Mich macht es wütend, die fadenscheinigen Gründe zu lesen, die Muslime hatten, um die Demo gegen den Terror #Nichtmituns abzulehnen.

Lamya Kaddor, eine der Initiatorinnen der Kölner Anti-Terror-Demo ist, nicht zuletzt aufgrund ihres selbstbewussten Auftretens, nicht nur bei der deutschen Rechten unbeliebt, sondern auch bei vielen Muslimen.

Selbstbewusste Frauen passen nicht ins Weltbild.

Die islamkritische Soziologin Necla Kelek erklärte in der Zeitschrift »Emma«, weshalb sie die Demo als »verlogene« Veranstaltung betrachtet. Sie unterstellt Kaddor, es ginge ihr mehr um die »Reinwaschung« des Islam als um das Bekenntnis gegen islamistischen Terror. Ihre Argumentation ist einerseits nachzuvollziehen, andererseits wiederholt sie die Vorwürfe an Kaddors Adresse, die darauf abzielen, dass fünf ihrer Schüler aus der deutschen Salafisten-Hochburg Dinslaken sich dem IS in Syrien angeschlossen haben. Diesen Vorwurf erheben rechte Publizisten fast immer, wenn der Name Lamya Kaddor an prominenter Stelle auftaucht.

Ich empfinde die Massivität der Vorwürfe gegen Kaddor als den Versuch, eine liberale Muslima zu diffamieren. Bei solchen Gelegenheiten wird ihr auch gern einmal die Qualifikation abgesprochen. Und was Frau Kelek mit ihren Vorwürfen am Schluss ihres Artikels insinuiert, muss ich nicht zu erklären.

Vielleicht gehört Kaddor ja auch nur zum »falschen Zweig« des Islam. Zudem ist sie eine Frau. Kritische Frauen sind im Islam nicht populär. Btw: wie ist das bei uns?

Das mag erklären, weshalb auf Männer wie den türkischen Politiker Mustafa Yeneroğlu  gehört wird. Der Mann war früher in federführender Position bei Millî Görüş und steht Präsident Erdogan und seiner Politik nahe.

Für die »gute Sache« des türkischen Präsidenten demonstrierten zehntausende von muslimischen Türken. Wie das abgegangen ist haben wir stauend bis entsetzt zur Kenntnis genommen. Sie protestierten auf dem Platz, auf den sich gestern gerade einmal ein paar hundert Muslime bemühten. Die Ditib konnte das vorher schon erklären, wie selbstverständlich auch Herr Yeneroğlu.

Was ich darüber denke, habe ich hier schon in einem anderen Beitrag geschrieben.

Ich verstehe natürlich, dass die Muslime völlig andere Probleme haben, als dieser Gesellschaft zu zeigen, dass sie zu ihr gehören. Ob der Ramadan wirklich eine Rolle spielt, vermag ich nicht zu beurteilen.

Ich verstehe den Standpunkt vieler Muslime, die es anmaßend und falsch finden, dass manche Mitbürgerinnen und Mitbürger von ihnen fordern, sich von Gewalt und Terror zu distanzieren, obwohl sie – wie ihre Funktionäre nicht müde werden zu betonen – mit den Taten von Terroristen überhaupt nichts zu tun haben.

Es ist mir eine Qual, die Freude der Rechten nach dem Demo-Desaster von Köln, die sich nicht zuletzt in den sozialen Medien Bahn bricht, mitzuerleben. Da laufen die Hetzer zur Hochform auf, während sich die, die die Demo richtig und wichtig fanden, wieder mal als Gutmenschenidioten beschimpfen lassen müssen.

Wahrscheinlich hätten selbst tausende von Demonstranten diese und andere erwartbare »Reaktionen« nicht verhindert. Denn solche Hetzer finden immer was, was sie »bemängeln« und für ihre Zwecke gegen den Strich bügeln können.

Notfalls sind es abfällige Mutmaßungen darüber, wie viele Menschen überhaupt an einer Veranstaltung  teilgenommen haben.  Jeder neue Zweifel spielt ihnen in die Hände.


Wenn ich mich in der muslimischen Community umschaue, ist mein Vertrauensvorschuss auch nicht übergroß. Die »Generation Islam« wird in diesem Beispiel durch ein ziemlich jung aussehendes, dafür aber umso aggressiver auftretendes schreiendes Jüngelchen repräsentiert.


Auf dieser Twitter-Seite fand ich ein Video, in dem erklärt wird, weshalb die Muslime nicht mehr willens sind, an solchen Demos teilzunehmen. Man hält es für unnötig, sich vom Terror zu distanzieren und hält die passende Erklärung bereit:

Die westliche Politik, die Maßnahmen gegen islamistischen Terror (Krieg gegen den Terror), ist an allem schuld. Vorher, so die Meinung mancher Muslime, habe es keine Terroranschläge von Muslimen gegeben. Gab es sie wirklich nicht, diese feige, mörderische Art von Anschlägen gegen Zivilisten, wie wir sie in Europa seit Jahren erleben müssen?

Viele Menschen und Regierungen waren gegen den Irak-Krieg! Auch Deutschland. Das hat uns vor den Verbrechen islamischen Terrors nicht bewahrt und so funktioniert das Spiel der Terroristen auch nicht. Sie verfolgen eine Strategie, die neben dem Töten, darauf abzielt, die westlichen Gesellschaften zu destabilisieren. Dabei spielen die hier lebenden Muslime als »Manipulationsmasse« eine noch bedeutendere Rolle als die einheimischen Bevölkerungen. Wer sagt uns, dass dieses Kalkül nicht aufgehen wird?

Dafür, dass wir den Amerikanern in Afghanistan beigestanden haben, als islamistische Terroristen in einer nie dagewesenen Unmenschlichkeit unschuldige Menschen töteten, wird von solchen Jüngelchen wie ein Revanchefoul beim Fußball verstanden.

Ungläubige haben heiligen Boden betreten. Das reicht machen Muslime, um Terror zu begründen. Damit drücken sich junge Muslime, die in unserem Land leben, um ihre Verantwortung herum – was viel schlimmer ist – sie tun nichts anderes, als die Mordtaten ihrer Glaubensbrüder und -Schwestern zu verteidigen oder gutzuheißen?

Ich verstehe, dass Muslime sich in Deutschland und sicher ebenso in anderen Ländern Europas zunehmend ausgegrenzt fühlen, weil sie sich unter Generalverdacht sehen. Aber Ausgrenzungs- oder Diskriminierungserfahrungen haben leider auch schon vorher ganze Generationen von Menschen gemacht, die aus den verschiedensten Gründen eine neue Heimat finden mussten. Das sind keine speziell muslimischen Erfahrungen und selbst wenn das der Fall wäre: Nichts entschuldigt Terror!

Auf meine Nachfrage bei »Generation Islam« kriege ich die »Information«, dass wir, die Bevölkerung der westlichen Länder, gemeinsam mit unseren Regierungen verantwortlich sind, weil wir ja nicht dagegen protestiert hätten. Geil – oder?

Die abstruse und wirre Schlussfolgerung lautet demnach: Wenn westliche Demos gegen die Anti-Terror-Kriege nicht stattgefunden oder nix genutzt haben, warum sollten Muslime dann für Frieden und gegen den Terror auf die Straße gehen?


Erweitern wir das Blickfeld ein wenig: In meinen Augen hatten die vorwiegend von Muslimen verübten Angriffe auf Frauen an Silvester 2015/2016 einen terroristischen Charakter. Ich schrieb das schon vor langer Zeit und wurde – was mich nicht gewundert hat – dafür kritisiert. Trotzdem halte ich meine Sicht auf dieses unglaubliche Massenverbrechen aufrecht. Ich weiß, dass sich alle muslimischen Verbände, jeder anständige Mensch damals davon distanziert hat.

Aber die Medien berichten immer häufiger von Verbrechen, von denen sich oft erst im Nachhinein (Pressecodex) herausstellt, dass sie von Muslimen begangen wurden. Es wird zunächst nicht explizit gesagt, aber es handelt sich vielfach um Flüchtlinge, von denen jeder weiß, dass sie zum überwiegenden Teil Muslime sind.

Ist eigentlich allen klar, welche Eskalation dieser langsam wachsende »Erkenntnisgewinn« mit sich bringen kann? In der öffentlichen Wahrnehmung spielt es, so fürchte ich, keine Rolle, dass – warum auch immer – die meisten Flüchtlinge junge Männer sind und dass jede Kriminalstatistik belegt, dass die überwiegende Zahl von verschiedensten Delikten von jungen Männern begangen werden, unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion. 

Der Antisemitismus, den Muslime in verstärkter Form in die Republik tragen, ist ein anderes Thema. Er tritt so drastisch zutage, dass mich interessieren würde, wem die Muslime die Verantwortung für diese Entwicklung zuweisen.

Die Täter waren keine Terroristen. Aber sie waren Muslime, die hier im Land mit ihrem Verhalten dafür sorgen, dass Juden nach Jahrzehnten mit dem Gedanken spielen, das Land zu verlassen. Das findet in Deutschland, Österreich und Frankreich statt.

Auch dagegen könnten Muslime demonstrieren. Damit diese Gesellschaft weiß, wie Muslime insgesamt dazu stehen.

Köln wäre dafür eine Gelegenheit gewesen. Stolz und Dummheit haben diese Chance verstreichen lassen.

 

 

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