen sind ein Drittel aller Kfz-Neuzulassungen E-Autos. Frankreich und Großbritannien wollen ab 2040 Benzin- und…

Posted by ZDF heute on Mittwoch, 26. Juli 2017


Die böse Automobilindustrie erlaubt sich mit dem arglosen Volk die schlimmsten Dinge. Sie verkaufen uns Jahr für Jahr Millionen Autos, und wir glauben der Werbung dieser Gangster. Das war schließlich schon immer so.

Kniffligerweise war es so – wie wir zu unserer Überraschung erfahren mussten -, dass die Kapitalisten im Zuge ihrer Betrügereien dafür gesorgt haben, dass all die tollen elektronischen Features uns nicht nur das Fahren erleichtert haben, sondern dass just diese Teile dafür sorgten, dass wir unseren persönlichen Anteil an den beklagenswerten Schadstoffemissionen glatt übersehen konnten. Wie hinterhältig von denen, uns ein gutes Gewissen zu verpassen. Gequalmt und gerußt haben immer nur »die anderen«.

Als der Dieselskandal ans Licht kam, war die Aufregung nicht sehr groß. Ich kenne Leute, die sich mit zwei Arten von Kommentaren beruhigt haben:

1.) Das machen doch alle anderen (Fabrikate im In- und Ausland) auch

2.) Glaubst du, dass deshalb ein Diesel weniger gekauft wird?

Gemeinsames Rußen macht nicht nur krank. Außerdem ist die Autoindustrie so etwas wie der Augenstern der Deutschen. Für viele Menschen ist das Auto vermutlich immer noch nicht nur Status Symbol, sondern es gewährt ihnen Mobilität und damit Lebensqualität. Es ist schwer zu erkennen, dass es plötzlich für das genaue Gegenteil verantwortlich sein soll.

Zuerst sah es so aus, als ob die, die den Skandal nicht so wichtig fanden, Recht behalten würden. VW konnte den Umsatz sogar leicht steigern, die Aktienwerte erholten sich wieder. Dann aber kamen weitere Aspekte hinzu, und es zeigte sich, dass die Amerikaner für die Betrügereien großzügig entschädigt wurden, während die europäischen und deutschen VW-Dieselfahrer mit dummen Sprüchen abgespeist wurden. Die Stimmung schien zu kippen.

Wir wissen inzwischen mehr über die kriminelle Energie deutscher Autobauer. Dass es diese auch im Ausland geben könnte, wird angesichts des Umfanges und der Bedrohung für die gesamte deutsche Wirtschaft keine Rolle spielen. Wir haben Läuse im Pelz. Die Aktien der deutschen Autobauer gehen auf Talfahrt.

VW hebt heute die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr an. Auch die Gewinne steigen demgemäß. Trotzdem wirken die Betrügereien nach.

An die eigene Nase fassen

Wie stehts mit unserem Teil an der Verantwortung? Natürlich meine ich nicht die Verantwortung für die kriminellen Machenschaften der Autoindustrie, sondern der Verantwortung für die Verschmutzung unserer Luft durch zu viele Autos? Zwei Autos je Familie? Kommen das noch hin oder sind es inzwischen drei?

Wahrscheinlich erfreuen wir uns an den Wachstumszahlen, die das Kraftfahrtbundesamt regelmäßig veröffentlicht. Jedenfalls dann, wenn sie ab und an mal eine breitere Öffentlichkeit erreichen.

Oder fragen wir uns manchmal auch, wie lange es wohl noch gut gehen kann, dass immer und immer mehr Autos gebaut und mit dem einen oder anderen Trick tatsächlich auch verkauft werden? Der Anteil von Leasing-Fahrzeugen beträgt bei den Neuzulassungen seit Jahren um die 30 %. Welche Auswirkungen es wohl hätte, würde der Staat in dieses spezielle Geschäft eingreifen, in dem er die steuerlichen Vorteile dieser Finanzierung reduziert oder abschafft? Aber davor beschützen die Autoindustrie gute Verbindungen zur Regierung.

Vor allem aber, dass all diese Autos unsere Straßen verstopfen und – wie wir lernen – unsere Umwelt verpesten?

1955 – 0,42 Mio. Neuzulassungen

1970 – 2,11 Mio. Neuzulassungen

1980 – 2,43 Mio. Neuzulassungen

1990 – 3,04 Mio. Neuzulassungen

2000 – 3,38 Mio. Neuzulassungen

2017 – 3,66 Mio. Neuzulassungen (Prognose)

Quelle

Die Autoindustrie ist der wichtigste Industriezweig Deutschlands. 2016 waren dort inkl. der Zulieferindustrie 808k Menschen beschäftigt. In Deutschland erreichten die Autohersteller laut VDA in 2014 einen Umsatz von ca. 131 Mrd. Euro. Exporte trugen weitere ca. 237 Mrd. Euro zum Umsatzergebnis bei.  Der VDA jubilierte: »Die deutsche Automobilindustrie hat ihren Umsatz 2014 erneut gesteigert«. Volkswagen lag 2016 auf Platz 2 des weltweiten Markenrankings und erzielte global einen Umsatz von 217 Mrd. Euro. Trotz des Skandals gab es für VW eine Umsatzsteigerung ggü. 2015, die sich sehen lassen konnte (+4 Mrd. Euro).

2015 hatte der weltweite Automobilmarkt ein Volumen von 1,5 Billionen Euro erreicht.

Politiker sprachen davon, dass in Deutschland jeder 7. Job direkt und indirekt von der Autoindustrie abhängig ist. Diese heute infrage gestellte »Information« stammt aus der guten alten Zeit (2009). Angesichts der Betrügereien dieser Industrie beruhigen Relativierungen ein wenig. Aber sie können dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, wie wichtig diese Industrie für unser Land ist.

Es ist kein Geheimnis, dass VDA – Chef Matthias Wissmann (ehemaliger Minister unter Merkel) einen sehr engen und freundschaftlichen Draht zur Kanzlerin unterhält. Er redet im Handelsblatt-Interview von Null-Fehler-Toleranz für Compliance. Das klingt gerade so, als hätte er den Begriff Compliance gerade erfunden. Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält – und das sind etwa 120% aller Unternehmen – hat sich vor Ewigkeiten solche Regeln gegeben. Was solche Regeln in der Praxis wert sind, bekamen wir eindringlich vor Augen geführt.

Kürzlich wurde der aktuelle Innovationsatlas veröffentlicht. NRW kam (wie gewöhnlich) relativ schlecht darin weg. Wenn ich mir die dunkel eingezeichneten Regionen (insbesondere bei den Patentanmeldungen) ansehe, fällt auf, dass diese fast ausschließlich in Autoländern liegen. Ist meine Schlussfolgerung falsch, wenn ich daraus schließe, dass die meisten Innovationen rund ums Auto und damit in Regionen entstehen, in denen diese Dinger gebaut werden? Schade, dass wir »nur« Ford haben und nicht VW, Daimler oder Audi.

Ja, die Autoindustrie ist und bleibt sehr wichtig. In Deutschland sind sehr innovative Unternehmen (in jeder Hinsicht!) tätig.

Großbritanniens Industrie genießt nicht das höchste Ansehen. Es verblüfft mich, dass die britische Regierung in umwelttechnischer Hinsicht so voran schreitet und Verbrennungsmotoren innerhalb der nächsten 23 Jahre abschaffen will. 1,7 Mio. Autos wurden in Großbritannien im letzten Jahr hergestellt. Die ca. 9% Steigerung ggü. dem Vorjahr entsprach dem besten Ergebnis seit 2000. 80% der hergestellten Autos gehen in den Export. Deutschland exportiert etwa 60% aller im Land produzierten Autos. Ob der hohe britische Exportanteil ein Grund für die geplante rigorose Umstellung sein könnte? Wie schwierig wird es sein, das Portfolio innerhalb solcher Zeitspannen aufzuteilen zwischen Elektro- und Verbrennungsmotoren? Ist es zu erwarten, dass die großen Absatzmärkte in Asien den Schritt der Briten (der Europäer) hinsichtlich des Komplettverzichts auf Verbrennungsmotoren auch aus Kostengründen mitmachen? Ich denke, dass dies nicht der Fall ist.

Die Diskussion über den Verzicht auf Verbrennungsmotoren (bis 2030) ist auch bei uns im Gange (s. Abstimmung). Mit der Vorstellung können sich also derzeit noch mehr als die Hälfte der Teilnehmer dieser Umfrage nicht anfreunden. Initiiert wurde diese Diskussion von den Grünen und vom Bundesrat. Allerdings haben sich in dieser Institution inzwischen die Mehrheiten etwas verändert.

»Aston Martin«, »Jaguar« flitzen lautlos über die Straße. Hat das was oder wirds dann noch gefährlicher? :-/