Schnelle Urteile Und Beleidigungen

Mit Urtei­len und Belei­di­gun­gen sind wir fix. Halt! Das „Wir“ ist  in die­sem Fall nicht ange­bracht. Bes­ser hät­te ich „ich“ schrei­ben sol­len. Ja, ich bin fix dabei. Ins­be­son­de­re, wenn ich im Ärger über einen Arti­kel, den ich gera­de gele­sen haben, die­sen via Twit­ter tei­le. 140Zeichen sind eben schnell „dahin­ge­rotzt“. Ich habe mei­ne Time­li­ne dies­be­züg­lich über­prüft und sehe zu mei­ner Erleich­te­rung, dass das, wes­sen ich mich beschul­di­ge, doch eher sel­ten vorkommt. 

Ges­tern war ein schwü­ler Tag. Und — sonst war nix? Ja, doch: bei Twit­ter war eini­ges los. Wegen Gau­land. Es kann halt der Frömms­te nicht in Frie­den leben, wenn es dem bösen Nach­barn nicht gefällt. Das Schil­ler-Zitat wur­de sicher so oft bemüht wie lan­ge nicht.

Ich fand, das viel­leicht Blei­ben­de an die­sem neu­en Fall­bei­spiel  war,  dass vie­len die Auf­re­gung, die durch die Medi­en erzeugt wer­den, lang­sam aber sicher auf den Geist zu gehen scheinen.

Immer­hin hat Ste­fan Nig­ge­mei­er dar­über heu­te auch nicht zum ers­ten Mal geb­loggt. Ande­rer­seits fin­de ich, dass er nicht ganz ohne Ein­fluss auf die Ent­wick­lung unse­rer „Auf­re­gungs­kul­tur“ war. Medi­en­kri­tik ist ein The­men­feld, das es ja solan­ge auch noch nicht gibt und in dem er sich wohl eini­ge Meri­ten ver­dient haben dürfte.

Schnell eine Meinung gebildet

Die vie­len Soli­da­ri­täts­adres­sen an Jero­me Boateng als Reak­ti­on auf Gau­lands mut­maß­li­che Äuße­rung hat­te ich nicht erwar­tet. Mich hat das eher über­rascht. Viel­leicht lag es dar­an, dass „es“ in 14 Tagen los geht? Die Reak­ti­on vie­ler Fuß­ball-Fans aber auch vie­ler ande­rer Men­schen fand ich jeden­falls tröst­lich in die­sen auf­ge­reg­ten Zeiten.

Womit ich bei mir wäre.

Ich habe der FAS-Nach­richt sofort gelaubt. Schließ­lich ist Gau­land AfD – Funk­tio­när. Der Mann sagt aller­dings sol­che Sät­ze nicht. Was wohl für ande­re Leu­te aus sei­ner Par­tei nicht gilt. Ein Teil der Dis­kus­si­on ging – wie so oft – um die Fra­ge, ob die Lügen­pres­se (in die­sem Fall die FAS/FAZ) „wie­der mal zuge­schla­gen“ hätte.

Ein Witz­bold stell­te einen Tweet ins Netz, auf den ich her­ein­ge­fal­len bin. Schon pein­lich. Sowas ist mir aller­dings auch vor­her schon mal pas­siert. In die­sem Fall war es mir noch unan­ge­neh­mer, weil von mei­nem Lap­sus eini­ge Per­so­nen (aus dem rech­ten Lager) erfah­ren haben, die ich echt nicht lei­den kann und des­halb bei Twit­ter geblockt habe. Damit muss ich jetzt leben.

Tichys Einblick und meine Reaktion darauf

Ges­tern ist aber noch mehr pas­siert. Regel­mä­ßig ärge­re ich mich schwarz über Arti­kel, die bei „Tichys Ein­blick“ (kein Link!) erschei­nen. Ich habe hier und frü­her bei Netz­ex­il das eine oder ande­re dar­über geschrieben.

An die­sem Blog ärgert mich vor allem die Ein­sei­tig­keit in der die Auto­ren sich an dem abar­bei­ten, was nach 68-er, nach grün oder gene­rell nach Links aus­schaut. Der Blog soll libe­ral-kon­ser­va­ti­ve Mei­nun­gen wider­spie­geln. Von libe­ra­len Ansich­ten ist dort weit und breit nichts zu sehen.

Dort wer­den die bekann­ten Vor­ur­tei­le des rech­ten poli­ti­schen Lagers in der Wei­se gepflegt, dass es mich graust. Im „Zuschau­er­raum“ pos­ten (fast) nur Anhän­ger, sel­ten Leu­te, die ande­rer Mei­nung sind. Wahr­schein­lich wird es dort auch so gehal­ten, dass unlieb­sa­me Kom­men­ta­re eben­so schnell gelöscht wer­den, wie bei­spiels­wei­se bei Welt Online oder ande­ren kon­ser­va­ti­ven Sei­ten, Foren oder Blogs.

Mei­ne Aver­si­on mag dar­auf zurück­zu­füh­ren sein, dass ich immer noch von der Ableh­nung über­rascht bin, die Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik auch dort erfährt. Ich trös­te mich damit, dass es nicht nur schlecht sein dürf­te, wenn es auf die­ser Welt auch noch naï­ve Men­schen gibt, die an Idea­le glau­ben oder an Wer­te wie Tole­ranz und Mensch­lich­keit. Leu­te, wie der Welt – Kolum­nist Hen­ryk M. Bor­der haben Begrif­fe wie Gut­men­schen in unse­ren Wort­schatz gehievt. Zuletzt hat er sich den Begriff Tole­ranz vor­ge­knöpft. Er mag nicht mehr dul­den und erdul­den, wenn es um „den Islam“ geht. Sei­ne spe­zi­el­le Defi­ni­ti­on des Begrif­fes kann mit dem zwei­ten Wort, das neben Dul­den steht, nicht so gut arbei­ten. Die­ses Wort ist Ach­tung (oder auch Respekt).

Und wie halte ich es mit der Toleranz?

Bei „Tichys Ein­blick“ wer­den alle Insti­tu­tio­nen unse­rer Demo­kra­tie aufs Korn genom­men. Das hal­te ich schon für auf­fäl­lig. Da wird abge­läs­tert über aktu­el­le oder ehe­ma­li­ge Poli­ti­ker und das in einer Art und Wei­se, die ich absto­ßend fin­de. Respekt­los ist es alle­mal, denn schließ­lich haben die Bür­ger jene Poli­ti­ker gewählt, denen in die­sem Blog Ver­sa­gen, Dumm­heit und Schlim­me­res attes­tiert wird.

Ich ahne, wie vie­le Leu­te sich von der Mei­nungs­ma­che  der Tichy-Auto­ren und ande­rer rechts-kon­ser­va­ti­ver Publi­ka­tio­nen haben anste­cken las­sen. Da kann man nix machen. Das ist Demokratie.

Jeden­falls habe ich mich im Ton ver­grif­fen und eine Belei­di­gung for­mu­liert, die viel­leicht eben­falls in einem Buß­geld­ka­ta­log vor­kommt. Bekannt­lich bin ich für die Ahn­dung von Belei­di­gung im Inter­net. Ich unter­stüt­ze also BJM Hei­ko Maas. Auch so ein Fre­vel. Ins­be­son­de­re in den Augen vie­ler Internetnutzer.

Für mei­ne Belei­di­gung ent­schul­di­ge ich mich jeden­falls aus­drück­lich. Das wird nicht wie­der vorkommen.

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Es sind nur wenige Jahre vergangen. Trotzdem bin ich in diesem Geschäft ein alter Hase.

Ich schreibe über gesellschaftliche und politische Themen. Hin und wieder gibt es bei 2bier auch was zum Thema Bloggen und Wordpress zu lesen.

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