Der Kampf für die, die Unterstützung nötig haben, ist mein Kampf. Ich habe große Sympathie für diejenigen, die sich um Menschen kümmern, die es schwer haben und die unsere Unterstützung brauchen.

Aber auch in diesem Kampf wird leider oft mit unsauberen, nicht nachvollziehbaren Behauptungen und Vorhaltungen operiert, die der Sache nicht dienen.

Eben lese ich (nicht zum ersten Mal übrigens) in einem Tweet  folgendes:

Eine Million Arbeitslose verschwunden

Posted by Michael Speier on Freitag, 29. September 2017

Michael, den ich wirklich schätze, übernimmt vom Blog »Gegen-Hartz.de« folgende Meldung:

Nicht verschwiegen aber gut getarnt Denn Arbeitslos sind im landläufigen Sinne zur Zeit mehr als eine Million Menschen mehr. Demnach sind es nicht 2,5 sondern 3,5 Millionen Menschen ohne Arbeit. Doch diese eine Million mehr, werden nur nicht so genannt, sondern tauchen in der Rubrik »Unterbeschäftigung« auf.

Diese Unterrubrik ist intern bei der Arbeitsagentur immer unter den offiziellen Arbeitslosenzahlen zugeordnet. Darunter sind nämlich alle, die an sogenannten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie Ein-Euro-Jobs, Bürgerarbeit, Bewerbungstrainings, Lehrgänge, Sprachkurse usw. teilnehmen.Quelle: Eine Million Arbeitslose verschwunden | LINK

Ich finde nicht, dass man von »gut getarnt« reden kann und auch nicht davon, dass uns, dem unbedarften Leser, hier ein X für ein U vorgemacht wird.

Auf der 1. Seite der Website Arbeitsagentur.de sind die Dinge an prominenter Position dargelegt.

Sorry: Wer das bisher noch immer nicht geschnallt hat, dem ist wirklich nicht zu helfen.

1 Mio. Menschen mehr ohne Arbeit befinden sich in Maßnahmen, von denen keiner weiß, ob sie was bringen. Wir sind alle keine Hellseher. Dass die Statistik diese Menschen »verschluckt« hat, stimmt einfach nicht.

Es wird Stimmung gemacht mit Behauptungen, die alle Diskussionen über so schwierige Themen nur unnötig schwer machen.

1 Mio. Arbeitslose unterschlagen? Quatsch!

Es gibt doch wahrhaftig genügend Sachen, die wir der Regierung ankreiden müssen und gegen die Opposition dringend geboten ist. Aber an dieser Stelle ärgere ich mich einfach nur.

Das Arbeiten mit diesen Methoden ist nicht weniger falsch als wenn mir CDU-Leute immer damit kommen, wie gut es in diesem Land läuft.

Natürlich läuft nicht alles gut. Sonst hätte die AfD nämlich nicht fast 13% der Stimmen bei der Bundestagswahl bekommen! Versteht das jeder?

Von den Linken erwarte ich, dass sie sich auf den nötigen und komplizierten Dialog mit denen einlassen, die jetzt regieren werden. Für mich sind es allesamt Parteien mit unübersehbar neoliberalem Touch.

Mir passiert es ja auch, dass ich mich auf falsche oder fehlerhafte Meldungen einlasse und deshalb einen riesen Bohai veranstalte. Nur erweist das der nötigen Diskussion um die Ungerechtigkeit im Land einen Bärendienst. Können wir uns darauf verständigen?

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Da muss ich mal Partei für die »andere Seite« ergreifen:

    Niemand ruft die Seite der Arbeitsagentur auf, um zu lesen, wie viele Arbeitslose es momentan im Lande hat. Die genaue Zahl steht dort auch gar nicht. Die Politik verkündet dann den großen Erfolg, dass es nur noch 2,5 Millionen sind. Und das ist die öffentlich verbreitete und wahrgenommene Information.

    Die verbleibenden 1 Million sind dagegen auch »echte« Arbeitslose, die eben in »Maßnahmen« stecken, und die mit Bezeichnungs-Klaubereien aus der Statistik herausgerechnet werden (das wurde schon sein Jahrzehnten, zu Kohls Zeiten so gemacht). Ich meine, auch die, die gerade ihren zustehenden Urlaub nehmen (oder krank sind), werden jeden Monat herausgerechnet, um die veröffentlichte Zahl so klein wie möglich zu halten.

    Diese 1 Million haben alle Verpflichtungen, die Arbeitslose, die nicht in Maßnahmen stecken, auch haben: Alle Auflagen sind zu erfüllen, auch die beständigen Bewerbungs- und Melde- und Vorstellungspflichten. Sie werden nicht anders behandelt, nur anders genannt. Sie sind definitiv Arbeitslose.

  2. Keiner wird nach Verlesung der Nachrichten im Fernsehen oder Medienberichten auf der Website der Arbeitsagentur nachgucken. Das stimmt natürlich.

    Für mich ist die Frage wichtiger, ob hinter der Praxis wirklich der Plan steckt, die Leute zu verarschen. Auch wenn es naiv klingt, ich frage mich dabei, ob man uns einfach hinter die Fichte führen will oder ob es nicht gute Gründe dafür gibt. Die Erklärungen an sich liefert die Website der Arbeitsagentur.

    Die meisten kennen die Einzelheiten, weil ständig darüber berichtet wird. In den Medien, einschl. der großen TV-Magazine wurde über dieses Verfahren häufig geklagt.

    Politik und Agentur wären vielleicht klug beraten, immer die höhere Zahl zu nennen. Wie viele sich dann (in der Übergangszeit) wohl darüber aufregen würden, dass die Arbeitslosenzahlen gestiegen sind?

    Auch die Menschen, die »unterschlagen« werden, sind arbeitslos. So viel ist klar.

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