Manche Presse-Kommentare zum AfD-Parteitag wirken so, als wolle man der Partei ein taktisches Geschick zubilligen. Das soll darin liegen, die  von Petry vertretene »realpolitische« Blickrichtung abzuwürgen und stattdessen auf rechte völkische Parolen zu setzen.

Petrys Absicht, die Rechten in der Partei nicht zu stark werden zu lassen, ist gescheitert. Höckes Freunde konnten sich durchsetzen. Ja, ich sehe das so, dass sich der Einfluss der extremen Rechten in der AfD mit diesem Parteitag klar manifestiert hat. Das wäre die Nachricht gewesen. Stattdessen redete man beim ZDF von einer »enthemmten Partei«. Enthemmte Parteien haben wir im Lager der etablierten Parteien auch immer mal wieder erlebt, aber sowas wie in Köln noch nicht.

Die Bürger dürfen sich darauf freuen, der Hetze, die durch die Partei ab jetzt laut und lauter wird, lauschen zu dürfen. Gegen alle Ausländer, gegen den Islam, alles was Grün und Links ist — eigentlich gegen alles, was anders ist.

So ist meine Hoffnung, dass die Partei weiter an Stimmen verlieren wird!

Am Ende soll es der AfD so ergehen wie Strache in Österreich, Wilders in den Niederlanden und Le Penn in Frankreich. Oder auch wie der gefeierte »Erfolg« des britischen rechtsextremen Farage, der die Briten mit seinen Helfershelfern auf Teufel komm raus belogen hat, um den Austritt Großbritanniens aus der EU zu erreichen.

Parteitag der Angstbürger

Ich habe den Parteitag bei Phoenix verfolgt und unter anderem Meuthens enthemmte Rede über mich ergehen lassen. Gerade ihn hatte ich bisher als gemäßigt angesehen. Das war ein Irrtum vom Amt. Dieses falsche Urteil hatte keinen Einfluss auf meine Einstellung zu diesen rechtsextremen Haufen.

Parteitage sind häufig von marktschreierischen Parolen geprägt. Meuthen hat jedoch stark nationalistische und rassistische Parolen rausgehauen, die mich überrascht und erschrocken haben.

Im »Rahmenprogramm« des Parteitages konnte man auch an anderen »Beiträgen« die Verkommenheit der einzelnen Protagonisten bestaunen. Manches war normal, während es manch andere Dinge (Redebeiträge) gab, die schon sehr besonders waren.

Angst für Deutschland

Prof. Meuthen beklagte sich über Dr. Melanie Amans Buchaussage (Angst für Deutschland). Die AfD sei keine Partei der Angst, sondern vielmehr eine Partei des Mutes.

So hörte sich das nicht an, wenn Meuthen von den Feinden der Partei schwadronierte und seinen persönlichen Erfahrungen bei samstäglichen Spaziergängen durch »seine Stadt« und die Straßen großer Städte Ausdruck verlieh. Er müsse mit Erschrecken zur Kenntnis nehmen, dass er noch vereinzelt Deutsche sehe. Das heizt die Stimmung der Delegierten an. Genau so etwas wollen sie hören. Dafür sind sie gern nach Köln gereist und haben sich dem undemokratischen Gewalttätern draußen vor dem Hotel ausgesetzt. Sie applaudieren Meuthens Lösungsansätzen, vor allem jedoch den geharnischten Vorwürfen in Richtung der Altparteien.

Für mich klingt so etwas allerdings nach Angst, Herr Meuthen. Und die damit einhergehende Fremdenfeindlichkeit war auch unüberhörbar. Zum Beispiel dann, wenn er von Maßnahmen gegen Türken sprach, die es gewagt hatten, als Bürger dieses Landes die Diktatur in der Türkei zu wählen. Dazu habe ich auch eine Meinung. Aber das nur am Rande.

Meuthen redete von dem »ungeheuren Maß an Migranten« aus anderen Kulturkreisen und benennt seinen nach Australien ausgewanderten Sohn als Zeugen dafür, dass »man« hier nicht mehr leben könne, weil das Land am Abgrund stehe.

Frau Amann liegt, so meine Schlussfolgerung, also selbst beim Führungspersonal der AfD richtig, wenn sie von der Angst spricht. Meuthen nennt es lieber Sorge. Aber natürlich weiß er, dass mit Angst besser zu »arbeiten« ist. Deshalb wird er zwischendrin sehr konkret.

Er fordert, jetzt den Hebel entschlossen umlegen. Es sei eine mathematische Gewissheit, wann die Muslime in unserem Land die Oberhand gewännen. Mehr Gedanken dazu, also zum Beispiel welchen Hebel er konkret meint, formuliert er nicht. Man spürt, er hat den Saal in dieser Phase fest in seiner Hand. Die Delegierten entwickeln Meuthens wabernden Hebel-Gedanken weiter. Gute, konstruktive Gedanken, die dem Miteinander gesellschaftlicher Gruppen dienen könnten, werden es nicht sein.

Der Intrigantenstadel ist (fast) ohne Opfer abgewickelt worden. Nun hofft die Partei auf bessere Umfragewerte und vor allem auf ein zweistelliges Wahlergebnis im Herbst. Hoffentlich tun alle dabei mit, genau das zu verhindern. Die sollen sich an der 5%-Hürde die Füße brechen!

Die AfD freute sich, dass nicht 50.000, sondern sich nur ein paar Tausend Leute dem Protest angeschlossen hätten. Die Demonstration ist weitgehend friedlich verlaufen. Aber die Protagonisten der AfD sprachen mehrfach während ihres Parteitages nicht von Gegnern, sondern von den Feinden ihrer Partei. Immerhin, den Unterschied scheinen sie kapiert zu haben.

Da scheint sich einer als Pressesprecher der AfD andienen zu wollen: AfD-Parteitag in Köln: Jagdszenen am Rhein – Kolumne – SPIEGEL ONLINE | Quelle

Horst Schulte

Ich bin Horst Schulte und blogge seit 2004. Am liebsten schreibe ich über gesellschaftliche und politische Fragen. Aber ab und an gibt es hier auch etwas zum Thema Bloggen, Wordpress und ein paar Fotos.

Meine ersten Gehversuche als Blogger machte ich mit den Blogs finger.zeig.net, später mit querblog.de und noch etwas später mit netzexil.de

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