Die Geschichte mit den so genannten Influencern war mir noch nie geheuer. Ich könnte auch sagen, ich verstehe nicht, womit und warum manche Leute heutzutage finanziell und ansehenstechnisch Erfolge im Internet erzielen.

Dabei werde ich dem Tuen der richtig aktiven Internetakteure sicher nicht gerecht, wenn ich so’n Scheiß hier poste:

Und vor allem ist die Einstellung zu solchen Hypes wohl auch ein bisschen altersabhängig. Nur ein bisschen! Mit 63 verstehe ich halt längst nicht mehr alles. Obwohl ich mir einigermaßen Mühe gebe. Hmm.

Schöne Bilder von schönen Menschen

Schöne Bilder von schönen Menschen scheinen für den Erfolg im Internet ein Anker zu sein. Vielleicht ist das hauptsächlich bei Instagram der Fall. Dort wird eben nix als Bildchen und Filmchen gepostet, Titten und Ärsche halt.

Es ist immer wieder erstaunlich – aber die Leute mögen das.

Wenn es richtig ist, dass so viele Menschen das Internet zum Pornogucken benutzen ist das wahrhaftig auch keine Überraschung. Sex sells ist kein neues Konzept.

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Da kannste dir als Blogger mal ne Scheibe von abschneiden, lieber Horst. Alternative Konzepte oder Inhalte fliegen uns schließlich nicht zu. Und wer will mich schon halb nackt sehen? Nicht mal ich selbst.

Die Zeiten sind eigenartig. Die Leute haben so viele Sorgen und so viel Angst. Aber ans Internet denkt dabei kaum einer.

Seitdem es das Internet gibt haben die meisten von uns die neuen Möglichkeiten stets immer gepriesen. Wir sind von Beginn an so fasziniert von diesem Medium, dass wir in all unserem Enthusiasmus alle Vorsicht im Umgang mit den Schattenseiten ganz hinten angestellt haben. Wenn wir von Digitalisierung sprechen, denken die meisten nur an schnelles Internet. Dafür, was damit an gesellschaftlichen Veränderungen verbunden ist, wird eigentlich eher selten geredet. Außer von David Richard Precht. Die FDP soll mit ihren Überlegungen sehr weit gediehen sein. Das Papier dazu hab ich mal vor ein paar Monaten gelesen. Nun ja.

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Internetaktivisten – für alles eine Antwort

Da gibts genügend Internetaktivisten, die einerseits darüber klagen, dass der Datenschutz in unserem Land nicht so gut ausgebaut ist, wie man es sich wünschen würde. Anderseits hört man von den gleichen Leuten kaum etwas Kritisches darüber, wenn wir unsere Daten ganz freiwillig und ohne Zögern in die sozialen Netzwerken raushauen.

Ich finde, dass ist eine eigenartige Ambivalenz, die klar macht wie unsicher wie auf einem Terrain agieren, das eben doch für sehr viele Menschen auch heute (vier Jahre nach Merkels Satz vom #Neuland) etwas fremd ist.

Zugeben würde das kaum einer. Ich habe sowieso das Gefühl, dass viele sich in Internetfragen als die wahren Cracks betrachten. Aber wehe, man fragt nach solchen heiklen Themen. Dann ist schnell Hängen im Schacht.

Maas Angriff auf Demokratie und Meinungsfreiheit

Nehmen wir die harten Auseinandersetzungen, die Justizminister Maas aufgrund des so genannten Netzdurchsetzungsgesetzes zu führen hat. Die Kritik mag berechtigt sein. Die persönlichen Angriffe sind es ganz sicher nicht.

Von wirklich gangbaren Alternativen habe bislang nichts gehört. Es sind in der Regel nur ein paar Änderungen an den Texten aus dem Hause Maas. Aber das Fass, das dazu aufgemacht wurde, war typisch für dieses Thema.

Widerstand für Demokratie und Meinungsfreiheit – ganz ohne Alternativen

Alternativen gab es naturgemäß schon gar nicht von denen, die die brutalaktive Front aus rechten und linken Aktivisten bildeten. Deren eigentümlich anmutende gemeinsamen Sorge um die angeblich gefährdete Meinungsfreiheit hat mich irritiert.

Ich weiß natürlich, dass der Widerstand sich nicht auf ein paar Sektierer beschränkt hat und das es ernstzunehmende Einwände gegen Maas’ Gesetz gibt.

Es muss etwas gegen die Meinungsmanipulation im großen Stil getan werden. Wir haben sie im Bundestagswahlkampf beobachtet.

Social Bots

Dafür war es nicht notwendig, eine besonders kritische Brille aufzusetzen. Ich habe das Gefühl, dass Shahak Shapira Aktion möglicherweise als satirischer Beitrag angekommen ist. Wir müssen ihm dankbar sein, dass er das gemacht hat!

Dass die Gruppen von Fake-Accounts und Bots betrieben worden sein sollen, könne sie sich nicht vorstellen: „Bei zwei Gruppen kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Admins echte Menschen waren, ich habe mit ihnen gesprochen.“ Quelle

Ich sehe die Tendenz in unserer Gesellschaft, solche Entwicklungen einfach weitergehen zu lassen. Ganz nach dem Motto: Dieses basisdemokratische Instrument lassen wir uns nicht auch noch nehmen. Wenn unsere Politiker zwischen den Wahlen nicht (mehr) auf uns hören, ist es wichtig, wenn wir es ihnen übers Internet wenigstens sagen können.

In diesem aufschlussreichen Artikel geht ein IT-Experte in verständlicher Form auf das Phänomen der auch für demokratische Wahlen immer bedeutungsvolleren Chatbots (Social Bots) ein. Sie gelten schon heute als die neuen Influencer.

Manipulationspotenzial

Denkt mal darüber nach, wie diese Techniken auf unsere Wahlentscheidungen und auf unsere Einstellung zu unserem politischen System wohl wirken werden. Ich finde, es ist richtig und essentiell, dass der Staat (wir alle) uns vor solchen Eingriffen in die Meinungsbildung schützt. Wir alleine werden das nicht bewältigt bekommen. Oder glaubt noch jemand daran, dass eine wo auch immer herzustellende Medien-Kompetenz Menschen daran hindern könnten, falsche Schlüsse aus Fake-News zu ziehen?

Ich habe nur was von 200 Followern bei Facebook und was um die 3000 bei Twitter. Den Google+-Account (3000 Follower) habe ich gelöscht. Bei Twitter mache ich nur wenig.

Die Facebook-Follower kenne ich nicht alle persönlich, und ich weiß, dass es unter denen, mit denen ich (in FB-Gruppen) kommunizierte, auch Fake-Accounts von AfD-Anhängern gibt. Aber die meisten kenne ich bzw. ich weiß, dass das echte Menschen sind. Bei Twitter habe ich einige Hundert Accounts (von Nazis) blockiert, bei FB nur eine Handvoll rechter und türkischer Hetzer.

Wie denken Sie, dass unsere Gesellschaft mit diesen Entwicklungen im Internet umgehen sollte? Ist es richtig, die Maßnahmen jedem einzelnen Bürger zu überlassen oder sollte der Staat nach geeigneten Mitteln suchen, um das einzudämmen?

Was können Sie tun?

So erkennen Sie Meinungsroboter:

»Stolpert man in der Timeline über radikale Positionen oder aufrührerische Nachrichten, sollte man sich zunächst die Quelle anschauen: Kennt man die Person, die dort angeblich twittert? Kenne ich Follower des Accounts? Ist das nicht der Fall, ist Vorsicht geboten. Weitere Indizien liefert eine unseriöse Profilbeschreibuing, eine »unmenschlich« hohe Tweetanzahl, eine zu schnelle Reaktzionszeit oder der Praxistest mit einer Frage, die Kontextwissen erfordert und Bots – noch – überfordert. (Quelle: Spiegel Online)

 

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