Was Passiert Mit Unseren Internet-Accounts, Wenn Wir Gestorben Sind?

Der Tod und das Internet. Das klingt etwas nach dem Titel für einen Tatort – Krimi. Nach einer schnellen Verabredung wird im Morgengrauen eine Leiche gefunden. Es geht um unsere virtuelle Identität und darum, was aus ihr wird, wenn wir gestorben sind.

Viele von uns bewegen sich ganz selbstverständlich im virtuellen Raum. Dort schließen wir Freund- und Feindschaften. Manche locker, manche auch enger. Man telefoniert oder trifft sich sogar im realen Leben. Trotz entsprechender Vorgaben gibt es in den Sozialen Netzwerken immer noch viele, die mehr oder minder anonym unterwegs sind. Das trifft auch für Blogger zu, die teilweise schon seit Jahren ohne Impressum anonym schreiben. Ich respektiere das, obwohl ich persönlich immer dafür war, nicht anonym zu posten.

Alle miteinander verfügen wir über eine reale und eine virtuelle Identität. Letztlich ist es im Internet um unsere Nähe zu anderen Menschen nicht besser und nicht schlechter bestellt als im echten Leben.

Wie wir damit umgehen

Es gibt im Web Schilderungen von menschlichen Schicksalen, von Todesfällen, die uns genauso stark berühren wie unsere diesbezüglichen ganz persönlichen Erfahrungen abseits von Facebook und Twitter.

Ich war um die 40 Jahre alt, als die faszinierenden Möglichkeiten des Internets nach und nach Einfluss in meinem Leben gewannen. E-Mail, News, Chats, Websites zu allen möglichen Themen erlangten eine Bedeutung, die ich mir zu Beginn der Entwicklung (Btx, AOL etc.) noch nicht vorstellen konnte.

Wenn ich online ging, tat ich das zuerst mit einem Akkustikkoppler, später mit Modems. Die nie vergessenen Töne, die dabei an meine Ohren kamen, werde ich immer mit dieser »Pionier«-Zeit in Verbindung bringen. Was für ein Ärger, wenn ich bei den teuren Tarifen von damals mal zu lange im Internet unterwegs war. Dabei war das weniger meine Schuld, als die der Websites, die sich unendlich langsam aufbauten. Solange ist das noch nicht her.

Noch in den Kinderschuhen

Längst denken viele von uns etwas skeptischer über die schöne neue Zeit als ganz zu Anfang. Seit die Sozialen Medien Einzug in unser Leben gehalten haben, Millionen von Blogs und wir damit Trilliarden nicht nur feinsinniger Meinungsäußerungen ausgesetzt wurden, hat die Euphorie bei manchen abgenommen.

Eins ist allerdings sicher: Das Internet ist da und wird es auch bleiben.

Es liegt an uns, was wir daraus machen. Facebook hat häufig Ärger mit seinen Nutzern. Dass dies bei einer Kundenanzahl von mehreren Milliarden Menschen nicht ausbleibt ist logisch.

RIP

Zuletzt gab es einen technischen Fehler, der eine hohe Anzahl von Facebook-Nutzerprofilen mit einer Auszeichnung der besonderen Art versah: »RIP« Ruhe in Frieden.

Der dieswöchige Webmasterfriday behandelt das heikle Thema: »Wie gehen wir im virtuellen Leben mit dem Tod um?».

Wir kennen alle mitfühlende, ergreifende, teils auch verstörende Blogposts von Menschen, die Angehörige verloren haben. Blogger schreiben über den Tod eines geliebten Menschen und erinnern an diesen, in dem sie Erinnerungen und Erlebnisse mit uns teilen. Manche können es vielleicht nicht verstehen, wenn über Angehörige oder Freunde in dieser Form die Öffentlichkeit suchen. Ich glaube, ich würde es auch tun, weil ich glaube, dass dies eine therapeutische Komponente hat. Der Mensch hinter der Tastatur kann auf diese Weise etwas besser mit seinem Kummer und seiner Trauer umgehen.

Virtuelle Identität

Aber was passiert eigentlich mit unserer eigenen virtuellen Identität, wenn wir – immer noch mehr oder minder aktiv – im Internet unterwegs sind und plötzlich oder nach einer schweren Krankheit sterben?

Haben wir mit unserem Partner auch darüber gesprochen, ob und wie unsere diversen Accounts, die wir für unser virtuelles Lebens brauchten, gelöscht werden sollen?

Meine Frau kennt sich mit Computern nicht gut aus. Sie nutzt das Internet nicht nur viel weniger, verplempert nicht wie ich ihre Zeit damit (Zitat meiner Frau) und kennt sich deshalb weniger aus als ich.

Verzeichnis über meine Accounts (Passwort-Safe)

Ich führe kein explizites Verzeichnis über all die Dienste, Sozialen Netzwerke und Websites, die ich so benutze oder benutzt habe. Die Zugriffs-Daten sind nur mir und meiner Passwort-Software bekannt. Immerhin: Darin sind alle Zugänge gespeichert und daher sollte es im Fall der Fälle kein Problem sein, meine Accounts zu löschen. Theoretisch!

Gleich im ersten Link dieses Artikels (ganz oben) habe ich eine Zusammenstellung von Wikipedia zu diesem Thema verlinkt. Da könnt ihr nachlesen, welche Möglichkeiten einige der großen Services bieten.

Aber ihr kennt bestimmt auch die eine oder andere Adresse, bei der ihr (in den Tiefen der betreffenden Website) mal vergeblich nach einer Möglichkeit gesucht habt, euren Account zu schließen/löschen! Diese sind nicht immer auf Anhieb zu finden. Tröstlicherweise findet man in allen guten Suchmaschinen jedoch schnell Antworten auf diese Fragestellungen. Kurze Suchbegriffe wie »XXX dauerhaft löschen« sollten blitzschnell zu brauchbaren Ergebnissen führen. Mir hat das jedenfalls noch in jedem einzelnen Fall geholfen. Ich durchforste in unregelmäßigen Abständen meine Accounts und lösche diese, wenn es mir sinnvoll erscheint. Dabei orientiere ich mich an der Zusammenstellung, die mir mein Passwort-Safe (Software) anbietet.

Zusätzlich zu den genannten Accounts habe ich eine Reihe von Abos, die monatlich oder vierteljährlich Geld kosten. Ich führe sie hier spaßeshalber mal auf:

  • Evernotes
  • Allinkl (10 kostenlose URLs im Paket enthalten)
  • Amazon Prime
  • Spotify (Premium)
  • Google Drive (Speicherplatz)

Na, da habe ich gegenüber früher schon einiges reduziert. Diese Dienste müssten ggf. gekündigt werden.

Insbesondere dort, wo große Datensammlungen mit teilweise sehr persönlichen Informationen »gelagert« werden, sollte man definitiv rechtzeitig entscheiden, was mit dem betreffenden Account im Fall der Fälle geschehen soll. Ich denke an: E-Mail-Accounts, Online-Banking und so etwas. Viele Dienste bieten die Möglichkeit, die Daten herunterzuladen. Das könnte man machen, bevor man den Account dann eventuell komplett löscht.

Horst Schulte

Ich bin Horst Schulte und blogge seit 2004. Am liebsten schreibe ich über gesellschaftliche und politische Fragen. Aber ab und an gibt es hier auch etwas zum Thema Bloggen, Wordpress und ein paar Fotos.

Meine ersten Gehversuche als Blogger machte ich mit den Blogs finger.zeig.net, später mit querblog.de und noch etwas später mit netzexil.de

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Ein nicht ganz unwichtiges Thema und möglicherweise muss die Generation, die ohne Internet aufwuchs auch da umdenken. Trauerarbeit ist auch schon im Web und bei näherem Nachdenken ist nichts so falsches daran. Einige brauchen den Friedhof, um der/m Verstobenen nahe zu sein, andere trauern in den sozialen Netzwerken, Blogs oder virtuellen Trauerstätten.
    Wichtig finde ich, dass sich jeder möglichst darum kümmert, was mit den Accounts geschehen soll.
    Ich hab vieles geregelt und werde das jetzt auch alles nochmal checken.

    1. Viele sagen ja, darüber zu reden würde helfen. Ich glaube, dass ist einfach so. Warum soll es dann falsch sein, darüber zu schreiben? Aber letztlich ist das eine Entscheidung, die jeder für sich trifft.

      Es wird Zeit für mich, endlich vorzusorgen. Das habe ich mir schon so oft vorgenommen. Aber gemacht habe ich es immer noch nicht. 🙁

  2. […] Wer sich unsicher ist, wie man Vorsorge betreiben kann findet im Netz viele Möglichkeiten, wie etwa: #machtsgut. Da kann man herausfinden, was man über seinen digitalen Nachlass wissen muss. Eine Seite der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V, die vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert wird. Die Bundesregierung beschreibt auf ihren Seiten auch selbst, wie man „den digitalen Nachlass rechtzeitig regeln“ kann. Auch die Stiftung Warentest behandelt das Thema: Digi­taler Nach­lass: So können Erben Online­konten auflösen. Horst hat sich übrigens auch so seine Gedanken gemacht. Was passiert mit unseren Internet-Accounts, wenn wir gestorben sind? […]

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