Sind Gut Gebildete Die Besseren Menschen?

Jeder könn­te das wis­sen! Soci­al Media ist in Deutsch­land die Spiel­wie­se des weni­ger gebil­de­ten Bevöl­ke­rungs­tei­les. Nur hier bei uns sind die Men­schen, die Face­book, Twit­ter & Co. benut­zen (52%), unter­durch­schnitt­lich gebildet.

Wie kann ich mich unter die­ser Vor­aus­set­zung bloß noch dar­über wun­dern, so häu­fig auf kon­zen­trier­te Dumm­heit zu stoßen?

Mensch, Horst!, wie bist du denn drauf?

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Den wenigs­ten wird es egal sein, wenn ande­re sie in irgend­wel­che Schub­la­den ste­cken. Die Ära des Indi­vi­dua­lis­mus schreit gera­de­zu danach, pau­scha­le Zuwei­sun­gen mit Ent­schie­den­heit abzulehnen.

Blöd! Das wird näm­lich nicht so ein­fach wer­den, denn Wis­sen­schaft­ler haben her­aus­ge­fun­den, dass bekann­te Schub­la­den wie rechts/links unzeit­ge­mäß sind.

Die kon­tro­ver­sen Kern­the­men der Gegen­wart ent­wi­ckel­ten sich ent­lang der Glo­ba­li­sie­rung. Unse­re Strei­te­rei­en über Migra­ti­on oder euro­päi­sche Inte­gra­ti­on wer­den nicht mehr vom klas­si­schen Rechts-Links-Gegen­satz bestimmt, son­dern vom Grad unse­rer Bil­dung und den dar­aus resul­tie­ren­den Unterschieden.

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Ich zweif­le die Ergeb­nis­se die­ser Unter­su­chung nicht an. Wie käme ich dazu?

Den­noch, die Bei­spie­le, die ange­führt wer­den, stö­ren mich. Ich fin­de, man­ches klingt wie die Anein­an­der­rei­hun­gen ewig gepfleg­ter Kli­schees. Was soll neu dar­an sein, dass dum­me Men­schen mehr Feh­ler machen als klu­ge? Aber von dumm und klug hat doch kei­ner was gesagt. Ich bin wie­der zu emp­find­lich. Und das nur des­halb, weil ich zu den Unge­bil­de­ten zäh­le. Aber dass ich kaum Pri­vat­fern­se­hen gucke und nie die Bild­zei­tung lese, muss doch nichts heißen!

Wenn ich man­che mei­ner Dis­kus­si­ons­part­ner (vor allem in den Sozia­len Netz­wer­ken) fra­gen wür­de, pass­te zwi­schen das Kli­schee und der Bewer­tung mei­ner Posi­tio­nen in die­sem Gesche­hen kein Blatt Papier.

Auf Basis einer brei­ten Defi­ni­ti­on des eng­li­schen Begrif­fes clea­va­ge (Spal­tung, Kluft) stel­len wir eine Ver­tie­fung der Bil­dungs­kluft fest, die sich in drei Berei­chen mani­fes­tiert: in einer neu­en sozio­de­mo­gra­phi­schen Spal­tung, in Gegen­sät­zen der poli­ti­schen Prä­fe­renz und in einer neu­en Auf­spal­tung der poli­ti­schen Land­schaft.Quel­le: Die fei­nen Unter­schie­de | Inter­na­tio­na­le Poli­tik und Gesell­schaft – IPG | LINK

Es klingt ver­söhn­lich, dass des­halb alles gut wer­den soll, weil die Zahl der Unge­bil­de­ten in Euro­pa rück­läu­fig ist. Die Dum­men ster­ben aus?!

Die­ser enor­me Anstieg der Zahl gut aus­ge­bil­de­ter Bür­ge­rin­nen und Bür­ger bil­det die demo­gra­phi­sche Grund­la­ge für die Ent­ste­hung einer Bil­dungs­kluft.Quel­le: Die fei­nen Unter­schie­de | Inter­na­tio­na­le Poli­tik und Gesell­schaft – IPG | LINK

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Vor­erst bleibt die Besorg­nis aktu­ell: Die Zwi­schen­über­schrift: „Kos­mo­po­li­tisch hier, natio­na­lis­tisch dort“ fin­de ich den­noch so krass dane­ben, dass ich lachen muss­te, als ich die nach­fol­gen­den Zei­len im Arti­kel gele­sen hatte.

Am einen Ende die­ser neu­en Kon­flikt­li­nie ste­hen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die sozia­le und kul­tu­rel­le Hete­ro­ge­ni­tät akzep­tie­ren und den Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus gut­hei­ßen oder zumin­dest bil­li­gen. Das sind Men­schen mit höhe­rer Bildung.

Am ande­ren Ende befin­den sich Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die dem Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus über­aus kri­tisch gegen­über­ste­hen und sich eine homo­ge­ne­re natio­na­le Kul­tur wün­schen. Das sind über­wie­gend Men­schen mit nied­ri­ge­rem Bil­dungs­ni­veau.Quel­le: Die fei­nen Unter­schie­de | Inter­na­tio­na­le Poli­tik und Gesell­schaft – IPG | LINK

Ich gehe davon aus, dass die Unter­su­chungs­er­geb­nis­se seri­ös sind. Ob ich allein ein Pro­blem mit die­sen „ein­fa­chen“ neu­en Klas­si­fi­zie­run­gen habe?

Wie kön­nen die mich auf­grund mei­nes nied­ri­gen Bil­dungs­ab­schlus­ses genau dem „Lager“ zuord­nen gegen das ich stän­dig zu Fel­de zie­he? Bei den spe­zi­el­len The­men wie Migra­ti­on und Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus habe ich doch eine kom­plett ande­re Ein­stel­lung. Ich gehö­re doch zu „den Gut(Menschen)en“!

Nur – die gibt es, sta­tis­tisch gese­hen, unter uns Schlecht­ge­bil­de­ten eigent­lich ja gar nicht.

Das ist so unge­recht, dass ich plötz­lich an all die den­ken muss, die ich (vor­ei­lig und ohne Not) im Lauf mei­ner zahl­rei­chen Schar­müt­zel über die The­men unse­rer Zeit in die­se (also mei­ne!) Ecke gestellt habe. Wenn nicht offen, so doch insgeheim.

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Es sind nur wenige Jahre vergangen. Trotzdem bin ich in diesem Geschäft ein alter Hase.

Ich schreibe über gesellschaftliche und politische Themen. Hin und wieder gibt es bei 2bier auch was zum Thema Bloggen und Wordpress zu lesen.

Dieser Beitrag hat 15 Kommentare
  1. Ich habe in letz­ter Zeit häu­fig den Ein­druck, dass eine ein­fa­che Haus­frau über mehr Ver­stand ver­fügt als unse­re Bildungs-Eliten.
    Sie hal­ten sich für Kos­mo­po­li­ten, wol­len in der gan­zen Welt zuhau­se sein, aber haben kei­ner­lei Wur­zeln mehr. Es fehlt Ihnen an Geschichts­wis­sen, guten Deutsch- oder Mathe­ma­tik-Kennt­nis­sen, Men­schen­kennt­nis, der Fähig­keit, in Zusam­men­hän­gen und vor­aus­schau­end zu denken.
    Sie wol­len die ande­ren domi­nie­ren, sind das doch nur weni­ger Gebil­de­te, dabei sind sie selbst nicht mehr als Fachidioten.
    Es sind genau die Krei­se, die nie ver­ste­hen wer­den, war­um ein gro­ßer Teil der Bevöl­ke­rung Trump wählt oder den Brex­it. Weil sie zu unge­bil­det und zu über­heb­lich sind, um zu begrei­fen, dass die ande­ren ihre Vor­stel­lun­gen von Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus und New World Order nicht teilen.
    Sie glau­ben an Welt­kli­ma­ret­tung, bemer­ken aber nicht ein­mal, wenn die Ener­gie­wen­de in D schei­tert. Weil sie sich ger­ne mal ver­rech­nen und den Gesamt­zu­sam­men­hang nicht verstehen.
    Erst recht bemer­ken sie nicht, dass sie von Poli­tik, Wirt­schaft und Kapi­tal benutzt wer­den und zu wil­li­gen Hand­lan­gern gewor­den sind.

    Das Bil­dungs­ni­veau in Deutsch­land ist in einem bedau­erns­wer­ten Zustand. Ideo­lo­gie und Gesin­nung sind an vie­len Bil­dungs­ein­rich­tun­gen an die Stel­le von Wis­sen und Fak­ten getre­ten. Das Resul­tat ist über­all zu besichtigen.
    Abitur oder Stu­di­um sagen nicht mehr viel aus über den Bil­dungs­grad sei­ner Absol­ven­ten, weil die Anfor­de­run­gen über Jah­re gesenkt wurden.

    Wenn nur 15 Mio. Net­to­steu­er­zah­ler fast 83 Mio. Men­schen in D finan­zie­ren müs­sen, was ein sehr unge­sun­des Ver­hält­nis ist, dann stel­le ich mir die Fra­ge: Wo sind sie, all die soge­nann­ten Gebil­de­ten und was tra­gen sie zur Finan­zie­rung der Gesell­schaft bei? Unter den 12 Mio., die von Steu­er­gel­dern, also den o. g. 15 Mio., leben (Staats­be­diens­te­te, Ver­wal­tungs­be­am­te, Poli­ti­ker, Leh­rer, Sozi­al­wis­sen­schaft­ler etc.)?

    Damit beant­wor­tet sich dann auch die Fra­ge die­ser „Gebil­de­ten“, ob ich Angst um mei­nen Zweit-Jah­res­ur­laub oder den Zweit­wa­gen hät­te, wenn ich mich gegen Asyl­miß­brauch durch unge­bil­de­te Kul­tur­frem­de aus­spre­che und der Kreis schließt sich wie­der. Aber mit dem (Hoch-)Rechnen haben sie es ja nicht so.

    Ach so, ich soll ja nicht immer so ernst und wütend sein. Etwas Lus­ti­ges habe ich auch gele­sen: „Wenn Sie ein Uni­ver­si­täts­stu­di­um absol­viert haben, kon­su­mie­ren Sie öffent­lich-recht­li­ches Fern­se­hen,…“ Ich lache jetzt noch über so viel Anspruch. Der Satz muß aus der Stein­zeit sein, die ken­nen Vie­le nicht mehr, da saßen noch wirk­lich Gebil­de­te in den jour­na­lis­ti­schen Redak­tio­nen der ÖR.

  2. Aber dass ich kaum Pri­vat­fern­se­hen gucke und nie die Bild­zei­tung lese, muss doch nichts heißen!

    Doch, das heißt immer­hin, dass du zwei ent­schei­den­de Din­ge nicht tust, die für sehr vie­le Men­schen fort­lau­fend das Welt- und Men­schen­bild prä­gen. Bil­dung hat näm­lich nicht not­wen­di­ger­wei­se mit dem Schul­ab­schluss zu tun.

  3. Du bist nicht „unge­bil­det“, selbst wenn du ohne ent­spre­chen­den for­ma­len Schul­ab­schluss bist. Wirk­lich Unge­bil­de­te könn­ten nicht so schrei­ben, beob­ach­ten, any­ly­sie­ren, hät­ten auch eher kei­ne Lust da drauf. Die­ser Arti­kel spricht in sei­ner Bewer­tung von Sta­tis­ti­ken ja auch nur von „über­wie­gend“…

  4. @Clau­dia: Es ist nett, lie­be Clau­dia, dass du das schreibst. Im ech­ten Leben kann man unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen aller­dings Beob­ach­tun­gen machen, die die­se Unter­schei­dun­gen eher bestä­ti­gen. Weiß der Him­mel wie­so. In mei­nen letz­ten 8 Berufs­jah­ren hat­te ich auf mei­ner Ebe­ne aus­nahms­los mit Fach­hoch­schul- oder Uniab­sol­ven­ten zu tun. Es gibt in mei­nen Augen doch beträcht­li­che Unter­schie­de, die die for­ma­le Aus­bil­dung mit sich bringt. Ich mei­ne damit kein über­heb­li­ches Gebah­ren 🙂 , son­dern Vor­tei­le bei der Ana­ly­se von Zusam­men­hän­gen und der grund­sätz­li­chen Her­an­ge­hens­wei­se an Pro­blem­stel­lun­gen. Die Unter­su­chun­gen auf die ich durch dei­nen Tweet auf­merk­sam wur­de, fin­de ich in die­ser „ein­fa­chen“ Tren­nung anhand des Bil­dungs­gra­des auch des­halb selt­sam, weil wahr­schein­lich doch jeder von uns auf gebil­de­te Men­schen gesto­ßen ist, die sehr eige­ne Vor­stel­lun­gen in Bezug auf die The­men haben, die die Men­schen in die­sen Zei­ten sehr bewe­gen. Dass indi­vi­du­el­le Erfah­run­gen nicht die Rea­li­tät wider­spie­geln müs­sen ist mir zwar auch klar. Aber irgend­wie pas­sen sol­che ein­fa­chen Grenz­zie­hun­gen nicht in mei­ne Vorstellung.

  5. @Boris: Nicht allein die Schul­bil­dung prägt die Men­schen. Das ist zum Glück wohl sehr wahr :-). Aller­dings hebt die­ser Bei­trag ja genau auf die­se for­ma­le Bil­dung ab und stellt sie sogar in den Mit­tel­punkt ihrer Argu­men­ta­ti­on. Das ist schon ärgerlich.

  6. @Corin­na Fried­rich: Mich als Gut­mensch könn­te die Aus­sa­ge des frag­li­chen Arti­kels doch glück­lich machen. Mal abge­se­hen davon, dass ich mich qua­si zwangs­häu­fig in der „fal­schen Grup­pe“ wie­der­fin­de, muss ja nichts hei­ßen. 😆 Ansons­ten wäre es eben so, dass durch die wach­sen­de Zahl von Uniab­sol­ven­ten in fer­ner Zukunft alles gut wür­de. Die The­se wür­de das stüt­zen, was wir immer lesen. Aber hilft Bil­dung wirk­lich gegen kon­kre­te oder dif­fu­se Ängs­te? Das glau­be ich nicht. Und wer Angst hat, der wird immer einen gewis­sen Hang zur Irra­tio­na­li­tät zei­gen. Das ist ganz unab­hän­gig davon, über wel­che Bil­dung er oder sie verfügen. 

    Ich bin einer von denen, die sich mit dem Begriff Éli­te immer schon etwas schwer getan haben. Das liegt sich dar­an, dass ich einer­seits nicht dazu gehö­re, an per­sön­li­chen Erfah­run­gen mit Eli­ten aber vor allem an mei­nem lin­ken poli­ti­schen Bewusst­sein. Éli­te ist ein Begriff, der eine Grup­pe von Men­schen anhand von Kri­te­ri­en her­aus­hebt, die mir -sofern sie sich z.B. nur auf Bil­dung bezie­hen- unzu­rei­chend erschei­nen. Ande­rer­seits sind lin­ke Tra­di­tio­nen (Räte, Komi­tees) genau­so von eli­tä­rem Den­ken geprägt wie ande­re auch.

    Wäh­rend mei­ner Berufs­zeit habe ich eini­ge getrof­fen, die mir an Bil­dung weit über­le­gen waren. Als die Ära der E-Mails begann fand ich her­aus, dass nicht nur jün­ge­re, son­dern auch gleich­alt­ri­ge Chefs durch­aus ihre Schwie­rig­kei­ten mit der deut­schen Spra­che hat­te. Zuvor schrie­ben Sekre­tä­rin­nen ihre Noti­zen und Brie­fe. Das änder­te sich nun und es offen­bar­ten sich Recht­schreib­schwä­chen von einem Aus­maß, das ich mir bis dahin nicht vor­stel­len konn­te. Ich hat­te eine Mit­ar­bei­te­rin, der ich ein­fachs­te Pro­zent­rech­nun­gen erklä­ren muss­te, sie hat­te kei­nen Schim­mer, obwohl sie die höhe­re Han­dels­schu­le absol­viert hatte. 

    Mei­ne Ein­stel­lung zu Mul­ti­kul­ti ist Ihnen ver­traut. Ich füh­le mich trotz feh­len­der Aus­lands­er­fah­run­gen als Kos­mo­po­lit. Natio­na­lis­mus ist mir nicht nur fremd, ich mag ihn ganz ein­fach nicht. Dabei lie­be ich trotz­dem mein Land. Deutsch­land ist mei­ne Hei­mat. Des­halb will ich, dass es ihm gut geht. Beim stän­di­gen Kampf um die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen hin­sicht­lich der neu­en Wan­de­rungs­be­we­gun­gen fin­de ich mich den­noch oft auf der „ande­ren“ Sei­te wie­der. Mir ist es ehr­lich gesagt egal, wel­che Men­schen hier mit uns leben. Haupt­sa­che, wir schaf­fen das, unser Zusam­men­le­ben so zu orga­ni­sie­ren, dass das bes­te für alle dabei her­aus­kommt. Dass ande­re Men­schen das völ­lig anders sehen, weiß ich. Mir fällt es schwer, die fie­sen Kom­men­ta­re, die dazu im Inter­net geschrie­ben wer­den, zu tole­rie­ren. Des­halb stem­me ich mich per­ma­nent dage­gen. Das mache ich nicht, weil ich mich danach bes­ser füh­le. Das Gegen­teil trifft zu. Aber ich fin­de, es muss sein. Wir müs­sen mit­ein­an­der reden. Auch wenn es schon mal rup­pig wird. 

    Viel­leicht haben Sie ja Recht, wenn Sie bean­stan­den, dass zu vie­le Men­schen nach Ihren Über­zeu­gun­gen han­deln. Aller­dings gebe ich zu beden­ken, dass Sie theo­re­tisch ja auch auf der fal­schen Sei­te ste­hen könn­ten. Es müs­sen nicht ideo­lo­gi­sche Dog­men sein, die die „ande­ren“ wie Mons­tran­zen vor sich her tra­gen. Jede Bewe­gung führt zu Gegen­be­we­gun­gen. Inso­fern hat es sein Gutes, wenn wir nach Jahr­zehn­ten einer gefühl­ten Links­be­we­gung nun Schrit­te in die ande­re Rich­tung mit­er­le­ben. Die Fra­ge ist nur, ob wir im Rah­men des gesell­schaft­li­che Dis­kur­ses, der in Tei­len (Inter­net) Züge von krie­ge­ri­schen Kon­flik­ten ange­nom­men hat, nicht das Kind mit dem Bad ausschütten.

    Den Hin­weis dar­auf, dass ledig­lich ein „paar“ Net­to­zah­ler (Ihre Zah­len wei­chen von denen ab, die ich dazu sonst im Inter­net gele­sen habe) für den Unter­halt von 83 Mio. Ein­woh­nern auf­kom­men müs­sen, ist aus mei­ner Sicht nicht rich­tig. Sie haben die Lohn-/Ein­kom­men­steu­er am Wickel. Die­se mag unge­recht sein und ich bin dafür, das Sys­tem zu ver­ein­fa­chen und gerech­ter zu machen! aber das Steu­er­auf­kom­men Deutsch­land setzt sich noch aus wei­te­ren Steu­ern zusam­men, die in Sum­me höher sind als der Bereich der Lohn-/Ein­kom­men­steu­er. Addie­ren Sie bit­te die Umsatz­steu­er, die allein nicht viel gerin­ger ist als die Lohn-/Ein­kom­men­steu­er mit den ande­ren Steu­er­ar­ten lockert das die Gesamt­be­trach­tung ein wenig auf. Der Hin­ter­grund ist klar. Die neu­en Mün­der müs­sen gestopft wer­den, obwohl sie auf Dau­er als Quel­le für Steu­er­ein­nah­men aus­fal­len. Das ist zwar über­haupt noch nicht aus­ge­macht aber bit­te­schön. Mer­kel sag­te: Wir schaf­fen das. Ich weiß nicht, ob wir das kön­nen. Aber ich weiß auch nicht, wie vie­le von die­sen Men­schen in den kom­men­den Jah­ren unser Land wie­der ver­las­sen wer­den. Im Gegen­satz zu man­chen Kom­men­ta­to­ren im Netz glau­be ich nicht, dass die Men­schen sich hier in die sozia­le Hän­ge­mat­te legen, son­dern dass sie ent­we­der selbst etwas tun und errei­chen wol­len oder – auch auf­grund des Drucks, den die­se Gesell­schaft aus­übt – wie­der in ihre Hei­mat­län­der zurück­keh­ren. Aber – wie ich sag­te – das ist noch nicht ausgemacht. 

    Das mit der „Intel­li­gen­zia“ und dem öffent­lich – recht­li­chen Fern­se­hen bezog sich ja nicht nur auf Deutsch­land. Da war von BBC und ande­ren Qua­li­täts­sen­dern die Rede. Nicht von ARD und ZDF. 🙂

  7. Die Umsatz­steu­er kann ich in die­sem Zusam­men­hang nicht addieren.
    Umsatz­steu­er wird von Unter­neh­men steu­er­lich ver­rech­net, vom Ver­brau­cher als Mehr­wert­steu­er entrichtet.
    Jeder, der etwas erwirbt, zahlt die­se Mehr­wert­steu­er, gilt auch für Ver­brauchs­steu­ern auf Ben­zin, Strom etc.
    Net­to­steu­er­zah­ler nennt man die Men­schen, die mehr von eige­ner Hän­de Arbeit ein­neh­men als sie den Staat kos­ten. Ein Rent­ner zählt also nicht dazu.
    Jetzt die Gret­chen-Fra­ge: Wer zahlt letzt­lich die Mehr­wert­steu­er auf Anschaf­fun­gen, die ein Hartz IV-Bezie­her oder Ren­ten­emp­fän­ger tätigt? Mei­ner Mei­nung nach Die­je­ni­gen, die monat­lich die Sozi­al­kas­sen fül­len. Für die vor­er­wähn­ten 12 Mio. auf Steu­er­zah­ler­kos­ten Beschäf­tig­ten ent­spricht das dem Prin­zip „Lin­ke Tasche – rech­te Tasche“.
    Die genann­ten Zah­len habe ich zuletzt einem Arti­kel ent­nom­men ohne wei­ter zu recher­chie­ren. Ich will nicht hof­fen, dass sie falsch sind. Geb‘ Ihnen mal den Link:
    https://juergenfritzphil.wordpress.com/2017/08/05/wer-zieht-eigentlich-den-karren/

    Ob Ein­wan­de­rer sich in die sozia­le Hän­ge­mat­te legen wollen?
    Das Wol­len ist nur ein Teil­be­reich. Das Kön­nen ein ande­rer, wesent­lich grö­ße­rer. Wenn ich als wesent­li­che Vor­aus­set­zung das Erler­nen der deut­schen Spra­che anneh­me, sehe ich 3 Gruppen:
    1. Die, die unmiß­ver­ständ­lich sagen, dass sie dar­an nicht inter­es­siert sind.
    2. Die, die nach eige­nem Bekun­den deutsch ler­nen wol­len, es aber an ent­spre­chen­den Taten feh­len las­sen bzw. es nicht schaf­fen. Die hohen Abbre­cher­quo­ten der Deutsch­kur­se zeu­gen davon.
    3. Men­schen, die mit vor­han­de­ner guter Aus­bil­dung (ent­spre­chend ihren Her­kunfts­län­dern, nicht unbe­dingt mit D zu ver­glei­chen) sowie Kennt­nis einer euro­päi­schen Spra­che zu uns kommen.
    Selbst die­se Men­schen haben mit Schwie­rig­kei­ten zu kämp­fen, die sie nie­mals erwar­tet hät­ten. So stel­len sie fest, dass sie im Fal­le eines Arbeits­plat­zes, der über die Jah­re, die sie benö­ti­gen, gute dt. Sprach­kennt­nis­se zu erwer­ben sowie eine beruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on, die dt. Maß­stä­ben ent­spricht, nicht beson­ders gut bezahlt wer­den. Finan­zi­ell ste­hen sie damit zunächst schlech­ter da als vor­her mit staat­li­cher Unter­stüt­zung. Wo bleibt der Anreiz?
    Da sind vie­le Feh­ler bereits ursäch­lich in unse­rem Sys­tem eingebaut.

    Hin­zu kommt, dass Deutsch­land gar nicht über so vie­le unqua­li­fi­zier­te Arbeits­plät­ze ver­fügt. Der Kampf macht sich bereits jetzt unter Paket­bo­ten u. ä. bemerk­bar. Das Qua­li­fi­zie­ren ande­rer­seits wird – falls über­haupt erfolg­reich – sehr, sehr vie­le Jah­re in Anspruch neh­men; hier vari­ie­ren die Zahlen.
    Alles in allem eine Lose-lose-Situa­ti­on für bei­de Sei­ten, Deutsch­land UND die Einwanderer.

    Falls Sie sich jetzt fra­gen: aber wie kön­nen wir den Men­schen, denen es in ihren Hei­mat­län­dern so viel schlech­ter geht als uns, denn hel­fen? dann kann man antworten:
    Wenn wir die­se Hil­fe hier vor Ort leis­ten wol­len, dann geht das nur unter Auf­ga­be aller Errun­gen­schaf­ten der letz­ten Jahrzehnte.
    Wir müs­sen ledig­lich auf Frei­heit, Wohl­stand, unser Sozi­al­sys­tem, Bil­dungs­sys­tem, Frie­den – halt alles, wofür D ein­mal stand – verzichten.

    1. @Corin­na Fried­rich: Wir kön­nen sehr wohl das Umsatz­steu­er­auf­kom­men hin­zu­ad­die­ren. Es zeigt näm­lich auf vor­treff­lichste­wei­se, dass die Ein­kom­men­steu­er durch­aus nicht allein für den Unter­halt des Staa­tes sorgt. Im Gegen­teil. Die Umsatz­steu­er trifft jeden Bür­ger, ganz unab­hän­gig davon, was er ver­dient. Mit ande­ren Wor­ten: Auch die ganz Armen im Land bezah­len ordent­lich Steu­ern. Wer­fen Sie noch­mal einen Blick auf die Zah­len. Dass die Umsatz­steu­er für Fir­men ein durch­lau­fen­der Pos­ten ist, heißt doch nicht, dass sie für die­se Gesell­schaft nicht rele­vant wäre. Das Gegen­teil ist richtig!

      Was Net­to­zah­ler sind, weiß ich, lie­be Frau Fried­rich. Aber Ihren Gedan­ken habe ich trotz­dem nicht ver­stan­den. Sie ver­su­chen aus ideo­lo­gi­schen Grün­den einen Spalt in die Gesell­schaft zu trei­ben. Hier die wert­vol­len Bür­ger, die ihren Bei­trag für unse­ren Staat leis­ten und da die „Hun­ger­lei­der“, (nament­lich) die Flücht­lin­ge, die nichts im Schil­de füh­ren, als unse­ren Sozi­al­staat aus­zu­plün­dern. Ich hab Sie schon verstanden!

      Bemer­kens­wert, wie Sie die Unter­tei­lung von Flücht­lin­gen vor­neh­men. Dass Sie sich auf den rech­ten Publi­zis­ten Fritz, der u.a. ja für die Epochti­mes schreibt und kürz­lich über Mar­tin Schulz gehetzt hat, fin­de ich nicht so prall. Aber bit­te. Ich sage aber dazu, dass ich mich mit die­ser Quel­le ungern befasse. 

      Alle 3 Kate­go­ri­en zeu­gen von einem Men­schen­bild, das nicht das mei­ne ist. Es gibt zwei­fel­los Men­schen, die dazu pas­sen. Aber für Sie gibt es ja offen­sicht­lich nicht ein posi­ti­ves Bei­spiel. Kann das sein? Gibt es kei­ne gelun­ge­ne Inte­gra­ti­on? Was fra­ge ich? Inte­gra­ti­on ist ja seit Jah­ren längst geschei­tert. Des­halb leben im Land auch so vie­le Migran­ten, die bes­tens inte­griert sind. Ich sage damit ja nicht, dass es nicht die Pro­ble­me gibt, von denen Sie spre­chen. Aber Sie sehen alles irgend­wie so nega­tiv. Ich hal­te es für mög­lich, dass Leu­te wie Fritz oder Hein­sohn (ob ein Bre­mer Prof. die Din­ge über­haupt anders sehen kann?) mit ihrem „anste­cken­den Opti­mis­mus“ die Rea­li­tät im schlech­ten Sinn ver­än­dern kön­nen. Mit Zah­len muss man so umge­hen, wenn man die Men­schen in sei­nem Sin­ne mani­pu­lie­ren will. Das haben vor­her schon ande­re getan. Unsym­pa­thisch und destruk­tiv wirkt das auf mich. Und des­halb wer­den Men­schen wie ich auch fort­lau­fend als naï­ve Gut­men­schen dif­fa­miert. Dabei brin­ge ich den von der ande­ren Sei­te als Skep­sis geprie­se­nen Durch­blick eben­so auf – nur von der ande­ren Sei­te aus.
      Wis­sen­schaft­ler wie Tho­mas Straub­haar wer­den nicht so gehört, weil ihre Bot­schaf­ten wohl zu posi­tiv klin­gen: https://www.welt.de/wirtschaft/article153557276/Das-sind-die-Folgen-der-Rekord-Zuwanderung.html
      https://makronom.de/die-positiven-und-negativen-oekonomischen-effekte-von-migration-12623
      https://www.welt.de/wirtschaft/article156792481/Folgen-der-Zuwanderung-werden-von-allen-ueberschaetzt.html

      Kürz­lich habe ich einen „Bei­trag“ der JF bei You­tube über die Flücht­lings­si­tu­ta­ti­on in Ita­li­en (Sizi­li­en) gese­hen. Es wird insi­nu­iert, dass die EU ihre Bevöl­ke­rung hin­sicht­lich der Zahl von Flücht­lin­gen hin­ter die Fich­te führt. Das passt zu den Bil­dern, die im rech­ten Lager gezeich­net wer­den. Das The­ma mit den nächt­li­chen Flü­gen, mit denen Unmen­gen von Flücht­lin­gen nach Deutsch­land gebracht wer­den, ist ein­fach nicht tot zu krie­gen. Berich­te wie der von der JF för­dern die­se Ver­schwö­rungs­theo­ri­en aufs Vor­treff­lichs­te. Das Innen­mi­nis­ter­um geht davon aus, dass wir in die­sem Jahr einen Zugang von wei­te­ren 170.000 Flücht­lin­gen haben (Quel­le aus Juli 17), das aus­wär­ti­ge Amt spricht davon, dass wir 300.000 Men­schen über Fami­li­en­nach­zug aus Syri­en und dem Irak zu erwar­ten haben. Ein Zeit­raum wird nicht genannt, es ist von „bald“ die Rede. Nun wis­sen wir, wel­che Maß­nah­men die Regie­rung vor weni­gen Mona­ten beschlos­sen hat, um die­sen Fami­li­en­nach­zug wirk­sam zu ver­hin­dern. Den­noch las­sen die Medi­en es sich nicht neh­men, zu zün­deln. Welt-Online beginnt einen Arti­kel damit, dass 300.000 Men­schen kom­men, im Text ist dann von 200–300.000 Leu­ten die Rede. Das ist so typisch – gera­de für die­se Sprin­ger-Het­zer. Die­se Infor­ma­ti­on „erfuhr“ die Zei­tung durch Nach­fra­ge in Gabri­els Außen­mi­nis­te­ri­um. Wie ein­fach seriö­se Recher­che ist…

      Für sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­te deren Auf­ent­halts­er­laub­nis nach dem 17.03.2016 erteilt wor­den ist, gilt eine Über­gangs­frist von zwei Jah­ren. In die­ser Zeit kann kein Fami­li­en­nach­zug erfol­gen. Nach dem 16. März 2018 ist ein Fami­li­en­nach­zug wie­der erlaubt. In die­sen Fäl­len beginnt die Drei-Monats­frist für den pri­vi­le­gier­ten Fami­li­en­nach­zug ab dem 16.03.2018. In beson­de­ren Här­te­fäl­len ist eine huma­ni­tä­re Auf­nah­me von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen wei­ter­hin mög­lich. Solan­ge das Asyl­ver­fah­ren läuft, kann grund­sätz­lich kein Fami­li­en­nach­zug erfol­gen. Ist im Asyl­ver­fah­ren ein Abschie­bungs­ver­bot fest­ge­stellt wor­den, darf der Fami­li­en­nach­zug nur aus huma­ni­tä­ren oder ande­ren wich­ti­gen öffent­li­chen Grün­den erfol­gen. Hervorhebung_Gesetzgebung: Recht­li­che Grund­la­geQuel­le: BAMF – Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge – Fami­li­en­asyl und Fami­li­en­nach­zug | LINK

      Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass man unter sozio­lo­gi­schen Aspek­ten lan­ge über die restrik­ti­ve Hand­ha­bung des Fami­li­en­nach­zu­ges strei­ten könn­te, es fin­den sich kei­ne gesi­cher­ten Quel­len oder Anga­ben zu kon­kre­ten im Netz. Sie bezie­hen sich auf Fritz, weil er „Infor­ma­tio­nen“ lie­fert, die ihre Ängs­te befeu­ern. Wie schreck­lich wird denn alles noch werden?

      Zum Glück haben Leu­te wie Fritz und Hein­sohn nicht dar­über zu bestim­men, was in unse­rem Land pas­siert und was nicht. Das ist Auf­ga­be einer frei gewähl­ten Regie­rung und unse­rer Par­la­men­te. Pro­gno­sen, auch sehr schlech­te, sind erlaubt. Aber es ist auch erlaubt, sol­chen Pro­gno­sen die Absich­ten zu unter­stel­len, die man dahin­ter zu erken­nen glaubt. Etwas mehr Opti­mis­mus wür­de mich gefallen.

  8. Über­den­ken Sie das mit der Mehr­wert­steu­er noch einmal.
    „Auch die ganz Armen im Land bezah­len ordent­lich Steuern“.
    Nur dann, wenn die Net­to­steu­er­zah­ler vor­her Steu­er­sä­ckel bzw. Sozi­al­kas­sen fül­len, aus denen die ganz Armen ihre Unter­stüt­zung bekom­men, um anschlie­ßend eine Anschaf­fung zu täti­gen, auf die sie MwSt. bezah­len. Also auch hier: lin­ke Tasche – rech­te Tasche, der Staat gibt erst etwas, von dem er dann einen Teil über Ver­brauchs­steu­ern zurück erhält. Die sog. „ordent­lich Steu­ern“ sind ein Nullsummenspiel!

    Natür­lich gibt es gelun­ge­ne Inte­gra­ti­on. Das bedingt aber, dass man sich die Men­schen, die man auf­nimmt, vor­her etwas genau­er anschaut. Bei For­dern­den, mit völ­lig über­zo­ge­nen Ansprü­chen an die dt. Gesell­schaft Her­an­tre­ten­den oder reli­gi­ös Ver­wirr­ten wird das nichts. Für Sie besteht die Mehr­heit offen­sicht­lich aus welt­of­fe­nen (haha, paßt zu D, nicht wahr?), gebil­de­ten, GG-kon­for­men, ara­bi­schen und afri­ka­ni­schen Mus­li­men, die es gar nicht erwar­ten kön­nen, von deut­schen Gen­der-Schwät­zern inte­griert zu werden.

    Für Sie schei­nen die Daten eines Jür­gen Fritz auto­ma­tisch des­halb falsch und/oder unglaub­wür­dig zu sein, weil… ja, war­um eigentlich?
    Weil er für die Epochti­mes schreibt, über Mar­tin Schulz gehetzt hat?
    Ich ver­ste­he und wuß­te vor­her, dass Ihnen das Inhalt­li­che nicht zusagt. Trotz­dem exis­tiert es.
    Die durch­aus dif­fe­ren­zier­ten Bei­trä­ge von Straub­haar sind inso­fern über­holt, als wir längst neue Kennt­nis­se haben.
    Übri­gens war es die Jun­ge Frei­heit, die an Flug­hä­fen recher­chier­te und anschlie­ßend die Öffent­lich­keit infor­mier­te, dass es die­se Flü­ge nicht gibt.

    Nein, mei­ne Gedan­ken haben Sie wohl nicht verstanden.
    Fra­gen Sie sich doch ein­mal selbst, wel­ches Inter­es­se ich dar­an haben könn­te, ideo­lo­gisch einen Spalt in die Gesell­schaft zu treiben.
    Ich bezog mich auf Fritz, weil er gera­de greif­bar war und die Kennt­nis, die ich schon lan­ge habe, mit Zah­len unter­mau­ert hat, ich also die Ver­ant­wor­tung für die­se Zah­len auf ihn abwäl­zen kann, lol.

    Von wel­chen Ängs­ten schrei­ben Sie eigent­lich immer?
    Ich habe kei­ne Ängs­te, denn ich habe sowohl für mich als auch für nicht vor­han­de­ne Nach­kom­men wenig zu befürchten.
    Mein Leben beinhal­tet Zufrie­den­heit, finan­zi­el­le Sicher­heit, schö­ne, zeit­lich total aus­ufern­de Hob­bies; den poli­ti­schen Kram brau­che ich eigent­lich nicht.
    Wenn die Pro­ble­me rich­tig los­ge­hen, bin ich (hof­fent­lich) schon weg.
    Und eigent­lich haben Sie Recht: War­um sich eigent­lich die­se Mühe machen, blau­äu­gi­gen, das Risi­ko ihres Han­delns nicht erken­nen­den Mit­bür­gern die Fol­gen ihres Tuns auf­zu­zei­gen? Die nach­fol­gen­den Gene­ra­tio­nen wer­den dafür bezah­len, nie­mals ich.

    1. @Corin­na Fried­rich: Es ist eine inter­es­san­te Theo­rie, dass ohne Besteue­rung der Arbeit in einem Land nichts mehr läuft. Die Lohn-/Ein­kom­men­steu­er als Mut­ter aller Din­ge. Das hat was und macht mir deut­lich, wes­halb wir Deut­schen uns so stark über Arbeit defi­nie­ren. Wenn es aber so wäre, wie Sie mei­nen, dann könn­te ein bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men über­haupt nicht funk­tio­nie­ren, weil jene Steu­er­ba­sis fehl­te. Es sei denn, ein Basis­steu­er­auf­kom­men wür­de auch auf die­ses Grund­ein­kom­men erho­ben. Viel­leicht ist das in den Plä­nen so vor­ge­se­hen? Ich weiß es nicht. 

      Die Kon­sum­steu­ern haben die Bedeu­tung der Ein­kom­men­steu­er abge­löst. Das ist eine Tat­sa­che. Die Tat­sa­che, dass – im Sin­ne des Fritz­chen Alar­mis­mus – immer weni­ger Leu­te leis­ten und immer mehr pro­fi­tie­ren, ist nicht neu. Er plat­ziert ihn jedoch – pas­send zum Bild, das ich von ihm habe – zur Dis­kus­si­on um Kos­ten für Flücht­lin­ge. Ich erin­ne­re dar­an, dass die Kla­ge, dass ein immer klei­ner wer­den­der Anteil von Men­schen (nach einer Les­art die Leis­tungs­trä­ger die­ser Gesell­schaft) einen immer höhe­ren Anteil am Steu­er­auf­kom­men tra­gen. Das geht schon ewig so. Das zu benut­zen, um den Leu­ten im Hin­blick auf die Kos­ten für Flücht­lin­ge Angst zu machen, ist schon echt beson­ders. Hein­sohn gibt in die­ser Bezie­hung ja den Ton an und Fritz schmückt das The­ma aus. So sehe ich das. 

      Es bleibt für mich (als Lin­kem) ein Unding, dass die Kapi­tal­er­trä­ge wei­ter mit 25% besteu­ert wer­den, wäh­rend die Ein­kom­men­steu­er erheb­lich höher ist. Von den ande­ren Kos­ten, die auf die Arbeit abge­wälzt wur­den, ein­mal ganz zu schwei­gen. An sol­chen Stel­len ist noch viel Luft. Aber das Kapi­tal ist ja bekannt­lich ein flüch­ti­ges Reh, das man hät­scheln und tät­scheln muss. 

      Ich hal­te es für falsch, die Ein­kom­men­steu­er in Ihrem Sin­ne als Mut­ter aller Steu­ern zu betrach­ten und kon­sum­ti­ve Steu­ern als Null­sum­men­spiel zu bezeich­nen. Rich­tig ist aller­dings, dass nach den gelern­ten Sche­ma erst ein­mal das Geld ver­dient wer­den muss, das spä­ter für ande­re Auf­ga­ben umver­teilt und aus­ge­ge­ben wer­den kann. Inso­fern bin ich bei Ihnen, wenn Sie bekla­gen, dass die Spiel­räu­me des Staa­tes durch den Sozi­al­staat (inkl. der Leis­tun­gen an Flücht­lin­ge) stark ein­ge­engt sind. Es obliegt aus­schließ­lich der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung, wie mit die­sem Pro­blem umge­gan­gen wird. Für mich ist das kei­nes so klar erkenn­bar. Wir sehen das auch an den der­zei­ti­gen Umfrageergebnissen. 

      Bei der Fra­ge, wie wir Inte­gra­ti­on (hät­ten) steu­ern sol­len, sind wir einer Mei­nung. Dazu wäre ein Ein­wan­de­rungs­ge­setz hilf­reich gewe­sen. Das haben Kon­ser­va­ti­ve bis­her ver­hin­dert. Nicht nur, aber nicht zuletzt des­halb füh­ren wir jetzt hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen über „ille­ga­le Ein­wan­de­rung“. Die Men­schen waren gezwun­gen „Asyl“ zu rufen, um ins Land zu kom­men. Das ist Mist, aber unter die­sen Umstän­den gera­de­zu zwangs­läu­fig pas­siert. Wir haben in der EU offe­ne Gren­zen und die Bestim­mun­gen von Dub­lin III waren (dem EuGH zum Trotz) kein gang­ba­rer Weg. 

      Ich habe nicht Sie gemeint, die die Gesell­schaft spal­tet, son­dern Publi­zis­ten wie Fritz. Dabei geht es nicht um abwei­chen­de Mei­nun­gen, son­dern um das Han­tie­ren mit ver­meint­li­chen Fak­ten, die letzt­lich einer Über­prü­fung nicht stand­hal­ten. Ich sage wie­der Mar­tin Schulz. Die Behaup­tun­gen, die Fritz über ihn auf­ge­stellt hat, sind nicht neu aber sie sind – soweit ich weiß – bis­her nicht belegt. Er ist nicht ohne Grund umstritten. 

      Es ist nicht so, dass Straub­haars Arti­kel zum The­ma über­holt sind, nur weil sie nicht aus die­sem Jahr sind. Die Pro­ble­me haben sich gesetzt und ent­schärft. Es gibt immer noch genug Pro­ble­me. Aber die Art und Wei­se, in der sich damit aus­ein­an­der­ge­setzt wird, haben wir in der Hand. Ich hal­te es für kei­nen kon­struk­ti­ven Ansatz, per­ma­nent das zu beto­nen, was nicht funk­tio­niert und zu beschrei­ben, welch schlim­me Zukunft vor uns liegt. Das machen lei­der vie­le Wis­sen­schaft­ler und zuneh­mend auch Jour­na­lis­ten. Sie instru­men­ta­li­sie­ren die Angst in der Bevöl­ke­rung. Lei­der mit Erfolg.

      Ich habe das Gefühl, dass vie­le Leu­te gera­de im Inter­net Angst und Wut aus­drü­cken. Das The­ma Flücht­lin­ge wird von Links beglei­tet, die aus­schließ­lich nega­ti­ver Art sind. Schau­en Sie sich die Tweets von Frau Storch oder Frau Wei­del an. Der Wahl­kampf besteht dar­in, Flücht­lin­ge als mor­den­de, ver­ge­wal­ti­gen­de Mas­se zu prä­sen­tie­ren und die Schuld dafür, Frau Mer­kel in die Schu­he zu schieben. 

      Wie fin­den Sie das, wenn jedes Ver­bre­chen von Migran­ten mit dem Zusatz „Dan­ke Mer­kel“ ver­se­hen wird? Ist es rich­tig, den Vor­wurf zu erhe­ben, dass jedes Ver­bre­chen eines Migran­ten nur des­halb pas­siert, weil Mer­kel für „offe­ne Gren­zen“ gesorgt hat? Der Fokus auf alle Ver­bre­chen im Land hat sich ver­scho­ben. Was Deut­sche tun spielt kei­ne Rol­le mehr, die Tat jedes Aus­län­ders hin­ge­gen wird hoch­ge­jazzt. Wel­che Sache soll das sein, der sol­che Din­ge die­nen könnten?

      Der inves­ti­ga­ti­ve Jour­na­lis­mus der JF ist mir noch nicht auf­ge­fal­len. Es wäre nett, wenn Sie mir viel­leicht einen Link zum Bericht über die nicht statt­ge­fun­de­nen Flü­ge zur Ver­fü­gung stel­len wür­den. Danke.

  9. Die Ein­kom­mens­steu­er betrach­te ich gar nicht als Mut­ter aller Steu­ern, dar­über hat­te ich mir bis­her noch nie Gedan­ken gemacht. Natür­lich sind die Ver­brauchs­steu­ern sehr wich­tig. Aber ent­schei­dend ist halt, WER sie WOVON ent­rich­tet. Rich­tig inter­es­sant für den Staat wird es dann, wenn die Leu­te mit ihren eige­nen Hän­den ihr Ein­kom­men erwirt­schaf­ten, dafür -zig mal steu­er­lich zur Kas­se gebe­ten wer­den (Ein­kom­mens­steu­er, Kapi­tal­er­trags­steu­er, Grund­er­werbs­steu­er, Grund­steu­er etc.) und zusätz­lich noch tüch­tig konsumieren.
    Bei dem bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­men wäre es so, dass Steu­er­zah­lun­gen davon unin­ter­es­sant sind, da das Grund­ein­kom­men zuvor vom Staat bezahlt wur­de. Ich gehe aber davon aus, dass die wenigs­ten Men­schen sich mit die­sem Grund­ein­kom­men beschei­den wür­den, u. a. des­halb, weil der Deut­sche sich stark über sei­ne Arbeit defi­niert 😃, und dann rech­net es sich wieder.

    Unser Sozi­al­sys­tem habe ich immer als ein soli­da­ri­sches Sys­tem für alle, ja wen? – sagen wir das deut­sche Volk oder alle hier dau­er­haft Leben­den? gese­hen. Auf die Idee, dar­an Men­schen aus fer­nen Län­dern in grö­ße­rer Anzahl par­ti­zi­pie­ren zu las­sen, wäre ich nie gekom­men. Ohne ein gro­ßer Rechen­künst­ler zu sein, wird klar, dass durch die Hand­lun­gen der Poli­tik die­ses Soli­da­ri­täts­prin­zip durch­bro­chen wur­de und ein Ungleich­ge­wicht zu ent­ste­hen droht. Zumal kein Ende die­ses Zuflus­ses in unse­re Sozi­al­sys­te­me abseh­bar ist, letzt­end­lich also kei­ner end­gül­ti­ge Zah­len hat.
    Schon vor der gro­ßen Zuwan­de­rung war bekannt, dass es hier ein Pro­blem geben wird, eben wegen der immer weni­ger wer­den­den Net­to­steu­er­zah­ler und der anste­hen­den Ver­ren­tung der Baby-Boo­mer, zu denen auch Sie und wir gehören.
    Die meis­ten Men­schen – und das wis­sen Sie auch – leben nach der Devi­se: wird schon irgend­wie klap­pen, hat es doch immer. Ist das wirk­lich so? In Zei­ten, wo Rent­ner immer knap­per gehal­ten wer­den, Schu­len und Stra­ßen in teils bemit­lei­dens­wer­tem Zustand sind, soll die­ses Außer­kraft­set­zen des inlän­di­schen Soli­da­ri­täts­prin­zips klap­pen? Sind die (in Bezug auf die Gesamt­be­völ­ke­rung) rela­tiv weni­gen Men­schen je gefragt wor­den, ob sie die­se immensen Aus­ga­ben über­haupt finan­zie­ren WOLLEN? Denn nur sie sind es, die es letzt­end­lich finan­zie­ren müssen.
    Soll­te es schief gehen, wir wer­den es zu Beginn dar­an bemer­ken, dass die Bei­trä­ge für die Sozi­al­ver­si­che­run­gen kräf­tig stei­gen wer­den, womit ich nach den Wah­len rech­ne, wird kei­ner unse­rer jet­zi­gen Ent­schei­dungs­trä­ger mehr im Amt sein, zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen sowie­so nicht.
    Von daher bin ich für sol­che Zah­len wie bei Fritz auf­ge­führt sehr dank­bar; auch das gehört zum Ver­ständ­nis des Gan­zen dazu.
    Was er über Schulz gesagt hat, weiß ich gar nicht. Auch von der AfD bekom­me ich wenig bis gar nichts mehr mit, da ich auf Face­book kei­nen Account habe und seit Wochen kaum auf Twit­ter war. Die­ses Twit­ter ver­ur­sacht bei mir Magen­schmer­zen, alle pola­ri­sie­ren und irgend­wie ist es immer dasselbe.

    Das „Dan­ke Mer­kel“ greift mir des­we­gen zu kurz, weil Ver­bre­chen durch viel­fäl­ti­ge Aus­län­der ver­übt wer­den. Von sol­chen, die schon län­ger hier leben oder auf der Durch­rei­se sind, also nicht nur die aktu­el­len Asyl­be­wer­ber. Dass Poli­tik bei denen, die wir hier auf­ge­nom­men haben, seit den 70ern nicht so genau hin­ge­schaut hat, ist eine Tat­sa­che, die nicht nur Frau Mer­kel anzu­las­ten ist, son­dern m. E. auf das Kon­to des rot-grü­nen Mul­ti­kul­ti-Wahns geht.
    Der Fokus auf alle Ver­bre­chen hat sich des­we­gen ver­scho­ben, weil die Kri­mi­na­li­tät im fried­li­chen D rück­läu­fig war und das, was sich jetzt abzeich­net, ver­meid­bar war und so total über­flüs­sig erscheint.
    Je mehr wir von den Men­schen aus die­sen Kul­tur­krei­sen auf­neh­men, des­to öfter wer­den wir uns mit den The­men Reli­gi­on, Kri­mi­na­li­tät bzw. reli­gi­ons­spe­zi­fi­scher Kri­mi­na­li­tät aus­ein­an­der set­zen müssen.
    Da fra­ge ich mich: Ging es uns zu gut? Haben wir Lan­ge­wei­le? Brauch(t)en wir das und wofür?
    Ver­bre­chen gab und gibt es immer, in allen Natio­na­li­tä­ten. Dass die Quo­ten bei Ost-Euro­pä­ern oder denen, die neu­er­dings ver­stärkt zu uns kom­men, höher lie­gen, ist nicht so neu.
    Inso­fern haben wir sowohl für unse­re euro­päi­sche Frei­zü­gig­keit als auch für unse­re Will­kom­mens­kul­tur einen Preis zu zah­len. Wie hoch in Men­schen­le­ben der sein wird, wer­den wir erle­ben. Und ob unser bis dato rela­tiv siche­res Leben das wert war.
    Seit akti­ver Bekämp­fung des IS im Nahen Osten sol­len vie­le IS-Kämp­fer nach Euro­pa, auch Deutsch­land, gekom­men sein und noch kom­men. Die Zah­len vari­ie­ren stark. Hät­te man ange­sichts des­sen nicht die Gren­zen bes­ser sichern sol­len? Ich kann unse­re Poli­ti­ker über­haupt nicht mehr ver­ste­hen. Da ist nichts Vor­aus­schau­en­des, für das Volk Für­sorg­li­ches mehr zu erkennen.

    Zuletzt noch die JF:
    Im Original:
    https://jungefreiheit.de/?p=176477
    Gefun­den hier (die kann ICH nicht aus­ste­hen, trotz­dem schnüf­fel ich da ‚rum 😃):
    http://www.bento.de/politik/fluechtlinge-kommen-nachts-im-flugzeug-was-hinter-der-rechten-hetze-steckt-789706/

    1. Hal­lo Frau @Corin­na Fried­rich: Es stimmt, dass wir Deut­schen uns sehr über unse­re Arbeit defi­nie­ren. Viel­leicht ändert sich lang­sam an der Stel­le etwas. Aber für unse­re Gene­ra­ti­on wird das alle­mal gel­ten. Viel­leicht nimmt die Ein­kom­men­steu­er aus dem Grund so eine domi­nan­te Stel­lung ein? 

      Ange­sichts der Ver­än­de­run­gen ist die Fra­ge danach, wie man die Sozi­al­sys­te­me heu­te betrach­ten muss, sehr nach­voll­zieh­bar. Schließ­lich pro­fi­tie­ren tau­sen­de von Men­schen, die als Flücht­lin­ge oder Migran­ten gekom­men sind, ohne über­haupt genau zu wis­sen, wie die Soli­da­ri­täts­prin­zi­pi­en ent­stan­den sind und wie groß die Wider­stän­de in der Bevöl­ke­rung sind, gegen genau die­se Prin­zi­pi­en zu ver­sto­ßen. Wer wird sich dar­über Gedan­ken machen, solan­ge er in Not ist? Dass er in die­ser Pha­se nicht per­ma­nent mit gesenk­tem Kopf und größ­ter Dank­bar­keit auf­tritt, dürf­te klar sein. Abge­se­hen davon, dass der­ar­ti­ge Sys­te­me durch die aktu­el­len Ver­än­de­run­gen sehr leicht zu über­for­dern sind, spielt die Akzep­tanz der bis­he­ri­gen Bevöl­ke­rung eine zen­tra­le Rol­le. Die Fra­ge ist aller­dings, ob die Sozi­al­sys­te­me in der Art stra­pa­ziert wird, wie es bei die­ser Sicht zugrun­de­ge­legt wird. Das Geld kommt so oder so aus einer Tasche. Die Unter­brin­gung und Inte­gra­ti­ons­maß­nah­men kos­ten wahn­sin­nig viel Geld. Es gibt dar­über sehr unter­schied­li­che Zah­len. Sie haben das verfolgt. 

      Die Gret­chen­fra­ge ist, wie man dazu steht, ande­ren zu hel­fen und wo die Gren­zen für die­se Hilfs­be­reit­schaft effek­tiv lie­gen. Das hat noch kei­ner her­aus­ge­fun­den. Das trägt mit dazu bei, die Unsi­cher­heit über Chan­cen für Deutsch­land, die­se Her­aus­for­de­rung zu meis­tern, zu ver­grö­ßern. Kei­ne Fra­ge, ohne die Flücht­lin­ge wäre es leich­ter. Wir wis­sen aller­dings aus der Ver­gan­gen­heit, dass wirt­schaft­li­che Rück­schlä­ge mit ent­spre­chen­den Wir­kun­gen auf die Leis­tungs­fä­hig­keit unse­res Sozi­al­staa­tes ver­bun­den sind. Das war schon immer der Fall – auch ohne hohe Flüchtlingszahlen. 

      Es kann alles ganz schlimm wer­den. Es kann auch alles viel bes­ser aus­ge­hen, als wir heu­te den­ken. Das gilt sogar für die Aus­wir­kun­gen der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung, die sie selbst ange­spro­chen haben. Lei­der ist es viel ein­fa­cher, alles in schwär­zes­tem Schwarz zu malen als zu ver­su­chen, die posi­ti­ven Sei­ten unse­res Enga­ge­ments zu betrach­ten. Wenn die Annah­men für die erfolg­rei­che Inte­gra­ti­on die­ser gro­ßen Zahl von Men­schen auf­grund ihrer bil­dungs­tech­ni­schen und kul­tu­rel­len Vor­aus­set­zun­gen so schlecht sind, wird das in der Rea­li­tät doch auch ganz anders lau­fen kön­nen. War­um gehen wir davon aus, dass die Anstren­gun­gen der Betrof­fe­nen nur soweit rei­chen, ihren regel­mä­ßi­gen Hartz IV – Scheck in den Arbeits­agen­tu­ren in Emp­fang zu neh­men? War­um trau­en wir die­sen Men­schen nicht mehr zu? Weil bestimm­te Jour­na­lis­ten oder Wis­sen­schaft­ler uns vor Augen geführt haben, dass ins­be­son­de­re mus­li­mi­sche Ein­wan­de­rer die pro­ble­ma­tischs­ten Vor­aus­set­zun­gen dafür mit­brin­gen? Ja, ich ken­ne die­se Abhand­lun­gen, die im Inter­net immer wie­der her­um­ge­reicht werden. 

      Sie haben recht mit dem, was Sie über Twit­ter und Face­book schrei­ben. Die Pola­ri­sie­rung der Mei­nun­gen hat eine Stu­fe erreicht, die die gegen­sei­ti­ge Annah­me von Argu­men­ten kaum noch zulässt. Es wird geschimpft und (posi­tiv aus­ge­drückt) die 140 Zei­chen bei Twit­ter begren­zen eigent­lich fast nur noch die Wut der Leute. 

      Auch wir leben seit Jahr­zehn­ten in einem Land, die sich durch die Glo­ba­li­sie­rung auch hin­sicht­lich der Zusam­men­set­zung sei­ner Bevöl­ke­rung stark inter­na­tio­na­li­siert hat. In ande­ren Län­dern Euro­pas (EU) gibt es durch­aus ähn­li­che Ver­än­de­run­gen. Wenn ich schon mal die ZDF-Sen­dung „Akten­zei­chen XY“ ange­se­hen habe, dach­te ich, wie häu­fig dar­in ost­eu­ro­päi­sche Ban­den und Täter vor­kom­men, ist doch auf­fäl­lig. Soll das der Preis sein, den wir für unse­re offe­nen Gren­zen inner­halb der EU zah­len müs­sen. Ganz ähn­li­che Fra­gen haben sich auch ande­re Län­der (Schweiz inbe­grif­fen) gestellt. Wäre es unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen nicht bes­ser, die Gren­zen wie­der ein­zu­füh­ren und uns von die­sem Zuwachs an Kri­mi­na­li­tät durch Aus­län­der zu befrei­en? Ich traue mich nicht zu, die­se Fra­ge zu beant­wor­ten. Nicht des­halb, weil ich den Dis­kus­sio­nen über die­se Mög­lich­keit aus­wei­chen will, son­dern weil ich nicht weiß, wie die gesam­ten Aus­wir­kun­gen sol­cher Maß­nah­men zu beur­tei­len sind. 

      Nun sind die vie­len Migran­ten zusätz­lich da und die Lage scheint sich wei­ter zu ver­schär­fen. Was ist unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen die rich­ti­ge Ant­wort? Mir ist klar, dass für Men­schen, die den Ver­än­de­run­gen skep­tisch gegen­über ste­hen, Begrif­fe wie Will­kom­mens­kul­tur wie der blan­ke Hohn klin­gen müs­sen. Ist es denn zutref­fend, dass geschlos­se­ne Gren­zen dazu füh­ren, dass IS Mör­der sich von ihren Taten abhal­ten las­sen? Hät­ten wir die Atten­ta­te so nicht erlebt? Wahr­schein­lich nicht. Aber kön­nen wir uns durch Abschot­tung vor dem schüt­zen, was sich in der Welt ereig­net und wel­chen Preis hät­te das? 

      Ich bewun­de­re all die Men­schen, die dar­auf eine kla­re und kohä­ren­te Ant­wort geben kön­nen. Ich glau­be, sie haben es in man­cher Hin­sicht ein­fa­cher als ich. 

      Dan­ke für die Links. Die Sachen muss ich noch lesen.

      VG Horst Schulte

  10. Schau­en Sie sich unser bei­der letz­te Tex­te an. Da wird abge­wo­gen, hin­ter­fragt, Mög­lich­kei­ten ausgelotet.
    Das genau ist es, was ich in der poli­ti­schen Dis­kus­si­on ver­mis­se, wor­über ich oft so ärger­lich bin. Die­se Alter­na­tiv­lo­sig­keit, die mit der Regie­rung Mer­kel so auf­fäl­lig wurde.
    Ob es um die EU, den EURO, das Kli­ma, die Ener­gie­wen­de, die offe­nen Gren­zen oder die Migra­ti­on geht: Es wird nicht mehr dis­ku­tiert, geschwei­ge denn hin­ter­fragt, nur noch eine ein­zi­ge in eine bestimm­te Rich­tung gehen­de Sicht­wei­se ist akzep­ta­bel. Die ein­zi­ge Oppo­si­ti­ons­par­tei, DIE Lin­ke, geht in die glei­che Rich­tung, will nur von allem noch mehr. Auch die Medi­en sehen offen­bar zu nichts mehr eine Alter­na­ti­ve. Gegen­the­sen wer­den nicht aufgestellt.

    Die wah­ren Angst­ma­cher sit­zen für mich in den Par­tei­en, es wird Angst geschürt vor geschlos­se­nen Gren­zen, vor einem Crash der EU, vor einer Kli­ma­ka­ta­stro­phe. Jün­ge­re Men­schen mögen das abkau­fen, älte­re aber, die Deutsch­land noch mit Gren­zen und vor DIESER EU kann­ten, haben ver­ständ­li­cher­wei­se eine ande­re Sicht­wei­se. So habe ich Euro­pa schon vor Jahr­zehn­ten mit dem Auto mun­ter bereist, manch­mal 3 Grenz­über­trit­te am Tag, ohne jeg­li­che Pro­ble­me. Stel­len Sie heu­te mal öffent­lich eines der vor­ge­nann­ten The­men infra­ge, dann sehen Sie, wo die hei­li­gen Kühe grasen.
    Wem nutzt es?
    Einen schö­nen Wochen­be­ginn wün­sche ich Ihnen.

    1. Hal­lo Frau @Fried­rich: Es gibt sie zum Glück schon noch. Aber sel­ten. Leu­te mit abwei­chen­den Posi­tio­nen trau­en sich viel­leicht dort gar nicht mehr zu kom­men­tie­ren, wo unter­schied­li­che Mei­nun­gen vor­herr­schen. Es gibt unter den gro­ßen Online-Ange­bo­ten (Welt ist eines davon), in denen mei­ne Kom­men­ta­re erst gar nicht mehr ver­öf­fent­licht wer­den. Das liegt manch­mal bestimmt dar­an, dass mei­ne Wort­wahl unpas­send war. Aber häu­fig hat es m.E. auch nur damit zu tun, dass mei­ne Sicht­wei­se nicht zu dem passt, was dort ver­tre­ten ist. Anders her­um gibt es das auch. So ver­fes­tigt sich der Ein­druck, dass kein Dis­kus­si­ons­be­darf oder kein Inter­es­se mehr dar­an bestehen wür­de, was natür­lich Quatsch ist. 

      Wenn ich jetzt behaup­te, ich hät­te immer gefürch­tet, dass wir sol­che Zei­ten mal erle­ben könn­ten, klingt das doof. Aber ich hab mir schon in den 80ern als jun­ger Kerl Gedan­ken dar­über gemacht, wann die Leu­te die Schat­ten­sei­ten unse­res aggres­si­ven Wirt­schafts­sys­tems und der poli­ti­schen Ver­blö­dungs­ma­schi­ne­rei durch­schau­en und sich ent­spre­chend dar­auf ein­stel­len wer­den. Dann begann sich der Arbeits­markt nega­tiv zu ent­wi­ckeln, die Kos­ten der Wie­der­ver­ei­ni­gung mach­ten deut­lich, das uns Schul­den schwer zuset­zen könn­ten und so wei­ter. Die Ant­wor­ten der Poli­tik waren schon damals knapp und nicht wirk­lich über­zeu­gend. Aber es stan­den die alten „Feind­bil­der“, an die man gewöhnt war und die – mir zumin­dest – eine gewis­se Sicher­heit gaben. Jahr­zehn­te spä­ter sehe ich das alles ande­ren Augen. Ich will nicht behaup­ten, dass ich jetzt durch­bli­cken wür­de. Über­haupt nicht. Aber mei­ne Skep­sis ist noch viel grö­ßer und schein­bar nicht mal aus­ge­wach­sen. Das scheint mit aller­dings eine alters­be­ding­te Erschei­nung zu sein. 

      Ich bin nur heil­froh, dass mei­ne Nich­te, ihre Fami­lie und die Kin­der unse­rer Freun­de sich von der Skep­sis nicht lei­ten las­sen. Sie sind in die­se ver­än­der­ten Bedin­gun­gen hin­ein­ge­wach­sen und haben uns gegen­über so gese­hen die­sen natür­lich Vor­teil. Euro­pa ohne Gren­zen. Ich erin­ne­re mich, dass wir bei der Ein- oder Durch­rei­se in die Schweiz manch­mal eini­ger­ma­ßen streng kon­trol­liert wur­den. Ich fand es toll, als die Grenz­kon­trol­len ver­schwan­den – nach Spa­ni­en (theo­re­tisch!) ohne Pass. Das hat­te was. Als der Euro kam und wir „über­all“ in der EU mit einer Wäh­rung zah­len konn­ten, war das auch eine schö­ne Sache. Nur – sind sol­che Vor­tei­le so bedeu­tend, dass wir ande­re Über­le­gun­gen dazu (Sicher­heit, Ter­ro­ris­mus, Wirt­schaft) hin­ten­an­stel­len soll­ten? Wie gesagt, ich traue mir da kei­ne kla­re Hal­tung zu. Und sol­che Din­ge zurück­zu­neh­men hat ja irgend­wie auch etwas Rück­wärts­ge­wand­tes – und das mei­ne ich über­haupt nicht polemisch.

      Ihnen auch eine schö­ne Woche. Das Wet­ter ist heu­te mal echt super hier bei uns. Hof­fent­lich wird es in der zwei­ten August-Hälf­te mal etwas bestän­di­ger. Mor­gen soll es hier schon wie­der Gewit­ter geben…

      LG Horst Schulte

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