Gesellschaft

Moscheereport: Was wissen wir denn ├╝ber Predigten in Moscheen? ­čÖĆ­čĆ╝

  • Lesezeit: 3 Minuten
Gebet

Nachdem ich vor ein paar Tagen┬áschon etwas ├╝ber Constantin Schreibers »Moscheereport« geschrieben hatte, fiel mir eine┬áharsche Kritik des Taz-Reporters, Daniel Bax, an Schreibers neuem Projekt auf.┬áDaniel Bax kritisiert einen Seitenwechsel des Kollegen.

Dieser hatte erst im letzten Jahr den Grimmepreis f├╝r das Projekt »Marhaba – Ankommen in Deutschland« erhalten. Er┬áhatte sich mit diesem┬áProjekte darum verdient gemacht, Fl├╝chtlingen unser Land und die hier geltenden Spielregeln n├Ąher zu bringen.

Schreiber hat w├Ąhrend eines jahrelangen Aufenthalts in Syrien, Libanon und Dubai die arabische Sprache gelernt.

Die Begr├╝ndung der Jury┬ázur Grimmepreis – Verleihung beschreibt unter anderem Schreibers┬ásehr differenzierte Vorgehensweise bei »Marhaba«. Dies┬ásteht im Widerspruch zu dem, was Bax im aktuellen Projekt┬áConstantin Schreibers sieht.

Bax schreibt ├╝ber Schreiber: »Nun hat er sich daf├╝r entschieden, das Gesicht der Misstrauenskultur gegen Muslime zu werden.«

Ich hatte von und ├╝ber Schreiber vor seiner Vorstellung seines Buches »Inside Islam« und dem Start des Moscheereports schon einiges gelesen und geh├Ârt. Mein Bild war durchweg positiv, weil er sich immer um ein differenziertes Bild bem├╝ht hat. Ihn als das »Gesicht der Willkommenskultur« zu bezeichnen, halte ich f├╝r falsch. Er hat┬án├Ąmlich im Gegensatz zu anderen Journalisten fr├╝h┬áauf kritische Entwicklungen hingewiesen.

Schreiber ├╝ber seine Erfahrungen:

Ja, die gab es – zum Teil gravierend. Die Predigten waren oftmals deutlich konservativer, wenn die Kamera aus war. Da wurde noch ein starker Gegensatz zwischen Moschee-Gemeinde und der Welt drau├čen produziert, die Abgrenzung betont. In Deutschland gibt es feine Sensoren, was gesagt werden kann und was nicht. Das finde ich richtig und sollte auch f├╝r Moscheen gelten.Quelle: Interview: »Was man versteht, macht weniger Angst« | tagesschau.de | LINK

Es gibt über 2500 Moscheen in Deutschland. 90 davon, sagt Herr Bax, werden vom Verfassungsschutz überwacht. Ist nicht allein dieser Tatbestand bemerkenswert genug, um sich als Journalist intensiv mit dieser Thematik zu befassen? Das ist, jedenfalls aus meiner Sicht, bisher leider nicht geschehen!

Tipp:  Die Welt ist gerade ein ziemlich h├Ąsslicher Ort

Bax h├Ąlt Schreibers Buch zugute, die Predigten in den 13 (f├╝rs Buch) besuchten Moscheen mitgeschnitten und ├╝bersetzt zu haben. Bax h├Ąlt jedoch die Schlussfolgerungen, die Schreiber aus den Texten gezogen hat, f├╝r falsch.

Aber Schreiber hat nicht, wie Bax schreibt, behauptet, dass Deutsche keine Moschee besuchen w├╝rden.

Aus Interviews mit┬áden Verantwortlichen einiger Moscheen wei├č ich, dass man entt├Ąuscht dar├╝ber ist,┬ádass nur wenige Deutsche Moscheen besuchen.┬áAnsonsten w├╝rde es vermutlicher solcher Aktionstage nicht bed├╝rfen.

Ich sehe auf dem Buchcover┬á»Inside Islam« beim besten Willen auch kein »Lawrence-von-Arabien-Motiv«. Dass Bax Schreiber krumm nimmt, sich ├╝ber kalte F├╝├če (in einer winterlichen Tiefgarage) zu beklagen, klingt f├╝r mich schon fast albern.

Ich erkenne keine besondere Sachlichkeit in den Vorhaltungen, mit denen Bax Schreiber in seinem Artikel begegnet. Die Empfehlung von Fabian K├Âhler, denen ich ansonsten gern folge, hat mir in diesem Fall nur einen Mosaikstein im Bild der f├╝r mich frischen┬áErkenntnis gebracht, dass wir uns so langsam mal┬ávon einigen┬áReflexen und Ritualen trennen sollten.

Gestern habe ich mich echauffiert, weil der s├Ąchsische Innenminister mit einer »Tatsachenbehauptung« Stimmung gegen Zuwanderer┬ágemacht haben soll, heute lese ich diesen TAZ-Artikel von Herrn Bax. Und der tut ja auch nix anderes.

Im Prinzip bin ich dankbar daf├╝r, mit Informationen und in diesem Rahmen┬áauch mit neuen Fragen┬ákonfrontieren zu werden. Herrn Schreiber bin ich daf├╝r dankbar, dass er sich die gro├če M├╝he gemacht hat, diesen Report zu erstellen. Herrn Bax danke ich daf├╝r, dass er mir klar gemacht hat, wie wichtig es auch in Zukunft bleibt, sich selbst ein Bild zu machen und nicht nur deshalb einer Meinung zu folgen, weil diese einem pers├Ânlich sympathischer ist oder besser ins eigene Weltbild passt.

Tipp:  Generationsunterschiede: Es gibt immer noch zu viele Stempel

Weitere Quellen zum Thema:

Recherche ├╝ber Moscheen in Deutschland: Gesicht der Misstrauenskultur – taz.de | Quelle

»Der Moscheereport« mit Constantin Schreiber: »Hoppla, was wird denn hier f├╝r eine Meinung verbreitet!« – Medien – Tagesspiegel | Quelle

Warum M├Ąnner und Frauen getrennt beten m├╝ssen – Hamburg – Aktuelle News aus den Stadtteilen – Hamburger Abendblatt | Quelle

M├Ąnner und Frauen beten in Offener Moschee gemeinsam – Blick | Quelle

 

Kriminalit├Ątsentwicklung
Wenn ich mich dar├╝ber aufrege, dass ausgerechnet der s├Ąchsische Innenminister Uhlig die Zunahme der Kriminalit├Ąt…
Kritik Di├Ąt
Die ├Âden Witze, die in der "Heute Show" ├╝ber Martin Schulz, die SPD oder beide…
Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Ihre Schlussfolgerung, lieber Horst Schulte, ist die einzig richtige, die man aus solchen kontr├Ąren Medienbeitr├Ągen ziehen kann: Das eigene Denken einschalten, sich auseinandersetzen, nicht in Schubladen bleiben.
    Mein Blick auf den Islam hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark ver├Ąndert. Und ich habe mich immer gr├╝ndlich informiert, auch durch Moscheebesuche, damals auch bei der DITIB. Als Humanistin stehe ich jeder Religion mit einer gewissen Skepsis gegen├╝ber, halte sie aber auch f├╝r gleichwertig, sofern der Mensch eine solche f├╝r sein – privates – Gl├╝ck braucht. Leider hat sich diese Religion aber zu einem politischen Machtinstrument entwickelt ( was in ihr auch angelegt ist ), das es mir noch wichtiger erscheinen l├Ąsst, eine konsequentere Trennung von Kirche & Staat zu fordern.
    Es ist auch kein Fehler, sich mit der Bloggerszene in muslimischen L├Ąndern zu vernetzen oder sich dort zu informieren. Dann merkt man schnell, wie wir hierzulande mit einigen Umgehensweisen auf dem Holzweg sind…
    Ärgerlich nur, wenn man dann als islamophob angesehen wir. Aber das ist noch eine ganz andere Geschichte.
    Ein sch├Ânes Wochenende!

  2. Sch├Ân, dass das Kommentieren jetzt klappt.

    Die konsequente Trennung zwischen Kirche und Staat w├Ąre ein Erfolgsmodell, von dem der t├╝rkische Staat zugunsten des politischen Islam sich langsam wieder abwendet. Uns k├Ânnte das ganz egal sein, wenn es nicht die ├╝ber 3 Mio. T├╝rken g├Ąbe, die mit uns zusammenleben. Ich bin gespannt, wie sich das Verh├Ąltnis unserer L├Ąnder nach dem 16. April weiterentwickeln wird. Nach alldem, was vorgefallen ist, bin ich nicht optimistisch. Wer wei├č, ob wir dort nicht bald einen B├╝rgerkrieg sehen. Und dieser wird sich garantiert auch hier bei uns auswirken.

    Ich pers├Ânlich betrachte mich ├╝berhaupt nicht als islamophob. Ich setze mich f├╝r Menschen ein, die unsere Hilfe brauchen. Dabei ist es mir ganz egal, welche religi├Âse Orientierung sie haben. Leider entwickelt sich in Deutschland seit Jahren eine generelle Islamophobie, die leider durch gewisse Begleitumst├Ąnde stark beg├╝nstigt wird. Damit meine ich nicht nur Erdogans Politik der letzten 2 Jahre.

  3. Ich betrachte mich auch nicht als islamophob, ebenso wie ich mich nie als christophob ( gibt es den Begriff ├╝berhaupt? ) betrachtet h├Ątte, als ich in meiner Jugend kritisch Stellung genommen habe zu vielen Ph├Ąnomenen in meiner Nonnenschule. Solche Vorw├╝rfe tauchen aber immer mal auf, wenn ich mich kritisch mit dem Islam auf meinem Blog ( im Rahmen meiner Raif-Badawi-Freitagsreihe ) besch├Ąftige. Ich finde da manche Kritik sehr kurzsichtig und eine Verleugnung unserer westlichen Tradition der Aufkl├Ąrung.
    Was die Entwicklung in der T├╝rkei anbelangt ( und den Auswirkungen bei uns ) sehe ich das ├Ąhnlich.
    LG

  4. Sie waren auf einer Nonnenschule? Das muss hart gewesen sein.

    Ich w├╝nschte, wir w├Ąren hinsichtlich unserer Werte selbstbewusster und w├╝rden gg├╝. mancher Kritik entsprechend auftreten. Andererseits ist es vielleicht auch gut, wenn man nicht im gleichen Ton zur├╝ckbr├╝llt, wie andere es tun.

    1. Ja, das war hart in den Anfangsjahren der Republik. Aber noch schlimmer war es, wenn man im Internat war wie eine Freundin. Es war so schlimm, wie es inzwischen ans Tageslicht kommt. Aber es hat auch den Widerspruchsgeist mobilisiert.
      Jetzt, im Alter, finde ich taktisches, ruhiges Vorgehen auch kl├╝ger

Ich freue mich auf Ihren Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.