Was Bleibt Von Der Arbeit, Wenn Man Erst In Rente ist?

Bald bin ich zwei Jah­re zu Hau­se. Das Rent­ner­le­ben bekommt mir. Jetzt kann ich ja ehr­lich sein, so rich­tig geheu­er war mit der Gedan­ke damals nicht, von einem Tag auf den ande­ren nicht mehr zu arbeiten.

Die Plä­ne, die aktu­el­le To-Do-Lis­te, sehen mit­un­ter immer noch befremd­lich aus.

Wenn ich mei­nen aktu­el­len Plan umge­setzt bekom­me, wer­de ich hof­fent­lich bald ein paar Kilo ver­lo­ren haben. Jetzt ist da Platz für Gedan­ken an die Gesund­heit. Boah, eh, das war lan­ge nicht.

Aber die­se Kilos müs­sen jetzt end­lich auch mal weg. Unge­dul­dig, wie ich sein kann, habe ich mei­ne „Diät“ eine Woche vor Kar­ne­val begonnen.

Die Erfol­ge wol­len sich noch nicht so rich­tig ein­stel­len. Aller­dings füh­le ich mich kör­per­lich schon etwas woh­ler. Dar­auf wer­de ich auf­bau­en! Aber nicht, dass ihr denkt, ich will mich froh­ma­chen! Natür­lich ken­ne ich den Frust, den Diä­ten mit sich brin­gen. Ja, ich weiß, es gibt da die oder die Diät, die ganz toll ist und mit der man sich nicht so quä­len muss. Alles Quatsch. Sor­ry. Bis­te erst mal bei dem Gewicht ange­langt, dann hilft nur noch: Dis­zi­plin – sprich: friss die Hälf­te! Und – nicht nach­las­sen! heißt die Devise.

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Als ich an mei­nen letz­ten Arbeits­ta­gen im Büro mei­ne Sachen so nach und nach gepackt habe, kam mir in den Sinn, dass ich mei­ne gan­zen doku­men­tier­ten Excel-For­meln und -Funk­tio­nen mit­neh­men sollte.

Die Anfor­de­run­gen an mei­ne Exper­ti­se waren in den letz­ten Jah­ren mei­ner Berufs­tä­tig­keit ein wenig – sagen wir mal – limi­tiert. So kann es gehen, wenn Fir­men Plei­te gehen und man in die­sem Fall ein gewis­ses Alter über­schrit­ten hat. Dann muss man neh­men, was im Ange­bot ist. Und ich muss wirk­lich dank­bar dafür sein, dass ich damals mit über 50 über­haupt noch einen guten Job gefun­den habe. Bin ich auch! Sehr sogar. Aber es war wirk­lich schwer.

Ich galt auch in mei­ner letz­ten Fir­ma als Excel-Freak. Das war aber nicht gleich­be­deu­tend damit, dass mich vie­le um Rat gefragt hät­ten. Ich sei ihnen zu schnell und wür­de mit mei­nen Short­cuts, die ich unter Win­dows und Excel zu ver­wen­den pfleg­te, mehr ver­wir­ren als hel­fen. Wer nicht will, der hat schon. Ande­rer­seits: nicht jeder, der sich aus­kennt, ist auch als Leh­rer geeig­net, trös­te­te ich mich.

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Ende der 1990er Jah­re habe ich damit begon­nen, eine spä­ter gut besuch­te Office-Tipps-Web­site (officetipps.net) auf­zu­bau­en. Damit war ich in eini­gen Ver­zeich­nis­sen ver­tre­ten – sogar auf der Hil­fe­sei­te von Micro­soft war sie vertreten.

Irgend­wann ist mir die Lust dar­an ver­gan­gen, und ich habe sie ca. Ende 2013 ein­ge­stellt und die Domain gekün­digt. Schön doof.

Ich nahm also die Datei­en, in die ich mei­ne Eigen­ent­wick­lun­gen Access und Excel abge­spei­chert hat­te, mit nach Hau­se – mit dem ande­ren Kram, den ich an Pri­va­tem noch im Büro hatte.

Gebraucht habe ich bis­her davon rein gar nichts. Die Sachen ste­hen im Kel­ler. Und mit Excel mache ich fast nix. Zwi­schen­zeit­lich habe ich sogar mein Abo von Micro­soft Office gekün­digt. Schließ­lich habe ich Goog­le Docs zur Ver­fü­gung. Wozu da noch Excel oder eine ande­re mäch­ti­ge Tabel­len­kal­ku­la­ti­on? Und mit Daten­ban­ken zu han­tie­ren ist auch nicht mehr nötig.

Fehlt mir der Kram? Née! Kei­ne Spur.

Zuge­ge­ben, ich habe kürz­lich mein Abo von Micro­soft Office erneu­ert. Ich brauch­te Excel, um ein paar Sachen zu che­cken und über­haupt – ein so tol­les Pro­gramm muss man bei der Hand haben. Und wenn ich es nur für die eine oder ande­re Gra­fik nutze.

Eines fällt mir aller­dings auf. So sel­ten ich die­se Pro­gram­me – auch Excel – in den letz­ten zwei Jah­ren benutzt habe, muss ich geste­hen, dass ich alle Short­cuts ver­ges­sen habe und bestimm­te Bedien­ele­men­te zum Ver­re­cken nicht fin­de. Ob so Demenz beginnt? Zwei Jah­re raus und… kei­ne Short­cuts mehr in der Birne?

Frü­her war ich sicher: Micro­soft hat die Bedie­nung sei­ner Soft­ware-Boli­den so intui­tiv gestal­tet, das kann wirk­lich jeder ruck zuck drauf haben. Von wegen. So ein­fach ist es dann eben doch nicht.

Aber – was küm­mert mich das? Es ist Ver­gan­gen­heit. Mit den neu­en Ver­sio­nen sol­len sich die Jun­gen rum­pla­gen. Statt­des­sen blog­ge ich lie­ber und lese, lese und blog­ge. Und dann genie­ße ich mein neu­es, frei­es Leben in vol­len Zügen.

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Es sind nur wenige Jahre vergangen. Trotzdem bin ich in diesem Geschäft ein alter Hase.

Ich schreibe über gesellschaftliche und politische Themen. Hin und wieder gibt es bei 2bier auch was zum Thema Bloggen und Wordpress zu lesen.

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