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ūüĎĀ‚Äćūüó®Trau dich zu helfen. Blogparade von Goldenmelancholy.

  • Lesezeit: 4 Minuten
Zwielichtig

Gibt es im Leben den einen Moment,¬†der von da an¬†quasi als weichenstellend f√ľr ein ganzes Leben anzusehen ist? Wahrscheinlich¬†gibt es Menschen, die ein solch zentrales Erlebnis hatten. Ich geh√∂re bestimmt nicht dazu.

Wahrscheinlich ist es so, dass die Beantwortung dieser Frage auch davon abh√§ngt, wie alt man ist und auf welche Lebenserfahrung die Befragten zur√ľcksehen.

Jeder wei√ü, dass wir durch Menschen und mannigfaltige Einfl√ľsse gepr√§gt werden aber dass¬†Gene eine gro√üe Rolle spielen. Die Gene sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bedeutender f√ľr die Auspr√§gung des Charakters als √§u√üere Einfl√ľsse.

Vor allem in kindlichem und jugendlichem Alter macht man naturgemäß die nachhaltigsten Erfahrungen. Alles ist neu, alles muss gelernt werden. Wie sollte es in dieser Phase unseres Lebens anders sein, als das die hier gemachten Erfahrungen besonders intensiv und nachhaltig wirken?

Zuf√§llig habe ich gestern einen Spielfilm √ľber einen Kinderchor gesehen, in dem sich bei den Protagonisten trotz ihres noch kindlichen Alters schon¬†deutliche Charaktereigenschaften und -Unterschiede offenbarten.

Ich fand es sch√∂n, dass in dieser sich entwickelnden Freundschaft die positiven Eigenschaften des einen auf den anderen »abf√§rbten«. Vielleicht ist dies¬†bei Kindern nicht so selten. Ich wei√ü¬†von Eltern, die den Umgang ihres Kindes mit bestimmten Kindern f√∂rderten und den mit anderen Kindern unterbanden, weil sie der Meinung waren, dass¬†sie positiven oder negativen Einfluss auf ihren Spr√∂ssling h√§tten. Das ist nicht besonders sympathisch, aber es entspricht nichtsdestotrotz gewissen »Regeln« der¬†Gesellschaft.

Positive wie negative Einfl√ľsse von au√üen werden bis zu einem bestimmten jugendlichen Alter wahrscheinlich¬†st√§rker vorkommen¬†als dies¬†bei Erwachsenen der Fall sein ist.

So, jetzt mal Schluss mit meiner K√ľchenpsychologie.

Ich habe bei Goldenmelancholy ein interessantes Thema gefunden.¬†Die 19j√§hrige Bloggerin aus M√ľnchen startete am 12. 04. die Blogparade »Trau dich». Darin geht es um das Thema, das ich aus meiner eigenen Sicht hier kurz umrissen habe.

Mit 63 Jahren kann ich √ľber Erfahrungen und Lebensphasen¬†zur√ľckblicken, von denen ich der R√ľckschau sagen m√∂chte, dass sie¬†pr√§gende Wirkung in meinem Leben hatten.¬†Wir reden¬†ja¬†nicht zu unrecht von pr√§genden Erlebnissen.

Dazu geh√∂ren aus meiner Sicht fr√ľh geschlossene Freundschaften ebenso, wie Entt√§uschungen mit denen man fertig geworden ist. Spektakul√§r waren meine Lebenserfahrungen selten. Und genau¬†dar√ľber bin ich sehr froh. Ich wei√ü, dass sich vor allem junge Menschen f√ľr ihr Leben etwas anderes w√ľnschen. Das war fr√ľher(tm) bei mir nicht anders. Heute wei√ü ich zu sch√§tzen, dass ich ein Leben lang einen Beruf aus√ľben konnte, der mir die meiste Zeit hindurch Spa√ü gemacht und meiner Frau und mir ein gutes und sicheres Leben erm√∂glicht hat. Ich bin dankbar daf√ľr, dass wir einer der l√§ngsten Friedensphasen leben, die Europa in seiner Geschichte gesehen¬†hat.

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Zu meiner Geschichte

Ich war Mitte 30 und sa√ü an einem Freitagnachmittag allein in meinem B√ľro. Alle anderen hatten schon Feierabend gemacht. So richtig Lust hatte ich auch nicht mehr. Aber es lag immer noch so viel Arbeit auf meinem Schreibtisch, dass es mir auch an Motivation¬†fehlte, einfach alles zusammenzupacken und das Wochenende zu beginnen.

Freitagsnachmittags war in unserem Gewerbegebiet »tote Hose«. Ab 12 bis 13:00 Uhr leerten sich die Hallen und B√ľros jeden Freitag schlagartig. Der Verkehr beruhigte sich, die Rollladen der Imbissbude auf der Ecke¬†gingen fr√ľh runter. In diesem Gewerbegebiet gab es keine Baum√§rkte oder irgendwelche Betriebe mit Publikumsverkehr.

Ich h√∂rte Reifenquietschen und kurze Zeit sp√§ter eine Frau nach Hilfe rufen. Ich ging in ein Nachbarb√ľro, weil man von dort aus einen guten Blick auf die Stra√üe hatte. Direkt vor unserem Geb√§ude stand auf der Stra√üe eine wei√üe Mercedes-Limousine. Die Frau auf dem Nebensitz schlug wild um sich. Offenbar war der Fahrer des Wagens zudringlich geworden und sie wehre sich.

Mitte der 80er Jahre gab es noch eine Handys. Ich erinnere ich, dass mein Chef damals¬†f√ľr teures Geld einen Riesenapparillo von Autotelefon in seinen S-Klasse Mercedes hatte einbauen lassen. 1992 kamen die ersten Mobiltelefone auf den Markt.

Trau dich – T√ľr auf und raus

Ich nahm meine Schl√ľssel vom Schreibtisch und lief zum Haupteingang. Von dort aus war ich ungef√§hr 20 Meter sp√§ter am Auto. Ich riss die Seitent√ľr auf und h√∂re mich heute noch fragen: »Kann ich Ihnen helfen«. Mein Blick fixierte den Mann. Ich wollte zumindest gleich einsch√§tzen k√∂nnen, ob er aggressiv reagieren w√ľrde oder ob ihn mein »nassforsches« Auftreten beeindruckt h√§tte.

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Er war √ľberraschend kleinlaut. Ich fragte die Frau, ob sie mich ins B√ľro begleiten m√∂chte und bot ihr an, ein Taxi zu rufen. Ja, sagte sie und stieg aus dem Auto aus. In diesem Moment √∂ffnete der Fahrer seine T√ľr und stieg aus dem Wagen. Mir wurde etwas mulmig. √úberraschenderweise blieb er jedoch am Auto stehen und schimpfte uns hinterher.

Die Geschichte ist schnell zu Ende erz√§hlt. Ich habe die Haupteingangst√ľr schnell geschlossen¬†und der Frau ein Taxi gerufen. Dieses kam kurze Zeit sp√§ter und die Frau fuhr davon.

Ich hatte sie gefragt, was denn √ľberhaupt losgewesen sei. Darauf antwortete sie nur, dass sie aus einem nichtigen Grund mit ihrem Mann in Streit geraten sei. Ich habe es dabei belassen. Schlie√ülich ging mich das ja weiter nichts an.

Leichtsinnig?

Ich habe in dieser Situation nicht ¬†deshalb eingegriffen, weil ich zum Leichtsinn neige oder mich k√∂rperlich √ľberlegen gef√ľhlt und keine Angst gehabt h√§tte. Nichts davon¬†war der Fall. Ich handelte¬†spontan und m√∂glicherweise etwas un√ľberlegt. Ich h√§tte ja auch die Polizei anrufen k√∂nnen.

Im Nachhinein hat mich die Frage l√§nger besch√§ftigt, wie wenig ich nachgedacht und wie automatisch ich gehandelt hatte. Wahrscheinlich w√ľrde das wieder machen, wenn sich etwas √Ąhnliches unter¬†meinen Augen abspielen w√ľrde.

Nachdem die Frau und das Taxi weg waren habe ich noch schnell meinen Schreibtisch aufgeräumt und hab endlich mein Wochenende in Angriff genommen.

 

Weitere Teilnehmer an der Blogparade:

Weitere Trau dich Blogparade | Ralf Hauser – Coaching Blog | Quelle

Blogparade: »Trau Dich« – LoveandConfidence | Quelle

Blogparade ‚ÄěTrau dich‚Äú – Verlasse deine Komfortzone – Roshiboshi | Quelle

Blogparade ‚ÄěTrau Dich‚Äú ‚Äď LivewithEv | Quelle

BLOGPARADE: ‚ÄěTrau dich‚Äú ‚Äď Goldenmelancholy | Quelle

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Eine automatische Reaktion. Gefährlich, weil man instinktiv handelt.
    Unl√§ngst gelesen, da√ü es einen Totstellreflex gibt. Und zwar in einem Buch √ľber Traumen.
    Ein Afrikaforscher wurde einst so gerettet. Er wurde im Busch von einer L√∂win gepackt und wie wild hin-und hergesch√ľttelt, so wie Gro√ükatzen es wohl machen. Der Totstellreflex wird automatisch aktiviert, ist eine evolution√§re Massnahme, um dem Angreifer in einer absolut hiflosen Situation zu suggerieren, da√ü man tot sei. Deshalb lies die Katze dann auch von dem Mann nach dem Sch√ľtteln ab. Derselbe Totstellreflex, dieses Erstarren und Sich-nicht-bewegen-k√∂nnen wurde auch gelegentlich bei urp√∂tzlicher Konfrontation mit einem Angreifer mit Waffe geschildert. Der Organismus hat in diesem Fall weder Gegenangriff noch Flucht f√ľr m√∂glich erkannt und den dritten Weg gew√§hlt.

  2. Der dritte Weg ist in unserer Gesellschaft vielleicht der am weitesten verbreitete. Es sieht immer dann danach aus, wenn wir z.B. in der Zeitung lesen, dass ein Mensch in der √Ėffentlichkeit angegriffen oder verletzt wurde und die anderen unbeteiligt weggesehen haben. Vielleicht ist das auch nichts anderes als dieser Totstellreflex? Mein Verhalten war f√ľr mich untypisch. Wahrscheinlich h√§tte ich unter anderen Bedingungen gekniffen. Keine Ahnung.

    Sch√∂n, dich hier zu lesen, Gerhard. Ich habe mich dar√ľber gefreut.

  3. Das hab ich mal gelesen und gibt es auch zur Gen√ľge. Schlitzohrige Ganoven hatten sich folgendes ausgedacht um an Beute zu kommen: Sie hatten einen Unfall so vorget√§uscht indem sie einen Verkehrsunfall mit einem am Stra√üenrand liegenden Verletzten suggerierten. Als dann ein Helfer hineilte um sich um den vermeintlichen Verletzten zu k√ľmmern und erste Hilfe zu leisten, wurde er pl√∂tzlich von seinen beobachtenden Komplizen √ľberfallen und ausgeraubt.
    Fazit ist, von meiner Warte aus, dass der Mensch das heimt√ľckischste Tier auf dieser Erde ist.

  4. Heimt√ľcke ist eine Eigenart des Menschen. In der Tierwelt gibt es vermutlich auch gemeine, fiese Fallen, die anderen zum Verh√§ngnis werden. Nur ist die Motivation daf√ľr eine ganz andere. Menschen machen das, um sich zu bereichern. Sie sind wirklich die »Krone der Sch√∂pfung«.

    1. Danke f√ľr deine R√ľckantwort. – Jetzt muss ich √ľber mich lachen, weil ich den letzten Satz zu impulsiv geschrieben habe, was sonst nicht meine Art ist.
      Als Gegenpol f√ľge ich nun hinzu, dass der Mensch auch das mitf√ľhlendste, kl√ľgste, fantasiebegabteste und humorvollste Tier auf unserer Erde ist.
      In diesem Sinne w√ľnsche ich allen, trotz des scheu√ülichen Aprilwetters,
      ein schönes Wochenende.

  5. Auch wieder wahr. Daf√ľr bietet der AfD-Parteitag in K√∂ln ja ein sch√∂nes Beispiel. Ich hoffe, Sie vergeben mir die Ironie.

    Das Wetter wird hoffentlich bald besser. Ihnen auch ein schönes Wochenende.

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