Rohrkrepierer G7-Protest?

In München protestierten nach Pressemeldungen 34.000 Menschen gegen den G7-Gipfel. Auch Repräsentanten der deutschen Oppositionsparteien befanden sich darunter. Bei der gestrigen Aktion #StopG7Elmau waren 10.000 Teilnehmer erwartet worden, 3.600 – 5.000 sind nur gekommen.

In den Medien heißt es heute morgen: »Die Aktivisten sind erschöpft«. Die Süffisanz, die diesem Satz innewohnt, ist nicht zu übersehen.

Wenn man bedenkt, dass all die Vorbereitungen für den Protest erfahrungsgemäß von relativ wenigen Leuten durchgeführt werden, kann ich mir vorstellen, dass auch durch die eingetretene Ernüchterung jetzt die Luft raus ist.

Nehmen wir es positiv! Es hat (bisher) fast keine gewalttätigen Ausschreitungen gegeben.

Die Proteste sind auch dank der großen medialer Begleitung bei den Menschen angekommen. Auch bei den Vielen, die sich im Grunde dafür nicht interessieren.

Vielen Einträge in den sozialen Medien sind eben kein Indiz dafür, dass es sich anders verhält. Es scheint so, als werde dort aller Frust abgeladen, der die Leute gepackt hat.

Besonders apart finde ich die permanente Wiederholung mancher Vorbehalte auch gegen die deutsche Regierung. So was zum Beispiel:


Ich habe den Eindruck, die Aufregung über den Gipfel gilt in erster Linie der Geldverschwendung, die durch den G7-Gipfel selbst stattfände, die eigentliche Agenda der Gipfelgegner scheint eine untergeordnete Bedeutung zu haben.

Hier noch einmal zur Erinnerung:

  • Weg mit den Freihandelsabkommen TTIP, TISA und CETA – die Welt ist keine Ware
  • Gegen Militarisierung und Krieg – Schluss mit den Kriegen der NATO-Staaten
  • Grenzen auf für alle Menschen – Solidarität mit den Migrant*innen und Flüchtenden
  • Stoppt die Ausbeutung von Mensch und Natur – Entzieht die natürlichen Lebensgrundlagen der Profitwirtschaft
  • Gegen den sozialen Kahlschlag – Die Konzerne sollen ihre Krise selbst bezahlen
  • Stop watching us – Gegen Überwachungsstaat und den Abbau demokratischer Rechte

Vielleicht entspringt die von mir ausgemachte Gleichgültigkeit einer stärker und stärker werdenden Haltung, die viele Leute ergriffen hat? Man muss sie wohl so auf den Punkt bringen: Man kann ja doch nichts ändern; die machen doch, was sie wollen. 

Zum Glück gibts auf dieser Welt mehr es Instanzen, die den Status quo kritisch und konstruktiv hinterfragen. Zwar bleibt die Schlusserklärung des Gipfels abzuwarten. Aber wir werden vermutlich nichts von den Staats- und Regierungschefs*innen hören, was unsere Art zu leben kritisch hinterfragt. Fast glaube ich, dass viele genau das aber von unseren politischen Führern erwarten.

Die hauptsächlich vom kapitalistischen Westen verursachten sozialen Verwerfungen auf unserer Erde und die daraus resultierenden Kriege und Konflikte (Irak, Libyen, Afrika, Ukraine) werden von unseren Politikern nur insofern angesprochen, als sie damit Schuldzuweisungen an andere verbinden können (Putin). 

Blöd nur, dass genau das nicht mehr funktioniert!

[custom_headline type=«center« level=«h5″ looks_like=«h6″ accent=«true«]Instanzen, auf die wir ruhig mal hören könnten[/custom_headline][x_gap size=«1.313em«]

Papst Franziskus« Worte über »eine Art dritter Weltkrieg«, die er in Sarajevo vor 65.000 Menschen gesagt hat, erinnerten mich, dass ich so etwas schon vor vielen Jahren gelesen habe.

»Es ist eine Art dritter Weltkrieg, der stückweise geführt wird, und im Bereich der globalen Kommunikation nimmt man ein Klima des Krieges wahr.«Quelle: Papst Franziskus (2015): »Eine Art dritter Weltkrieg ist im Gang« – DIE WELT | LINK

Anders gesagt: Hunger, Seuchen, Durst und andere armutsbedingte Lokalkonflikte zerstören jedes Jahr fast genauso viele Männer, Frauen und Kinder wie der Zweite Weltkrieg in sechs Jahren. Für die Menschen der Dritten Welt ist der Dritte Weltkrieg unzweifelhaft in vollem Gang.Jean Ziegler (2003)