Menschliche Und đŸ˜± Technische Limits

Es war etwa Mitte der 1990er Jahre. Ich ging ins BĂŒro eines Kollegen und fragte ihn, woran er gerade arbeitet. Er war dabei, die Abrechnung fĂŒr das „Duale System“ (GrĂŒner Punkt) zu erstellen.

Ich weiß noch, dass das frĂŒher ™ eine arge Rechnerei war. Mir war dieses VergnĂŒgen auch schon zuteil geworden. Zu diesem Zweck mussten alle möglichen Daten aus dem Betrieb abgefragt, die Materialien identifizieren und schließlich die errechneten Werte in ein Meldeblatt ĂŒbertragen werden.

»Excel« gab es zu diesem Zeitpunkt schon eine Weile. Aber viele Leute waren im Umgang mit diesen Tools noch nicht geĂŒbt. Ich wĂŒrde sogar sagen, sie hatten ĂŒberhaupt keine Ahnung, wozu man Tabellenkalkulationen ĂŒberhaupt nutzen konnte.

Der Kollege schickte sich an, die benötigten Werte mit seinen Taschenrechner zu ermitteln. Die Ergebnisse notierte er sich auf einem Blatt. Im nĂ€chsten Schritt wollte er das Ergebnis in eine Excel- Aufstellung einzutippen, die die Basis fĂŒr die Abrechnung des DSD (Duales System Deutschland) bildete.

Vielleicht war das ein bisschen gemein, aber ich musste angesichts dieses Verfahrens wirklich laut lachen. Dem armen Kerl hatte keiner verraten, wie nĂŒtzlich eine Tabellenkalkulationsprogramm in solchen FĂ€llen sein konnte.

Mit dem Taschenrechner kam man selbstverstÀndlich auch ans Ziel. Aber das dauerte wesentlich lÀnger und war deutlich fehleranfÀlliger.


Dieser Tweet hat mich an die Geschichte erinnert:


Noch eine Geschichte aus dieser »Pionierzeit der IT«

Permanente Verbindungen ĂŒber Router gab es damals nicht. Jedenfalls nicht in dem Sinne, wie diese heute fĂŒr uns lĂ€ngst selbstverstĂ€ndlich geworden sind.

Stattdessen wurden Modems benutzt, die im Bedarfsfall eingeschaltet wurden. Wenn man also E-Mail oder Daten verschicken oder empfangen wollte, war man gezwungen zunĂ€chst eine Verbindung zum entsprechenden Dienst aufbauen. (Sie haben Post…)

Ein Kollege musste eine fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse enorm große Datei an eine Werbeagentur verschicken. Sie war ca. 60 Mb schwer. Damals eine riesige Menge.

Er dachte sich, schreib eine E-Mail und fĂŒge die Datei als Anlage bei. Dann drĂŒckte er den Senden-Knopf. Er wunderte sich, als die zustĂ€ndige Dame von der Werbeagentur ungefĂ€hr eine Stunde spĂ€ter die Datei noch immer nicht erhalten hatte.

Also, sagte er sich, schick die Datei einfach noch einmal los. Er tat das auch noch ein drittes Mal. Keine der so dringenden Nachrichten erreichte den EmpfĂ€nger. Die damaligen technischen Limite sorgten dafĂŒr.

Schließlich musste ein Bote losgeschickt werden.

Die Geschichte war fĂŒr manche ein BrĂŒller. Jedenfalls bei denen, denen die bestehenden Begrenzungen gelĂ€ufig waren.

Viele von uns haben vergessen, welche wahnsinnigen Fortschritte wir in vielerlei Hinsicht gemacht haben. Damals war selbst die alltÀgliche Nutzung von E-Mails noch absolutes #Neuland. Mitte der 1990er Jahre, erinnere ich mich, hatten viele Kolleginnen und Kollegen in unserer Verwaltung noch nicht einmal einen PC an ihrem Arbeitsplatz. Diese kamen allerdings bald. Dann ging es Schlag auf Schlag.

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Es sind nur wenige Jahre vergangen. Trotzdem bin ich in diesem GeschÀft ein alter Hase.

Ich schreibe ĂŒber gesellschaftliche und politische Themen. Hin und wieder gibt es bei 2bier auch was zum Thema Bloggen und Wordpress zu lesen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Schon witzig, wenn jemand sich ein leeres Excelsheet ausdruckt, um es dann auszufĂŒllen. Diese frĂŒhen Zeiten mit Word und Excel und Windows 1.1 kann sich wohl kaum noch jemand vorstellen. Meine Kinder haben das nicht mehr miterlebt und ich hatte damals einen solchen Heidenrespekt davor, dass ich es nicht gerne benutzt habe. Und das, obwohl ich 1987 einen CAD-Kurs besucht habe. Die Bildschirme waren damals schwarz mit grĂŒner oder weißer Schrift.
    Toll fĂŒr die Augen! 😉
    LG Sabienes

  2. Die Bildschirme frĂŒher waren der Knaller. Aber sogar die weiße Schrift, erinnere ich mich, wurde ggĂŒ. dem grĂŒnen Exemplar schon als Fortschritt betrachtet. In diesen »paar« Jahren hat sich so viel geĂ€ndert, dass ich es manchmal kaum glauben kann.

    Inzwischen nutze ich fĂŒr die wenigen Aufgaben kein Excel, kein Word und schon gar kein Access mehr. Obwohl ich diese Programme wirklich beherrscht und »damals« auch gern benutzt habe.

    LG H.

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