Es exis­tie­ren For­men von Schön­heit, die nicht besitz­ergrei­fen­de, nie­de­re Instink­te in uns wecken, son­dern die Gefüh­le aus­lö­sen, die ich mit Begrif­fen wie bewun­dern, ver­eh­ren oder anrüh­ren beschrei­ben wür­de.  Ich weiß nicht, ob das kon­stru­iert erscheint oder ob es dafür Bele­ge gibt. Mir pas­siert sowas jeden­falls nicht so sel­ten.

Das gibt es im Kon­zert­saal, auf einer Urlaubs­rei­se, im Muse­um, im Kino oder im gan­zen nor­ma­len Leben. Sol­che geschmack­li­chen Fra­gen wer­den indi­vi­du­ell ver­schie­den beant­wor­tet. Zum Glück haben wir ganz unter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen von Schön­heit.

Für mich kann es sich um eine wun­der­schö­ne Land­schaft han­deln, um außer­ge­wöhn­lich schö­ne Musik, ein Foto  und – jetzt wird es brenz­lig – um eine schö­ne Frau. Nicht, dass beim Anblick einer außer­ge­wöhn­lich schö­nen Frau Sex kei­ne Rol­le spiel­te, es wäre unehr­lich das zu behaup­ten.

Es gibt aber nicht weni­ge Erin­ne­run­gen (von denen ich hier kei­ne nen­nen wer­de), die mich eini­ger­ma­ßen über­wäl­tigt haben. Ganz ein­fach in dem Sin­ne, dass ich in die­sem Moment von der Schön­heit die­ser Frau wahr­haft über­wäl­tigt war.

Wenn es im rea­len Leben je dazu gekom­men ist (also außer­halb des Kinos), hät­te ich mich nicht getraut, die­se Frau anzu­spre­chen und noch viel weni­ger, ihr ein höchst­wahr­schein­lich unge­len­kes Kom­pli­ment zuzu­mu­ten. Außer­dem kann sowas ziem­lich ins Auge gehen. Mit nega­ti­ven Fol­gen für Leu­mund und Selbst­ver­trau­en.

TIPP:  NRW wird 70. Ist das wichtig für mich?

Dies hier mögen vie­le als ober­fläch­lich betrach­ten, weil mein Sinn auf Äußer­lich­keit aus­ge­rich­tet war. Inso­fern könn­te sie auch die­sen Text miss­ver­ste­hen. Lei­der bin ich sicher, das genau das auch pas­sie­ren wird.

Heu­te den­ke ich, dass ein sol­ches Ein­ge­ständ­nis für Män­ner (zumal, wenn sie über 60 sind) gefähr­lich sein kann. Ob sie so über mich denkt: „Was glaubt der alte Sack eigent­lich? Als ob ihm das einer abnimmt.“ Wenn sol­che Den­ke nicht egal wäre, hät­te ich die­sen kur­zen Text gar nicht geschrie­ben.

Mir ist wich­tig, dass ange­sichts der vie­len Dis­kus­sio­nen und Erfah­rungs­be­rich­te über sexu­el­le Über­grif­fe ver­sucht wird, Män­ner nicht immer nur als trieb­ge­steu­er­te Idio­ten zu betrach­ten. Auch wenn die ver­öf­fent­lich­ten Quo­ten von angeb­li­chen Opfern von Sexis­mus oder von sexu­el­ler Gewalt eine bedrü­ckend kla­re Spra­che spre­chen.

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Ich schreibe über alle möglichen Themen. Politik, Medien und Gesellschaft dominieren dabei.

Dieser Beitrag hat 10 Kommentare
  1. Ser­vus Horst !

    Dan­ke für dei­nen ehr­li­chen Bei­trag! Gera­de im Zusam­men­hang mit der #metoo Geschich­te hat man als Mann ja bald schon Angst, eine Frau auch nur sym­pa­thisch zu fin­den, ohne gleich als poten­ti­el­ler Fremd­ge­her oder Sexist zu gel­ten. Ins­be­son­de­re dann, wenn die Frau eine Augen­wei­de und sehr viel jün­ger ist.

    Es dann auch noch wagen, ein Kom­pli­ment zu machen – na dann „ist ja alles klar“. Scha­de irgend­wie…

    Have fun
    Horst

  2. Hal­lo Horst,
    mich spricht z.B. das Bild dei­nes Bei­trags auch als Frau durch­aus an. Es gibt eine Ero­tik im Tanz, im Sport und war­um soll man einen schö­nen Kör­per, egal ob Mann oder Frau nicht auch bewun­dern oder bestau­nen. Ich glau­be nicht, dass da Frau­en so anders ticken als Män­ner. Schön­heit darf man genie­ßen, ganz unab­hän­gig vom Alter.

    Was die Dis­kus­si­on von #metoo betrifft, ist wohl eher die Fra­ge, ob nicht fast jede Frau in ihrem Leben unan­ge­neh­me Situa­tio­nen erleb­te, wie Antat­schen, in die Enge trei­ben und mehr.
    Lie­be Grü­ße
    Rena­te

  3. Kürz­lich sah ich einen Come­di­an (Name lei­der ver­ges­sen), der das The­ma ganz ver­nüf­tig behan­del­te – lus­tig natür­lich auch. Er mein­te: ist nicht so schwer, der Unter­schied: Wenn du für das Kom­pli­ment dei­ne Hän­de brauchst, DANN.… !
    Ich fin­de nichts Schlim­mes dabei, wenn Män­ner Frau­en schön fin­den – und auch nicht, wenn sie Kom­pli­men­te machen. ABER: es kommt dabei auf den Kon­text an. Im Arbeits­zu­sam­men­hang passt es ein­fach nicht – und schon gar nicht bei offi­zi­el­len Ter­mi­nen.
    Dass ein Kom­pli­ment auch mal nicht geschätzt wird, wenns „vom Fal­schen“ kommt – tja, das ist das Risi­ko, dass Mann halt ein­ge­hen muss. Frau­en erfah­ren auch Ableh­nun­gen…

    War­um es haupt­säch­lich in die­sen #metoo und ande­ren Kam­pa­gnen geht, ist jedoch der Macht­miss­brauch. Wann immer die Frau beruf­lich vom Wohl­wol­len des Man­nes abhängt, ist das Anbag­gern sei­ner­seits, womög­lich noch mit Nöti­gung, Hand­greif­lich­kei­ten, Erpres­sung, gar Ver­ge­wal­ti­gung etwas, das end­lich mal auf­hö­ren muss. Und solan­ge es nicht auf­hört, kocht das The­ma immer wie­der hoch.

    Natür­lich lei­den auch Män­ner unter Macht­miss­brauch, meist aber anders (ich hab dazu auch mal ‚né klei­ne pri­va­te Umfra­ge gemacht). Das spricht ihnen ein #MeToo aber auch nicht ab.

  4. Tja, die Schön­heit einer Frau…sie kann wir­ken und wirk­sam sein in jedem Alter der Frau.
    Mit Kom­pli­men­ten tue ich mich nicht so schwer. Auch eine simp­le Reak­ti­on wie kur­zes Inne­hal­ten oder Irri­tiert­sein blo­cke ich nicht beflis­sen ab.
    Es geht mir immer auch um die Frau, um ihr zu spie­geln, daß ich sie apart fin­de. Und ich freue mich natür­lich „über mei­ne Sen­s­o­ri­en“, die intakt sind.

  5. Mit der not­wen­di­gen Sen­si­bi­li­tät ist es heu­te lei­der nicht getan. Gerät „mann“ an die Fal­sche, ist das Thea­ter unaus­weich­lich. Des­halb neh­me ich schon seit eini­ger Zeit Abstand und ver­zich­te lie­ber dar­auf, Kom­pli­men­te zu machen. Alles hat sei­ne Zeit.

  6. Als jun­ger und gebil­de­ter Mann brau­che ich mir die­se Zustän­de nicht mehr antun. Ich stu­dier­te in Prag und habe seit­dem kein Inter­es­se mehr an den Frau­en hier­zu­lan­de. Die rest­li­chen Umstän­de haben zusätz­lich noch dazu bei­ge­tra­gen das Land zu ver­las­sen und mei­nen Arbeits­ein­satz sowie mei­ne Höf­lich­keit woan­ders fruch­ten zu las­sen.

    Euch noch viel Glück!

  7. Für mich – die alters­mä­ßig ja jetzt zu den Unsicht­ba­ren gehört, hur­ra! – geht es bei all die­sen Aktio­nen dar­um, deut­lich zu machen, dass vie­le Frau­en Grenz­über­schrei­tun­gen durch Män­ner erle­ben. Dazu gehört für mich auch, dass Män­ner Din­ge kom­men­tie­ren, wer­ten usw., die sie über­haupt nichts ange­hen, weil sie in die Pri­vat­sphä­re des Gegen­übers gehö­ren. Was habe ich da als jun­ge Frau alles abbe­kom­men! Und immer ging es dar­um, dass das männ­li­che gegen­über sei­ne Über­le­gen­heit, Macht, Kraft zei­gen muss­te, um der Frau den ihr zuste­hen­den Platz zu zei­gen: Der Mensch und sein Weib…
    Dass Frau­en die ande­re Hälf­te des Him­mels sind, wer­den wohl auch mei­ne Enke­lin­nen nicht erle­ben, wenn ich so mit­be­kom­me, was zur Zeit wie­der mal ans Tages­licht kommt.
    Schön­heit bewun­dern – egal ob bei Frau oder Mann – ist für mich kei­ne Über­schrei­tung der unsicht­ba­ren Gren­ze, die jeder Mensch um sich hat. Oft geht es aber auch gar nicht um die Schön­heit, son­dern die Sexua­li­sie­rung weib­li­cher Kör­per in teil­wei­se nicht nach­voll­zieh­ba­ren Zusam­men­hän­gen.
    Bon week-end!

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