[Webmaster Friday]: Erfolg Ist Beschreib- Aber Nicht Messbar

Wie misst man Erfolg im Leben? Das ist ein The­ma für Phi­lo­so­phen. Oder für Web­mas­ter? Mar­tin möch­te zum dies­wö­chi­gen Web­mas­ter Fri­day gern wis­sen, was wir in die­ser Hin­sicht „zu bie­ten“ haben. Ich ver­su­che mal, die Fra­ge aus der Sicht eines Men­schen zu beschrei­ben, der sein Berufs­le­ben hin­ter sich hat.

Nicht jeder kann ein Rockstar werden

In mei­nem nächs­ten Leben wer­de ich ein erfolg­rei­cher Schau­spie­ler, Rock­star oder Schrift­stel­ler. Drun­ter mach ich es nicht. Ja, zeit­wei­se hät­te ich es gut gefun­den, in eine ande­re Rol­le zu schlüp­fen. Der All­tag kann einen ganz schön quä­len. Immer die glei­che Lei­er. Es gab Zei­ten, in denen ich mich sozu­sa­gen von Wochen­en­de zu Wochen­en­de, von Urlaub zu Urlaub gehan­gelt habe.

Es gibt vie­le „Weg­wei­ser“ in unse­rem Leben. Das mei­ne ich weni­ger im buch­stäb­li­chen Sinn. Ich den­ke mehr an die vie­len Rat­ge­ber, wie man rich­tig lebt oder wie man erfolg­reich wird. Sowas halt.

Die Einstellung macht’s

Längst bin ich über­zeugt davon, dass es immer nur auf eines wirk­lich ankommt: auf die rich­ti­ge Ein­stel­lung. Genau­er gesagt, auf die Ein­stel­lung zum Leben an sich. Dazu gehört der Beruf, den man sich idea­ler­wei­se selbst mal aus­ge­sucht hat. Schließ­lich geht dafür ein rie­si­ger Anteil unse­res bewuss­ten Lebens drauf.

Ich hal­te nicht viel davon, Geld und Sta­tus­sym­bo­le als Mess­lat­te für Erfolg zu betrach­ten. Unser Beruf dient dazu, ein mög­lichst unab­hän­gi­ges Leben füh­ren zu kön­nen. Aber das, was wir unter Erfolg bestehen, muss sich natür­lich über­haupt nicht auf die Arbeit beschrän­ken. Man kann an vie­len Stel­len Erfolg haben.

In den Pha­sen mei­nes Lebens gab es immer mal Momen­te, in denen es im Beruf nicht so recht klap­pen woll­te. Mir hat es immer sehr gehol­fen, dass zu Hau­se alles sehr gut lief. Mei­ne Frau und ich haben uns auch in kri­ti­schen Pha­sen unse­res Lebens immer gegen­sei­tig gestützt. Auf mei­ne Freun­de habe ich mich in die­sen Situa­tio­nen nicht so gern ver­las­sen. Jeden­falls dann nicht, wenn es ums Ein­ge­mach­te ging. Wir hat­ten gera­de unse­ren 40. Hoch­zeits­tag. Das könn­te man ganz sicher als Erfolg fei­ern. Es war einer, und hof­fent­lich wird er noch lan­ge einer bleiben.

Bewunderung

Ich bewun­de­re schon immer Men­schen, die in ihr Leben dazu genutzt haben, Gro­ßes geleis­tet haben. Manch­mal sind das Schrift­stel­ler, Maler, Bild­hau­er, Erfin­der oder Men­schen, die in ande­ren krea­ti­ven Beru­fen tätig sind. Eben­so kön­nen das aber auch Poli­ti­ker sein (Egon Bahr, Wil­ly Brandt) oder Men­schen, die sich ihr Leben lang für ande­re ein­ge­setzt haben (Albert Schweit­zer, Mut­ter Tere­sa oder Mahat­ma Gan­dhi).  Ich glau­be, dass es ein gutes Gefühl ist, auf ein sol­ches Leben zurück­zu­schau­en. Wäre es das, was alle unter Erfolg ver­ste­hen? Oder ist Popu­la­ri­tät und viel Geld der Maß­stab dafür, als erfolg­reich zu gelten?

Wir sol­len nicht unzu­frie­den mit dem sein, was wir geschafft bzw. geschaf­fen haben. Da kommt das wie­der zum Tra­gen, was ich oben schon geschrie­ben hat­te. Wenn hohe Erwar­tun­gen und Zie­le nicht erfüllt wur­den, so leis­tet doch jeder Mensch im Rah­men sei­ner Mög­lich­kei­ten sei­nen Bei­trag für die Gesellschaft.

Erfolg ist ein popu­lä­rer Wert­maß­stab. Erfolg zu haben gilt als schön und erstre­bens­wert. Wir ahnen aber auch, dass wir, um ihn zu errei­chen, Dis­zi­plin, ein gutes Selbst­be­wusst­sein, vor allem aber gehört Glück brau­chen — manch­mal sehr viel von Letz­te­rem. Es bleibt die Fra­ge, was wir Men­schen ganz per­sön­lich unter Erfolg ver­ste­hen. So leicht ist die Fra­ge nicht zu beant­wor­ten, weil die Ant­wort höchst indi­vi­du­ell sein wird.

Was Erfolg ist

Ich sage, dass ich beruf­lich über­schau­bar erfolg­reich war. Immer­hin habe ich ein paar jahr­zehn­te­lang Abtei­lungs­lei­ter in ver­schie­de­nen Fir­men. Ich war aner­kannt (ein Maß­stab für Erfolg?) und besaß Pro­ku­ra. Viel­leicht wäre mehr drin gewe­sen. Mir wur­den ande­re, höher dotier­te Posi­tio­nen ange­bo­ten, die ich – wie man so schön sagt – aus per­sön­li­chen Grün­den aus­ge­schla­gen habe. Mei­ne Frau und ich woll­ten zum Bei­spiel nicht nach Ber­lin umzie­hen. Sol­che Ver­än­de­run­gen kamen für uns nie infra­ge. Und das, obwohl wir kei­ne Kin­der haben. Wir hän­gen halt bei­de an unse­rer Heimat.

Wenn Mar­tin danach fragt, wel­ches Ereig­nis wir als größ­ten Erfolg bewer­ten, muss ich wirk­lich pas­sen. Es ist wahr, dass es uns gut geht, weil wir (mei­ne Frau und ich) viel dafür getan haben. Ist das Erfolg? Ja, natürlich.

Wir konn­ten unser Leben füh­ren, wir hat­ten die Chan­ce und haben sie nach unse­ren Mög­lich­kei­ten genutzt. Chan­cen, von denen ande­re Men­schen nur träu­men kön­nen. Wenn ich all das Leid auf der Welt anse­he, den­ke ich so man­ches Mal, wie gut wir es hier haben, und es kriecht Bit­ter­keit in mir hoch.

Dar­über, dass so vie­le Men­schen das offen­bar so gar nicht zu schät­zen wis­sen. Sie schimp­fen über alles und kla­gen dar­über, dass die­ses Land auf­grund der Flücht­lin­ge bald vor die Hun­de gehen wür­de. Die­je­ni­gen mei­nen das sehr ernst.

Wei­te­re Bei­trä­ge zum Web­mas­ter Friday:

Der größ­te Erfolg – Web­mas­ter­fri­day The­ma 2016 › Hostel­max – Rei­se­b­log | Quel­le

Mei­ne Erfol­ge der letz­ten Jah­re | Quel­le

Web­mas­ter Fri­day – Die Sache mit dem Erfolg | Quel­le

Über Erfolg und Miss­er­folg – Becher­wür­fel | Quel­le

Wider den Erfolgs­wahn! > Blog­pa­ra­de > Beruf, Erfolg, Fami­lie, Lau­fen, Web­mas­ter Fri­day | Quel­le

Horst Schulte

2004 bin ich (63) unter die Blogger gegangen. Ich schreibe über alle möglichen Themen. Politik, Medien und Gesellschaft dominieren dabei.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Hal­lo Horst,

    Es bleibt die Fra­ge, was wir Men­schen ganz per­sön­lich unter Erfolg verstehen.

    Seh ich ganz genau­so! Schö­ner Bei­trag und dan­ke für den Ver­weis zu mei­nem Blog.

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