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👁‍🗹Trau dich zu helfen. Blogparade von Goldenmelancholy.

Zwielichtig

Gibt es im Leben den einen Moment, der von da an quasi als weichenstellend fĂŒr ein ganzes Leben anzusehen ist? Wahrscheinlich gibt es Menschen, die ein solch zentrales Erlebnis hatten. Ich gehöre bestimmt nicht dazu.

Wahrscheinlich ist es so, dass die Beantwortung dieser Frage auch davon abhĂ€ngt, wie alt man ist und auf welche Lebenserfahrung die Befragten zurĂŒcksehen.

Jeder weiß, dass wir durch Menschen und mannigfaltige EinflĂŒsse geprĂ€gt werden aber dass Gene eine große Rolle spielen. Die Gene sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bedeutender fĂŒr die AusprĂ€gung des Charakters als Ă€ußere EinflĂŒsse.

Vor allem in kindlichem und jugendlichem Alter macht man naturgemĂ€ĂŸ die nachhaltigsten Erfahrungen. Alles ist neu, alles muss gelernt werden. Wie sollte es in dieser Phase unseres Lebens anders sein, als das die hier gemachten Erfahrungen besonders intensiv und nachhaltig wirken?

ZufĂ€llig habe ich gestern einen Spielfilm ĂŒber einen Kinderchor gesehen, in dem sich bei den Protagonisten trotz ihres noch kindlichen Alters schon deutliche Charaktereigenschaften und -Unterschiede offenbarten.

Ich fand es schön, dass in dieser sich entwickelnden Freundschaft die positiven Eigenschaften des einen auf den anderen „abfĂ€rbten“. Vielleicht ist dies bei Kindern nicht so selten. Ich weiß von Eltern, die den Umgang ihres Kindes mit bestimmten Kindern förderten und den mit anderen Kindern unterbanden, weil sie der Meinung waren, dass sie positiven oder negativen Einfluss auf ihren Sprössling hĂ€tten. Das ist nicht besonders sympathisch, aber es entspricht nichtsdestotrotz gewissen „Regeln“ der Gesellschaft.

Positive wie negative EinflĂŒsse von außen werden bis zu einem bestimmten jugendlichen Alter wahrscheinlich stĂ€rker vorkommen als dies bei Erwachsenen der Fall sein ist.

So, jetzt mal Schluss mit meiner KĂŒchenpsychologie.

Ich habe bei Goldenmelancholy ein interessantes Thema gefunden. Die 19jĂ€hrige Bloggerin aus MĂŒnchen startete am 12. 04. die Blogparade „Trau dich„. Darin geht es um das Thema, das ich aus meiner eigenen Sicht hier kurz umrissen habe.

Mit 63 Jahren kann ich ĂŒber Erfahrungen und Lebensphasen zurĂŒckblicken, von denen ich der RĂŒckschau sagen möchte, dass sie prĂ€gende Wirkung in meinem Leben hatten. Wir reden ja nicht zu unrecht von prĂ€genden Erlebnissen.

Dazu gehören aus meiner Sicht frĂŒh geschlossene Freundschaften ebenso, wie EnttĂ€uschungen mit denen man fertig geworden ist. SpektakulĂ€r waren meine Lebenserfahrungen selten. Und genau darĂŒber bin ich sehr froh. Ich weiß, dass sich vor allem junge Menschen fĂŒr ihr Leben etwas anderes wĂŒnschen. Das war frĂŒher(tm) bei mir nicht anders. Heute weiß ich zu schĂ€tzen, dass ich ein Leben lang einen Beruf ausĂŒben konnte, der mir die meiste Zeit hindurch Spaß gemacht und meiner Frau und mir ein gutes und sicheres Leben ermöglicht hat. Ich bin dankbar dafĂŒr, dass wir einer der lĂ€ngsten Friedensphasen leben, die Europa in seiner Geschichte gesehen hat.

Tipp:  Worauf will der eigentlich hinaus?

Zu meiner Geschichte

Ich war Mitte 30 und saß an einem Freitagnachmittag allein in meinem BĂŒro. Alle anderen hatten schon Feierabend gemacht. So richtig Lust hatte ich auch nicht mehr. Aber es lag immer noch so viel Arbeit auf meinem Schreibtisch, dass es mir auch an Motivation fehlte, einfach alles zusammenzupacken und das Wochenende zu beginnen.

Freitagsnachmittags war in unserem Gewerbegebiet „tote Hose“. Ab 12 bis 13:00 Uhr leerten sich die Hallen und BĂŒros jeden Freitag schlagartig. Der Verkehr beruhigte sich, die Rollladen der Imbissbude auf der Ecke gingen frĂŒh runter. In diesem Gewerbegebiet gab es keine BaumĂ€rkte oder irgendwelche Betriebe mit Publikumsverkehr.

Ich hörte Reifenquietschen und kurze Zeit spĂ€ter eine Frau nach Hilfe rufen. Ich ging in ein NachbarbĂŒro, weil man von dort aus einen guten Blick auf die Straße hatte. Direkt vor unserem GebĂ€ude stand auf der Straße eine weiße Mercedes-Limousine. Die Frau auf dem Nebensitz schlug wild um sich. Offenbar war der Fahrer des Wagens zudringlich geworden und sie wehre sich.

Mitte der 80er Jahre gab es noch eine Handys. Ich erinnere ich, dass mein Chef damals fĂŒr teures Geld einen Riesenapparillo von Autotelefon in seinen S-Klasse Mercedes hatte einbauen lassen. 1992 kamen die ersten Mobiltelefone auf den Markt.

Trau dich – TĂŒr auf und raus

Ich nahm meine SchlĂŒssel vom Schreibtisch und lief zum Haupteingang. Von dort aus war ich ungefĂ€hr 20 Meter spĂ€ter am Auto. Ich riss die SeitentĂŒr auf und höre mich heute noch fragen: „Kann ich Ihnen helfen“. Mein Blick fixierte den Mann. Ich wollte zumindest gleich einschĂ€tzen können, ob er aggressiv reagieren wĂŒrde oder ob ihn mein „nassforsches“ Auftreten beeindruckt hĂ€tte.

Tipp:  Ein schöner Grill hatte uns noch gefehlt

Er war ĂŒberraschend kleinlaut. Ich fragte die Frau, ob sie mich ins BĂŒro begleiten möchte und bot ihr an, ein Taxi zu rufen. Ja, sagte sie und stieg aus dem Auto aus. In diesem Moment öffnete der Fahrer seine TĂŒr und stieg aus dem Wagen. Mir wurde etwas mulmig. Überraschenderweise blieb er jedoch am Auto stehen und schimpfte uns hinterher.

Die Geschichte ist schnell zu Ende erzĂ€hlt. Ich habe die HaupteingangstĂŒr schnell geschlossen und der Frau ein Taxi gerufen. Dieses kam kurze Zeit spĂ€ter und die Frau fuhr davon.

Ich hatte sie gefragt, was denn ĂŒberhaupt losgewesen sei. Darauf antwortete sie nur, dass sie aus einem nichtigen Grund mit ihrem Mann in Streit geraten sei. Ich habe es dabei belassen. Schließlich ging mich das ja weiter nichts an.

Leichtsinnig?

Ich habe in dieser Situation nicht  deshalb eingegriffen, weil ich zum Leichtsinn neige oder mich körperlich ĂŒberlegen gefĂŒhlt und keine Angst gehabt hĂ€tte. Nichts davon war der Fall. Ich handelte spontan und möglicherweise etwas unĂŒberlegt. Ich hĂ€tte ja auch die Polizei anrufen können.

Im Nachhinein hat mich die Frage lĂ€nger beschĂ€ftigt, wie wenig ich nachgedacht und wie automatisch ich gehandelt hatte. Wahrscheinlich wĂŒrde das wieder machen, wenn sich etwas Ähnliches unter meinen Augen abspielen wĂŒrde.

Nachdem die Frau und das Taxi weg waren habe ich noch schnell meinen Schreibtisch aufgerÀumt und hab endlich mein Wochenende in Angriff genommen.

 

Weitere Teilnehmer an der Blogparade:

Weitere Trau dich Blogparade | Ralf Hauser – Coaching Blog | Quelle

Blogparade: „Trau Dich“ – LoveandConfidence | Quelle

Blogparade „Trau dich“ – Verlasse deine Komfortzone – Roshiboshi | Quelle

Blogparade „Trau Dich“ – LivewithEv | Quelle

BLOGPARADE: „Trau dich“ – Goldenmelancholy | Quelle

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Horst Schulte

Ich blogge seit 2004. Am liebsten schreibe ich ĂŒber gesellschaftliche und politische Fragen. Aber ab und an gibt es hier auch etwas zum Thema Bloggen, Wordpress und ein paar Fotos.

Meine ersten Gehversuche als Blogger machte ich mit den Blogs finger.zeig.net, spÀter mit querblog.de und noch etwas spÀter mit netzexil.de

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Eine automatische Reaktion. GefÀhrlich, weil man instinktiv handelt.
    UnlĂ€ngst gelesen, daß es einen Totstellreflex gibt. Und zwar in einem Buch ĂŒber Traumen.
    Ein Afrikaforscher wurde einst so gerettet. Er wurde im Busch von einer Löwin gepackt und wie wild hin-und hergeschĂŒttelt, so wie Großkatzen es wohl machen. Der Totstellreflex wird automatisch aktiviert, ist eine evolutionĂ€re Massnahme, um dem Angreifer in einer absolut hiflosen Situation zu suggerieren, daß man tot sei. Deshalb lies die Katze dann auch von dem Mann nach dem SchĂŒtteln ab. Derselbe Totstellreflex, dieses Erstarren und Sich-nicht-bewegen-können wurde auch gelegentlich bei urpötzlicher Konfrontation mit einem Angreifer mit Waffe geschildert. Der Organismus hat in diesem Fall weder Gegenangriff noch Flucht fĂŒr möglich erkannt und den dritten Weg gewĂ€hlt.

  2. Der dritte Weg ist in unserer Gesellschaft vielleicht der am weitesten verbreitete. Es sieht immer dann danach aus, wenn wir z.B. in der Zeitung lesen, dass ein Mensch in der Öffentlichkeit angegriffen oder verletzt wurde und die anderen unbeteiligt weggesehen haben. Vielleicht ist das auch nichts anderes als dieser Totstellreflex? Mein Verhalten war fĂŒr mich untypisch. Wahrscheinlich hĂ€tte ich unter anderen Bedingungen gekniffen. Keine Ahnung.

    Schön, dich hier zu lesen, Gerhard. Ich habe mich darĂŒber gefreut.

  3. Das hab ich mal gelesen und gibt es auch zur GenĂŒge. Schlitzohrige Ganoven hatten sich folgendes ausgedacht um an Beute zu kommen: Sie hatten einen Unfall so vorgetĂ€uscht indem sie einen Verkehrsunfall mit einem am Straßenrand liegenden Verletzten suggerierten. Als dann ein Helfer hineilte um sich um den vermeintlichen Verletzten zu kĂŒmmern und erste Hilfe zu leisten, wurde er plötzlich von seinen beobachtenden Komplizen ĂŒberfallen und ausgeraubt.
    Fazit ist, von meiner Warte aus, dass der Mensch das heimtĂŒckischste Tier auf dieser Erde ist.

  4. HeimtĂŒcke ist eine Eigenart des Menschen. In der Tierwelt gibt es vermutlich auch gemeine, fiese Fallen, die anderen zum VerhĂ€ngnis werden. Nur ist die Motivation dafĂŒr eine ganz andere. Menschen machen das, um sich zu bereichern. Sie sind wirklich die „Krone der Schöpfung“.

    1. Danke fĂŒr deine RĂŒckantwort. – Jetzt muss ich ĂŒber mich lachen, weil ich den letzten Satz zu impulsiv geschrieben habe, was sonst nicht meine Art ist.
      Als Gegenpol fĂŒge ich nun hinzu, dass der Mensch auch das mitfĂŒhlendste, klĂŒgste, fantasiebegabteste und humorvollste Tier auf unserer Erde ist.
      In diesem Sinne wĂŒnsche ich allen, trotz des scheußlichen Aprilwetters,
      ein schönes Wochenende.

  5. Auch wieder wahr. DafĂŒr bietet der AfD-Parteitag in Köln ja ein schönes Beispiel. Ich hoffe, Sie vergeben mir die Ironie.

    Das Wetter wird hoffentlich bald besser. Ihnen auch ein schönes Wochenende.

Ich freue mich auf Ihren Kommentar.

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