Vor 50 Jahren Hat Winnetou Uns Fasziniert

Win­netou-Darsteller, Piere Brice, ist heute 85 Jahre alt gewor­den. Her­zlichen Glück­wun­sch und alles Gute für den bevorste­hen­den Umzug von Frankre­ich nach Deutsch­land.

Das Kino war bis auf den let­zten Platz gefüllt. Ein Par­kett-Sitz­platz für die Jugend­vorstel­lung kostete 1 Mark. Punkt 15 Uhr gings los. Das war 1965. Für den Film Win­netou III war kein Platz mehr zu bekom­men. Ausverkauft!

Das Ehep­aar Weil­er,  Inhab­er von einem der bei­den Kinos in Bed­burg stell­ten für uns, die wir keinen Sitz­platz mehr erhal­ten hät­ten, ein paar Wohnz­im­mer­stüh­le ins Kino. Andere hat­ten weniger Glück. Sie standen auf den Fluren des Kinos und warteten geban­nt auf “Win­netou”. Erlaubt war die “Son­derbestuh­lung” gewiss schon damals in Deutsch­land nicht (Brand­schutz etc.). Meine Fre­unde und ich hat­ten Glück, dass wir (sitzend) dabei sein kon­nten.

Winnetou_1879 (Wikipedia) Ich erin­nere mich nicht genau, aber Erwach­sene waren nicht im Pub­likum. Uns waren die Schaus­piel­er egal. Einen Star­rum­mel, der auch nur im Ansatz mit den heuti­gen Gepflo­gen­heit­en zu ver­gle­ichen gewe­sen wäre, gab es damals noch nicht. Obwohl… einen Starschnitt von Pierre Brice und Lex Bark­er gab es in der Bra­vo auch schon. Mein Zim­mer war in dieser Hin­sicht keine Aus­nahme. Auch dort hing der Starschnitt.

Damals, als nicht mal 12jähriger waren die Karl-May-Filme für uns das etwas ganz Wun­der­bares. Wir waren fasziniert von unseren helden­haften Idol­en.

Die Filme spiel­ten auch für dama­lige Ver­hält­nisse enorm viel Geld ein. Über 10 Mio. Zuschauer sollen die Filme gese­hen haben. Win­netou III war 1965 der erfol­gre­ich­ste Film in Deutsch­land.

Die Dialoge und die (für heutige Ohren) fast unnatür­lichen Sätze passen ein­fach nicht mehr. Übri­gens wurde Win­netou I mit einem für dama­lige Ver­hält­nisse hohen Aufwand gedreht. Es wur­den beispiel­sweise 50.000 Sta­tis­ten bei den Drehar­beit­en einge­set­zt. Für Deko und Reit­erei alleine wur­den 600.000 Mark aus­gegeben. Gemessen an Hol­ly­wood – Orgien ist das beschei­den aber für den Film eines deutschen Pro­duzen­ten war das sehr viel Geld. Gedreht wurde der Film übri­gens im dama­li­gen Jugoslaw­ien (Dal­ma­tien).

Egal, eine schöne Erin­nerung sind alle Karl-May-Filme (und natür­lich auch die Büch­er) bis heute für mich geblieben. Und der aller­toll­ste der Filme war für mich immer Win­netou I. Es gab davor schon die Ver­fil­mung “Der Schatz im Sil­bersee”, den ich selb­stver­ständlich auch schon gese­hen hat­te und der sich­er ein biss­chen auch den Grund­stock für unsere hohen Erwartun­gen für den neuen Film geweckt hat­te.

Wichtig waren einzig und alleine Pierre Brice und Lex Bark­er. Die anderen Schaus­piel­er waren damals Neben­sache. Sam Hawkens, alias Ralf Wolter ein­mal ausgenom­men. Aber bei Götz George hörte es schon auf. Schi­man­s­ki war halt noch in weit­er Ferne *lol*. Außer­dem waren Her­bert Lom, Karin Dor, Eddi Arent, und Mar­i­anne Hoppe dabei. Alle­samt waren sie bekan­nte Schaus­piel­er dieser Zeit, Lom sog­ar ein Welt­star. Er spielte zum Beispiel in Tol­stoi-Ver­fil­mung von “Krieg und Frieden” Napoleon Bona­parte.

Mit den ersten Erfol­gen der Karl-May-Ver­fil­mungen wurde ein regel­rechter Hype aus­gelöst. Die Kinovorstel­lun­gen waren immer ausverkauft. Sich­er, es gibt auch heute noch begeis­terte Fans. Man denke nur an Har­ry Pot­ter oder die fan­tatis­che “Herr der Ringe”-Verfilmung. Aber Win­netou war ein­fach ganz beson­ders.

Die Frank­furter All­ge­meine Zeitung schrieb damals in ein­er Kri­tik:

WINNETOU 3. TEIL ist tech­nisch per­fekt gemacht, die pyrotech­nis­chen eben­so wie Unter­wasser­szenen imponieren, wie die Ritte, die katzen­hafte Geschmei­digkeit Win­netous oder die Art und Weise, wie Old Shat­ter­hand gle­ichzeit­ig dreizehn Feinde im Nahkampf knock-out schlägt. Das gere­ichte jedem West­ern zur Ehre.“

Das halte ich für etwas über­trieben. Nur 3 Jahre nach Win­netou III kam ein richtiger West­ern in die Kinos. Er hieß “Spiel mir das Lied vom Tod”. Und der wurde in einem Kino in Köln über viele Jahre gezeigt. Ich kann mich gar nicht erin­nern, ob es je einen Film gab, von dem man dies auch sagen kön­nte.

 

Darsteller Win­netou I:
Old Shat­ter­hand — Lex Bark­er
Win­netou — Pierre Brice
San­ter — Mario Adorf
Nscho-tschi  — Marie Versi­ni
Sam Hawkens  — Ralf Wolter

 

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Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Ich schreibe über alle möglichen Themen. Politik, Medien und Gesellschaft dominieren dabei.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Ich habe die Büch­er als klein­er Junge ver­schlun­gen und mir wird heute noch erzählt, dass ich auf dem Weg in den Som­merurlaub nach Öster­re­ich auf der Rück­bank plöt­zlich bit­ter­lich geweint habe, weil Win­netou im drit­ten Band gestor­ben ist. Win­netou IV habe ich bes­timmt schon ein halbes Dutzend Mal gele­sen … und das obwohl ich mit Kirche und Reli­gion über­haupt nichts am Hut habe. Heute finde ich die For­mulierun­gen und Ansicht­en Mays teil­weise ziem­lich kri­tisch — span­nend ist es aber alle­mal noch. Wen­ngle­ich mir seine unglaubliche Egozen­trik auf den Senkel geht.

    Meine Frau hat mir zur Hochzeit die Win­netou-DVD-Samm­ler­box geschenkt: Alle 3 Win­netou-Filme, Der Schatz im Sil­bersee, ein Kupfer­arm­reif mit Win­netou-Por­trait und ein Orig­i­nal-Film­streifen in ein­er Holzbox 🙂

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